Kommt spät, geht früh, liest gern großgedruckt: Alexander Neubacher zerlegt „Bremse“ Bärbel Bas im Spiegel in wenigen Sätzen mit Kinski-Peitschen-Wucht.
picture alliance / Chris Emil Janßen
Alexander Neubacher braucht in seiner Spiegel-Kolumne nur wenige Zeilen, um Bärbel Bas politisch vollständig zu erledigen. Ein kurzer, harter Text, bei dem einem die Ohren schlackern und die Wände wackeln. Die SPD-Vorsitzende und Bundesarbeitsministerin, heißt es aus ihrem Ministerium, komme spät, gehe früh und lese statt Akten lieber Zusammenfassungen in Schriftgröße 16 auf maximal zwei Blatt. Im ersten Absatz: die komplette Vernichtung. Damit ist eigentlich alles gesagt. Der Rest ist nur noch die amtliche Ausführung einer Pointe, die für eine Person in der Position einer Arbeitsministerin politisch tödlich ist.
Dabei kommt Bas in ihrer kurzen Zeit im Amt bereits auf eine erstaunlich lange Kilometerzahl an Aussagen, für die sie entlassen oder aus dem Amt gejagt hätte werden müssen. Auf dem Juso-Kongress erzählte sie von ihrem Besuch beim Arbeitgebertag und erklärte, dort sei ihr klar geworden, „gegen wen wir eigentlich gemeinsam kämpfen müssen“. Die Arbeitsministerin der Bundesrepublik, die Arbeitgeber politisch zum Gegner markiert: also jene, die Betriebe führen, Löhne zahlen, Sozialbeiträge abführen und den ganzen Umverteilungsapparat finanzieren, aus dem die SPD ihre Moral schöpft. Rainer Dulger nannte das einen beispiellosen Aufruf zum Kampf gegen Arbeitgeber. Bas führt ihr Amt mit Klassenkampf-Mindset und -Vokabular.
Dazu passt ihr beispiellos dummes Gerede über „Männer in Maßanzügen“. Bas spricht über Wirtschaft, als seien Arbeitgeber störende Figuren in einem sozialistischen Planspiel. Dabei hängen Arbeitsplätze, Löhne, Investitionen und Steuereinnahmen nicht an Funktionärsreden, sondern an Unternehmen, die im wirklichen Leben Risiken tragen.
Dann kam noch ihr spektakulärer „Einheitsbraun“-Auftritt beim Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“. Dort warb Bas für Zuwanderung nicht nur als Fachkräftefrage, sondern auch als gesellschaftliches Programm. Hängen blieb ihr Wort vom „Einheitsbraun“. Das ist der wahre Sound dieser SPD: Bürger, die Massenzuwanderung, Rekordeinbürgerungen, steigende Sozialkosten und kulturelle Verdrängung nicht mehr hinnehmen wollen, werden von dieser feisten Kaste als Rassisten und Faschisten deklariert. So redet keine Ministerin, die ein Land zusammenhalten will. So redet eine kommunistische Parteivorsitzende, die ihre alte Wählerschaft abgeschrieben hat und sich beim neuen bevorzugten Neubürger-Milieu anbiedert.
Eine Ministerin, die für Arbeit zuständig ist, wird ausgerechnet über ihren eigenen Arbeitsstil beschrieben: spät kommen, früh gehen, wenig lesen, am liebsten bitte groß gedruckt. Man reibt sich die Augen und liest nochmal. Nochmal nach oben Scrollen. Ist man wirklich einem Link zum Spiegel gefolgt? Ja. Und damit bekommen die vernichtenden Zeilen Neubachers nochmal einen extra Drall, der Bärbel wie bei einem Baseball-Spiel bei Charlie Brown mit Effet in den Staub katapultiert.
Es reicht, sich vorzustellen, ein normaler Angestellter erklärte seinem Chef, er fühle sich durch Akten überfordert, bevorzuge Kurzfassungen in Seniorenschrift und habe zur Reform seiner eigenen Aufgaben leider keine Lust. Er bekäme kein Ministerium. Er bekäme ein Personalgespräch.
Bas soll nun eine Reform des Arbeitszeitgesetzes vorlegen. Sie tut das mit der Begeisterung eines Menschen, dem man versehentlich einen Aktenordner statt eines Parteitagsmikrofons gereicht hat. „Wenn es nach der SPD und nach mir persönlich geht, fassen wir das Thema Arbeitszeit gar nicht erst an“, sagt sie. Leider stehe es im Koalitionsvertrag. Die Ministerin muss also arbeiten, aber Lust hat sie keine.
