Zapp-Talk im NDR: Kai Gniffke gibt sich die Ehre – und die Blöße

Die Chefs der Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten verdienen Unsummen. ARD-Chef Kai Gniffke, auf seine 30.000 Euro monatlich angesprochen, reagiert aggressiv. Doch seine Körpersprache verrät ihn: Er fühlt sich ertappt. Von Michael Plog

Screenprint: youtube/NDR

Sind die mehr als acht Milliarden Euro Rundfunkbeitrag pro Jahr gut angelegtes Geld? Immer mehr Deutsche sagen: nein. Korruptions-Skandale wie jener der gefeuerten RBB-Intendantin Patrizia Schlesinger, unanständige Ruhegelder wie jene 9000 Euro monatlich für den Ex-Kulturchef des RBB, Schulte-Kellinghaus, aber auch tendenziöse Berichterstattung und die Einschränkungen des Meinungskorridors in Talkshows wie Lanz oder Maischberger sorgen für Ärger. Dem wollte die NDR-Diskussionsrunde „Zapp Talk“ nun Raum geben. Und der wurde beachtlich gefüllt: mit einem Ausbund an Selbstherrlichkeit, Ignoranz und kognitiver Dissonanz. Der Hauptdarsteller: ARD-Chef Kai Gniffke höchst persönlich.

NDR Zapp-Talk
ARD-Vorsitzender Kai Gniffke: „Es geht um journalistische Exzellenz“
Beginnen wir mit dem Höhepunkt ab Minute 50 der Sendung (komplett nur auf Youtube zu sehen, nicht in der Mediathek, weil es der ARD zu lang war…sic!) Als Tilo Jung, ehemaliger Guerilla-Journalist, mittlerweile aber inniglich dem Mainstream verbunden) den ARD-Vorsitzenden fragt, warum er so viel verdient wie der Bundeskanzler, versucht Gniffke zunächst mit einer Petitesse abzulenken. Auf den Spuren der Faktenchecker, Füchse und „Volksverpetzer“ will er widerlegen, was gar nicht behauptet wurde: „Sie haben eben gesagt, warum verdiene ich mehr als der Bundeskanzler. Die Information ist falsch.“ Den letzten Satz motzt er geradezu hin. (Anm. d. Red.: Er verdient tatsächlich 106 Euro weniger pro Jahr).

Jung korrigiert ihn, doch Gniffke beharrt auf seinem falschen Zitat. Deshalb fragt Jung ein weiteres Mal, diesmal ganz knapp: „30.000 Euro pro Monat, warum?“ Gniffke ist in die Enge getrieben. Er nimmt die Arme nach hinten, beginnt nervös zu wippen und schaut immer nach unten, nicht in die Augen, während er antwortet. Und er antwortet: „Gute Frage, falscher Adressat. Dieses wird von meinem Verwaltungsrat festgelegt. Sie könnten ja zum Beispiel auch mal fragen: Warum verdient ein Sparkassenvorstand von der Kreissparkasse mehr als der Bundeskanzler. Der verdient nämlich wirklich mehr, im Gegensatz zu mir“. Sein Whataboutism verfängt nicht. Ob es gerechtfertigt sei, fragt Jung erneut. Gniffke kommt nochmal mit dem Sparkassenmann, bis Co-Moderatorin Kathrin Drehkopf ihn mit sanften Worten einfängt: „Aber Herr Gniffke, das Thema bewegt!“ Und die KEF (Anm. d. Red.: Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten) habe schließlich bereits 2019 moniert, dass die Intendantengehälter eindeutig zu hoch seien.

Weil Gniffke derartig blockt, wendet Drehbein sich nun Heike Raab zu, die als Staatssekretärin die Medienpolitik der Bundesländer koordiniert. Das aber mag Gniffke nun auch nicht akzeptieren. Warum er nicht antworten darf, will er wissen. „Aber das haben sie doch!“, schallt es ihm gleich von zwei Seiten entgegen. Er wolle ja nicht. Doch, er will. Er will das Stuhlkreis-Redekissen zurückhaben. Er bekommt es. Und setzt nun zu einem Sermon an, der mit Worten wie fabelhaft oder märchengleich nur unzureichend beschrieben ist. Gniffke sagt, und er tut dies ohne jeden Anflug von Ironie: „Aber ich kann Ihnen sagen, was der Verwaltungsrat dafür erwarten kann. Die können erwarten, dass da jemand ist, der sich das letzte Hemd dafür zerreißt, dass wir beim Publikum sind. Dass ich bei 5000 Mitarbeitenden bin, denen ich verdammt viel abverlange und dass ich für die Unabhängigkeit dieses Journalismus eintrete.“ Wow, den Spruch müsste es als gerahmtes Bild geben, im ARD-Fanshop. 18,36 Euro – als Pflichtprodukt für jeden Zuschauer.

