Die unerfüllbaren Windrad-Forderungen der Grünen

Zwei Prozent der Landesfläche für Windräder – das klingt fast bescheiden. Bis man sich klarmacht, wie groß die Fläche tatsächlich ist. Von Max von Tilzer

imago images / Hans Blossey

Jeder, der nicht nur eine „einfache Sprache“ versteht (in welcher das Wahlprogramm der Grünen ja auch im Internet heruntergeladen werden kann), sollte eigentlich sofort erkennen, dass dieses von unerfüllbaren Forderungen nur so strotzt. Besonders deutlich wird das, wenn man sich die geforderten Klimaschutzmaßnahmen anschaut. Da inzwischen ja (fast) alle Parteien das Klima schützen wollen, muss man eben noch eins draufsetzen: Kohleausstieg schon 2030 statt 2038, CO2-Neutralität auch schon ein paar Jahre früher als ursprünglich geplant, und weiterer Ausbau der Windkraft. Denn ganz offensichtlich sind 30.000 Windräder einfach noch nicht genug. Daher fordert man eben, dass schlappe 2 Prozent der Landesfläche Deutschlands für Windparks genutzt werden sollen. „In einem ersten Schritt“ übrigens, also soll es später noch mehr werden.

Es lohnt sich, kurz nachzurechnen, wieviel das ist. Auf den ersten Blick scheint es eine eher bescheidene Forderung zu sein: Denn zwei Prozent der Fläche eines Fußballplatzes (Standardgröße 69 mal 105 m) wären 142 Quadratmeter. Also nicht mehr als ein Gartengrundstück in einer eleganten Villenvorstadt.

Wenn man aber nur wenige Sekunden länger nachdenkt und dann auch noch einen Taschenrechner zur Hand nimmt, wird einem sonnenklar, was das bedeutet:

Bei einer Landesfläche Deutschlands von 357.386 Quadratkilometern sind zwei Prozent nach Adam Riese immerhin 7.148 Quadratkilometer. Wieviel ist das? Am leichtesten kann man es durch den Vergleich mit bekannten Flächen abschätzen, z.B.

  • 13 mal die Fläche des Bodensees (540  km2)
  • 8 mal die Stadtfläche vom Berlin (891,8 km2)
  • 2,78 mal die Fläche des Saarlands (2.570 km2)
  • Und immerhin noch 34% der Fläche des Bundeslands Hessen (Fläche 21.115 km2)

Da muss man sich doch fragen: Sind die Grünen wirklich so naiv und durchschauen nicht, was für einen haarsträubenden Unsinn sie da verzapfen? Dieser Verdacht kann einem ja bei ihrer Kanzlerkandidatin in der Tat kommen. Ich halte es aber für wahrscheinlicher, dass die Grünen ihre gutgläubigen Wähler für dumm verkaufen wollen. Und das ist im Grunde noch viel schlimmer. Dieses ist jetzt nur ein Beispiel von vielen, aber mir scheint, an Hand von ein paar Zahlen kann man vielleicht die Absurditäten dieses Wahlprogramms am ehesten verdeutlichen. Die Tragik dabei ist, dass die Grünen mit derartig überzogenen Forderungen dem berechtigten Anliegen des Klimaschutzes eher schaden als nützen.


Max von Tilzer war Professor für Aquatische Ökologie an der Universität Konstanz und von 1992 bis 1997 wissenschaftlicher Direktor des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven.


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Kommentare ( 96 )

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A rose is a rose...
2 Monate her

Hat eigentlich mal jemand überlegt, wo der Sand, den man für das Beton-Fundament der Windräder benötigt, herkommen soll? Bereits jetzt sucht die Baubranche verzweifelt (und außereuropäisch!) nach neuen Quellen.
Und was ist eigentlich aus den Umweltgutachten geworden (environmental impact studies), bei denen UNABHÄNGIGE Wissenschaftler die möglichen Umwelt-Auswirkungen von Bauvorhaben außerhalb einer bestehenden Bebauungszone untersuchen müssen (inklusive ausführlichem Bericht)?

kdm
2 Monate her

Womöglich haben einige (oder alle?) grüne Parteibonzen Aktien von Betonhersteller-Firmen; denn wieviel tausend Tonnen Stahlbeton braucht ein einziger Windrad-Spargel? —> Die modernere E 126, die eine Gesamthöhe von fast 200 Metern erreicht, benötigt ein Fundament von 1.500 Kubikmetern Beton, der mit 180 Tonnen Stahl armiert ist. Auf dem runden Fundament, das 3.500 Tonnen wiegt, steht der Turm aus konischen Stahlbeton-Segmenten, der 2.800 Tonnen auf die Waage bringt. Das auf dem Turm sitzende Maschinenhaus mit Generator wiegt 340 Tonnen, die Nabe mit den Rotorflügeln aus glasfaserverstärktem Kunststoff noch einmal 320 Tonnen. Damit der Boden das Gesamtgewicht von über 7.000 Tonnen tragen… Mehr

