Bei Illner: Deutschland ist größter Geber der Ukraine

Der ukrainische Präsident lobt bei Maybrit Illner die deutsche Solidarität. Kein Wunder: Selenskyjs Worte für mehr Zusammenarbeit und Unterstützung stoßen beim Bundeskanzler auf offene Ohren. Ein schneller EU-Beitritt ist Ziel der Ukraine. Selenskyj kann auch deshalb auftrumpfen, weil die Moderatorin kaum kritisch interveniert. Von Fabian Kramer

Screenprint: ZDF / Maybrit Illner

Gebannt blickt die internationale Staatengemeinschaft derzeit in Richtung Naher Osten. Die blockierte Straße Hormus steht im Zentrum des Interesses der Weltöffentlichkeit. An den seit Jahren andauernden Krieg in der Ukraine wird aktuell weit weniger gedacht. Dabei hat der Krieg nicht an Brutalität und Zerstörungskraft verloren. Eine zeitnahe militärische oder diplomatische Lösung des Krieges ist nicht in Sicht. Da die USA nun im Nahen Osten ihre Kapazitäten binden müssen, hat die Ukraine bei Uncle Sam noch weniger Priorität als vor dem Angriff auf den Iran.

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Auch die Europäer sind im Moment mehr damit beschäftigt, den Energiekosten-Schock zu verdauen, als sich um die Ukraine zu kümmern. Alles in allem sind es schwierige Zeiten für das osteuropäische Land. Immerhin kann sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Deutschland verlassen. Bei seinem Besuch bei Friedrich Merz wirbt Selenskyj für mehr Zusammenarbeit und mehr Unterstützung. Seine Worte stoßen beim Bundeskanzler auf offene Ohren, der seit Kriegsbeginn ein eifriger Unterstützer der Ukraine ist.

Teil des Besuchs in Deutschland ist auch ein exklusives Interview mit Maybrit Illner. Selenskyj wirkt in dem Interview erstaunlich selbstbewusst. Obwohl die Ukraine am finanziellen Tropf der EU und insbesondere der Bundesrepublik hängt, sieht sich Selenskyj auf Augenhöhe. Das ukrainische Staatsoberhaupt kann auch deshalb auftrumpfen, weil die Moderatorin kaum kritisch interveniert. Grassierende Korruption und innenpolitische Kritik der ukrainischen Opposition sind kein Thema. Wenn Selenskyj von der Erfüllung der EU-Beitrittsbedingungen spricht, lässt Illner ihn einfach gewähren, obwohl das Land so gut wie keine Bedingung erfüllt. Das Interview ist mehr Hofberichterstattung als knallharte Fragerunde.

Deutschland zahlt die Zeche

Ohne Moos ist nichts los. Diese Volksweisheit gilt besonders für ein Land wie die Ukraine. Wer sich im Krieg befindet und bei dem große Teile der erwerbsfähigen Bevölkerung entweder an der Front kämpfen oder im Ausland verweilen, hat ein Problem mit der staatlichen Refinanzierung. Sowohl der zivile als auch der militärische Haushalt der Ukraine speisen sich zu großen Teilen aus finanziellen Zuwendungen der europäischen Länder. „Deutschland ist der größte Partner der Ukraine in Europa“, stellt Wolodymyr Selenskyj klar. Aber nicht nur auf Europa bezogen, gilt diese Aussage. „Deutschland macht mehr als alle anderen“, erklärt der ukrainische Präsident.

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Ohne Friedrich Merz als Unterstützer und Fürsprecher hätte es Selenskyj vermutlich deutlich unangenehmer als ohnehin. Die Bundesregierung ist engster Verbündeter und hauptsächlicher Geldgeber der Ukraine. Amerika ist als Geldquelle seit Trumps zweiter Amtszeit weggebrochen. Auch militärisch könnten die USA die Ukraine in Zukunft weniger unterstützen, da der volle militärische Fokus der Trump Administration auf dem Iran liegt. Raketen, die die Ukraine hätten schützen können, wurden nun von Israel und den Verbündeten verschossen. Die Lage in der Ukraine wird dadurch verschärft.