Der Mann hat Nerven. Doch sie liegen blank. Als es wenig später um den Parteienfilz in den Rundfunkgremien geht, wird Gniffkes Körperspannung aufs Äußerste gefordert. Jung wirft ihm vor, dass er als SPD-Mitglied parteiisch sei und fragt: „Wenn man Intendant ist, sollte man dann nicht tunlichst vermeiden, irgendeine parteipolitische Nähe zu haben, Herr Gniffke?“ Doch Herr Gniffke will nicht antworten. „Ich würde Sie gern teilhaben lassen an den Dingen, die mich gerade wirklich umtreiben. Und das ist die veränderte Mediennutzung in diesem Land.“

Während der Zuschauer noch gähnt, setzt Jung nach: „Können Sie die Frage beantworten? Sie weichen immer wieder aus. Beim Gehalt weichen Sie aus, bei Ihrer Parteimitgliedschaft …“ Gniffke rutscht die Wahrheit raus: „Ja das mag so sein, aber …“ Er bemerkt seinen Fehler und stützt sich in die Armlehnen, so als wolle er flüchten. Sein Stuhl ist heiß. Sein Feuerlöscher: mehr Nebelkerzen. Er bockt und wird pampig: „Finden Sie, dass diese Republik in den letzten 70 Jahren mit Parteien schlecht gefahren ist? Haben Sie irgendeine andere Idee, wie man 84 Millionen Meinungen irgendwie zu einer Entscheidungsfindung bringt. Finden Sie, dass die Parteien des Teufels sind?“. Er beginnt zu schwadronieren: über nicht lineares und lineares Fernsehen, über den Wandel der Zeiten, das Universum und den ganzen Rest: „Das ist eine riesengroße Herausforderung.“ Medienstaatssekretärin Raab ist ganz auf Linie und wirft Gniffke einen verträumten Blick zu. Mit leicht geschlossenen Augen haucht sie ganz sanft: „Genau …“

Auf dem Tisch zwischen den Diskutanten liegen unzählige Würfel. Jeder steht für ein Programm – regionale und überregionale, aber auch für plumpe Propaganda-Portale wie etwa „Funk“. Interessant: Für die immerhin 16 (!) Rundfunkorchester hat der Platz nicht mehr gereicht. Bleibt die Frage, wofür das ÖRR-System acht Milliarden Euro braucht. Für Regisseure jedenfalls nicht. Denn Zapp bekommt es nicht einmal hin, eine ordentliche Close-Kamera zu installieren. Zwischen den Würfeln steht eine drehbare Linse, die den Diskutanten ständig von unten in die Nasenhöhlen stiert. Unangenehm.

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Kommentare ( 46 )

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Ewald K.
11 Monate her

Zitat von oben:

„zu einer Entscheidungsfindung bringt“

Aha. Mehr sach ich nicht, er gibt Manipulation zu. Dafür kriegt er die 30 kiloEuro

mac4ever
11 Monate her

Sehr gut. „Das pure Nichts, verpackt in hohlen Sprüchen.“ Wie bei Baerbock, Habeck, Faeser, Scholz, Lang….usw….usw….

Es liegt daran, dass sich nirgendwo mehr der beste Fachmann durchsetzt. Die Auswahlverfahren laufen über Netzwerke und produzieren teilweise geradezu lächerliche Gestalten. Überall auf der Welt herrschen Netzwerke. und nichts läuft mehr nach den Regeln. Tricks, Korruption und Betrug sind der Normalfall. Und diese Mischpoke beutet die letzten ehrlichen Normalbürger aus.

Das zu ändern, wird nicht gelingen. Das Spiel wird aber nicht ewig so,weitergehen.Wir werden aufschlagen wie Tim Kellners Flugzeug in der Wüste.

