Unionspolitiker Vaatz hat offenbar einen Nerv getroffen

Zahlreiche Politiker und Medien reagieren aufgeregt auf Arnold Vaatz' Kommentar zur Berliner Demonstration. Die Vorwürfe gegen Vaatz sind aber seltsam unbestimmt und haben mit dem Text selbst wenig zu tun. Letztlich bestätigen sie teilweise sogar dessen Kritik an den falschen Zahlenangaben.

imago Images/IPON
In einem Meinungsbeitrag für TE hatte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Arnold Vaatz, gestern der Berliner Polizeiführung und Medien vorgeworfen, durch offenkundig heruntergerechnete Teilnehmerzahlen am 1. August und pauschale Beschimpfungen ihre Glaubwürdigkeit zu beschädigen. Der agitatorische Umgang mit der Demonstration erinnere ihn an die Reaktion der DDR-Führung auf nicht genehme Demonstrationen.

Offenbar traf der Text des früheren DDR-Bürgerrechtlers und prominenten CDU-Politikers bei vielen einen Nerv. Politiker von SPD, Grünen und Linkspartei und zahlreiche Journalisten toben – und demonstrieren dabei ungewollt, wie richtig Vaatz mit seiner Kritik liegt.

„Vaatz verteidigt in einem neurechten Blog die Corona-Demo“, behauptete etwa faktenfrei der Berliner Tagesspiegel.

Dabei hatte der Politiker sich gar nicht die Forderungen der Demonstranten pauschal zu eigen gemacht. Im Gegenteil, er stellt gleich am Anfang klar, dass er die Corona-Bekämpfungsmaßnahmen der Regierung für vernünftig hält. Vaatz kritisierte vielmehr die offenkundig viel zu niedrigen Zahlen-Angaben der Polizei, die verkündete, es seien nur 20.000 Demonstranten gekommen, und die doppelten Maßstäbe vieler Politiker, die die Black-Lives-Matter-Demonstrationen vorher ausdrücklich lobten, obwohl dort die meisten keine Hygieneregeln einhielten, und die Demonstranten vom 1. August genau dafür beschimpften und als „Covidioten“ (Saskia Esken) abstempelten.

Der Grünen-Geschäftsführer Michel Kellner behauptete gar, Vaatz „denunziert den Rechtsstaat und die freie Presse“. Worauf er diesen Vorwurf stützt, teilte er darin nicht mit. In Vaatz’ Kommentar findet sich weder ein Angriff auf den Rechtsstaat noch auf die freie Presse.

Auch der SPD-Vize Kevin Kühnert und die Grünen-Politikerin Ricarda Lang erregten sich – ohne genau zu sagen, worüber eigentlich. Auf Vaatz‘ Hauptvorwurf – den der Heuchelei, den Demonstranten in Berlin Gesundheitsgefährdung vorzuwerfen und bei den BLM-Aufmärschen genau darüber hinwegzusehen – ging keiner aus dem Chor der Empörten ein. Ihr Aufschrei richtet sich vor allem gegen den „NS-Vergleich“ – erstaunlich für linke Politiker und Journalisten, die sonst mit NS-Vergleichen ständig bei der Hand sind.

Die Plattform T-online widmete dem Vaatz-Kommentar auf TE dann noch einen langen und stellenweise wirren Text. Dort heißt es:

„Nun vergleicht Unionsfraktionsvize Arnold Vaatz (CDU) die Angaben der Polizei mit DDR-Propaganda. „Die dreiste Kleinrechnung der Teilnehmerzahlen der Demo vom 1. August durch die Berliner Polizei entspricht in etwa dem Geschwätz von der ‚Zusammenrottung einiger weniger Rowdys‘, mit der die DDR-Medien anfangs die Demonstrationen im Herbst 1989 kleinrechneten“, schreibt Vaatz im rechten Meinungsblog „Tichy’s Einblick“.

Konkrete faktische Grundlagen für Vaatz‘ Vorwürfe gegen die Polizei scheint es nicht zu geben: Die Polizei hatte die Teilnehmerzahl der Demonstration auf etwa 17.000 geschätzt, die der Abschlusskundgebung auf gut 20.000. Die Angaben wurden durch zahlreiche Medien anschließend ausführlich und unabhängig voneinander geprüft, da die Organisatoren der Veranstaltung von 1,3 Millionen Teilnehmern sprachen.

