Ökonom Schnabl: Nullzinspolitik wird politische Verwerfungen auslösen

Die Debatte um Null- und Negativzinsen geht über die Frage hinaus, was geschieht, wenn Schuldner belohnt und Sparer bestraft werden. Der Leipziger Wirtschaftswissenschaftler Gunther Schnabl zeigt, dass sie auch das Wirtschaftswachstum hemmen und zu großen Fehlallokationen führen.

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Die Fortsetzung der Nullzinspolitik der EZB wird künftig nach Meinung des Ökonomen Gunther Schnabl nicht nur die Einkommen der Deutschen nach unten treiben, sondern zu erheblichen politischen Verwerfungen führen. Der Leiter des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig sagte dem Monatsmagazin Tichys Einblick: „Bleibt der Null- oder gar Negativzins, dann werden wir politische Konflikte ernten, die unsere Demokratie bedrohen. Denn dann müssen viele Menschen stetige Kaufkraftverluste hinnehmen, während andere von der Vermögenspreisinflation profitieren.“ Die jetzige Zinspolitik bestrafe die Menschen, die Vorsorge betreiben und untergrabe die Wachstumsdynamik der Wirtschaft. „Ein langsamer Zinsanstieg würde die Unternehmen zwingen, die Produktivität wieder zu steigern. Die Staaten müssten Ausgaben und Verschuldung konsolidieren. Wir würden auf einen positiven Wachstumspfad zurückkehren, der auch wieder nachhaltig steigende Reallöhne für alle möglich machen würde.“

Die ganze Entwicklung werde dadurch kaschiert, dass die offizielle Inflationsrate den wahren Preisanstieg nicht mehr abbilde, weil beispielsweise Energie und Nahrungsmittel ebenso wenig enthalten sind wie explodierende Immobilienpreise. Der aktuelle Preisindex bilde „vielleicht 30 Prozent unseres Konsums ab“, so Schnabl. „Die EZB erodiert mit ihrer Politik die Kaufkraft der Menschen.“ Die Nullzinspolitik habe die Produktivitätsgewinne unserer deutschen Volkswirtschaft „gegen oder gar unter null reduziert“, erklärt der Ökonom. Das schlage auch auf die Einkommen durch. „Wo es keine Produktivitätsgewinne gibt, kann im Schnitt auch nichts mehr verteilt werden.“ Dies werde das politische System der Bundesrepublik destabilisieren. „Immer mehr Bürger spüren einen Wohlstandsverlust, sehen sich als Verlierer. Das führt dann unweigerlich zu einer gesellschaftlichen Polarisierung, die sich auch in der Ablehnung etablierter Parteien ausdrückt.“


Der ganze Beitrag in Ausgabe 01-2020 von Tichys Einblick >>>

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Kommentare ( 38 )

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38 Kommentare auf "Ökonom Schnabl: Nullzinspolitik wird politische Verwerfungen auslösen"

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So lange wie die Irren in den Zentralbanken und in deren Regierungen was zu melden haben kaufe ich physisches Gold. Solange, bis denen ihre DrecksPolitik um die Ohren fliegt.

Eine bekannte Erscheinung: sobald die materiellen Grundbedürfnisse erfüllt sind, sucht der einzelne, suchen aber auch ganze Völker nach einem „Sinn“ in ihrem Dasein. Dieser muß genügend umfassend und zugleich ein wenig ungreifbar und vage sein. In Deutschland ist das zur Zeit die Klimarettung. Wahrscheinlich würde ein Umfrage ergeben, daß die meisten diese als wirklich drängendes Problem sehen. Zwar in Umfragen nicht an vorderster Stelle, aber doch so gut wie nie in den Bereich des Utopischen verwiesen. Sobald das unbezweifelbare Gute (und natürlich auch das Schlechte) dingfest gemacht wurde, kann man den Leuten dann Geld aus der Tasche ziehen. Anders als… Mehr

Wie verlogen die angebliche Inflationsrate von unter 2 % war, konnte schon jeder Laie sehen. Die enorm gestiegenen Mieten, die bei den meisten oft ein Drittel des Einkommens ausmachen zusammen mit den ebenfalls permanent steigenden Strompreisen konnten unmöglich zu einer so niedrigen Inflationsrate führen.