„Waffen sind eine sensible Frage“, meint Selenskyj zu den fehlenden Abwehrraketen. Trotz allem möchte sich Selenskyj nicht als Bittsteller präsentieren. „Wir möchten die Straße von Hormus entsperren“, verkündet er. An diesem Punkt dürfte der geneigte Zuseher vor dem TV-Endgerät schmunzeln. An Selbstbewusstsein scheint es Selenskyj nicht zu fehlen. Doch es ist ein schmaler Grat hin zur Selbstüberschätzung. Wenn selbst die hochgerüstete US-Armee an ihre Grenzen gerät, dürfte es für die ukrainische Armee eine unmögliche Aufgabe sein.

Schnell rein in die EU

Die EU als gelobtes Land? Zumindest in Kiew träumt die führende politische Klasse süße Träume von Brüssel. „Wir wünschen uns einen EU-Beitritt“, bekräftigt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Forderung seines Landes nach einem zügigen EU-Beitritt. Die Ukraine habe so schnell wie kein anderer Beitrittskandidat den Brüsseler Kriterienkatalog abgearbeitet, so Selenskyj weiter. An dieser Aussage darf gezweifelt werden. Bei Selenskyj ist der Wunsch der Vater des Gedanken.

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In der Realität hat die Ukraine so gut wie kein Kriterium der EU für einen Beitritt erfüllt. Das Rechtssystem ist nicht auf europäischem Niveau. Ökonomisch ist das osteuropäische Land nicht wettbewerbsfähig. Hinzu kommt eine überbordende Korruption, die fest im Land verwurzelt ist. Die Ukraine hat zwar Reformanstrengungen unternommen, ist aber noch Jahrzehnte von einer Mitgliedschaft entfernt. Außerdem wird die EU, solange der Krieg andauert, kein Land in die Gemeinschaft aufnehmen, welchem man militärisch beistehen müsste. Ein Ende des Krieges ist die erste Voraussetzung für einen Beitritt.

Mit Friedrich Merz hat Wolodymyr Selensyj bei seinem Besuch aber nicht nur über die EU-Perspektive gesprochen. Über eine Million Ukrainer leben in Deutschland. Viele beziehen staatliche Transferleistungen und leben von der Grundsicherung. Darunter sind hunderttausende ukrainische Männer, die eigentlich für ihr Land kämpfen müssten. „Ukrainer haben das Recht, ihr Land zu verlassen“, erklärt Selenskyj. Er verstünde zwar, dass die Ukrainer für den deutschen Staat eine finanzielle Belastung seien, doch könne er nichts machen. „Die Aufgabe ist zu schwer“, meint der Präsident.

Allerdings hofft das ukrainische Staatsoberhaupt auf eine Heimkehr seiner Landsleute. „Ich wünsche, dass die Ukrainer zurückkehren“, bekräftigt Selenskyj. Doch je länger der Krieg andauert, desto unwahrscheinlicher dürfte es werden, dass viele Ukrainer wieder heimkehren. Die Annehmlichkeiten des deutschen Wohlfahrtsstaates tun ihr Übriges.

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Kommentare ( 89 )

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Moses
4 Tage her

Ein Beitritt der Ukraine zur EU in naher Zukunft ist höchst zweifelhaft, und Deutschland kommt das schon heute sehr teuer zu stehen.
ABER! Sowohl diejenigen, die die Situation verstehen, als auch diejenigen, die nur glauben, etwas zu verstehen, sollten eines klar begreifen: Wenn die Ukraine standhält, kann Europa ruhig schlafen. Wenn die Ukraine fällt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Russland die osteuropäischen Länder angreift.

Monika Vogel
4 Tage her

„Sie hassen Deutschland., sagte A. Weidel im BT zu den Altparteien. Besser als an den deutschen Milliardenzahlungen an die Ukraine (94 Milliarden in 4 Jahren) lässt sich Weidels knallharter Vorwurf nicht belegen. Die Deutschen werden arm gemacht (das Ziel ist noch nicht erreicht), verhöhnt und dafür werden die Kriegstüchtigen von ihren Untertanen auch noch gewählt. M. E . eine Form von Wahnsinn.

Der-Michel
4 Tage her

Nicht jeder Ukrainer der heimkehr muss als Soldat dienen. Auch in der Industrie, bei Feuerwehr, Zivilschutz und anderen Arbeitgebern sind die Arbeitskräfte Mangelware. Weiters ist bei einem weiteren Verbleib davon auszugehen, dass nach dem Krieg jede Menge an verletzten und traumatisierten Kriegsteilnehmer nach Deutschland kommen und hier „Familienzusammenführung“ machen. Das wird unsere Sozialsysteme noch weiter ausbluten. An die Folgen in der Kriminalitätsstatistik will ich erst gar nicht denken.

