Handelsblatt: Zynische Freude über Spritpreis-Explosion

Als hätte die Krise von Hormuz die Bürger nicht bereits hart genug getroffen, müssen Sie nun auch noch die Häme staatsaffiner Medien über sich ergehen lassen. Für das Handelsblatt ist die Energiekrise eine willkommene Form der Volkspädagogik, ein Motivationsschub mit der Peitsche der Ökosozialisten.

IMAGO, Screenprint Handelsblatt - Collage: TE

Ganz gleich, wie es im Iran-Konflikt und der Straße von Hormuz weitergehen mag: Der massive Anstieg der Spritpreise gewährte einen tiefen Einblick in die Gemütslage und die ideologische Verhärtung staatsaffiner Medien. Als eine Art pars pro toto für große Teile des Mediensektors, kommentierte das Handelsblatt am Mittwoch die sichtbaren finanziellen Probleme, die sich durch den Preissprung an den Tankstellen für zahlreiche Haushalte ergeben haben.

„Lasst die fossilen Preise hoch!“ – Im Prinzip ist mit dem Titel bereits alles gesagt. Was folgt, ist grüne Pädagogik mit der rhetorischen Peitsche – apodiktische Erziehungskultur, wie wir sie normalerweise aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk kennen. Imperativisch im Sound, diktatorisch anmaßend und bieder besserwisserisch – die Handelsblatt-Autorin präsentiert ganz unverhohlen eine Kriegserklärung an alle Pendler, Steuerzahler und Leistungsträger. Man erlebt die Autorin im Gewand einer religiösen Eiferin.

Wirtschaftsweise für Wirtschaftsniedergang
Wie „Wirtschaftsweise“ Monika Schnitzer ein ganzes Land verhöhnt
Ihre Kernthese lautet: Hohe Benzin- und Gaspreise werden euch schon Saures lehren! Was Robert Habeck und seinen grünen Genossen des Brandmauerkartells selbst mit schärfster Regulierung, turmhoher Besteuerung bis hin zu moralischen Drohgebärden des NGO-Komplexes bislang nicht gelang, soll sich nun durch den sichtbar schmaleren Geldbeutel der Bürger in die neue Realität verwandeln.

Im Prinzip folgt das Handelsblatt der Logik des Bundesumweltministers. Der empfahl den Bürgern angesichts der hohen Spritpreise den raschen Umstieg auf das E-Auto. So simpel, so eindimensional erscheint die Welt in der Wahrnehmung der Apologeten der grünen Planwirtschaft. Wie wohlig warm muss es sich in diesen Kreisen anfühlen, dass man sich seinen ökologischen Eskapismus leisten kann – während in der realen Welt Autos gebaut, Brücken errichtet und Infrastruktur instandgehalten werden muss.

Wer nimmt seinen Mut und seine Geduld zusammen, um den grün bewegten Mitstreitern in der Handelsblatt-Redaktion klarzumachen, dass die Realität jene Welt ist, in der das hochkomplexe und, wie wir heute wissen, extrem fragile Gefüge einer modernen Ökonomie von jenen am Leben gehalten wird, die sich morgens mit ihrem Auto oder der Katastrophenbahn in den Verkehr stürzen?

Der wilde Kommentar zur Energie- und Spritpreiskrise offenbart moralistische Abgründe, wie man sie selten liest. Da heißt es dann: Es gebe Forderungen nach Preisdeckeln und einen Fokus darauf, fossile Brennstoffe bezahlbar zu halten – dies sei „genau falsch herum gedacht“, so die Autorin.

Warum dann weiter so, Herr Merz?
„Diese Energiewende bringt uns um“
Es mag den passionierten Klimakämpfern und Weltverbesserern in der Redaktion wenig sagen – aber die Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft Jahr für Jahr Direktinvestitionen in Höhe von 60 bis 100 Milliarden Euro ins Ausland verliert, ist das letztgültige Verdikt der Praktiker über die Realpolitik im Land: Praxis schlägt Ideologie.

