Grüne Jugend legt fest: „… da gibt’s nix zu diskutieren“

Für den Vorstand der Grünen Jugend gehört Abtreibung zur Gesundheitsversorgung. Darüber diskutiert wird nicht. Ein Bild soll als Argument genügen.

imago images / Willi Schewski

So stellt sich der Führungsnachwuchs der Grünen also die Demokratie vor: Radikale Forderungen stellen und mit einem abschließenden „… da gibt’s nix zu diskutieren“ wird dann jedes weitere Argument für unnötig erklärt.

Aber nicht nur diese maßlose Selbstgerechtigkeit eines 26-Jährigen macht sprachlos. Sondern auch die Verbindung mit einer in höchstem Maße fragwürdigen Forderung und vor allem das Bild, mit dem er und eine Mitstreiterin sie garnieren: „Sichere Schwangerschaftsabbrüche sind Grundversorgung und müssen endlich auch als solche behandelt werden…“ Und dazu posiert seine Vorstandskollegin Rahel Sarai („Grün, links & Feminist as fuck“) mit einem Drahtkleiderbügel.

Das hatte 2018 auch schon die Vize-Juso-Vorsitzende Katharina Andres gefordert – außerdem indirekt die Abschaffung der Frist, wonach nach dem 3. Schwangerschaftsmonat ein Abbruch nicht mehr straffrei möglich ist.

Niemand, der einigermaßen Herr seines Verstandes ist und ein Herz hat, wird über das Thema Abtreibung je leichtfertig sprechen. Niemand, auch kein Mann, der noch nie persönlich von diesem Thema betroffen war, sollte über Frauen, die sich dazu entscheiden mussten, pauschalisierend urteilen. Denn hier geht es wirklich einmal um den viel strapazierten Satz im Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Die Debatte über den Paragrafen 218, der früher Abtreibung unter Strafe stellte, ist eine der längsten und engagiertesten in der deutschen Demokratiegeschichte (und in allen Ländern, die eine solche Debatte überhaupt zuließen). In Deutschland werden Frauen nicht mehr bestraft, wenn sie sich innerhalb rechtlicher Vorgaben für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden. Und Ärzte, die den Abbruch vornehmen auch nicht. Das war eine ebenso kluge Entscheidung wie die Beibehaltung des Paragrafen selbst. Dass Abtreibung eben gerade nicht zu einem alltäglichen medizinischen Eingriff, also zur von Krankenkassen bezahlten „medizinischen Grundversorgung“ gemacht wurde, ist auch das Eingeständnis der ganz unvermeidbaren Tragik des Themas.

Und gerade wenn man weiß, dass es jahrhundertelang und kulturenübergreifend immer wieder schreckliche Tragödien gab, wenn Frauen etwa mit Kleiderbügeln versuchten, eine Abtreibung vorzunehmen, ist der Auftritt der beiden Jung-Grünen in höchstem Maße geschmacklos. Das historische Leiden von Frauen in tragischen Situationen wird schamlos und leichtfertig instrumentalisiert, um politische Kontrahenten der Gegenwart zu diskreditieren, die mit den damaligen Zuständen nichts zu tun haben.

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Kommentare ( 89 )

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Maja Schneider
20 Tage her

Das ist also unser Nachwuchs in der Politik, da kann es jedem vernünftigen Menschen nur übel werden, Demokratiebewusstsein oder Empathie sind offensichtlich gestrichen ebenso wie differenziertes Denken. Die Selbstgerechtigkeit der Grünen wird noch um ein Vielfaches von den Jungen Grünen getoppt. Der Hinweis in diesem Beitrag auf die langen und engagierten Debatten um den Paragrafen 218 lässt einen wehmütig werden, solche ernsthaften und dringend notwendigen Diskussionen gehören , so der Eindruck, längst der Vergangenheit an, sie scheinen abgeschafft, wie die jüngste Vergangenheit zeigt, und Corona ist dabei sehr hilfreich.

Schwabenwilli
20 Tage her

Eine ungewollte Schwangerschaft das sollte jedem bewusst sein, führt eine junge Frau oder sogar Mädchen immer in ein Dilemma. Sie sollte deshalb ausreichend Beratung und Beistand erfahren. Das einfach als Ausrutscher anzusehen der mal passieren und sogleich auch “ korrigiert “ werden kann wird dem Thema nicht gerecht. Außerdem gehören dazu immer zwei Personen das heißt auch der potentielle Vater muss in diese Beratungen mit eingebunden werden. Der große fährt der Grünen ist die Meinung eine solche Entscheidung würde nur im persönlichen Bereich liegen , das aber ist falsch. Denn daraus erwächst immer ein gesamtgesellschaftliches Problem wir wir gerade in… Mehr

giesemann
20 Tage her
Antworten an  Schwabenwilli

Ja, ein Problem der Frauen und Mädchen, denen „die Gesellschaft“ das aufbürdet, . Eine Unverschämtheit. Und wenn wir weniger werden, schadet das gar nichts – wir sind immer noch doppelt so dicht besiedelt wie FR und/oder PO. Also mit ca. 40 Mio. hier wären wir so dicht wie die – habe nicht gehört, das die in FR und PO ein „demographisches Problem“ hätten, ganz im Gegenteil. Bitte die Fakten auch mal zur Kenntnis nehmen.

