Hillary machte Donald zum Präsidenten, gegen die Medien

Hillary und Bill Clinton verbinden vom Anfang an zahlreiche Skandale, über die der US-Autor Doug Wead, einst Mitarbeiter im Weißen Haus, ein Buch geschrieben hat. Im dritten und letzten Teil Auszüge, wie es Hillary gierig und korrupt zur Kandidatin schaffte.

© Chip Somodevilla/Getty Images

Ihren Abgang aus dem Weißen Haus krönte die Clinton-Gang durch die Vermarktung desselben. Manche Passagen bei Doug Wead brauchen das original Englische. Am 25. Februar 1997 begann Tom Brokaw die NBC Nightly News so: „Good evening, it’s a great honor to spend a night at the White House, but for hundreds of people in the last four years, 1600 Pennsylvania Avenue turned out to be the most expensive bed and breakfast in North America. They stayed and they paid.“

Der „Lincoln Bedroom scandal“ war geboren. Es stellte sich heraus, dass zu den 800 Personen, die für ihre Spenden im White House bei den Clintons übernachten durften, weitere 4.045 Großspender kamen, die auf Kosten der US-Steuerzahler in Camp David genächtigt hatten. 24 Jahre später, schreibt Doug Wead, zahlten diese Gäste im Lincoln Bedroom und Camp David immer noch an die Clintons. Bis Januar 2016 hatten mehr als die Hälfte der Bettgäste für die Hillary-Kampagne 1,15 Millionen Dollar abgeliefert.

ENTHÜLLUNGEN
Hillary Rodham Clinton hätte nie Kandidatin sein dürfen
Die noch exklusivere Unterkunft, die Queen Mum’s bedroom suite, befindet sich im zweiten Stock bei den Privaträumen des Präsidenten und der First Lady. Winston Churchill wohnte dort 1941 bei seinem Treffen mit Franklin D. Roosevelt. Die Suite wurde an Topspender vergeben. Sie zahlten allein für die Wiederwahl von Bill Clinton (BC) 1996 mindestens 5,4 Millionen Dollar. Diese Gästeliste ist besonders prominent. Aus Hollywood etwa: Barbra Streisand 60.000, Steven Spielberg 336.000, Lew Wasserman 225.000. Aus der Wirtschaft: Dirk Ziff 411.000, William Rollnick 235.000, Steve Jobs 150.000.

Was nach der ersten Meldung von NBC kommt, kennen wir schon aus Teil 1 und 2 der Rezension: Die Clintons streiten alles ab. Bill: „Der Lincoln Bedroom wurde niemals verkauft.“ Dann schieben sie es auf die Eigenmächtigkeiten von Mitarbeitern, die das anfänglich bestätigen. Darunter der Vizechef der Clinton-Wiederwahl-Kampagne Terry McAuliffe, der spätere Gouverneur von Virginia. Doug Wead diente selbst im White House. Niemals vor der Clinton-Gang war so mit dem Sitz des Präsidenten umgegangen worden.

Freiheit gegen Geld – Pardongate

Über die Jahre hatte es mehrere Skandale gegeben, weil Gouverneure bestochen worden waren, um verurteilte Verbrecher zu begnadigen. Doch BC war der erste Präsident, der beschuldigt wurde, „Get out of jail“-Tickets zu verkaufen. „Pardongate“ war offensichtlich eine über Monate, wenn nicht Jahre hinweg geplante Aktion, um in den letzten Stunden vor dem Verlassen des White House mit Lichtgeschwindigkeit noch einmal kräftig zu kassieren.

BC begnadigte eigene, wegen Verbrechen verurteilte Mitarbeiter, darunter seinen Bruder, Verurteilte, die illegal Geld in die diversen Kassen der Clinton-Gang gebracht hatten. Bald kam heraus, dass Hillarys (HC) Bruder Hugh Rodham 400.000 Dollar kassiert hatte, weil er eine Begnadigung durch den Präsidenten und eine Strafmilderung bewerkstelligt hatte. Hillarys jüngerer Bruder Tony Rodham konnte seinen Freunden Edgar und Vonna Jo Gregory eine Begnadigung besorgen, die wegen Bankbetrugs verurteilt waren. Tony kassierte 107.000 Dollar als nie zurückgezahltes Darlehen – was erst 2006 herauskam. Versteht sich, dass Hillary sagte, sie wisse von nichts. Die Clinton’sche Spekulation, die Begnadigungsserie am letzten Tag würde öffentlich untergehen, war fehlgeschlagen.

