Queer-Bundesbeauftragter Lehmann rudert zurück – entschuldigt sich aber nicht

Der Staatssekretär im Familienministerium stellte einen Kindergarten an den Pranger – zu Unrecht. Auf massive Kritik reagierte er. Persönliche Verantwortung übernimmt er nicht.

IMAGO / Christian Spicker
Queer-Beauftragter der Bundesregierung Sven Lehmann (Bündnis 90/Die Grünen) im Deutschen Bundestag, Berlin, 24.11.2022

Im Dezember 2022 überraschte der Parlamentarische Staatssekretär im Familienministerium und Queer-Beauftragte der Bundesregierung Sven Lehmann (Grüne) die Öffentlichkeit mit einem alarmistischen Tweet: In einem Kasseler Kindergarten hätte sich eine „grauenvolle Geschichte“ abgespielt; ein transsexuelles Elternteil sei dort von der Kindergartenleitung aus der Einrichtung gewiesen worden. Lehmann reagierte mit seinem Tweet auf Medienbeiträge in dem Magazin queer, der Frankfurter Rundschau und der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Die hatten den Fall allerdings extrem einseitig und verzerrt dargestellt. FR und HAZ löschten ihre Beiträge auch wenige Tage später.

Vorverurteilung durch Staatssekretär
Der grüne Staatssekretär und die „grauenhafte Geschichte“ im Kindergarten
Die Kindergarten-Leitung hatte reagiert, weil das Transgender-Elternteil sich ungefragt in die Erziehung der Kinder gemischt und Bücher in die Einrichtung gebracht hatte, mit denen sie die Kinder über Transsexualität in ihrem Sinn aufklären wollte. Außerdem zettelte sie den Mitarbeitern zufolge einen Streit über ein Indianer-Bild in dem Kindergarten an, das sie als politisch unkorrekt empfand, und agitierte gegen Spielzeugautos. Kurzum: Ihr Verhalten führte dazu, dass die Kindergarten-Mitarbeiter sie noch in der Probephase baten, wieder zu gehen. Es gab also nicht den geringsten Skandal.

TE fragte Lehmann, ob er an seiner Einschätzung festhalte, es handle sich bei der Entscheidung der Kindertagesstätte um eine „grauenvolle Geschichte“. Außerdem, ob er sich darum bemüht habe, eine Stellungnahme der Kindertagesstätte einzuholen, also die andere Seite des Konflikts zu hören.
Und schließlich: „Sind Sie grundsätzlich der Ansicht, dass Eltern ohne Absprache mit einer Bildungseinrichtung Kindern bestimmte Ideologien nahebringen sollten?“

Am Montag antwortete Lehmanns Büro – allerdings nicht detailliert auf die Fragen. Ein Mitarbeiter verwies nur auf einen Tweet Lehmanns vom 30. Dezember 2022, indem er allgemein zurückruderte:

„Vielen Dank für ihre Anfrage. Herr Lehmann hat sich dazu am 30.12. auf Twitter geäußert. ‚Update: Dieser Tweet von mir war vorschnell. Ich habe mich dabei auf die Darstellung aus dem Artikel verlassen. So wie die Kita den Fall jetzt dargestellt hat erscheint ihre Entscheidung in einem anderen Lichte + nachvollziehbar. Ich denke, dass das vor Ort gut aufgeklärt wird.‘“

Die Schlussfolgerung daraus lautet: Offenbar hatte er sich nicht bemüht, beide Seiten zu hören. Sondern sich als Mitglied der Bundesregierung blindlings auf die Seite der angeblich diskriminierten Transgender-Person gestellt. Als einzige Quelle diente ihm dazu ein agitatorischer Medienbericht. Dem schiebt Lehmann nun ganz nebenbei die Schuld zu.

Eine eigene Entschuldigung bei der angeprangerten Einrichtung: Dazu verliert er kein Wort.

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Kommentare ( 28 )

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Frank K.
1 Jahr her

Eine Sache verstehe ich bis heute nicht: warum sind Anhänger der Trans-Ideologie so intolerant und wollen alle anderen dazu zwingen, ihre Weltsicht zu teilen. Akzeptanz reicht ihnen nicht, sie wollen Lob und Bewunderung. Warum? Ich verstehe es einfach nicht.

