Rekordkurs setzt sich fort

Der Klub der Reichen und Superreichen in aller Welt wächst weiter kräftig. Das geht aus dem jährlichen „World Wealth Report“ der Unternehmensberatung Capgemini hervor.

shutterstock/katjen

Im vergangenen Jahr wurde demnach erstmals die Marke von 20 Millionen Reichen und Superreichen weltweit überschritten. Gleichzeitig sei auch das Vermögen dieser Gruppe zusammengerechnet um 7,6 Prozent auf fast 80 Billionen Dollar gestiegen. Nach der Definition der Untersuchung sind darin alle Menschen gezählt, die über ein anlagefähiges Vermögen von über einer Million Dollar verfügen. Auch die Zahl der Millionäre in Deutschland legt weiter zu. Hierzulande gibt es jetzt 1,535 Millionen Millionäre nach 1,466 Millionen im Vorjahr. In Deutschland ließen vor allem der boomende Aktienmarkt und die steigenden Immobilienpreise sowie die hohe Sparquote die großen Vermögen weiter wachsen. Wie die Millionäre in Deutschland ihr Geld investieren, hat sich Capgemini genauer angeschaut. Im Vergleich zu 2020 verminderten sie in diesem Jahr ihr Engagement in Aktien und Cash. Mehr investierten die deutschen Vermögenden dagegen in festverzinsliche Wertpapiere, -Immobilien und alternative Investments. Im Vergleich zum Weltdurchschnitt sind sie unterdurchschnittlich in Aktien, aber überdurchschnittlich in Immobilien engagiert.

Mehr als 30 Rekordhochs hat der US-Index S & P 500 in diesem Jahr bereits markiert. Trotz der jüngsten Signale der US-Notenbank, dass die Zeiten der ultralockeren Geldpolitik im nächsten, spätestens übernächsten Jahr zu Ende gehen werden, setzt sich die Serie fort. Spannend ist die Struktur der Rally: Laufen eher konjunktursensible Aktien oder eher Technologiewerte? Für den Monat Juni fällt die Bilanz an der Weltleitbörse in New York klar aus: Die Zykliker gerieten ins Hintertreffen, sie kamen im Juni nicht richtig voran. Blickt man etwa auf den eher zyklischen Dow -Jones, blieb nur ein kleines Plus. Die Techs hingegen markierten mit einem Gewinn von über sechs Prozent im Nasdaq 100 den stärksten Monat seit November, als es um elf Prozent aufwärtsgegangen war. Daraus lässt sich schließen, dass der Markt die erwarteten Zinserhöhungen bereits ein Stück weit verarbeitet hat. Denn Techs sind hier besonders empfindlich, fällt doch ein großer Teil ihres Gewinns in der Zukunft an und muss mit steigendem Zins stärker abdiskontiert werden.

Zeit zum Lesen
"Tichys Einblick" - so kommt das gedruckte Magazin zu Ihnen
Die Angst vor einer wieder Stärker steigenden Inflation beherrscht seit Wochen die Diskussionen um die richtige Anlagestrategie. Vergangene Woche kam nun die beruhigende Nachricht, dass die Preise in ganz Europa zwar weiter anziehen, das Plus aber lang nicht mehr so stark ausfällt wie zuletzt. So betrug die Inflationsrate im Euroraum im Juni laut Schätzung der Statistikbehörde Eurostat 1,9 Prozent. „Ökonomen gehen derzeit davon aus, dass die Inflation im Euroraum im Jahr 2022 wieder deutlich unter zwei Prozent fallen wird“, so Oliver Blackbourn, Multi-Asset Portfolio Manager bei Janus Henderson Investors.​

Vor diesem Hintergrund erklommen die US-Börsen angesichts einer starken Arbeitsmarkterholung am Freitag neue Höchststände. Zudem waren im Mai im Vergleich zum April bei der Industrie etwas mehr Aufträge eingegangen als erwartet. Das verhalf dem marktbreiten S&P 500 als auch den technologielastigen Nasdaq-Indizes zu neuen Bestmarken. Der Dow Jones Industrial hinkte zwar immer noch ein wenig hinterher, holt aber zunehmend auf. Der Dow ging letztlich mit einem Plus von 0,4 Prozent auf 34.786 Punkte aus dem Handel und hat damit in der abgelaufenen Woche um ein Prozent zugelegt. Der S&P 500 rückte am Freitag um 0,8 Prozent auf 4.352 Punkte vor und baute seinen außergewöhnlichen, etwas mehr als 14-prozentigen Halbjahresgewinn weiter aus. Im Wochenverlauf steht für den S&P ein Plus von 1,7 Prozent zu Buche. Der Technologie-Auswahlindex NASDAQ 100 stieg um 1,2 Prozent auf 14.728 Punkte und damit im Wochenverlauf um 2,7 Prozent.

