Bei Maischberger: Kretschmer surft die Populismuswelle

Alles im Lot bei Maischberger: Omid Nouripour fordert WLAN für die US-Basis in Ramstein. Populist Michael Kretschmer wirft der AfD Populismus vor. Und Karl-Theodor zu Guttenberg muss sich noch immer nicht zu Jeffrey Epstein äußern, obwohl seine Ex-Frau recht enge Verbindungen pflegte. Von Brunhilde Plog

Screenprint: ARD / Maischberger

Bedenkt man, wie oft Karl-Theodor zu Guttenberg schon bei Sandra Maischberger saß, ist es schon verwunderlich, dass sie ihn niemals auch nur ansatzweise zu Jeffrey Epstein befragt hat. Immerhin zahlte seine damalige Ehefrau Stephanie zu Guttenberg (jetzt wieder von Bismarck-Schönhausen) während der Ehezeit (2000-2025) sogar mit zwei Kreditkarten, die über Epstein-Konten abgerechnet wurden (EFTA01352829, Seite 2, Zeilen 6 und 30).

Doch auch heute ist der ehemalige Doktor, ehemalige Verteidigungsminister und jetzige Privatmann Guttenberg (er verlor seinen Doktortitel 2011 wegen Plagiierens, danach sein Amt) ausschließlich als Amerika-Kenner im Studio, der ja dauernd „rüberfliegt“ und dort immer „mit ganz vielen Menschen spricht“ (Maischberger).

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Seine Einschätzungen und Erkenntnisse zur aktuellen Lage, zu Trump, zum Krieg am Golf, zur Rolle Europas und der Deutschen nehmen sich allerdings eher unspektakulär aus. Die restliche Amtszeit Trumps werde auf jeden Fall „grauselig werden“. Die Äußerungen des Kanzlers und des Bundespräsidenten seien „maximal unglücklich oder zumindest maximal ungeschickt“, diagnostiziert Herr Guttenberg. Und die Lage vor Ort am Golf „alleine den erratischen Amerikanern zu überlassen“, sei „verhältnismäßig kurzsichtig“. Aha, soso – gut, dass er im Studio ist.

Noch dünner sind die Redebeiträge des Alt-Grünen Omid Nouripour. Er schlägt vor, dass die Deutschen den Amerikanern ja nicht unbedingt mit Soldaten an der Straße von Hormus helfen müssten, sondern auch anderweitig ihr Goodwill zeigen könnten, etwa mit „WLAN für Ramstein“. Das meint Nouripour selbstverständlich als Witz, aber die Tatsache, dass er auch im weiteren Verlauf des Gesprächs kein reales Beispiel nennen kann und immer wieder nur vom WLAN für die Air-Base spricht, zeigt, wie tief er in der Thematik steckt. Ein Schlickrutscher im friesischen Wattenmeer wirkt dagegen wie ein Eisbrecher. Sogar Schaumschwafler Guttenberg fällt das auf: „Du kommst irgendwie nicht weg von Deinem WLAN“, ätzt er lachend.

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Die Gästeliste bei Maischberger ist mal wieder papageienhaft an diesem Abend. Und sie liefert derart skurrile Wortmeldungen ab, dass man kaum jemandem ohne Ohrenschmerzen zuhören kann. Ausnahme: Claus Strunz (Euronews) spricht gelegentlich etwas Wahres gelassen aus. Etwa, dass das Hauptproblem der Koalition Friedrich Merz heiße. Oder dass dessen Warnung, es werde in Sachen Benzinpreisexplosionseindämmungsmaßnahmenausbaldowerung keine kurzfristigen Ergebnisse geben, wie „fast vor dem Offenbarungseid“ klinge. Das Beisammenhocken am vergangenen Wochenende in der Villa Borsig, so Strunz, zeige einmal mehr, dass diese Koalition gar keine sei. „Es wird halt bei jedem Thema klar, dass sie nicht zusammenpassen.“, sagt der ehemalige Welt- und Bild-am-Sonntag-Mann. Die dürftigen Beschlüsse seien lediglich „mal wieder die Pflaster- und Aspirin-Kur, anstatt die eigentlichen Probleme anzugehen“. 17 Cent Steuersenkung für irgendwann in drei Wochen anzukündigen, sei lachhaft. Stattdessen hätte Merz sofort die Mehrwertsteuer auf 15 Prozent senken sollen.