„Alle Recherchen kamen dabei zu vergleichbaren Ergebnissen: ARD und ZDF stimmten darin überein, es seien wenig mehr als 20.000 gewesen (HIER und HIER). „Mimikama“ kam ebenfalls zu diesem Ergebnis (HIER). „Correctiv“ schätzte die Maximalzahl der Teilnehmer auf rund 66.000 – vermutete aber aufgrund der Fotos wesentlich weniger (HIER). Die „Süddeutsche Zeitung“ schlussfolgerte, es seien zumindest „sehr wahrscheinlich“ deutlich weniger als 80.000 gewesen (HIER).“

Ob nun 66.000 oder bis 80.000 – beides liegt eindeutig über den anfangs dreist heruntergerechneten 17.000 bis 20.000. Die Zahl von 1,3 Millionen Teilnehmern hatte sich Vaatz nirgends zueigen gemacht. Dem Autor auf T-Online scheint gar nicht aufzufallen, dass er Vaatz’ Kritik an den anfangs viel zu niedrigen Demonstrantenzahlen der Polizeiführung und der meisten Medien sogar ausdrücklich bestätigt.

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Kommentare ( 238 )

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238 Kommentare auf "Unionspolitiker Vaatz hat offenbar einen Nerv getroffen"

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Für mich hat diese Demonstration die geschichtliche Symbolkraft wie einst das Hambacher Fest, der Auftakt zum Aufwachen dieser Nation, was andere Nationen Europas schon hinter sich hatten und insbesondere in Frankreich auch heute noch zelebrieren. So werden wird dies mit Bestimmtheit einst auch mal in den Geschichtsbüchern lesen, wenn dieses Volk seine Selbstbestimmung wieder zurück gewonnen hat. Wenn der Begriff „Nation“ seine Bedeutung verloren hätte, wie der einstige Bundespräsident Gauck zu betonen nicht Unterlassen konnte, dann muss man auch die UNO, die „Vereinten Nationen“ abschaffen. Offenbar tickt die gesamte Welt doch anders als die jetzige Neo-SED Politriege in Berlin. Müßig… Mehr

Was wie ein Blitzeinschlag ins politische Berlin wirkte, war nicht die Teilnehmerzahl, sondern vielmehr die Entschlossenheit und Friedlichkeit, ja schon fast wie ein Wochenendausflug, mit der die Menschen aus allen Schichten der Bevölkerung aus der gesamten Republik, ihre frei Meinungsäußerung zum Ausdruck brachten und insofern keine Angriffspunkte für eine politische Diffamierung boten.
Es war die friedlichste Demonstration seit vielen Jahren in diesem Lande.
Das ist der Grund warum man demagogische Angriffspunkte erst erfinden musste und die Diskussion Ablenken hin zur Teilnehmerzahl.

„Letztlich bestätigen sie teilweise sogar dessen Kritik an den falschen Zahlenangaben.“

….einigen wir uns darauf: Vaatz hat die Haltung vermissen lassen – seine Zahlen waren politisch unkorrekt. Die Haltungszahlen der Regierung und sonstiger Gutmenschen berechnen sich nicht nach Realitäten.

Die Sklavenmedien, sowie Sklaventreiber und Sklaven in den Parteizentralen der „Guten“, sind wieder beider der „Arbeit“ und sie gönnen sich nicht blos einen 8 Stundentag, sondern rund um die Uhr, mit allen zur Verfügung stehenden „Arbeitsmitteln“.
In vorauseilendem Gehorsam kämpfen sie fanatisch und mitleidlos gegen alles „Böse“, das ihre „Gute Welt“ gefährden könnte und ihr fanatischer Vernichtungshass gegen das „Böse“ kennt keine Grenzen in seiner Steigerung ins Unmenschliche.
Man kann einem Menschen alles rauben, nur nicht seinen Glauben.

