Amerikas Konservative werden kräftig durchgeschüttelt – vom Trumpinator

Was Donald Trump sagt, ist Standard bei der Republikanischen Partei, aber keiner traute sich bisher, es so knallhart zu formulieren. Schon dadurch verschiebt er die politische Mitte - dazu braucht er nicht einmal gewählt werden.

a katz / Shutterstock.com

„Yes we can“, versprach Barack Obama – und er konnte nicht. „Wir schaffen das“ verspricht Angela Merkel – und sie schafft es nicht. Kein Wunder, dass der Souverän, der Bürger, unzufrieden mit seinem politischen Personal ist. Was kann er tun? Auf die Straße gehen, wie die Wutbürger in Dresden? Dort wird er attackiert von den Schlägern der Antifa, in den Medien beschimpft von seinen eigenen Angestellten als Pack und Nazis.

Wen die politische Situation hierzulande mehr und mehr verzweifeln lässt, der werfe einen Blick in die größte Demokratie des Westens, in die USA. Die Situation dort ist ähnlich wie bei uns: illegale Immigration, hohe Arbeitslosigkeit (statistisch geschminkt), dazu ein politisches Personal, das sich unfähig zeigt, die Probleme zu erkennen, zu benennen (political correctness!), geschweige denn zu lösen.

Der Trumpinator weiß, was Medien wünschen

In den USA wirbelt seit gut drei Monaten ein Mann aus New York das amerikanische Polit-Establishment kräftig durcheinander. Der Bauunternehmer, oder wie ihn David Letterman stets in seiner Talkshow begrüßte, „Amerikas beliebtester Immobilienhai und Halsabschneider“, Donald J. Trump. Nicht allein das, was er sagt, lässt das politisch korrekte Lager zusammenzucken – dazu kommen wir später – sondern vor allem sein unglaublicher Erfolg, quasi aus dem Stand.

Mainstream Media muss mitspielen. Seit er kandidiert, dominiert er die Medien, allein CNN berichtete 2.159 mal über den Außenseiter, der sich zunächst innerhalb der Republikanischen Partei durchsetzen muss, um dann wohl gegen Hillary Clinton anzutreten.

Die Debatten der Kandidaten – bisher eher langweiliges Pflichtprogramm für die Polit-Kommentatoren – wurden durch Trump zum Big Business. CNBC übertrug die letzte Veranstaltung exklusiv für seine zahlenden Kabelkunden, CNN konnte für die vorangegangene Debatte nicht nur die höchste Einschaltquote seit Bestehen – inklusive Irakkrieg-Live-Berichterstattung – verbuchen, seine Werbespotpreise stiegen von 2.000 $ auf sagenhafte 200.000 $ an.

Für eine Wahlveranstaltung hatte das Trump Team zunächst einen Hotelkonferenzraum mit 500 Plätzen gebucht, schließlich musste man in eine Arena für 10.000 Besucher umziehen. Inzwischen füllt Trump Stadien auf seiner Wahlkampftour.

Der Erfolg befeuert den Erfolg. Die Mainstream-Medien, wie hierzulande vorwiegend linksliberal, müssen mitspielen, sind sie doch kommerzielle Unternehmen, deren Shareholder an der Trump Show mitverdienen wollen. Keine Late Show, keine Comedy ohne Trump, Trump, Trump. Und der weiß das geschickt zu nutzen.

Alleine 7 Millionen Youtube Klicker amüsierten sich über ein Interview, das Trump-Kritiker und Late-Show-Gastgeber Steven Colbert, mit Perücke verkleidet als Trump, mit dem Kandidaten führt – und der spielt mit! (Trumps Haartracht ist ein Dauerbrenner bei Trump-Witzen.)