Der Prophet
2 Monate her

Selbst diejenigen, die an der Verunstaltung der Landschaft prächtig verdienen, scheinen an der Durchführbarkeit dieses Unsinns so ihre Zweifel zu haben. Oder warum hat der Windradhersteller Vestas gestern bekanntgegeben, den Produktionsstandort im Süden Brandenburgs mit über 400 Mitarbeitern Ende des Jahres zu schließen? Das haben die Leute in der Lausitz nun davon, die sich vom großen Strukturwandel weg von der Kohle über’s Ohr haben hauen lassen. Vielleicht hat Vestas aber auch nur gesehen, wie das Land Brandenburg dem Multimilliardär Elon Musk eine Milliarde EUR Subvention in den Rachen wirft und erhofft sich auch ein Stück vom großen Subventionskuchen, während vielen… Mehr

GP
2 Monate her

Die Sache ist noch viel komplexer als es sich mit irgend einer %-Zahl an Landfläche ausdrücken lässt. Die Ökos erwecken den Eindruck dass man die Stromversorgung aus Windrädern nur über die Fläche skalieren muss und schon ist die Stromversorgung gesichert. Pustekuchen! Entscheidend ist, wegen der v³ Abhängigkeit, die Windhöffigkeit der Standorte und wenn diese nicht gegeben ist stehen einfach nur mehr Windräder still ohne dass die Stromversorgung dadurch sicherer wäre. Tendenziell nimmt beim Zubau die Windhöffigkeit ab, die besten Standorte sind ja schon belegt. Somit steigen die Kosten, es steigt der Landschaftsverbrauch, und das bei ständig sinkendem Ertrag pro installierter… Mehr

Karamba
2 Monate her

Was mich viel mehr erschreckt als einige falsche Behauptungen, ist der Umstand, dass offenbar so viele Menschen sich dieser Klimaerzählung mit solcher Inbrunst anschließen. Wir haben auf der Erde so viele ungelöste Probleme, die sich sozial immer mehr zuspitzen und auf die gewaltsame „Lösung“ zutreiben. Wenn die Menschheit untergeht, dann definitiv nicht wegen eines um einen oder mehrere Meter höheren Pegels, nicht weil man in Blankenese nasse Füße bekommt oder man in Mikronesien dieses oder jenes Atoll räumen muss. Auch nicht wegen Dürren oder was weiß ich, damit wird die Menschheit fertig. Ich befürchte, die Menschheit wird an ihren Konflikten… Mehr

kdm
2 Monate her
Antworten an  Karamba

Bereits im August 1992 sagte der Erfolgsautor Simmel in einer deutschen Fernseh-Unterhaltungssendung frei und offen, wie’s ist:

„Die Welt wird nicht an der Bosheit der Menschen zugrunde gehen sondern an deren Blödheit.“

Zebra
2 Monate her

Ach ja, Baerbock sagte ja im WELT-Interview, daß sie die Konflikte der Welt (nicht der Zeitung, sondern des Globus) lösen wolle und endlich mal den Russen und Chinesen sagen wolle, wo es langgehe. So die „Europäerin des Herzens“.

a.bayer
2 Monate her

„Naiv“ hat er -im Hinblick auf Frau Baerbock- geschrieben, lieber Leonard. Nicht „dumm“.

Armin Latell
2 Monate her

vielleicht haben Sie nur “ für dumm verkaufen“ nicht verstanden? Dumm gelaufen. Aber trotzdem: es gibt schlaue Leute, und es gibt dumme Leute. Das kann man nur abstreiten, wenn man nicht in der Realität lebt. Beide haben aber auch ihre Daseinsberechtigung.

Atheist46
2 Monate her

Herr von Tilzer, ich habe einen Tipp für Sie: Lesen Sie das Buch „Grün und dumm. Die Natur lässt sich nicht zum Narren halten“ von Hans Hofmann-Reinecke. Der Titel allein schon beantwortet Ihre Frage, ob die Grünen naiv sind.

Udo Kemmerling
2 Monate her

„…dem berechtigten Anliegen des Klimaschutzes…“ Bitte um schlüssige Belege, dass das „Klima“ geschützt werden muß, oder geschützt werden kann. Bitte um Belege abseits des faktenbefreiten Gebrülls der Klimakirche. Ich erspare uns die Aufzählung aller Hinweise (nur einer: wie kam Ötzi unter den Gletscher? Kleiner Tipp, es war keiner da!) darauf, dass der „menschengemachte“ Klimawandel eine frei erfundene Ideologie ist. Ich verweise darüberhinaus auf die einfache Tatsache, dass eine Klimakrise ebenso nur in den Köpfen von unberufenen Weltverbesserern existiert. Insofern hätte ich gerne eine belastbare Begründung dafür, dass das „Anliegen“ „berechtigt“ ist!!!!

GP
2 Monate her
Antworten an  Udo Kemmerling

Zustimmung, „Klimaschutz“ ist der totale Irrsinn. Und wer das als ein „berechtigtes Anliegen“ bezeichnet hat schon verloren, die Ökos treiben solche Leute argumentativ so lange vor sich her bis sie nachgeben und doch eingestehen dass Windräder wichtig für den „Klimaschutz“ sind. Es gibt nichts Richtiges im Falschen….