HavemannmitMerkelBesuch
1 Jahr her

Ein weiterer Einzelfall von Tausenden Einzelfällen die beweisen, das die hetzer, Hasser und Spalter genau diejenigen sind, die angeblich dagegen kämpfen. Zum Glück für uns outen diese sozialistische Agitation und Propagandaerschaffenden nicht nur ihre sexuelle Orientierung sondern auch ihre ideologische. Wenn das dann entsprechend Amtsträger und Repräsentanten des Staates sind, hilft das immer wieder uns, die Existenz einer längst wieder entstandenen Diktatur des Denkens, Sprechens und Handelns zu belegen, jedes Steinchen ist irgendwann eine Mauer die wir wieder dann zu Fall bringen, wenn dadurch genug Menschen den Blick von der Propaganda und ihren Vertretern weg, zurück in die Realität lenken.

hoho
1 Jahr her

Die Geschichte verstehe ich nicht ganz außer dass ein Transmensch in Kindergarten eindrängen durfte und sich mit politischen und sexualen Themen an Kinder austoben wollte. Früher wurde sich die Staatsanwaltschaft damit beschäftigen, heute haben wir Transenbeauftragten, der eher dafür steht und noch eine Unterstützung von einem schlecht informierten Staatssekretär bekommt. Der Sekretär muss sich mMn nicht entschuldigen aber sein Vorgesetzte sollte ein ernsthaftes Gespräch mit ihm führen, damit solche Ausbrüche nicht mehr stattfinden.

Forist_
1 Jahr her
Antworten an  hoho

Ich verstehe Ihre Einschätzung nicht ganz: Ein Staatssekretär (Bund) wird mit Besoldungsgruppe B11 entlohnt. Zum Vergleich: Der Generalinspekteur der Bundeswehr (4 Sterne General) bekommt B10, das ist geringfügig weniger.

Warum sollte ein B11 Beamter die Verantwortung für sein eigenständiges Handeln an seinen Vorgesetzten delegieren dürfen?

meckerfritze
1 Jahr her

Wo kämen wir denn hin, wenn solche Gestalten, Verantwortung für ihren eigenen Mist übernähmen? Wir stünden komplett ohne Regierung da. Das geht nun gar nicht…

Regina Lange
1 Jahr her

Die Größe Schuld einzugestehen findet man unter Politikern höchst selten! Maulhelden findet man dagegen sehr oft! Wenn ich schon „Queer-Beauftragter“ lese, tritt mein ungesundes Brötchen mit Butter und Marmelade, welches ich zum Frühstück kredenzte, den Rückweg an!

Jens Frisch
1 Jahr her

Als die Türken vor Konstantinopel standen, debattierte der orthodoxe Klerus sehr angeregt darüber, wie viele Engel auf einer Nadelspitze Platz fänden.
Wer Parallelen findet, darf sie behalten.

Mankovsky
1 Jahr her

,,Kinderfreunde“ mit der Regenbogentarnkappehaben in Kindergärten schon überhaupt nichts zu suchen.

Werner Geiselhart
1 Jahr her

Hauptsache, die Kita ist jetzt eingenordet und wird die nächste Transperson, die ihr Kommen ankündigt, mit einem roten Teppich und einem kalten Buffet begrüßen.
Als kleine Entschuldigung wird der verqueere Beauftragte sie mit 100 Exemplaren der Trans-Fibel für die Kleinsten beglücken, damit die Kinder*innen auch schon den Begriff Pubertätsblocker intus haben, wenn sie in die Grundschule kommen.
Gottseidank hat Deutschland keine anderen Probleme.

Juergen Schmidt
1 Jahr her

Es wird immer mehr offensichtlich, dass Herr Lehmann unter gravierenden Charaktermängeln leidet, und nicht für ein öffentliches Amt geeignet ist.

Lotus
1 Jahr her

Die hatten den Fall allerdings extrem einseitig und verzerrt dargestellt. FR und HAZ löschten ihre Beiträge auch wenige Tage später.“

Eine Schande, was aus weiten Teilen der dt. Medienlandschaft geworden ist. Einseitige, parteiische Meinungs- und Stimmungsmache mit sehr tiefer Hemmschwelle und wenig Schamgefühl. Aber Hetzer, Spalter und Fake-News-Verbreiter sind natürlich immer nur die sog. „Rechten“. Von dem Schmutz, den die „Qualitätsmedien“ verschleudern, bleibt jedenfalls immer was hängen.