Der Skandal ist sein Asset

Jeder schnell aufgebauschte Faux Pas dreht sich für „The Donald“ anscheinend ins Gegenteil. Als er eine TV-Moderatorin, die angeblich nur ihm bösartige Fragen stellen würde, fragte, ob sie vielleicht ihre Tage hätte, schäumte die politisch korrekte Presse. Neueste Umfragen zeigen, dass dennoch (?) vor allem Frauen Trump unterstützen.

Mister Nice Guy. Was also macht der Kandidat anders als seine Mitbewerber? Was sind seine Themen? Nun, zunächst hat der Mann Charme, was selbst seine Kritiker zugeben. Er verpackt seine Häme an den Mitbewerbern – Republikaner wie Demokraten – in Nettigkeiten. Jeb Bush, der Bruder von George W. etwa sei „ein netter Kerl mit einem guten Programm“, aber leider, „kann er es nicht verkaufen“. Alle sind „nice guys“ bei ihm, „really“ fügt er gern hinzu, aber alle hätten sie Defizite. Mitbewerber Marco Rubio habe ein Kreditkartenproblem, Mitbewerber John Kasich, auch ein nice guy, really, noch vor drei Monaten hoch gehandelt, sei früher ein Top-Mann bei Lehmann Brothers gewesen, „Sie erinnern sich, die Firma, die fast die ganze Finanzwelt in die Luft gejagt hat, wollen Sie dem jetzt das Weiße Haus anvertrauen?“ Bumm, das saß.

Das ist sein Hauptpunkt: Die anderen sind Politiker, gefangen zwischen Wahlen, Loyalitäten und Lobbyisten, die haben alle keine Ahnung wie man Deals abschließt, wie man mit anderen Staaten und der Großindustrie verhandeln muss, zum Nutzen Amerikas. Er aber ist Donald der Deal Maker! Das kommt an beim Wahlvolk, das sich von „Washington“ immer wieder verraten fühlt.

Trump nimmt keine Rücksichten, er spricht „frei Schnauze“. Sein Programm passt auf einen Zettel, auf den er bei Reden gelegentlich guckt, nicht ohne Sottise auf Obama, der „ohne Teleprompter aufgeschmissen“ ist.

Trumps Themen

  • Da ist die Mauer, die Trump-Mauer, die er zwischen Mexiko und den USA errichten will. Gigantisch soll die sein und trotzdem beautiful, mit einer Riesentür drin für die legalen Einwanderer, aber die Illegalen müssten draußen bleiben. Wer die 5 bis 10 Milliarden für eine solche Mauer bezahlt? Na, Mexiko natürlich.
  • Das muss man halt richtig verhandeln, er kann das. „Wir haben ein Handelsdefizit mit Mexiko von 53 Milliarden Dollar, da ist die Mauer ein Klacks!“
  • Überhaupt das Außenhandelsdefizit der USA. Mit China, Mexiko, Japan. Alles Verhandlungsfehler der Regierung. „I will fix it!“
  • Standard bei den Republikanern: Taxes! Steuern runter für die mittleren Einkommen und die Firmen, aber die Hedge Fund Guys, die sollen bluten. Ich höre schon bei uns die Sozialdemokraten lachen, obwohl sie leicht selber nachrechnen könnten, dass eine Flattax mit Streichung aller Abschreibungen unter dem Strich mehr Geld für den Staat und mehr Gerechtigkeit für die Bürger bedeuten würde. Manche erinnern sich noch an den von Merkel erdrückten Friedrich Merz, der einen ähnlichen Vorstoß wagte. Trump glaubt zudem, durch den Steuerschnitt die mittlerweile dreistelligen Milliarden zurückholen zu können, die US-Unternehmen wie Apple auf ausländischen Konten parken.
  • Interessanterweise spielt Putin bei ihm kaum eine Rolle, dafür immer wieder China, China, China. Die hätten einfach smartere Politiker, die „uns über den Tisch ziehen“.
  • Wie der Iran. Das sind clevere Leute, die können verhandeln, sagt er, und wir haben Kerry! Der kann es nicht.
  • Fast schon pflichtschuldig watscht er ObamaCare ab, und verspricht mehr für die Veteranen zu tun, und, natürlich, das Militär. Das muss so mächtig sein, dass wir es erst gar nicht einsetzen müssen.

