Entfesselter Staat: Politik verliert Kontrolle über den Haushalt

Gerade einmal 24 Stunden nach der Placebo-Steuerreform meldete das Bundesfinanzministerium neue Schuldenwasserstände. Die Ausgaben des Bundes steigen im Jahresvergleich um beinahe sechs Prozent. Friedrich Merz und seine Regierung treiben das Land willentlich in eine Schuldenspirale.

picture alliance/dpa | Jens Büttner

Auf die Pseudo-Steuerreform folgt der haushaltspolitische Schock, der im Grunde schon längst keiner mehr ist. Finanzminister Lars Klingbeil informierte die Öffentlichkeit am Freitag über die vorläufigen Haushaltspläne des Bundes im kommenden Jahr.

Und diese haben es in sich. Klingbeil veranschlagt für 2027 einen Gesamtetat von etwa 555 Milliarden Euro. Der Bundeshaushalt wächst damit um 30 Milliarden Euro beziehungsweise 5,7 Prozent gegenüber dem laufenden Jahr. Das ist in Zahlen gegossene Maßlosigkeit, vom Bundestag zertifizierter Machbarkeitswahn, der den Staat dazu zwingen wird, die Steuerlast weiter zu erhöhen und sich in immer kürzeren Abständen am Anleihemarkt frischen Kredit zu beschaffen. Die Neuverschuldung des Bundes soll bei etwa 205 Milliarden Euro liegen; das Sondervermögen ist darin bereits berücksichtigt.

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Hinzu kommen die Schulden der Kommunen und Länder, die sich im vergangenen Jahr auf rund 40 Milliarden Euro beliefen. Unterm Strich dürfte die Neuverschuldung der öffentlichen Hand im kommenden Jahr bei 5,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen. Es nimmt also Gestalt an, was lange politisch verdrängt wurde: Deutschland befindet sich bereits in einer Schuldenspirale. Die Staatsausgaben ziehen die Schulden mit sich in die Höhe, während die private Wirtschaft in der Rezession verharrt. In Deutschland wächst nur noch der Staatsapparat – mit seinen rund 5,5 Millionen Beschäftigten und einem zunehmend wuchernden Interventionismus, der die Verschuldungsdynamik beschleunigt.

Diese Entwicklung ist nicht neu – neu ist lediglich die Geschwindigkeit, mit der die Ausgaben steigen. Mit ihnen explodiert auch die öffentliche Verschuldung. Dieser Prozess vollzieht sich beinahe exponentiell, da der wachsende Staatsapparat die Privatwirtschaft zunehmend schwächt und mit jeder Budgetausweitung die strukturellen Ursachen der eigenen Krise weiter verschärft.

Deutschland hat seinen angestammten Pfad fiskalischer Seriosität längst verlassen. Am Ende der Legislaturperiode wird die öffentliche Verschuldung – offiziell – über 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen; die Sondervermögen und die massiven ungedeckten Verpflichtungen der Rentenversicherung sind darin noch nicht einmal berücksichtigt.

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Etatismus lautet der Begriff, der dieses Phänomen am ehesten beschreibt. Friedrich Merz, Lars Klingbeil, aber auch Ursula von der Leyen sind überzeugte Vertreter der These, dass nur ein großer Staatsapparat eine Gesellschaft stabilisieren könne. Selbstverständlich schielen sie dabei auch auf ihren persönlichen Machtgewinn. Sie schaffen Probleme und bieten sich unmittelbar als Problemlöser an. Die Klimaregulierung verdrängt die Industrie? Kein Problem. Schon steht die vermeintliche Lösung bereit – in Gestalt der grünen Transformation und einer staatlich angeschobenen Rüstungsindustrie.