Serie - Teil 2: Wie Amerikas Medien Trump durch Hillary an die Macht brachten
Beuteteam Clinton: Hillary, die Bills Affärenfrauen verfolgen lässt, wenn sie sprechen
Am 11. August 1999 vermindert BC die Strafmaße von 16 Terroristen der Fuerzas Armadas de Liberación Nacional (FALN), Puerto Rico. 120 Bomben, die meisten in New York City und Chicago, gingen auf ihr Konto, 16 Tote und Dutzende Schwerverletzte. Puertoricanische Lobbyisten nutzten ihre Rolle als Wählerbeschaffer in der Senatskampagne für Hillary. Der Leitartikel der New York Times am 8. September 1999, dem Tag der Entlassung der Terroristen (einer lehnte den Pardon ab), trug den Titel „Bill’s Little Gift“. In ihrem Machtgeschäft schrecken die Clintons vor nichts zurück. In Big Apple lebten damals 1,3 Millionen Puerto Ricaner. Der Senat verurteilte die Begnadigungen mit 95 zu zwei Stimmen. Aber Hillary hatte ihre Schäfchen im Trockenen. Ihre öffentlichen Erklärungen wechselten dreimal die Richtung.

Alle juristischen und moralischen Missetaten der Clintons auf ihrem langen Weg durch die Institutionen waren von den Medien berichtet worden. Aber Hillarys Präsidentschaftskandidatur verhinderten sie nicht, nein, sie verschwiegen in der Kampagne, was sie früher selbst aufgedeckt hatten. Das ist Politik, kein Journalismus.

Und dann noch Furnituregate

Nach vorausgehenden Berichten über kleinere Summen wusste die New York Times 2002 zu berichten, dass die Clintons Einrichtungsgegenstände des White House im Wert von 360.000 Dollar mitgenommen hatten, Geschenke, die nicht für sie, sondern den Präsidentensitz gegeben worden waren. Es sah aus, als wären Bill und Hillary am Ende. Doch da kannten alle Bonnie und Clyde nicht. Sie arbeiteten schon wieder am nächsten Zyklus. Vor dem Auszug 2001 wurde Hillary für den Staat New York in den Senat gewählt.

Hillary betrat den Senat nicht als normale Senatorin, sondern als die berühmteste und anerkannteste First Lady der US-Geschichte, eine Zelebrität, ein Fundraising-Ungeheuer, eine, die viele auf dem Weg ins White House sahen. Ein Ergebnis der bereitwilligen PR der Mainstream-Medien – ungeachtet ihres Wissens über Bonnie and Clyde.

HC wurde Mitglied in fünf verschiedenen Senatsausschüssen. Sie präparierte sich für die Präsidentschaftswahl 2008, wenn Bush Junior seine zweite Amtszeit beenden würde. Und sie sammelte Geld, mehr Geld für eine Kampagne als je zuvor. Machen wir es kurz, denn Hillary Clinton versus Barack Obama wäre Stoff für eine eigene Geschichte. Hillary scheiterte an sich selbst. Das Genick brach ihr wohl endgültig ihre Schwindelei, sie sei bei ihrem Besuch auf der Tuzla Air Base in Bosnien unter Scharfschützenbeschuss gelangt. Im Juni 2008 war es vorbei. Obama hatte bei den Vorwahlen 1.763 Delegierte gewonnen, Clinton 1.640.

Kampf der Titanen

Was folgte, war HC als Secretary of State für Außenpolitik. Dazu nur schlicht die Erinnerung, dass sie aus diesem Grund zusammen mit Obama für alle großen Fehler seiner Präsidentschaft in der Welt verantwortlich ist. Auch dieser Komplex wäre Stoff einer eigenen Geschichte, einschließlich der Frage, warum HC 2013 die Regierung Obama verließ.

Im dritten Teil der Buches von Doug Wead geht es um den Aufstieg von Donald Trump. „Kampf der Titanen“ nennt Wead den letzten Teil seines Buches, den er mit der Feststellung beginnt: Als sich das Kandidatenduell Trump gegen Clinton abzeichnete, stand ein großer Teil der US-Bürger unter Schock. Wie konnte es zu zwei Kandidaten kommen mit derart massierten negativen Eigenschaften, mehr als alle Präsidentschaftsanwärter der Vergangenheit? Eine Erklärung könnte sein, sagt Wead, dass die beiden wie geschaffen waren für diese Zeiten, um den Kampf in der Arena bis zum Tod auszutragen.