Die sich schneller drehende Armutsspirale nimmt dermaßen reale Züge an, dass die Forderung des Handelsblatts nach einer gewaltsamen Umsteuerung unserer Gesellschaft in eine emissionsfreie Sonderzone auf dem Pfad der Transformation regelrecht verrecken wird.

Eine Gesellschaft muss sich grün-moralistischen Eskapismus ökonomisch leisten können. Und der Moment, in dem sie dieses krude Wagnis eingeht, ist zugleich der Beginn des Schlusskapitels ihres ökonomischen Erfolges. Die dramatische Deindustrialisierung mit steigender Arbeitslosigkeit und ebenso schnell wachsenden Staatsschulden liefern Zeugnis ab von dem Schaden, den diese Ideologie der Gesellschaft zugefügt hat.

Aus der Sicht der Weltverbesserer und Klimakämpfer handelt es sich im Falle des deutschen Kapitalexodus wohl um eine Verschwörungstheorie oder um arkanes Wissen aus einem parallelen Universum. Wie sonst ist es zu erklären, dass im grünen Furor und im Geiste der pädagogischen Emphase Sätze fallen wie dieser: Teure Energie ist schmerzhaft und doch in vielerlei Hinsicht heilsam?

Triefend vor Pathos enthüllt sich dem Leser die Wunderlehre der grünen Religion, verbreitet durch den Redaktionskatalysator des Handelsblatts. Zivilisatorische Errungenschaften wie die Preisbildung auf freien Märkten. Aus der Sicht unseres polit-medialen Zirkus dürften sich die verwegenen Thesen der Ordnungspolitik und des Minimalstaats als Hirngespinste lange versunkener Zeiten darstellen. Möglicherweise liegen sie mit dieser These nicht einmal falsch.

Verbrennerfahrendenschelte
Presseschau: Die klammheimliche Freude über hohe Spritpreise
Mit religiösen und ideologischen Eiferern verhält es sich ein wenig wie mit frisch Verliebten: Man will mit der Realität nichts mehr zu tun haben, man verweigert im Rausch der Sinne die Botschaften der realen Welt und die Hinweise auf die eigenen Fehlschlüsse.

Hohe Preise, so die Autorin, trügen auch dazu bei, Raffinerien am Leben zu halten, die sich hierzulande immer schwerer tun. Doch die Hormus-Krise und die mit ihr akut gewordenen Versorgungsprobleme an den Tankstellen sind nicht zuletzt auch ein Raffinerie-Problem. Der Sektor büßte ganz erhebliche Kapazitäten ein, seit Brüssel und Berlin im Kampf gegen den vermeintlichen Klimakiller CO₂ ernst gemacht haben.

„Freiheit durch Verzicht“ – das ist die heimliche Rache am vermeintlichen Konsumismus unserer Zivilisation. Die Linken werden die von der Politik geschaffene multiple Energieknappheit in Europa feiern, weil sie dadurch unter Umständen zu einem ungeahnten Hebel gelangen: dem seit langem gehegten Wunsch nach staatlich geregelter Zuteilung von Energie. Es wäre der Gipfel der Macht in den Händen der Zentralplaner. Das Fatale an der ökosozialistischen Propagandawelle, die uns in diesen Tagen erreicht, ist, dass sie ein bereits gescheitertes sozialistisches Modell zu stabilisieren versucht.

Während Kräfte der Vernunft darauf hinarbeiten, unsere Energiepotenziale zu aktivieren – sei es durch Fracking oder durch Nordseegas –, führt deren Weg geradewegs zur neuen Form der Kernenergie. Darauf können Sie sich in der Handelsblatt-Redaktion schon einmal freuen.