Unter den Einzelwerten sackten die Aktien von IBM mit minus 4,6 Prozent an das Ende des Dow. Die Anleger reagierten mit Verkäufen auf die überraschende Nachricht, dass Cloud-Manager Jim Whitehurst – ehemals Chef des von IBM übernommenen Softwareanbieters Red Hat – seinen Posten in der obersten Führungsriege des Konzerns abgibt und nur noch beratend zur Verfügung steht. Analysten hatten ihm eine wichtige Rolle beim nötigen Umbau des Computer-Dinos zugetraut.

Um 1,3 Prozent abwärts ging es für die Boeing-Papiere, womit sie sich zunehmend von ihren deutlicheren Anfangsverlusten erholten. Nach der Notlandung einer Boeing 737-Frachtmaschine vor Hawaii kündigte die US-Luftfahrtaufsicht FAA eine Untersuchung an. Nach vorläufigen Angaben sind beide Piloten, die als einzige Insassen an Bord waren, von der US-Küstenwache gerettet worden.

Johnson & Johnson legten im Dow um 1,8 Prozent zu. Der Corona-Impfstoff des Pharmakonzerns regt laut eigenen Angaben eine „starke und anhaltende“ Immunantwort gegen die besonders ansteckende Delta-Variante (B.1.617.2) an. CureVac büßten dagegen weitere 4,6 Prozent ein – nach fast drei Prozent am Vortag – die Papiere litten weiter unter enttäuschenden endgültigen Daten zur Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs.

Der VW-Konzern ist langfristig auf Schrumpfkurs
Der deutsche Aktienmarkt hatte sich zuvor schon von seiner stärkeren Seite gezeigt. Der Leitindex DAX schloss 0,3 Prozent im Plus bei 15.650 Punkten. Insbesondere starke US-Arbeitsdaten hatten die Kurse gestützt. Außerhalb der Landwirtschaft 850.000 neue Jobs entstanden. Experten hatten nur mit 700.000 gerechnet. Es handele sich um starke Daten, jedoch nicht so stark, dass Inflations- oder Zinserhöhungsängste verstärkt würden, erklärte Marktanalyst Fawad Razaqzada vom Broker ThinkMarkets.

Auf Unternehmensseite stand Grenke im Fokus. Die Anleger waren erleichtert, dass die Leasingfirma nach den Vorwürfen um Bilanz-Tricksereien das Neugeschäft hatte halten können. Auch die Papiere der Optikerkette Mister Spdx waren gefragt. Bei ihrem Debüt an der Börse stieg die Aktie bis auf 26 Euro. Im weiteren Verlauf musste sie aber wieder Kurseinbußen hinnehmen.

Delivery Hero und Vonovia gingen als DAX-Gewinner aus dem Handel. Die Schlusslichter waren am Freitag Deutsche Bank und Fresenius Medical Care.

Nach dem Einbruch in der Corona-Krise kommen die Autoverkäufe in den USA wieder in Fahrt – davon profitieren auch die deutschen Hersteller. Volkswagen setzte im zweiten Quartal nach Angaben 120 520 Neuwagen in den USA ab. Das waren 72 Prozent mehr als im pandemiebedingt schwachen Vorjahreszeitraum, als Fabriken und Autohäuser wegen Lockdowns zeitweise geschlossen werden mussten. Auch die Auftragsbücher der deutschen Maschinenbauer füllen sich kräftig. Die exportorientierte Branche ist nach dem Krisenjahr 2020 auf kräftigem Erholungskurs. Im Mai verbuchten die Unternehmen ein Auftragsplus von preisbereinigt 47 Prozent gegenüber dem vergleichsweise schwachen Vorjahresmonat, wie der Branchenverband VDMA am Freitag in Frankfurt mitteilte. „Damit lag der Zuwachs im Mai prozentual zwar unter dem noch kräftigeren Plus des Aprils von 72 Prozent. Doch der Maschinenbau bleibt eindeutig auf Wachstumskurs“, sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers.