MariaundJosef
11 Monate her

Thilo Jung….na ja. Hat der nicht auch an der Schraube gedreht, dass Boris die Bundespressekonferenz verlassen musste? War der nicht auch ein eifriger Maskenträger in derselben? Hat er sich nicht ( soweit ich mich erinnere) sehr gut mit Steffen Seibert verstanden? Bei diesem Mann würde ich nichts „ kaufen“. Die Fragen waren garantiert abgesprochen,……um den „ demokratischen“ Schein zu wahren. Wie man mit missliebigen Personen umgeht, zeigen ARD/ZDF jeden Abend. Warum sollte man es nicht mal umgekehrt machen? Schauspielerei ist großgeschrieben bei den „ Öffentlichen“.

Guenter Lederer
11 Monate her

Obacht an der Bahnsteigkante! Nächstes Mal den Herrn Jung besser briefen.

Rob Roy
11 Monate her

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit seiner Selbstbedienungsmentalität ist ein Modell, wie es in ganz Deutschland läuft in Politik, Medien und Wirtschaft, wo jeder nur an seine Pfründe denkt.

Dr. Rehmstack
11 Monate her

Ja, die Gehälter sind unanständig, die Ruhegelder umso mehr, die Abfindungen sind mafiös, aber das Entscheidende ist doch, daß diese Gestalten jeden lieben Tag 24/7 ihrer vertraglichen Verpflichtung nicht nachkommen, nämlich den Rundfunkvertrag vollumfänglich umzusetzen und dafür ihr letztes Hemd zerreissen müßten (und da käme schon einiges zusammen bis das letzte ansteht).
Fazit: Sie bekommen so unanständige, unangemessene Gehälter dafür, daß sie garantieren, daß der Rundfunkstaatsvertrag NICHT erfüllt wird.

papa geno
11 Monate her

Er kann sich die 30.000 pro Monat offensichtlich selbst nicht erklären!

In Vorstellungsgesprächen in der Privatwirtschaft würde dieser Typ zerfetzt.

Der-Michel
11 Monate her
Antworten an  papa geno

Wo sehen Sie bei ARD oder ZDF ein Unternehmen? Das ist eine mafiöse Gruppe ohne wirtschaftliche Kompetenz und Verantwortung. Ein Sparkassendirektor hat zumindest noch wirtschaftliche Verantwortung. ARD und ZDF können nicht insolvent werden.

Jo_01
11 Monate her

Diese Journalisten- Darsteller sind in meinen Augen die Schlimmsten – schlimmer noch als die Politiker-Darsteller.
Warum?
Weil sie die Deutschen verdummen, fast ausschließlich linksgrüne Propaganda, statt Information und Berichte liefern und es damit der Politkaste überhaupt erst möglich machen, dieses Land so an die Wand zu fahren, wie wir es täglich neu erleben.
Und der deutsche Michel bzw. das deutsche Schlafschaf klatscht entweder Beifall, oder nimmt es weiter – ein wenig zähneknirschend – hin.
Am Ende gilt: Geliefert wie bestellt!

Werner Geiselhart
11 Monate her

Noch schlimmer als die Gehälter sind die gigantischen Pensionen beim ÖRR.
Die machen den größten Teil der Ausgaben aus.
Ohne jegliche Gegenleistung für den Zwangszahler.
Ein Selbstbedienunsladen ohnegleichen.

Niklas
11 Monate her

Wie nervös die auf einmal alle waren, als ein gut informierter Journalist mit einer Taschenlampe in ihrer Halbdunkel-Welt auftauchte … Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland ist mittlerweile desavouiert, nicht zuletzt durch das wissenschaftliche Gutachten, das ihn als krass unausgewogen und damit als Propaganda entlarvt hat. Follow the science! Zusammen mit den anderen aufgedeckten UNFASSBAREN Skandalen ist spätestens jetzt der staatliche Rundfunk als illegitimes System enttarnt, das illegitim Geld vom Bürger erpresst und ganz allgemein WEG gehört – und nur deshalb noch nicht weg IST, weil die beteiligten Eliten weiter Nektar aus dem von ihnen pervertierte Apparat saugen wollen. Ab jetzt… Mehr