Das alles ist eigentlich Standard bei der Republikanischen Partei, aber keiner traute sich bisher, es so knallhart zu formulieren. Weil Trump der härteste der Hardliner ist? Ein Tea-Party-Mann? Mitnichten! Trump hat keinerlei politische Heimat.

Trumps Heimat ist Trump. Sonst nichts. Seine unternehmerische Karriere als Baulöwe und Casino-Betreiber wäre ohne politische Unterstützung (Baugenehmigungen, Kasinolizenzen) gar nicht möglich gewesen. Parteipolitik Nebensache. Man könnte fast sagen, er schmierte sie alle. Und macht keinen Hehl draus. So war zum Beispiel Hillary Clinton Gast auf seiner letzten Hochzeit gewesen, weil er für ihre Foundation gespendet habe.

The Donald-Show

Natürlich ist entscheidend für die grassierende Trump-Mania, dass der Mann schon vor seiner Kandidatur bekannt war wie ein bunter Hund. Er lernt im Unternehmen des Vaters in Brooklyn, macht dann seine eigenen Deals in Manhattan. Trump ist noch keine 40, da baut er schon The Trump Tower, er kauft das New York Plaza, seine Projekte sind schwindelerregend. Und seine Erfolge spektakulär. Schließlich muss er Investoren für Milliardensummen finden, schafft Taxdeals (40 Jahre Steuerfreiheit für sein Wyatt-Hotel in New York), die ihm den Titel „König der Steuervermeider“ einbringen.

Und Trump ist pressegeil, anders kann man das nicht nennen. Seine Hochzeiten und Scheidungen, seine Kasino-Deals, Trump spricht in jedes Mikrofon. Dann, Anfang der Neunziger stürzt Trump ab. Nicht ohne die passende Talkshow-Story: „Ich ging mit einer Freundin an einem Obdachlosen vorbei und sagte zu ihr: Weißt du, dass der Typ um 900 Millionen Dollar besser dasteht als ich? Nun, sie hat mich trotzdem nicht verlassen.“

Aber er war wohl schon „too big to fail“, die Banken ließen ihn nicht fallen, das Stehaufmännchen kletterte wieder nach oben. „The Donald“ heißt er seitdem, die Amerikaner lieben Auferstehungs-Geschichten. Durch Titel von FORBES bis TIME wurde er zur nationalen Berühmtheit, es gibt ein Brettspiel mit seinem Namen, eine Art Trumpoly. Mit seiner TV-Show „The Apprentice“ und dem berühmten Spruch „You´re Fired!“ war er endgültig in jedem amerikanischen Wohnzimmer angekommen.

Natürlich hat er Geld genug, oder er sagt es zumindest. In einer Talkshow in diesem Jahr wurde er gefragt, ob die Forbes-Schätzung von zwei Milliarden stimme. Da war er fast beleidigt, etwas mehr wäre es schon. Dabei ist interessant, wie wenig man von ihm weiß, finanziell. Seine Investoren: unbekannt. Ob alles Trump gehört, wo Trump draufsteht: unwahrscheinlich. Seinen Wahlkampf, das betont er an jeder Stelle, zahlt er aus der eigenen Tasche. Und es hat sich für den Aufmerksamkeits-Süchtigen längst ausgezahlt.

Graydon Carter, heute Chefredakteur von Vanity Fair, 1990 Chef vom SPY Magazine, urteilte über Trump damals, als dieser gerade abgestürzt war:

Entweder der Typ flüchtet in ein einsames Appartment nach Panama, spricht mit niemandem mehr und bleibt da bis ans Ende seiner Tage. Oder er kommt zurück und „is taking over the World.“ Die Wette gilt mal wieder.

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Kommentare ( 6 )

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