ARD-Korrespondentin Kerstin Palzer hofft derweil, dass Katherina Reiche (CDU) und Lars Klingbeil (SPD) ihren offen ausgetragenen Koalitionsstreit bald beenden werden. Sie formuliert es angemessen, damit es zur Sendung passt: „Sind wir mal hoffnungsfroh, dass die beiden kleinen Rabauken sich wieder einkriegen.“ Und dann sitzt da noch Cherno Jobatey, der wie immer ganz viel kichert. Friedrich Merz solle sich ein Beispiel am kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom nehmen, schlägt er allen Ernstes vor. Dass der seit Jahren erfolgreich die Wirtschaft aus seinem Bundesstaat hinausgrault, sieht Jobatey offenbar als Erfolg. Seine Bauchbinde weist ihn als politischen Kommentator aus.

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Weiteres „Highlight“ des Abends: der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer. Sein schönstes Zitat: „Energie darf kein knappes, teures Gut sein.“ Allerdings gibt auch er zu bedenken, dass das Festhalten an der Energiewende irgendwie das Land zerstört: „Der Weg, den wir beschreiten, führt durch ein Tal des Todes, wir sind gerade mittendrin.“ Ohne es klar auszusprechen, schlägt er vor, dass Deutschland seine heimischen Kohle- und Gas-Vorkommen erschließen sowie die CO2-Steuer senken müsse. Man wird ihn darauf nicht festnageln können. Er konjunktiviert sich geschickt durch die prekäre linguistische Lage.

„Diese Regierung hat nicht nur ein Umsetzungsproblem, sie hat ein Erkenntnisproblem“, krittelt Kretschmer. „Wir müssen raus aus dem Klein-Klein“, man solle stattdessen „an die Ursachen rangehen“, denn: „Wir werden immer weiter durchgereicht. Dieses Land verliert immer mehr an Kraft.“

Andererseits verteidigt Kretschmer mit Feuereifer genau jene Klein-Klein-Ergebnisse des Villa-Borsig-Stuhlkreises: „17 Cent sind 17 Cent, und das ist ‘ne ganze Menge“ sagt er, nur um sofort zu ergänzen: „Es ist ein Beitrag. Es löst überhaupt kein Problem, aber es hilft vielleicht, ein bisschen den Druck zu lindern.“

Die Forderung nach einem Tempolimit ist für Kretschmer „völliger Quatsch, weil die Leute fahren langsam“. Schaut her, schreit es aus ihm heraus, ich spreche den Menschen aus der Seele. Mit seinen Parolen surft Kretschmer die Populistenwelle einmal quer durchs Studio, nur um schließlich dem politischen Gegner genau solchen Populismus zu unterstellen.

Die AfD hängt selbstverständlich auch heute wie ein dunkler Schatten über dem ganzen Abend. Es seien „Menschen, die nur populistisch arbeiten, die nicht in der Sache arbeiten“, stöhnt Kretschmer und steigert sich kameragewaltig: „Dieser Hass, diese Verachtung, die da geschürt wird!“ Konkrete Ziele seien bei der Partei überhaupt nicht erkennbar. „Was will eigentlich diese AfD? Das ist so absurd!“, ruft er aus und warnt: „Das nimmt kein gutes Ende.“

Damit könnte er allerdings auch die Sendung gemeint haben.

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Kommentare ( 2 )

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Ralph Martin
2 Stunden her

Wer sich politisch in Talkshows des ÖRR informiert, hat leider schon verloren.
Zum Glück gibt es eine schöne Anzahl von neuen Medien die näher an den Fakten sind.

Haba Orwell
2 Stunden her

> Das meint Nouripour selbstverständlich als Witz, aber die Tatsache, dass er auch im weiteren Verlauf des Gesprächs kein reales Beispiel nennen kann und immer wieder nur vom WLAN für die Air-Base spricht, zeigt, wie tief er in der Thematik steckt.

Wenn es nach mir ginge, würde ich den Amis den Weg zurück quer durch den Atlantik zeigen. Die Sowjetunion, die wirklich wen überfallen konnte, ist seit Jahrzehnten vorbei.