Es geht nicht, oder nicht nur, um „Links“ oder „Rechts“ in diesem Lande, sondern schlichtweg um menschenverachtenden Hass gegenüber Andersdenkenden. Es geht schlichtweg um Hetze, Beleidigung und Diffamierung übelster Sorte, jedwelchen Gedankenguts, das einem gewissen politischen Mainstream nicht in den Kram passt, denn in ihrem Unverstand und Hetze, mit menschenverachtendem Hass, macht diese, sich für „gut“ haltende soziale Klasse, keinen Unterschied zwischen Hass gegen, „Rechts“, Klimalügner“, „Corona-Lügner“, „Verschwörungstheoretiker“, „Rechtspopulisten“, wobei der Ton der Diffamierung im Hass gesteigert werden muss, wie bei einem Drogenabhängigen die Drogenration. So mutiert dann „Rechtspopulist“ zu „Extrem Rechte“, wahrscheinlich folgt dann noch die Steigerungsform „Ultrarechtsextreme Rechte“.… Mehr

Lieber Herr Vaatz ,
stellvertretender CDU Vorsitzender ?Das wars dann wohl.Die Große Vorsitzende hat den Daumen gesenkt.

Ja, Mami Merkel, Mami der Massenmigration, hat jetzt endlich den Daumen über Vaatz gesenkt.

Insider in der CDU sagen es schon lange hinter vorgehaltener Hand:

Vaatz begang im November 2018 einen ganz entscheidenden Fehler:

Er schrieb ganz frech, in Form einer Beleidigung gegen Merkel, in einer Super-Illu-Kolumne:

„Zur Eindämmung der Migration sind bilaterale Rückführungsabkommen nötig, die statt auf gesinnungsethischem Wunschdenken auf elementaren beidseitigen Interessen beruhen. (…) gegen den Pakt stimmen. Und die Kanzlerin wird sagen, das sei ihr wurst.“

Vaatz ist stellvertretender Vorsitzender der Unions-Fraktion.

Vaatz ist stellvertretender Vorsitzender der Unions-Fraktion.

Und wann stellen Esken, Habeck, Kipping und Lindner jetzt den „gemeinsamen Antrag“ an die CDU/CSU-Spitze, ihren stellvertretenden Vorsitzenden Vaatz unverzüglich aus dem Amt zu entfernen ?

Was er gesagt hat ist nämlich „unverzeihlich“ ! So sagt man auf jeden Fall !

Herr Vaatz wir jetzt größere Probleme mit seinem Arbeitsplatz bekommen.
Die linke Politik und die L-Presse haben sich schon auf ihn eingeschossen.
Deshalb wird Herr Vaatz womöglich ein Opfer der Wahrheit werden, den die Wahrheit können die extrem Linken gar nicht brauchen.
Denen macht es anscheinend eher Spaß Menschen, Karieren und Familien zu zerstören.

Ich habe die Demo von ca. 11:00 Uhr bis zum Ende der Übertragung um ca. 22:00 Uhr im Livestram angeschaut. Auch die Übertragung der fest installierten Kameras. Diese fast unüberschaubare, gigantische, schiere Masse von Menschen, die stundenlang in kilometerlangen nicht enden wollenden Demonstrationszügen, geordnet und friedlich Richtung Versammlungsplatz zogen, war für jeden der das Live angeschaut hat, der abschätzen und zählen kann, absolut beeindruckend und so was von überwältigend. Die gekaufte L-Presse versuchte sogar schon bereits um 14:30 Uhr verzweifelt mit politisch inszenierten Falschmeldungen, die Demo wäre abgebrochen und aufgelöst, noch mehr Teilnehmer von der Demo abzuhalten. Auch wurden sehr… Mehr

Interessantes Videointerview Rubikon:Exclusiv: Politik und Medien lügen zu Berlin!
Besonders ab Minute 13:30
youtu.be/QJOtI1xaiP0

Vielen Dank für diesen Link und dieses überaus glaubwürdige und eindrucksvolle Interview.
Rubikon: Ein Name, den ich mir merken werde.

Ich hatte bereits hier schon erwähnt, aus der der jahrelangen Durchsicht von Bildern solcher Demonstrationen, schätzte ich die Teilnehmerzahl auf 200.000 maximal.
Mann darf also mit etwa 150.000 Teilnehmer rechnen.
Aber nochmals, das Narrativ der Teilnehmerzahl darf die Diskussion nicht Ablenken, über die Botschaft die von dieser Demonstration Ausging.
Das wissen auch die Politiker aus Berlin, denn diese Botschaft hat sie wie ein Blitz in Mark und Bein getroffen, weswegen sie mit der Zahlendiskussion von der politischen Botschaft ablenken wollen.