Dartagnan
4 Tage her

Deutschland 2026 Kein Geld um die Steuerzahler zu entlasten, aber jede Menge Geld für den grünen Zwerg der ein Land zugrunde richtet und dabei sich und seine Freunde bereichert. Wenn man den ganzen Spaß nicht bezahlen würde, wäre es noch lustig. So macht es nur noch fassungslos, dass 11+x Milliarden deutsche Steuergelder für dieses gescheiterte US Stellvertreterkrieg mit 2+x Millionen Toten Ukrainer verpulvert werden, ganz zu schweigen von den Kosten für das Bürgergeld. Aber, das scheint nur ein Randthema zu sein. Ist ja auch klar, so lange wie Rentner, Beamten, Staatsbedienstete, Journalisten im ÖRR und NGOs Ihre Kohle von Papa… Mehr

Teiresias
4 Tage her

Selensky kann – genau wi Netanjahu – derart auftrumpfen, weil er den grossen Bruder USA im Rücken hat. Es geht darum, den globalen Energiemarkt zu dominieren. Netanjahu bombardiert die Öl-Gasinfrastruktur am Golf, Selensky jene in Russland. Unzerstört verbleibt die Infrastruktur der USA. Im Ergebnis werden die USA den Energiemarkt auf Jahre dominieren – so hoffen zumindest die USA. Die auf Jahre hinaus hohen Energiepreise sollen helfen, die USA zu sanieren. Ukraine und Israel dienen dabei als Proxy, um die direkte Konfrontation von USA mit anderen Atommächten zu vermeiden. Europa wird, nachdem der Ukraine die Ukrainer ausgegangen sein werden, den Krieg… Mehr

Last edited 4 Tage her by Teiresias
Britsch
4 Tage her

Die Deutschen die das ganze Geld der Ukraine in den Rachen stopfen, sind die größten Kriegstreiber, verthindern Frieden und treiben Deutschland in den Ruin.
Wenn man dann noch bedenkt, daß es bereits Zusasgen gibt, daß Deutschland auch den Wiederaufbau bezahlt. Wieviel des Geldes landet dazu wohl noch in private Taschen? Motto, Deutshe, Deutschlande verrecke.
Die heutigen.Regierenden orientieren ihr Tun bezüglich Volk wohl an dem von Herrschern im Mittelalter
Damals war auch das Machtstreben ähnlich.

Last edited 4 Tage her by Britsch
Peter Gramm
4 Tage her

…“Deutschland ist größter Geber der Ukraine“…die beim öffentlichen Funk sind die größten Nehmer. Die Leidtragenden sind diejenigen die dies bezahlen müssen.

Wilhelm Roepke
4 Tage her

Ich traue Herrn Selensky nicht. Mir ist zu viel Korruption in der Ukraine und auch im Umfeld des Präsidenten.

Stefan01
4 Tage her

Tja, Black Rock und Konsorten haben groß in der Ukraine investiert. Da muss der Oberlobbyist in unserer ReGIERung schön am Ball bleiben damit diese Invetitionen sich auch auszahlen. Kriegswirtschaft zahlt sich natürlich aus für die Großen, bezahlt von den Schlafschafen und am Ende halten sie noch den Kopf hin auf dem Schlachtfeld. Es geht voran mit dem Great Reset.

Dellson
4 Tage her

Logische Konsequenz der aktuellen deutschen Politk.Völlig korrupte Länder werden in den ÖR Medien hofiert! Nach dem Besuch des syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa kommt der nächste tolle Warlord zur Kontoabfrage. Diese deutsche Regierung lässt sich gerne am Gängelband der halben Welt führen, wenn es um das Wohl der Beladenen dieser Welt geht. Rücksicht auf die eigene Bevölkerung kann hier nicht genommen werden. Zur Vollständigkeit des Grossen und Ganzen: 70-100Mrd. wurden bisher der UA hinterhergeworfen. Hinzu noch die Alimentierung von 1Mio UA Bürger hier im Land. NS1 wurde erfolgreich zerstört, zum Nachteil der deutschen Energieversorgung. Die Regierung hat ein Land hofiert von… Mehr