Phänomen Leihopa

Lob der Wissenschaft oder: So kommen Forscher in den Gebäuden "einer der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands" zwingend auf die These: "Das ‚Phänomen Leihopas‘ könnte sich in Zukunft durchaus ausweiten."

Nein, langsam muss es einmal vorbei sein. Wir dürfen unser Land nicht immer so schlecht machen, wenn sich doch so viele Menschen draußen im Land drum bemühen. Das darf man nicht mit Arroganz abtun. Wir müssen auch das Positive sehen. Und das wollen wir verstärkt tun.

Wissenschaft, Forschung und Technik seien im Niedergang begriffen – darüber haben wir immer wieder geschrieben. Auch damit muß einmal Schluß sein! Nein, es ist großartig, was die Forschung leistet. Wir müssen unseren Blick doch etwas genauer auf die reichhaltige bunte bundesrepublikanische Forscherszene werfen. Zum Beispiel nach Frankfurt an die bedeutende Goethe-Universität.

Dort stellen Soziologen mit dem Schwerpunkt „Industrie und Organisationssoziologie“ erstaunt fest: „In immer mehr Familien sind beide Eltern berufstätig. Doch wer kümmert sich um die Kinder, wenn die Kita geschlossen ist?“ Fragen die Forscher bang. Und haben sicherlich Sigmars Bild vor Augen, wie der geplagte Bundeswirtschaftsminister sein an Masern erkranktes Kind behütet. Währenddessen hoffen die Mediziner, dass er gegen Masern geimpft wurde, nicht so schnell wieder zurück ins Bundeskabinett kommt und dort seine Ministerkollegen ansteckt.

Manchmal liegt die Wahrheit im Einfachen. „Tagesmütter und Leihomas haben Konjunktur“, beschreiben die Soziologen-Wissenschaftler so präzise wie möglich bundesdeutsche Wirklichkeit. Jäh durchfährt sie der Gedanke: „Doch ist dieses Feld auch für Männer attraktiv?“ Anlass für eine tiefgreifende Studie über ältere Männer in der Kinderbetreuung.

Wow, welche Erkenntnis: „Männer, die einen Kinderwagen schiebend durch den Park gehen: Noch vor 40 Jahren wäre dieser Anblick in Deutschland durchaus ein Hingucker gewesen.“ So stellt die laut Pressemitteilung „forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt“ in beeindruckender Weise fest. „Das hat sich grundlegend geändert, dank neuer Geschlechterrollen“, schreibt die Abteilungsleiterin Marketing und Kommunikation der 1914 „mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürger gegründeten Bürgeruniversität“. Die fühlt sich „bis heute dem Motto ‚Wissenschaft für die Gesellschaft‘ in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter.“ Dass längst die Steuerzahler finanzieren (müssen) – wo ist die Dankadresse?

Bei wunderbaren Sätzen wie: „Viele Männer bringen sich heute nicht nur als Väter anders ein, sondern auch in ihrer Rolle als Großväter“, steigt die Begeisterung, wie jeder in diese Bürgeruniversität gesteckte Euro so wundersam prächtig investiert wird.

Denn das Drama beginnt: „Doch was tun, wenn Enkel auf sich warten lassen? Für manch einen mag das Bedürfnis, ein Kind mit erziehen zu wollen, mit ihm zu spielen, sich mit ihm zu beschäftigen, wie es vorher nie möglich war, ein Grund sein, sich als ‚Leihopa‘ in einer fremden Familie zu betätigen. Doch auch andere Gründe sind denkbar.“

Licht in diesen bislang kaum erforschten Bereich bringen soll ein Forschungsprojekt unter der Leitung der Frankfurter Soziologieprofessorin Birgit Blättel-Mink und Alexandra Rau, Professorin für soziale Arbeit an der evangelischen Hochschule Darmstadt, das vom hessischen Wissenschaftsministerium im Zuge der Genderforschung finanziert wird.“ Blättel-Mink ist auch Direktorin des Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse (CGC) der Goethe-Universität, einem Zentrum, in dem verzweifelt versucht wird, der untalentierten Schwester von Johann Wolfgang Großes anzuhängen.

Offen sind so fundamentale Fragen wie: „Doch in welcher Größenordnung kommt dieses soziale Phänomen derzeit vor? Handelt es sich vor allem um Männer, die das Empfinden haben, ihre Kompetenzen bei den eigenen Kindern nicht ausreichend eingebracht zu haben?“

Ganz banal gefragt: „Oder geht es den Leihopas um die Möglichkeit, die Rente mit einem kleinen Zuverdienst aufzubessern?“ So kommen Forscher in den Gebäuden „einer der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands“ zwingend zur These: „Das ‚Phänomen Leihopas‘ könnte sich in Zukunft durchaus ausweiten.“

Das ist doch wahre Weg zur Bürgeruniversität. Eine solche These versteht jeder. Niemand muß sich mit so fürchterlich komplizierten Fächern wie Physik oder Chemie herumplagen. Und deren Thesen lassen sich nicht so schön zusammenfassen.

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