Elon Musk gilt der Linken als gefährlicher Störenfried, seit er aus Twitter wieder einen Ort freierer Rede machte. Nun will SpaceX mit einem historischen Börsengang am 12. Juni die Märkte sprengen: Raketen, Starlink, KI und Rechenzentren im All ergeben ein Hochrisiko-Paket, gegen das zu wetten bisher selten klug war.
picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Matt Rourke
Zu den nicht immer logischen Reflexen einer stramm-linken Haltung gehört es, Elon Musk für gefährlich, irre oder schlicht zu mächtig zu halten. Besonders übel genommen hat man es Elon Musk, dass er 2022 die Social-Media-Plattform Twitter übernahm und sie in X umbenannte. Gründer Jack Dorsey übrigens gab seine Erfindung gerne an Musk ab. Ihm schienen die Zensurvorgaben, die ihm vor allem Zuge der Corona-Krise von Geheimdiensten auf Twitter zugekommen waren, über den Kopf gewachsen zu sein. Seit Musks Übernahme herrscht auf X wieder freie Rede, was viele Linke zur Abwanderung in Blinddärme der Social-Media-Welt wie Bluesky oder Mastodon veranlasste.
Für blankes Entsetzen sorgte dann Musks Einmischung in die deutsche Bundestagswahl. „Only the AfD can save Germany“. Dabei ist Elon Musk vermutlich einer der netteren amerikanischen Tech-Milliardäre – zumindest wirkt er menschlicher. Musk war nie auf Epstein Island, hat anders als Bill Gates auch keine Stiftung, die eine fragwürdige Impf-Agenda verfolgt. Die Tatsache, dass Musk hin und wieder Drogen nimmt und 14 Kinder von vier Frauen hat, deuten eher daraufhin, dass der Ausnahme-Unternehmer ein freier Radikaler ist, der in keine Schublade passt, dem aber immer wieder unglaubliche Dinge gelingen.
Und dazu zählt auch, als erster Unternehmer den Raumflug erfolgreich kommerzialiert zu haben. Am 16. Juni wird die Aktie von SpaxeX an den Handel gehen. Das Unternehmen plant ein Emissionsvolumen von rund 75 Milliarden US-Dollar – ein Betrag, der selbst die bisherigen Rekorde weit in den Schatten stellen würde. Damit könnte SpaceX nicht nur zum größten IPO aller Zeiten avancieren, sondern auch die Bewertungsschwelle von zwei Billionen Dollar überschreiten. Musk könnte damit der erste Billionär werden.
SpaceX wurde 2002 von Elon Musk gegründet. Den eigentlichen Durchbruch erlebte das Unternehmen jedoch erst ab 2010, als die NASA den kommerziellen Markt für Raumtransporte öffnete. Musk revolutionierte die Branche mit wiederverwendbaren Raketen und senkte die Kosten für Satellitenstarts dramatisch. Erst seit Kurzem versuchen nun europäische Unternehmen nachzuziehen – bisher mit bescheidenem Erfolg.
Trotzdem die Frage: Übernimmt sich Musk dieses Mal? 2025 machte SpaceX einen Umsatz von 18,7 Milliarden Dollar – bei einem gleichzeitigen Jahresverlust von 4,9 Milliarden Dollar. Dazu muss man wissen, dass sich das Unternehmen in drei Teile gliedert.
Die Raketenstarts, „Launch Services“, sind das eigentliche Kerngeschäft. Mit rund vier Milliarden Dollar Umsatz trägt der Bereich etwa 22 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Aktuell schreibt er einen Verlust von rund 600 Millionen Dollar – vor allem wegen hoher Entwicklungskosten für die neue Großrakete Starship, die ab der zweiten Jahreshälfte deutlich mehr Satelliten pro Start ins All befördern soll.
Der Satelliten-Internetdienst Starlink ist mit Abstand der profitabelste Pfeiler. Allein im Jahr 2025 generierte Starlink elf Milliarden Dollar Umsatz bei einer EBITDA-Marge von rund 63 Prozent. Das Geschäft wächst dynamisch und gilt als Cash-Cow des Konzerns.
Besonders interessant wird es beim dritten Unternehmensteil xAi – der ist aktuell der größte Verlustbringer. Das Segment, das Grok-Abonnements, X-Datenlizenzierungen und erste KI-Infrastruktur-Deals umfasst, verursacht jährliche Verluste von über sechs Milliarden Dollar. Dennoch ist xAI der zentrale Treiber der hohen Bewertung. Investoren setzen darauf, dass SpaceX durch die einzigartige Kombination aus Raketentechnologie, globalem Satellitennetz und Künstlicher Intelligenz einen entscheidenden Vorteil bei der nächsten Generation der KI-Infrastruktur erzielt – insbesondere durch geplante „Orbital Data Centers“, also Rechenzentren im Weltraum.
Die Aktie wird am 12. Juni unter dem Ticker SPCX gelistet und dürfte unmittelbar in wichtige Indizes wie den Nasdaq 100 und potenziell den S&P 500 aufgenommen werden. Das könnte den Kurs prinzipiell unterstützen, da viele Anleger das Gesamtpaket als ETF erwerben.
Die zentrale Frage für Privatanleger lautet: Lohnt sich der Einstieg? Viele Investoren tun sich schwer mit einer klaren Antwort. Einerseits spricht die beeindruckende Erfolgsbilanz Elon Musks dafür, nicht gegen das Unternehmen zu wetten: Projekte, die zunächst als unmöglich galten, wurden mehrfach realisiert. Zudem sorgt die automatische Aufnahme in große Indizes für strukturellen Kaufdruck – zahlreiche passive Fonds und Sparpläne werden die Aktie automatisch nachkaufen.
Andererseits gibt es erhebliche Risiken. IPOs großer Tech-Unternehmen gehen häufig mit starker Vorab-Euphorie einher, gefolgt von einem „Buy the rumor, sell the news“-Effekt. Hinzu kommt das Phänomen der „Exit Liquidity“: Frühe Investoren und Insider nutzen den Börsengang oft, um Anteile abzustoßen – zu Lasten neu hinzuströmender Privatanleger. Die hohe Medienpräsenz rund um Elon Musk dürfte zusätzliche Privatanleger anlocken und den Hype weiter anheizen.
Ein realistisches Szenario: Die Aktie könnte unmittelbar nach dem IPO zunächst steigen, anschließend für mehrere Monate korrigieren und sich erst mittel- bis langfristig als solides Investment etablieren. Wer nicht in den anfänglichen Hype einsteigen möchte, könnte daher auf einen günstigeren Einstieg nach dem ersten Korrekturzyklus warten.
Bisher aber ging es immer schlecht aus, gegen das Genie von Elon Musk zu wetten.



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Musk ist für mich ein Genie. Was er aus X gemacht hat, gefällt mir sehr. Aber ich weiß trotzdem nicht, wie ich ihn einordnen soll. Und ein E-Auto würde ich niemals fahren, selbst wenn man es mir schenken würde.