Das ist eine verheerende Verkürzung der Komplexität gesellschaftlicher und ökonomischer Prozesse. Wachstum, Prosperität und gesellschaftliche Stabilität gedeihen nur auf einem Boden, der das Recht auf Privateigentum ebenso hochhält wie die persönliche Handlungsautonomie und den Staat – den größten Umverteiler und Konsumenten unter der Sonne – so weit wie möglich in seinen Handlungsspielräumen begrenzt.

Gewinnt der Parteienstaat letztlich die Oberhand, zerstört er das Fundament, das ihn trägt. Dann kumulieren sich, wie wir beobachten können, massive Probleme: Politik wird mit dem Scheckbuch betrieben, der immer weiter expandierende Staatsapparat wird über Substanzsteuern oder immer neue Schulden am Anleihemarkt finanziert. Selten war es so offenkundig: Die Welt des ungedeckten Fiat-Geldes erzeugt bei den politisch Kurzsichtigen und ökonomisch Unbedarften eine fatale Illusion eines politischen Schlaraffenlandes.

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In Deutschland kumulieren sich also die Probleme, und wir stehen vor einem fiskalischen Paradigmenwechsel, der weitreichende Folgen für die Finanzarchitektur der Europäischen Union haben wird. Oft bleibt unbeachtet, dass der europäische Anleihemarkt für Staatsschulden eng mit der Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik verknüpft ist. Wer mit dieser Kreditwürdigkeit politische Spielchen treibt, um sich kurzfristige Vorteile im Parteienwettbewerb zu verschaffen, setzt die Statik dieses Systems insgesamt aufs Spiel.

War es nicht stets so, dass deutsche Politiker die Bevölkerung mit erhobenem Zeigefinger belehrten, Staatsschulden seien in Wahrheit die Steuerlast der Ungeborenen? Hier schimmert eine fiskalpolitische Frage der Ethik auf – ein kaum diskutierter Aspekt politischen Handelns, der deutlich macht, dass Politik weder die Bereitschaft noch die Fähigkeit aufbringt, die Folgen ihres Handelns zu antizipieren.

Diese Bundesregierung navigiert zweifellos auf Sicht. Sie weiß: Im Zweifelsfall wird der Steuerzahler für frischen Wind in der schlaffen Takelage sorgen und das Staatsschiff auf Kurs halten. Was Friedrich Merz und Lars Klingbeil in der vergangenen Woche als Steuerreform präsentierten, wird in dieser Form kaum jemals das Licht der Welt erblicken. Angesichts der immer schneller steigenden Schulden und Defizite auf allen Ebenen des Staates werden die Abgaben weiter steigen.

Schon heute lassen sich zwei Feststellungen treffen. Erstens: Die Schuldenbremse ist Geschichte. In Wahrheit war sie nie mehr als ein politisches Versprechen und zu keiner Zeit das Papier wert, auf dem sie gedruckt war. Politik wird sich niemals freiwillig bescheiden, solange der Weg an den Anleihemarkt nicht versperrt ist und der Steuerzahler brav seinen Obolus leistet.

Zweitens wird der Spitzensteuersatz erhöht, das Renteneintrittsalter steigt und Substanzabgaben auf Grundbesitz, Firmenerbschaften und Kapitalerträge werden den Finanzstrom aus der Mittelschicht in die Staatskasse weiter beschleunigen. Die Tabaksteuer wurde bereits erhöht. Hinzu kommt noch die Inflation. Sie ist die heimliche Steuer, die unaufhörlich an der Kaufkraft der Bürger nagt und für einen versteckten Wohlstandstransfer zugunsten des größten Schuldners sorgt. Und das ist der Staat.

Das gegenwärtige fiskalische Regime erlaubt keine Entlastungen mehr. Ganz gleich, in welche Fantasieerzählungen sich der Bundeskanzler auch hineinsteigern mag: Die Politik hat dem Steuerzahler einen Wohlfahrtsstaat aufgebürdet, der seit der Merkel-Zeit die Staatsfinanzen in die Tiefe zieht. Auch der Glaube an eine Klimaökonomie stammt aus dem bizarren Fundus der WEF-Globalisten, zu denen auch Angela Merkel oder Friedrich Merz zählen. Dass man jedoch die eigene Industrie in Schutt und Asche legt, um einen nihilistischen Klimagott zu huldigen, dürfte dennoch eine deutsche Kuriosität bleiben, die sie auf der Welt kein zweites Mal zu finden sein wird.