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Kommentare ( 13 )

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alter weisser Mann
32 Minuten her

Beim Handelsblatt sitzen auch nur noch peinlich Halbgebildete und Staatsgläubige. Als ob Kriegsauswirkungen Marktsignale wären.

hert
36 Minuten her

Die Straße von Hormuz ist die eine Seite, die ökologische und ideologische Geisterfahrt ist die andere Seite. Ich weise noch einmal auf die folg. Zahlen hin. Die Energiesteuer beträgt bei Benzin: 65,45 Cent/Liter Die CO2 Abgabe bei Benzin pro Liter: 16 Cent/Liter. Und die Mehrwertsteuer pro Liter Benzin beträgt in Deutschland 19 % auf den gesamten Endpreis. Und wer hier noch immer glaubt, dass dieser Vielfraß STAAT ein Interesse an der Senkung der Spritpreise hat, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten. (Ich weiß, der Spruch ist abgedroschen!)                       Wie wär’s denn mal mit einer Bürger/Betroffenen-Initiative? Die o.g. Daten an jeder Tankstelle, an jedem… Mehr

Raul Gutmann
36 Minuten her

Wird das Verdikt zukünftiger Historiker einst lauten, „Zynismus und Verachtung des offiziell demokratischen Souveräns ließen das Mitte des 20. Jahrhunderts etablierte und anfänglich erfolgreiche demokratische System knapp hundert Jahre später kollabieren.“?

Brauner Bodensatz
43 Minuten her

Danke, dass Tichy darüber berichtet. Mir war auch schon mehrfach aufgefallen, dass „Journalisten“ und Äggsbärden mehr oder weniger unverhohlen an der Energie-Armutsspirale drehten, sozusagen mit der Bestenauslese der Polit-„Elite“ im Chor. Man fragt sich immer, sind die so beschränkt, oder wird man selbst einfach nur alt?

OJ
50 Minuten her

Endlich sagt’s mal einer: Die Energiekrise ist eine pädagogische Meisterleistung.
Wer verhungert, lernt wenigstens die richtige Öko-Lektion.
Das Handelsblatt klatscht Beifall – auf Kosten derer, die jetzt frieren.
Lächerlich, wer da von Sozialstaatsversagen redet.
Wir erziehen, nicht helfen. Zynisch? Nein, konsequent grün-marktradikal❗

heinrich hein
52 Minuten her

Wer um Himmels willen liest denn noch dieses linke Kampfblatt. In der Flughafenlounge nimmt der Stapel nie ab. Früher konnte man das Blatt lesen, heute würde ich es nicht mehr anfassen. Insofern sollen sie schreiben, was sie wollen.

OJ
58 Minuten her

Natürlich feiert das Handelsblatt die Spritpreis-Explosion – nichts belehrt den Pöbel besser als der leere Geldbeutel.
Dass echte Menschen ihre Existenz verlieren, ist der grünen Volkspädagogik doch nur willkommener Brennstoff.
Hauptsache, die ökologische Läuterung schreitet voran, notfalls über die Leiche des Bürgers. Chapeau, Herren Marktradikale❗

Haba Orwell
1 Stunde her

> Triefend vor Pathos enthüllt sich dem Leser die Wunderlehre der grünen Religion, verbreitet durch den Redaktionskatalysator des Handelsblatts.

Angeblich „Wirtschaftszeitung“ – wenn das sogar dort so läuft, was wundert, dass etliche Konzernchefs „grün“ gehirngewaschen sind? Die lesen ja das Zeug und die „Wirtschaftswoche“ (die vermutlich ähnlich tickt?).

A-Tom
1 Stunde her

Es handelt sich um indoktrinäre … des Georg v. Holtzbrinck Verlages – siehe Die Zeit. Dieser Verlag kümmert sich um die Verblödung bei den Linken. Für die „Bürgerlichen“ sind Springer und Burda da. Der Rest wird von Bertelsmann betreut.

Biskaborn
1 Stunde her

Es wäre interessant zu erfahren, wer und wieviele das Handelsblatt und solche Artikel ernsthaft lesen, mit den Inhalten sogar konform gehen. Ich glaube wir würden uns erschrecken, welche Dimensionen das hierzulande annimmt!