Die größte Fußball-WM aller Zeiten findet in den USA statt – nutzt sie Trump?

Die ÖRR als großer Geldgeber der Fifa kritisieren sie scharf, wollen den Zusehern ein schlechtes Gewissen einreden und überweisemn Zwangsgebühren auf das Konto der korrupten Fifa. In puncto Heuchelei stehen ARD und ZDF der Fifa in nichts nach. Von Fabian Kramer

Screenshot ZDF / Markus Lanz

Alle vier Jahre findet im Sommer die Weltmeisterschaft im Fußball statt. Gebannt sitzen Milliarden während des Turniers vor den Bildschirmen. Die Weltmeisterschaft ist das sportliche Großereignis schlechthin. Die Fifa als Rechteinhaber der Weltmeisterschaft weiß um diesen Umstand. Deshalb ist die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko das größte Fußballturnier aller Zeiten.

Mehr Teilnehmer, mehr Gastgeber und mehr Spiele als jemals zuvor sollen so viel Geld wie nie zuvor in die Kassen der Fifa spülen. Für die leidenschaftlichen Fans rund um den Erdball bedeutet diese Weltmeisterschaft so hohe Kosten wie noch nie. Wer direkt vor Ort im Stadion sein Land anfeuern will, muss tief in den Geldbeutel greifen. Der Fußball entfremdet sich durch die enormen Preise immer mehr von seinen Fans. Die Gier der Fifa ist schier unstillbar.

Politisch gesehen ist diese Endrunde auf dem amerikanischen Kontinent heikel. Die USA unter Donald Trump stehen im militärischen Konflikt mit dem Iran. In Mexiko grassieren Gewalt und mächtige Drogenkartelle sind die eigentlichen Machthaber. Ein sicheres und friedliches Turnier ist alles andere als selbstverständlich. An diesem Donnerstag begann das sportliche Spektakel mit dem Eröffnungsspiel im Aztekenstadion. Die Talkrunde bei Lanz steht deshalb im Zeichen des Balls.

Der Schwerpunkt der Sendung liegt auf den Schattenseiten des Business. Wie üblich wird kein gutes Haar an der Fifa und Donald Trump gelassen. Für ihre kritische Berichterstattung rühmen sich die öffentlich-rechtlichen Sender gerne. Was die öffentlich-rechtlichen Medien aber lieber verschweigen, ist ihre eigene Rolle. Woher kommen die immensen Einnahmen der Fifa? Für die letzte Weltmeisterschaft haben ARD und ZDF geschätzte zweihundert Millionen Euro an die Fifa überwiesen. Damit füttern die Sender genau jenes System, welches sie bei jeder Gelegenheit kritisch hinterfragen. Die Debatte um einen Verzicht auf die TV-Rechte wird konsequent verweigert. Schließlich freuen sich ARD und ZDF über die hohen Quoten während des Turniers.

Der Stadionbesuch wird zum Luxus

Endlich rollt der Ball wieder. Wer allerdings bei der Weltmeisterschaft vor Ort dabei sein will, muss ein fettes Sparschwein plündern. “Die Ticketpreise sind nach oben hin nicht gedeckelt”, ärgert sich der Journalist Markus Feldenkirchen. “Es hat nichts mehr mit dem Fußball von früher zu tun”, kritisiert er. In der Tat ist die Kommerzialisierung des Fußballs im Vergleich zu früher vorangeschritten. Das Turnier auf dem amerikanischen Kontinent steht im Zeichen des Geldes.

Für maximalen Profit tut die Fifa alles. Selbst den Wiederverkauf von Tickets regelt die Fifa. “Man hat den Schwarzmarkt übernommen”, spottet der Sportjournalist Thomas Kistner. Für einen normalen Fan dürfte sich die Frage nach einem Stadionbesuch bei diesem Turnier nicht stellen. “Es ist die teuerste Weltmeisterschaft aller Zeiten für Fans”, kritisiert Markus Feldenkirchen. Die Preispolitik der Fifa könnte auch Folgen haben. Als die Fifa im letzten Jahr die Fifa-Klub-Weltmeisterschaft in den USA austrug, waren viele Spiele gar nicht besucht. In den USA hat der Fußball nicht mal ansatzweise den Stellenwert wie in Deutschland. Es ist deshalb fraglich, ob bei diesem Turnier alle Stadien ausverkauft sein werden. “

Es wird einen Kipppunkt geben”, meint die Journalistin Annett Meiritz. “Die Amerikaner sind nur bis zu einem gewissen Punkt bereit, ihr Geld auszugeben”, mutmaßt sie. “Andere Sportarten spielen eine größere Rolle”, ergänzt Meiritz. Aktuell läuft die Finalserie der NBA. Dort geht es sogar noch teurer zu als bei der Weltmeisterschaft. Für ein Heimspiel im Madison Square Garden mussten die Fans der New York Knicks unfassbare 9.000 Dollar für das günstigste Ticket aufbringen. Die Fifa hat sich offensichtlich die amerikanische Preispolitik abgeschaut.

Trump und die Weltmeisterschaft

Ein großer Fan der Weltmeisterschaft sitzt im Oval Office. Präsident Donald Trump ist stolz auf die Endrunde im eigenen Land. Mit dem Fifa-Präsident Gianni Infantino pflegt Trump einen freundschaftlichen Umgang. “Es ist die Bromance des Jahres”, spottet die Journalistin Annett Meiritz darüber. Als Zeichen der Wertschätzung bekam Donald Trump von Gianni Infantino einen neugeschaffenen Fifa-Friedenspreis. Es ist unklar, nach welchen substantiellen Kriterien der Preis vergeben wurde. In jedem Fall sollte der Preis Donald Trump schmeicheln. “Trump stand als erster Sieger des Fifa-Friedenspreis schon fest”, spekuliert Spiegel-Autor Markus Feldenkirchen. Er findet die Vergabe peinlich. Annett Meiritz weiß aber: “Seine Fans finden Donald Trump authentisch.”

Als alter Showman weiß Trump natürlich, wie eine große Vergabe-Zeremonie mit goldener Trophäe bei vielen Menschen ankommt. Außerdem sind sportliche Großereignisse in den USA sehr populär bei allen Schichten. “Sport ist in den USA weniger polarisiert”, erklärt Annett Meiritz. “Für Anhänger von Donald Trump sind sportliche Events ein Zeichen von Stärke”, weiß die US-Korrespondentin des Handelsblatts zu berichten. Wie stark sich Donald Trump bei der Weltmeisterschaft vor Ort zeigt, hängt vor allem vom Erfolg der US-Boys ab. Trump sucht die Nähe zu den Gewinnern. Ist es mit dem sportlichen Erfolg nicht weit her, dann ist Donald Trump auch nicht daran interessiert.

Alles in allem hat die Talkrunde bei Lanz sehr viel Doppelmoral zu bieten. Die öffentlich-rechtlichen Sender als großer Geldgeber der Fifa kritisieren diese zwar scharf, scheuen aber die Konsequenzen. Es ist paradox, dass die Sender den Zusehern ein schlechtes Gewissen einreden wollen, aber auf der anderen Seite die Zwangsgebühren auf das Konto der korrupten Fifa überweisen. In puncto Heuchelei stehen ARD und ZDF der Fifa in nichts nach.

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