Nicht, dass man all das nicht vermutet hätte, aber es ist doch mal schön, wenn dieser Eindruck auch auf der anderen Seite des publizistischen Spektrums bestätigt wird.
Neubacher beschreibt keine ideologische Großschlacht, sondern eine sehr kleine Amtsauffassung in einem sehr großen Ressort. Deutschland ächzt unter Sozialabgaben, Bürgergeldkosten, Fachkräftemangel, Bürokratielasten und einer Wirtschaft, die wieder lernen müsste, dass Arbeit kein historisches Missverständnis ist. An dieser Stelle sitzt Bärbel Bas und wirkt, als wolle sie den Eingang zum Maschinenraum mit einem SPD-Ortsvereinsbeschluss verriegeln.
Die geplante Arbeitszeitreform ist dabei ziemlich harmlos. Statt starrer Tageshöchstarbeitszeit soll künftig stärker die Wochenarbeitszeit zählen. Wer 40 Stunden in vier Tagen erledigen will, könnte das leichter tun. Zehn Stunden am Tag, dafür drei Tage frei. Für viele Beschäftigte klingt das weniger nach Manchester-Kapitalismus als nach einem sehr praktischen Wochenende. Für Bas klingt es offenbar nach Sozialabbau mit Stechuhr.
Neubacher liefert die Zahlen dazu gleich mit. 57 Prozent der Deutschen finden mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit wünschenswert. Bei den SPD-Anhängern sind es sogar 61 Prozent. Das ist für die Parteiführung besonders unerfreulich. Die eigene Anhängerschaft ist schon weiter als die Vorsitzende. Die SPD verteidigt ein Denkmal, vor dem ihre Wähler längst nicht mehr ehrfürchtig stehen bleiben.
Natürlich wird dann der Acht-Stunden-Tag beschworen. Vor über 100 Jahren erkämpft, sozialdemokratische Herzkammer, Fahnen, Lieder, Arbeiterbewegung. Alles sehr schön fürs Museum. Neubacher erinnert an das kleine Detail, das in der SPD-Erzählung gern unter den Tisch fällt: Damals gab es keine Fünftagewoche, sondern die Sechstagewoche. Wer heute so tut, als sei jede flexiblere Verteilung von 40 Stunden ein Verrat an der Geschichte, verwechselt Regierung mit Traditionsverein.
Bas hat diesen Reflex bereits beim Bürgergeld vorgeführt. Auch dort durfte sich kaum etwas ändern. Mehr als der Name sollte möglichst nicht wackeln. Bei der geplanten Sozialstaatsreform gab sie ihrer Expertenkommission mit auf den Weg, Leistungskürzungen seien tabu.
So entsteht das Bas-Prinzip: Arbeit soll geschützt werden, indem man sie unflexibel hält. Der Sozialstaat soll reformiert werden, indem man die teuersten Fragen ausklammert. Die Arbeitszeit soll modernisiert werden, indem die zuständige Ministerin erklärt, sie hätte das Thema lieber gar nicht auf dem Tisch. Daraus könnte man ein Kabarettprogramm machen, wenn es nicht das Bundesarbeitsministerium wäre.
Auch Neubachers Schluss fällt vernichtend aus: Bei Bas wäre man schon froh, wenn sie wenigstens halbtags zum Gelingen beitrüge. Diese Pointe trifft so hart, weil sie die ganze Figur in einem Satz beschreibt. Eine Arbeitsministerin, deren Reformbeitrag bereits als Teilzeit-Hoffnung formuliert wird, hat ein Autoritätsproblem. Und eine SPD, die eine solche Ministerin zur Vorsitzenden macht, hat offenbar ein Auswahlproblem.
Neubacher hat die Stelle gefunden, an der die Pose der sozialen Schutzmacht in sich zusammensackt: beim eigenen Arbeitsethos. Wer spät kommt, früh geht, Akten scheut und Reformen ungern anfasst, sollte vorsichtig sein, wenn er dem Land erklären will, wie Arbeit organisiert werden muss. Bas ist in dieser Kolumne nicht Opfer einer bösen Zuspitzung. Sie ist die perfekte Besetzung für ein Ministerium, das Reformen ankündigt und schon beim Lesen der Unterlagen ermüdet.

Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Hosenanzüge kommen wohl etwas aus der Mode?
High Noon:
Mir würde ein Duell zwischen Bärbel Bas und Alice Weidel Spaß machen.
Warum das nicht zustande kommt?
Num, weil unser Staatsfernsehen solche Figuren wie Bärbel Bas unzerstützt und schützt.