Nach den gescheiterten Plänen für eine europäische Super League prüft Italiens Fußball-Rekordmeister Juventus Turin eine Kapitalaufstockung zur Reduzierung seiner Schulden. Der italienische Fußballklub erwägt Insidern zufolge eine Kapitalerhöhung. Der börsennotierte Verein habe bei BNP Paribas, Goldman Sachs, Mediobanca und Unicredit vorgefühlt, wie der Markt auf einen solchen Schritt reagieren würde, sagten zwei mit den Vorgängen vertraute Personen. So prüft der Hautaktionär des Rekordmeisters, die Finanzholding Exor, die Möglichkeit einer Kapitalaufstockung in der Größenordnung von 400 Millionen Euro. Dies berichtete die Mailänder Wirtschaftszeitung „Sole 24 Ore“. Auch der Verkauf einer Minderheitsbeteiligung des börsennotierten Klubs an einen finanzstarken Partner werde nicht ausgeschlossen, berichtete das Blatt. Juve hat im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2020/21 einen Umsatzrückgang von 322,3 Millionen Euro auf 258,3 Millionen Euro gemeldet, was unter anderem auf die fehlenden Einnahmen aus dem Ticketverkauf infolge der Corona-Lockdowns zurückzuführen ist.


Weitere Meldungen und Kommentare zu Wirtschaft und Börse lesen Sie auf unserer Partner-Site

Unterstützung
oder

Kommentare ( 7 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

7 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Fritz Wunderlich
4 Monate her

Eine Million Vermögen hat bald wer, der einigermaßen intelligent vor 10 – 15 Jahren ca. 300 000 € oder noch weit weniger in Immobilien der ehemaligen DDR investierte. Die gehirnbefreiten Politikerinnen warfen das Volksvermögen auf dem Markt bzw. beim Fenster hinaus und man musste es nur aufklauben. Diese Politkaste regiert uns noch immer. Also geht es in der Tonart weiter. Die Masse des Volkes bleibt auf der Strecke.

Felicitas21
4 Monate her

Langfristig in gute Aktien investieren, ist allemal besser, als das Ersparte auf dem Sparbuch durch die jährliche Inflation entwerten zu lassen.

Mausi
4 Monate her

Wegen der Vermögensinflation im Bereich Aktien und Immoblien würde unsere Regierung ja auch gerne jetzt auf die Reichenvermögen zugreifen. Morgen könnten sie schon in sich zusammengefallen sein.

Rainer12
4 Monate her

Wenn die Produktion von marktfähigen Erzeugnissen zurückgeht (z.B. Automobilindustrie) und immer mehr Geld gedruck wird, sehe ich die Gefahr einer Inflation keineswegs gebannt. In absehbarer Zeit dürfte auch die Vollfinanzierung von immer mehr Zugewanderten zu Problemen führen, die allein durch zusätzliche Steuern nicht zu lösen sein werden. Es wird voraussichtlich noch mehr Geld ohne Warendecke in Umlauf gebracht werden, was eine Inflation noch wahrscheinlicher macht. Und die, die in Deutschland jetzt reich werden (z.B. auch die Betreiber von Windkraftanlagen), dürften wohl ihr Geld eher im Ausland anlegen, wenn das Ende sichtbar wird.

HGV
4 Monate her

Das Vermögen der Reichen steigt weiter, weil ihr Vermögen aus Produktionsmitteln, Grundstücken und Gebäuden, schlicht Sachanlagen umfasst. Für alle anderen gilt, dass ihr Vermögen/ Geld durch Niedrigzinspolitik, durch sachfremde Leistungen, wie die Aufnahme von Schulden für Migration verprasst wird, ohne einen Gegenwert zu erzeugen. Das Endet in der Zweiklassengesellschaft, wie schon öfter in der Geschichte und in Revolutionen und Verteilungskämpfen.

elly
4 Monate her

„Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen“ Warren Buffet
Quelle: https://beruhmte-zitate.de/zitate/126606-warren-buffett-es-herrscht-klassenkrieg-richtig-aber-es-ist-mei/
Und unsere Freitagshüpferinnen, Teddybärwerferinnen , Bahnhofsklatscherinnen, Weltretterinnen helfen ganz erheblich mit. Sie sind die Soldatinnen , die Heerschar der Gewinner.

jwe
4 Monate her

Na ja, die UN hat ja errechnet, das in DE 290 Mio Menschen leben können. Da ist also für 200 Mio noch reichlich Platz. Leider hat die UN nicht gesagt, wer die zusätzlichen Mio Menschen versorgen soll. Die 15 Mio Netto-Steuerzahler in DE können es nicht sein, denn dann wäre ja der Magnet für gegenleistungslose Rundumversorgung sofort abgeschaltet. Arme werden nicht in ein armes Land umziehen, es sei denn, die EZB druckt und druckt und druckt und …