Die Börse zum Wahlwochenende

Wovor sich Börsianer fürchten, ist eine Hängepartie bei den Koalitionsverhandlungen.

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Auch Anleger schauen auf die Bundestagswahl. Historisch brachte eine konservativ geführte Regierung den Aktienkursen stets mehr Schub, als wenn Sozialdemokraten das Sagen hatten. Das gilt auch für die Kanzlerschaft von Angela Merkel: Seit 2005 hat der DAX mit über 140 Prozent Plus sowohl absolut als auch relativ ein Spitzenergebnis erzielt. Denn der deutsche Auswahlindex hat in der Ära Merkel auch andere europäische Aktienindizes wie den Euro Stoxx 50, den französischen CAC 40 oder den britischen FTSE 100 weit hinter sich gelassen. Während ihre Fans diesen Erfolg der Kanzlerin zuschreiben, spotten Skeptiker, dass die Börse sich trotz der Sozialdemokratisierung der Union unter Merkel so gut entwickelt habe – und sehen die Ursache im Erfolg der deutschen Exportunternehmen.

Wovor sich Börsianer fürchten, ist eine Hängepartie bei den Koalitionsverhandlungen. Wenn weder die Basis der SPD eine Fortsetzung der GroKo billigt noch FDP und Grüne sich mit der Union zu einem (Jamaika)Bündnis zusammenraufen können, drohen sogar Neuwahlen. Solche instabilen Verhältnisse mögen Investoren nicht – es könnte also durchaus zu einer Belastung der Kurse im vierten Quartal kommen.

Zahlreiche Fusionen regen gerade die Fantasie der Börsianer an, ob sie nun bereits avisiert sind (siehe Thyssenkrupp), in einem frühen Stadium der Gespräche stecken (siehe Telekom, Uniper) oder bloß darüber spekuliert wird (siehe Commerzbank und Hochtief). Was das für die Aktienmärkte bedeutet? Die Wirtschaft brummt, Geld ist dank der Politik der Notenbanken in Hülle und Fülle vorhanden. In den USA fährt überdies eine Reihe von Unternehmen die Aktienrückkäufe zurück, das könnte ein Trend der anstehenden Quartalssaison werden. Die US-Konzerne wollen die vollen Kassen nutzen, um sich für künftige Aufgaben zu rüsten. Börsianer regen die Gerüchte natürlich an, schließlich gibt es eine Menge Chancen, wenn Unternehmen in neue Projekte oder Märkte starten. Deshalb läuft die Wall Street, der Dow Jones hat soeben wieder ein neues Allzeithoch markiert. Der DAX erreichte immerhin den höchsten Stand seit acht Wochen.

Die Hochstufung der Länderbonität für Portugal durch die Ratingagentur S & P sorgte vergangene Woche für Kauflaune bei den Anlegern. Ob portugiesische Aktien oder Anleihen, Wertpapiere in Lissabon waren heiß begehrt. Der Leitindex PSI 20 kletterte um zwei Prozent auf ein Zweimonatshoch bei 5306 Punkten. S & P gab Portugal mit der Bonitätsanhebung nach mehr als fünf Jahren das Gütesiegel „Investment-Grade“ zurück. Die beiden anderen wichtigen Agenturen Moody’s und Fitch sehen Portugal dagegen noch im Ramschbereich. Dass aber S & P den Daumen nach oben gehoben hat, nimmt Nervosität vom Markt. „Das S & P-Rating erlaubt einer breiteren Auswahl an Investoren, portugiesische Anleihen in ihr Portfolio zu nehmen“, erklärt Portugals Finanzminister Mario Centeno. Aber auch wenn in Lissabon die Genugtuung über die Entscheidung groß war, bestehen weiterhin große Probleme. So bleibt die Arbeitslosigkeit trotz Wirtschaftsaufschwungs hoch. Und die Staatsverschuldung liegt mit 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf dem Niveau Italiens. Eine Rezession würde den Druck daher schnell wieder erhöhen.

Die vergangenen Monate profitierte Gold stark von der Schwäche des US-Dollar. Seit der Greenback unter Druck ist, legte der Preis für ein Unze Gold zwischenzeitlich auf über 1350 US-Dollar zu und markierte damit ein neues 13-Monats-Hoch. Die Nachfrage nach dem sicheren Investmenthafen haben aber auch politische Krisen wie der Streit um die Raketentests Nordkoreas angeheizt. Nachdem sich die Fed nun zum Ausstieg aus der -extralockeren Geldpolitik entschlossen hat, legt der US-Dollar zu und der Preis für das gelbe Edelmetall verliert. Dass die Edelmetallnotierungen nicht ins Bodenlose fallen werden, dafür sorgen aber Trends auf der Angebotsseite. Analysten rechnen damit, dass die Fördermengen der wichtigsten Goldunternehmen bis 2019 auf den tiefsten Stand seit 2009 fallen dürften. Dafür verantwortlich sind der sinkende Goldgehalt im abgebauten Gestein als auch die kürzer werdenden Laufzeiten der im Betrieb befindlichen Minen.​

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