Grexileaks – die geheime Reformliste aus Griechenland

Monatelanges Tauziehen – und nun ist die neue Reformliste aus Griechenland durchgesickert – Grexileaks! Als Autor gilt Finanzminister Yanis Varoufakis; die Liste gilt als abgestimmt mit Premierminister Tsipras. Sie ist der eigentliche Grund für das beleidigte Auftreten von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Junker. Hintergrund:

Als Jean-Claude Juncker am Sonntag gefragt wurde, ob er am Mittwoch mit Alexis Tsipras sprechen würde, antwortete er, als wäre das eine Selbstverständlichkeit: „Es würde mich doch sehr wundern, wenn ich mit Herrn Tsipras nicht reden würde“, sagte der EU-Kommissionspräsident. Nur eine Einschränkung machte er: Er würde sich bis dahin gerne die Vorschläge Griechenlands ansehen können. Diese Vorschläge hatte Ministerpräsident Tsipras laut Juncker für Donnerstagabend vergangener Woche, dann für Freitag angekündigt. Ein für Samstag anberaumtes Telefonat sagte Juncker darum kurzerhand ab. Es gebe nichts zu besprechen, meldete n-tv übereinstimmend mit anderen Quellen.  Uns liegt die Juncker-Zorn-Liste exklusiv vor.

„Projekt: So sanieren wir den griechischen Haushalt“

1) Anstatt in 2015 3.400 neue Beamte einzustellen wie den Wählern versprochen, nur 3.200 – in 2016 dann wieder 3.400.

2) Anstatt Rente mit 54 jetzt Rente mit 56 Jahren. Die Deutschen haben ihre Rente ja auch vorverlegt, oder?

3) Anstatt 16 Monatsgehälter pro Jahr nur noch 14 für alle Staatsbediensteten, die Verwandten der Abgeordneten und Bekannten der Regierungsmitglieder.

4) Rentenzahlungen nur noch für einen toten Großvater/Großmutter pro Familie. (Anmerkung Tsipras, Namenskürzel Tsi: Willst Du das wirklich? Das gibt echt Ärger.)

5) Reparationszahlungen aus Deutschland abholen fahren. Möglichst sofort. Schäuble muß den Scheck persönlich unterzeichnen. (hat Angela wirklich versprochen, dass Schäuble persönlich muß, Tsi?)

6) Passierscheine für illegale Einwanderer in die EU ausstellen, 500 €/Kopf und Paß. (Vorbereiten: Troika-Beamte werden sagen: Das zahlt keiner. Nach Deutschland kommt doch eh jeder umsonst. Was antworten wir? Tsi)

7) Einreisegebühren für Troika-Mitglieder, € 2 Mio pro Nase und Einreise, besser € 4 Mio – (hey, schließlich wollen DIE doch was von uns, Tsi, siehe oben)

8) Interviews und Portraits mit Varou als Latin Lover an die deutsche und französische Presse verkaufen und ihn zum neonationalen Posterboy hochstilisieren – pro Interview und Homestory, hm, mal € 200.000.

9) Weitere Gesprächs- und Fototermine mit Varou und Alexis, Foto Oberkörper: 100.000 €, Foto Ganzkörper: 150.000 € (nachträglich auszustellen, Achtung: Verjährungsfristen beachten) (Tsi: Aber nicht mit ohne Hemd)

10) Geld in Russland abholen (geistige Notiz: Vorhaben der Rückzahlung löschen) (Vorsicht, Tsi! der Putin könnte ein paar Russen schicken und das Geld zurückholen. – Ach Varou! Bis dahin sind wir doch in London und andere dran!)

11) Die Welt verklagen wegen überbordender Lizenzrechtsverletzungen: Wörter wie Astronomie, Philosophie, Demokratie, Kleptokratie, Idiotie, Satire (weitere zu prüfen) ungenehmigt verwendet – das griechische Volk fordert Wiedergutmachung! (Zumindest Google muß zahlen, dann sind die Deutschen auf unserer Seite und die Springer-Presse auch, Tsi)

12) Luxussteuer auf Schiffe über zehn Kabinen sowie auf Immobilien über 20 Zimmer ohne zu ermittelnden Eigentümer, wenn sie nicht weiß gestrichen sind.

13) Die Sätze: „Euer Geld ist weg“ und „Schickt mehr Geld“ in allen Sprachen für Aufkleber, Postkarten, Buttons, T-Shirts und Plakate schützen lassen.

14) Sinnentleerte Reformlisten für 2016 erstellen. Die Deutschen fressen dann eh alles, bis dahin sind ja schließlich die Schulden um ca. weitere 50 Mrd. € angewachsen.

15) Ja… Und sonst so? Kalispera!“

Die Liste wurde mit Anmerkungen von Beamten der EU-Kommission versehen. Sie weisen darauf hin, dass Satire NICHT zu den Begriffen gehört, die Griechenland lizenzpflichtig machen will: „Das Wort Satire entstammt dem lateinischen satira, das wiederum aus satura lanx hervorgeht und ‚mit Früchten gefüllte Schale‘ bedeutet. Im übertragenen Sinn lässt es sich mit ‚bunt gemischtes Allerlei‘ übersetzen. In früherer Zeit wurde Satire fälschlicherweise auf Satyr zurückgeführt. Der Satyr ist ein lüsterne Waldgeist.

Anmerkung zur Anmerkung: Das Büro des EU-Präsidenten weißt darauf hin, dass das Satyrspiel im Griechenland der Antike ein heiter-groteskes mythologisches Nachspiel einer Tragödientrilogie mit einem Chor aus Satyrn sei, so das Fremdwörterbuch der Dudenredaktion. Insofern sei das Wort Satire wohl doch lizenpflichtig im Varoufaktischen Sinn.

Können Sie verstehen, warum Brüssel damit unzufrieden ist – oder was der Wolfgang Schäuble daran auszusetzen hat? Sieht doch alles legitim aus da. Und ehrlich: Es wird so kommen, vielleicht mit etwas anderen Wörtern. Yanis Varoufakis hat einen Blick in seine Kristallkugel geworfen und festgestellt: „Das Geld der deutschen Steuerzahler ist weg.“ Aus. Futsch. Vorbei. Wer hätte das gedacht? Übrigens sieht man daran erneut: Varoufakis hat keine Ahnung von Wirtschaft. Das Geld ist nicht weg. Nein. Es hat nur jemand anderes. Und weil andere noch nicht genug von unserem Geld haben (mein Gott, das kann man ja irgendwie verstehen, oder?), muss man jetzt noch mal und wahrscheinlich immer weiter den Geldhahn aufdrehen. Bis dahin: Grexit Helau!




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