Ferrari stellt mit „Luce“ sein erstes vollelektrisches Serienmodell vor. Technisch ist der Stromer beeindruckend, doch viele Fans sehen in ihm keine Zukunft, sondern einen lautlosen Angriff auf den Mythos von Maranello. Wenn der Ferrari plötzlich summt wie ein Designer-Kühlschrank.
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In Maranello bebt der Asphalt. Nicht wegen eines kreischenden Zwölfzylinders, sondern wegen bedrückender Stille. Ferrari hat mit der neuen „Luce“ sein erstes vollelektrisches Serienmodell vorgestellt: einen mattblauen, fünftürigen 1.050-PS-Stromgleiter mit 122-kWh-Batterie, 800-Volt-Architektur und dem Charisma eines sehr teuren Apple-Geräts auf Rädern.
Das Internet reagiert erwartbar hysterisch. Die einen feiern die „Zukunft“, die anderen basteln Memes. Auf X kursieren bereits Bilder eines Ferrari mit Verlängerungskabel vor einer Eisdiele in Mailand. Ein anderes Meme zeigt einen buddhistisch meditierenden Ferrari-Fahrer mit der Bildunterschrift: „Endlich hört man beim Fahren die eigenen Existenzängste.“
Und tatsächlich: Die neue „Luce“, also Licht, wirkt weniger wie ein romantisch-traditioneller Ferrari, sondern eher wie das Abschlussprojekt einer Elitehochschule für nachhaltiges Luxusdesign. Alles ist perfekt, glatt, effizient, emissionsarm und emotional dennoch umso steriler. Ferrari wollte Licht ins Klimadunkel bringen. Heraus kam für viele Fans und Liebhaber eher eine Kerze am Grabmal des Verbrennungsmotors.
Luca di Montezemolo – der letzte Aristokrat von Maranello
Doch dann sprach einer, bei dem in Italien selbst gestandene Industrielle kurz den Espresso abstellen: Luca Cordero di Montezemolo. Nunmehr 78 Jahre alt, elegant wie ein römischer Staatsmann alter Schule, geistig wach wie ein ambitionierter Vierzigjähriger und noch immer mit Benzin im Blut. Wenn Montezemolo redet, hören in Italien sogar jene zu, die sonst nur auf Aktienkurse starren.
Und der langjährige Ferrari-Chef fand für die elektrische „Luce“ nur eisigen Spott. Er warnte vor der „Zerstörung eines Mythos“. Mehr noch: Hoffentlich, sagte er sinngemäß, nehme man wenigstens das Cavallino, das springende Ross, vom Fahrzeug herunter. Das saß. An der Börse sackte die Ferrari-Aktie prompt ab. In Maranello dürfte man das Geräusch fallender Kurse inzwischen deutlicher gehört haben als den neuen Elektro-Ferrari selbst.
Montezemolo ist eben kein gewöhnlicher Ex-Manager. Er ist eine Institution. Ein piemontesischer Aristokrat aus altem Adel, erzogen im Pflichtgefühl gegenüber Stil, Verantwortung und Leistung. Er schloss sein Studium der Rechtswissenschaften an der Sapienza Università di Roma mit summa cum laude ab, organisierte die Fußball-WM 1990, sanierte einst Fiat en passant, baute Unternehmen um und führte Ferrari zu Weltruhm.
Vor allem aber verstand er etwas, das moderne Strategieberater nur noch in PowerPoint-Folien simulieren können: Mythos.
Enzo Ferrari selbst entdeckte Montezemolo einst durch eine Radiosendung. Während andere Anrufer Ferrari schlechtredeten, verteidigte der junge Jurastudent leidenschaftlich den Rennsport. Der alte „Commendatore“ hörte zu und holte ihn nach Maranello. Der Rest wurde italienische Industriegeschichte.
Mit Niki Lauda gewann Ferrari Mitte der siebziger Jahre Fahrer- und Konstrukteurstitel zurück. Ferrari war damals keine Marke. Ferrari war Religion mit Auspuffanlage. Michael Schumacher, mehrmaliger Formel-1-Weltmeister, entschied sich ganz bewusst dafür, für den Mythos Ferrari zu fahren.
Klima-Religion trifft auf italienische Seele
Nun also die „Luce“. Der Name allein klingt schon eher nach Wellnesshotel in Südtirol als nach Supersportwagen. „Licht“. Früher hießen Ferraris Testarossa, F40 oder Enzo. Namen wie emotionale Faustschläge auf den Tisch. Heute klingt das neue E-Spitzenmodell wie eine Designlampe aus Mailand.
Natürlich ist das Fahrzeug technisch beeindruckend. 530 Kilometer Reichweite. Über 60 neue Patente. Ladeleistung bis 350 kW. Ingenieurskunst auf höchstem Niveau. Niemand bestreitet das.
Aber genau darin liegt das Problem.
Ferrari, das wissen Fans, Sammler und Liebhaber, war nie bloß Technik. Ferrari war Theater. Drama. Mechanische Leidenschaft. Der heisere Kaltstart in einer Tiefgarage. Das Vibrieren des Lenkrads. Das Gefühl, dass hinter dem Motor ein leicht verrückter italienischer Ingenieur mit Zigarette und Temperament steckt.
Die „Luce“ dagegen wirkt wie ein Fahrzeug, das von ESG-Beratern, Klimaabteilungen und Unternehmensjuristen gemeinsam abgenommen wurde.