Ein Vermögensverwalter hat seine Volkswirte vor zwei Jahren die Rate unter Berücksichtigung der Vermoegenspreisentwicklung berechnen lassen. Er kam auf ueber sieben Prozent.

So lange der Euro besteht, wird es so weitergehen. Eine Fehlkonstruktion kann nur mit ebenso falschen Maßnahmen vor dem Untergang bewahrt werden.
Allerdings konnte jeder Anleger durch etwas Lektüre und Information – zum Beispiel TE – in den vergangenen Jahren erkennen, dass eine derartige Geldpolitik Aktien, Immobilien, Gold und andere Sachwerte unweigerlich nach oben treibt, und seine Vermögensverteilung entsprechend ausrichten.

Es sollte von Experten eine alternative Inflationsrate errechnet und veröffentlicht werden und so die derzeitige relativiert werden.

Interessanter Artikel.

Der Wirtschaftswissenschaftler Schnabl befürchtet eine Ablehnung etablierter Parteien durch die Bürger. Er sieht es ein großes Problem darin, wenn die Bürger die politischen Eliten ablehnen, also die ablehnen, die die Bürger in den Ruin führen. Merkwürdig, wenn es als ein Problem angesehen wird, wenn Bürger die Personen ablehnen (politische und wirtschaftliche Elite) von denen sie vergackeiert werden.

für mich sind das alles Leute, die ziemlich nah am Kriminellsein dran sind

Wieso nah dran?
Die EZB Chefin ist bereits rechtskräftig wegen „fahrlässiger“ Veruntreuung von 400 Mio € Steuergeldern verurteilt, also eine straffrei reingewaschene Kriminelle.
Man stelle sich einen Sparkassendirektor vor, der diesen Posten erst angetreten hat, nachdem aufgedeckt worden ist, dass er die Spareinlagen seiner Kunden verzockt hat.

falsch! nicht WIRD sondern hat schon! Die Auswirkungen begreifen viele noch nicht, diese werden sie aber exponentiell in der Schadensentwicklung noch vor Augen geführt bekommen. Wenn schon die zuständige Zentralbank namens EZB erklärt, das diese grüne Geldpolitik betreibt, dürfte es klar sein, wir wachen morgen in einer ekelhaften links-grünen Diktatur auf! also nicht wird sondern es ist schon 3 NACH 12 wenn man so will, jetzt wird das nur noch alles ausgeführt, realisiert, festgeschrieben – der ganze Umschwung oder wie immer man das nennen will!

Die Herrschaften pflegen es „Transformation“ zu nennen.
Aber Ihr „Umschwung“ ist ja noch euphemistischer.
Sie arbeiten nicht zufällig im Ministry of Truth von Oceania?

Lieber Herr Schnabl, das ist ja auch der politische Sinn der Sache. Wie sonst sollen Leute ohne Berufsausbildung als Politiker zu Geld und Macht kommen? In einer ordnungspolitisch glaubwürdigen Republik wäre Kevin Kühnert immer noch als Call Center Agent beschäftigt, und das wäre auch gut so. Solange die Leute nicht mündig werden und Politiker wählen, die eine seriöse Geldpolitik anstreben, bleibt es so.

Die Achtundsechziger sprachen doch auch schon vom „Staatsmonopolistischen Kapitalismus“ (Stamokap-Fraktion)
Und mit deren „Durchmarsch durch die Institutionen“ kann natürlich jetzt auch nichts anderes herauskommen.
Nur der Zusammenbruch des realen Sozialismus hat uns hier noch einen gewissen Aufschub gewährt.