Ob Bas oder Lackaffe Merz und seine CDU, aus meiner Sicht trifft es bei beiden zu: „Die Parteien sind Irrenanstalten in welchen die borniertesten Patienten auch noch die Leitung der Institute übernommen haben.“. Zusammengefasst: alle Kartellparteien haben das gleiche unlösbare Problem.
Früher habe ich immer die redenschwingenden Politiker, die eine Stunde reden konnten, ohne daß ich auch nur irgendetwas herausnehmen konnte, bewundert. Wenn man sich selbst dazu nicht fähig hält, ist das so. Ich wäre mit Fakten gekommen. Daß man aber als intellektuell wirklich mediocre die große politische Karriere machen kann, erstaunt mich, oder auch nicht. Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf aus. Jeder Chef muß klügere Leute als er selbst unten halten, damit er auf seinem Sessel bleibt, denn die klügeren werden seinen Sessel nicht hochheben.
Mit dieser Beschreibung passt die Ministerin Bärbel Bas zum deutschen Wahlvolk wie die Faust aufs Auge: Schlichter Geist mit äußerst begrenztem Horizont trifft auf Schafsherde, die den Zusammenhang zwischen Schäfer, Hund und Schlachter nicht begreift.
„Einheitsbraun“ und „neuer Mensch“, das sind Begriffe des Kommunismus, unverschämterweise u. entlarvend von Bas angewandt, und schlimmer noch, das erinnert an Mao, an den mit dem „großen Sprung“, der letztlich um 100 Mio. Chinesen – eher erheblich mehr – das Leben gekostet hat. Auch der wollte, wie grundsätzlich dem Kommunismus als zwingendes Programm immanent, einen „neuen Menschen“ schaffen, auch der ließ massenhaft ermorden, wie Stalin und weitere, nahm die Existenzgrundlage aller, die nicht glühend mit ihm liefen und wie die freigelassenen Kettenhunde gegen alle anderen tobten. Hier haben wir diverse NGOs und andere Mitläufer, die Gesetze ausbaldowern, mit denen alle… Mehr
Folgende Fragen bleiben offen: Wie und warum kam Bas überhaupt in Regierungsverantwortung? Warum ist Bas nach ihrer diskriminierenden Entgleisung noch immer im Amt? Welche Zielsetzung gilt für ihr politisches Handeln? Warum lässt der Souverän es zu, dass ihm solche Politfiguren wie Bas auf der Tasche liegen? Wer wird diese politmediale, feindselige Nasenring-Führung durch die Manege, die mit Ausbeutung, Verarschung, Freiheitsentzug und Drangsalierung des Souveräns einhergeht, endlich beenden?
Keine Maßregelung des Regierungschefs, keine Missbilligung der CDU/CSU,
keine Kommentare der etablierten Mainstream Medien…
Politik und Medien behalten ihren Kurs trotzdem bei und suggerieren, daß nicht die Protagonisten, sondern deren Kritiker die eigentliche Gefahrenquelle darstellen.
Im Übrigen sollen die Risiken der „Vielfalt“ durch noch mehr „Vielfalt“ verringert werden, so wie die Risiken und Nebenwirkungen des real existierenden Sozialismus damit entschuldigt wurden, dass noch viel zu wenig Sozialismus herrsche.
Das ist der „Modus Operandi“ des politischen Systems der Republik.
Durch Wahlen von Repräsentanten in zusammenarbeit mit „Parteien“ werden mit der Zeit nur noch Karrieristen, Sozio- und Psychopathen, Mitläufer, Selbstvermarkter und Nichtskönner an die Spitz „gewählt“. Im Hintergrund stehen die Oligarchen, die die Wahlkampfes finanzieren und die Medien kontrollieren.
Dieses Phänomen sieht man gesamten „freien Westen“
Frau Bas liest wenigsten noch Zusammenfassung.
Trump liest gar nicht und läßt sich jeden Tag durch ein 2 Minuten Clip wie bei FOX News, briefen.
Nebenbei hat er von sich eine vergoldetet Statue anfertigen und von diversen „Priestern“ segnen lassen.
Die an Sozialismus erkrankte SED-Schwesterpartei SPD ist schlicht verfassungsfeindlich und gehört, wie die SED, verboten.
Da das BVerfG in CDU-Gewalt sich befindet und schlicht versagend seinen eigentlichen Aufgaben nicht nachkommt, erfolgt dieses überfällige Verbieten durch das Volk direkt per Stimmverweigerung an der Wahlurne.
Und dieser Prozess ohne Prozess ist unaufhaltsam.