Sicher doch, die Welt verändert sich. Das Zeitalter nach Greta. Auch Ferrari muss sich verändern. Wirklich? Marken leben nicht allein von Innovation, sondern von Identität. Ein elektrischer Ferrari ist technisch möglich. Emotional aber bleibt er für viele ein Widerspruch wie alkoholfreier Grappa oder eine Oper ohne Stimme.
Luca di Montezemolo, heute auch als Berater und hochdotierter Redner gefragt, verstand genau das. Deshalb verehren ihn bis heute Millionen Italiener. Umfragen zufolge hätten ihn noch vor wenigen Jahren viele sogar lieber als Ministerpräsident gesehen. Nicht weil er laut war, sondern weil er italienische Exzellenz verkörperte: Eleganz ohne Protzerei, Autorität ohne Hysterie, Erfolg ohne Silicon-Valley-Geschwätz.
Er sagte einmal vor vielen Studenten an einer Universität, das Geheimnis großer Unternehmen seien zuerst die Menschen, dann das Produkt und erst danach die Kunden. Heute scheint es oft umgekehrt.
Die „Luce“ mag die Zukunft sein. Möglich. Vielleicht verkauft sie sich hervorragend. Vielleicht begeistert sie neue Käufer in Kalifornien, Shanghai und Dubai. Aber auch das meinte Montezemolo: der einzige Vorteil? Dieser Wagen werde von den Chinesen sicher nicht kopiert. Neue Käuferschichten, die ihr Gewissen mit einem seelenlosen Ferrari beruhigen?
Doch irgendwo in Maranello sitzt vermutlich noch immer ein alter Mechaniker, hört die lautlose Luxusmaschine vorbeigleiten und denkt sich dabei nur: eine bella macchina vielleicht. Aber ein echter Ferrari war früher ein ganz anderes Lebensgefühl.

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328 GTB/S, Testarossa, F40, Enzo werden ewig leben. Beim Luce werden schon sehr bald die Lichtlein ausgehen. Multi-Multi-Millionäre werden sich einen vollelektrischen „Rimac“ (Mit-Eigentümer von Bugatti) als Fünft-Spielzeug in die Tiefgarage stellen aber doch nicht solch eine überteuerte designerische Missgeburt. Dieses Fahrzeug ist so dermaßen grottenhässlich, daß das bloße Ansehen schon wehtut. Null Emotionen, NULL!!
Doch, ich. 530 km Reichweite aber nur wenn man ihn so fährt wie meine Frau ihren Toyota Aygo…. Dafür kauft aber niemand einen Ferrari…
350 kW Ladestation, so etwas findet man nur am Mittelspannungsnetz in einer Industriezone, also genau das richtige Umfeld für Ferrarifahrer. An der klassischen 11 kW Ladestation dauert das Aufladen gerne 9 Stunden. Viel Zeit um auf der Terrasse Cappuccino zu schlürfen. Das Ding ist eine Totgeburt….
Genau denselben Fehler hat Porsche schon längst hinter sich- aber halt typisch deutsch, brachial mit mehreren Modellen; prompt erfolgte der Absturz; Ursachenforschung bei uns wie immer: zu spät auf den falschen Weg abgebogen!
Ferrari hat rein gar nichts mit Vernunft zu tun und natürlich kann man sich auch elektrisch fortbewegen.
Nein, hierbei geht es um ein Lebensgefühl und Emotionen, ähnlich wie in der Kunst.
So wie manche Kunst nicht jedem zugänglich ist, versteht auch nicht jeder, welches Glücksgefühl damit verbunden sein kann, weil eben nicht jeder diese „Sensoren“ dafür besitzt.
Luca di Montezemolo hat es auf den Punkt gebracht: Das stolze springende Ross muss herunter von diesem Fahrzeug!
Wenn man auf einen E-Roller „Harley Davidson“ schreibt, wird er dann zur Harley?
Aus dem Jaguar – Debakel nichts gelernt. Das mögen sich ein paar Leute gönnen, denen die Scheine aus den korrupten Taschen quillen, ein Sportwagen, den man auch mal aufheulen lässt, ist….naja. It´s all over now, Baby.
Das Gute für denjenigen der sich wirklich für dieses Auto interessiert: Es wird keine Wartelisten geben, sondern eine schnelle Verfügbarkeit. Das liegt weniger am Elektroantrieb als solches, sondern eher daran, dass das Auto ästhetisch misslungen ist. Da denke ich beim Ansehen eher an einen Toyota Mirai als an einen Ferrari. Die Fahrleistungen bekommt man mit einem Xiaomi SU7, zu einem Sechstel des Preises, zudem sieht der aus meiner Sicht auch besser aus. Rolls-Royce macht es mit dem Spectre vor, dass man Elektroautos auch ansprechend gestalten kann, aus Sicht der superreichen Kundschaft. Dieses Auto ist ein vorhersehbarer Misserfolg, und es wird… Mehr
Natürlich wird dieses Fahrzeug in China nicht kopiert – denn die haben jetzt schon bessere Elektro-Schüsseln!
Wäre ich Milliardär, würde ich den „Luce“ sofort in meine Sammlung exotischer Fahrzeuge aufnehmen.
A Errari is born! 😅
Real-Talk! Ehemaliger Ferrari-Chef Montezemolo über den neue elektrischen Ferrari „Luce„:
„Ich kann nicht sagen, was ich wirklich denke: Ich würde Ferrari schaden. Wir riskieren die Zerstörung einer Legende. So schade. Nehmt das Springende Pferd runter. Wenigstens werden die Chinesen dieses Auto nicht kopieren”
La Gazetta Ferrari
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