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Kommentare ( 74 )

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Popmar
12 Tage her

Müssten die nicht spätestens jetzt auf wenigstens eine Sparidee kommen? Deren „Stützen der Demokratie“, die „Aktivisten“ im breiten Bündnis über alle Partei- und Gewerkschaftsgrenzen pp. hinweg „Widersetzen“ haben ja fast showhaft ebenso fulminant wie lächerlich bewiesen, dass sie ihren Job nicht gemacht, weil sie den schlicht verpennt haben, was bei Linken nicht wirklich unerwartet kommt, also ihre Leistung nicht erbracht und die Staatsknete quasi ohne Leistungserbringung verdattelt haben, so dass das Geld wie stets zum Fenster raus geschmissen wurde. Müsste das für Linke, Grüne, Sozis und linke CDU als schlussendlich direkt Betroffene nicht Anlass sein, die längst überfällige Frage der… Mehr

Anglesachse
12 Tage her

Einfache „Problem-Lösung“: Statt ein „Lufthaushalt“ zu beschliessen und danach das minder vorhandene Budget mit „Sondervermögen“ aufzupäppeln, wäre das „schwäbische-Hausfrau-Prinzip“ solider: Zuerst sehen, was im Budget drin ist und DANACH ausrechnen und beschliessen, was ausgegeben werden KANN.

Man kann eben seit Menschengedenken nur ausgeben, was man hat…

Privat
12 Tage her

Schon damals hat Franz Josef Strauß folgendes vorhergesagt-
Die Sozen von der SPD können mit dem Geld der Bürger nicht umgehen.
Sie werden das Geld der Steuerzahler in kürzester Zeit verjubeln und einen Scherbenhaufen hinterlassen

Gerhart
13 Tage her

Warum nicht Bundesschatzbriefe ?

Anglesachse
12 Tage her
Antworten an  Gerhart

Wer schiebt denn noch einem Pleitegeier auch noch gutes Geld hinterher???

Siggi
13 Tage her

Das ist doch nur noch Gekrächze eines sterbenden Schwans. Die wissen genau, dass sie fertig sind. Jetzt geht es erst einmal om die Sommerpause. Danach, so hoffen die, ist dieses ganze Geschwätz Schnee von gestern. Ein paar Tage nach der Sommerpause ist die Wahl in Sachsen-Anhalt, die eine neue Dimension der Altparteienordnung zu bieten hat. Die SPD wird die 5 % Hürde nicht schaffen. Damit bleiben nur noch drei Parteien im Rennen. Aber selbst eine bereits von der CDU/CSU ausgeschlossene Koalition mit der Mauermörderpartei reicht nicht, um die übermächtige AfD aus dem Rennen zu schmeißen. Der Drops ist gelutscht, und… Mehr

Last edited 13 Tage her by Siggi
Teiresias
13 Tage her

Sie „verlieren“ nicht die Kontrolle.
Sie betreiben eine Strategie der verbrannten Erde.
Eine wahrscheinliche AfD-Regierung soll nichts in der Hand haben, um irgendetwas zu retten.
Industrie und Kapital sollen raus aus Deutschland – idealerweise Richtung USA.
Auf den Trümmern Europas wird dann der „own nothing, be happy“-WEF-Weltstaat begründet.

Anglesachse
12 Tage her
Antworten an  Teiresias

Die Hoffnung einer AfD-WAhl liegt nicht in Verbesserung des Desasters, sondern erst mal in einer „finanz-politischen Vollbremsung“ des Polit-Wahns.
Hat U.Siegmund auch schon bei „Lanz“ offen ausgesprochen (langfristige Änderung)

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
13 Tage her

Normalerweise hat der Mensch das immer gleiche Ziel (sofern er Nachkommen hat): Die Kinder sollen es einmal besser haben.