Beide hatten auf ihre Weise jede Opposition gegen sich niedergeschmettert: Trump mit Brutalität und Bluff, Clinton mit Gerissenheit und Hinterlist. Ihre Mängel hatten beide nicht kleiner, ihren Zweikampf in den Augen der Amerikaner nicht zu einem zwischen zwei Zwergen gemacht, sondern zu einem Clash von Titanen. The Donald hätte ohne Crooked Hillary nicht gewinnen können.


Dieser Beitrag ist in Tichys Einblick Print, Ausgabe 09/2017, erschienen >>

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Kommentare ( 10 )

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Zitat: „[…] The Donald hätte ohne Crooked Hillary nicht gewinnen können.“ Aus der Sicht der ehrlichen, methodischen, unparteiischen Wissenschaft, ein sinnloser Satz, der nicht beweisbar ist. Da soll wohl nur die Enttäuschung über Trumps Sieg verkündet werden, die darin liegen soll, dass die US-Demokraten den falschen Kandidaten aufgestellt haben und somit die US-Demokraten den anderen überlegen wären. Schaut man sich jedoch an, für welche Werte diese US-Demokraten eintraten und weiter eintreten, dann kann dieses Urteil nur verwundern. Sehr viele wichtige und entscheidende Fragen bleiben unbeantwortet. Die angewandten Kriterien sind irrelevant. Obama und die Clintons gehör(t)en hinter Gittern, für eine lange… Mehr

Freudscher Denkfehler von mir.

Danke für diese Artikel aus der Reihe „Polit-Thriller“. In unserer gängigen Medienlandschaft ist meines Wissens darüber nicht berichtet worden. Es ist einfacher im Sinne von HC „gut“ und Donald „bös“ zu berichten.

Lieber Herr Goergen,
Vielen Dank für Ihren Artikel und die Einblicke ins “Weisse“ Haus.
Unfassbar und Stoff für einen unendlichen Politthriller. Bin erstmal ohne Worte.

„Wie konnte es zu zwei Kandidaten kommen mit derart massierten negativen Eigenschaften, mehr als alle Präsidentschaftsanwärter der Vergangenheit? Eine Erklärung könnte sein, sagt Wead, dass die beiden wie geschaffen waren für diese Zeiten, um den Kampf in der Arena bis zum Tod auszutragen. Beide hatten auf ihre Weise jede Opposition gegen sich niedergeschmettert: Trump mit Brutalität und Bluff, Clinton mit Gerissenheit und Hinterlist. Ihre Mängel hatten beide nicht kleiner, ihren Zweikampf in den Augen der Amerikaner nicht zu einem zwischen zwei Zwergen gemacht, sondern zu einem Clash von Titanen. The Donald hätte ohne Crooked Hillary nicht gewinnen können.“ Ohne Trump… Mehr

Interessanter Artikel (die anderen auch) und
davon bin ich überzeugt –> „The Donald hätte ohne Crooked Hillary nicht gewinnen können.“
Bernie Sanders hätte gewonnen.
Trotzdem halte ich es nicht für verkehrt, wenn mal ein Monstertruck durch die politische Landschaft rumpelt. Selbst mit dem Wissen, dass die Räder so dick gepolstert sind oder inzwischen gepolstert wurden, dass tiefere Spuren nicht zurückbleiben werden.

Bei Sanders gegen Trump hätte Bloomberg auch seinen Hut in den Ring geworfen, insofern ist fraglich, wie es ausgegangen wäre.

Jetzt macht auch Michelle Obamas Ausspruch nach Trumps Wahlsieg so langsam Sinn:

„All is lost.“

Wir sollten mal darüber nachdenken, wieso bei uns so verkommene Existenzen zur Wahl stehen.

Weil niemand, der noch alle Tassen im Schrank, Selbstachtung und gesunden Menschenverstand hat, sich vor Andere hinstellen und Dinge wie „meine Parteifreundinnen und -freunde“ salbadern würde.

Mit den „verkommenen Existenzen“ haben die USA offensichtlich kein Alleinstellungsmerkmal. Auch bei uns gehen nicht die „Eliten“ in die Politik sondern eher der Ausschuß.

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