Was wir heutzutage in Deutschland erleben, ist die erste Generation, die ein ganz anderes Lebensziel hat: Nach mir die Sintflut.

Wie degeneriert muss ein Volk sein, um sich selbst auslöschen zu wollen?

Anglesachse
12 Tage her

Kleine Anmerkung: Zum 1.Mal in unserer Generationsgeschichte haben Statistiker festgestellt, dass der Bildungskoeffizient der Folgegeneration (Z) abnimmt.
Fazit: „Wir“ verblöden….

Micky Maus
13 Tage her

„Politik verliert Kontrolle über den Haushalt“? Hat diese Regierung überhaupt schon einmal Kontrolle über den Haushalt gehabt? War diese Regierung mit diesem unqualifizierten Personal überhaupt schon einmal in der Lage den Haushalt auch nur annähernd im Griff zu bekommen? Glaubt irgend jemand, dass dieses Personal überhaupt fähig ist, den Umfang dieser Aufgabe geistig erfassen zu können?

Nibelung
13 Tage her

Diese Feststellung sollte man zweigeteilt betrachten, wobei sie in sich schlüssig ist, aber die eigentliche Verar….. erst noch kommt, weil sie auf das Privatvermögen der Bürger schielen, was ja Merz schon angedeuted hat, daß noch viel Potential vorhanden sei. Das wird dann am Ende auf die gleiche Art und Weise wie nach dem verlorenen Krieg verlaufen, indem man Hausbesitzer belastet und einen neuen Lastenausgleich schafft, mit der fadenscheinigen Begründung, jeder Besitzende müßte sich beim Abtrag der laufenden Belastungen für viele Jahre beteiligen, denn schließlich habe man ja unaufschiebbare Verpflichtungen, die dann als verlogenes Argument herhalten müssen, ohne dabei auf ihr… Mehr

Anglesachse
12 Tage her
Antworten an  Nibelung

Vielleicht einmal dies „Staats-Prinzip“ schwer überdenken, denn wenn ein „Staat“ über seine Polit-Eliten/-Ideologen in „unser Demokratie“ den Bürger (Souvernän) nur noch als Finanz-Büttel (Goldesel) betrachtet, der zu bezahlen hat und „nörgeln-wegtreten (Zitat-Merz)“ beschimpft wird und Grundrechte „interpretierbar“ sind (Habarth), ist an unserem System etwas „diskutabel“…

Siggi
13 Tage her

Die kriminellen Tricksereien, die dieser Unfähige veranstaltet, sind eigentlich Sache der Staatsanwaltschaft. DA die mit im Boot sitzt und teilweise sogar die Ruder bedient, ist von dort nichts zu erwarten. Unser Land wurde von der klebrigen Merkel gleichgeschaltet.

Diese Phalanx der Deutschland-Vernichter muss aufgebrochen und vernichtet werden, mit Stumpf und Stiel.

Ziel für die Beteiligten sollte Tegel Haus 2 sein. Da gehört die ganze Mischpoke hin. Für die erste Reihe ist dann der B-Flur reserviert. Ein paar Jahre Stube-Küche, wir den guttun.

Anglesachse
12 Tage her
Antworten an  Siggi

Mal genau überlegen: Dieser Staat läd zuerst Migranten ein und zerstört dann genau den Staat, der diese Menschen unterstützen sollte/könnte.
Hier wird offensichtlich Zwietracht gesäät.

Wir sollten einmmal nicht vergessen, dass die heutige Generation NICHT an irgendwelche „Verbrechen an die Menschheit“ beteiligt ist/war und daher gleicberechtigt in der Zivilisation ist.

„Erbschuld“ gehört in die Kategorie „Religion & Ideologie“