JanAllemann
21 Tage her

Die grüne Jugend ist schon lange derart radikal, dass es mir graut davor. Sollten die es je in politisch bedeutsame Ämter schaffen, dann Gnade uns Gott! Die sind nur noch einen winzigen Schritt vom Stalinismus entfernt! Der Punkt dabei ist, dass die GrünInnen, wie alle totalitär denkenden Menschen, den Absolutheitsanspruch für sich und ihre Thesen beanspruchen. Andere Meinungen versucht man erst gar nicht argumentativ zu entkräften (das können sie fast nie), sondern sofort in die Nazi-Ecke wegzudiffamieren. Es wird Zeit, diesen grün lackierten Jungstalinisten mit allen demokratischen Mitteln entgegen zu treten und ihre wahre Natur auch den unbedarften „GrünInnen-WählerInnen“ zu… Mehr

Ali
21 Tage her

Von den Grün*Innen hätte die SED noch viel lernen können. Der SED genügte es noch erwachsenen Menschen die in Freiheit leben wollte klatschnäuzig in den Rücken zu schießen. Die grüne Jugend ist da schon einen Schritt weiter, die möchte den ideologishen Abweichler am liebsten bereits vor der Geburt „auslöschen“.

Das grausame und fatale an diesem Verbrechen. Menschen wie diese zwei Mädch*Innen der (stalinistischen) grünen Jungend da auf dem Bild, sind leider der lebende Beweis dafür, das Abtreibung durchaus Probleme lösen kann bevor diese überhaupt „entstehen“….

giesemann
21 Tage her
Antworten an  Ali

So viel Hass und Neid, ?

Ali
20 Tage her
Antworten an  giesemann

@ Gieseman, sorry ich kann Ihnen da nicht folgen? Aus was sollte ich als Kritiker denn da bitte schön neidisch sein?

Und ja, leiden kann ich die Grünen Faschos in der Tat nicht. Das dies heutzutage immer gleich mit Hass gleichgesetzt wird bzw. Hass zu sein hat ist wohl eher Ihr persönlicher Wunsch? Ich möchte diese Herrschaften in ihrer Bedeutung für mich persönlich eigentlich nicht künstlich aufwerten.

Deutscher
21 Tage her

Wer für Abtreibung ist, nimmt in Kauf, dass er selber hätte abgetrieben werden können und befindet dies für in Ordnung. Für ihn wäre es auch ok, wenn die eigenen Geschwister im Mutterleib getötet worden wären, wenn die besten Freunde gar nie zur Welt gekommen wären.

Wie steht es um die geistige Gesundheit von Leuten, die nicht nur jegliche personifizierte Existenz für verzichtbar halten, sondern auch die hypothetische eigene Nichtexistenz befürworten? Was sagt uns dies über deren Lebensmotivation?

Politkaetzchen
18 Tage her
Antworten an  Deutscher

Nun, Leute wie ich waren nie Teil einer Gesellschaft. Und ich bin auch nicht narzisstisch genug, um mir einzubilden, dass mein Tod irgendeine Bedeutung für irgendjemanden hat. In Gegensatz zu den Drama Queens, die auf Facebook jeden zweiten Dienstag ihren Selbstmord ankündigen, sind wir alle austauschbar. Neuer Job, Umzug, neue Schule und schon ist alles was davor war vergessen und dank dem Internet kann man sich Freunde und Partner wie im Katalog neu zsm zimmern, weshalb die ach so große Trauer und Bestürzung einer Eintagsfliege gleicht. bevor man sich dem Alltag zuwendet.

Aufgewachter
22 Tage her

Die wahren guten und echten Demokraten diskutieren nicht, basta! Sie sind jung, radikal, haben die Wahrheit für sich und damit für „alle“ gepachtet. Jemand ist anderer Meinung? Klingt nach AfD und damit unzulässig! Am Beginn jeder Diktatur „Phase 1“ möchten sie anfangs nur dass Beste für „alle“ und jene welche nicht „alle“ oder „#wirsindmehr“ sind haben zu schweigen danach kommt „Phase 2“ und damit beginnt die Katastrophe ihren Lauf zu nehmen.

giesemann
22 Tage her

Den Grünschnäbeln muss man sagen, dass es in so manchen Kulturkreisen für Frauen und Mädchen keine Möglichkeit zur Empfängnisverhütung gibt und sie trotzdem ständig unter männlichem Beschuss stehen müssen, Stichwort auch Kinderehen. Meiner Tochter (33), Psychologin sagte ich neulich: Wärst du im Dunstkreis des Islam aufgewachsen, so wärst du inzwischen mehrfache Großmutter. Sie nickte nur stumm. Der Fortschritt, dass eine Frau, ein Mädchen nicht gezwungen werden kann, eine Schwangerschaft aus zu tragen ist zu akzeptieren – auch von den Männern hier. Schlimm genug, dass sie wie ein kleines Kind fragen muss, ob sie nun abbrechen darf oder nicht, gemäß §… Mehr

Walter Eiden
22 Tage her
Antworten an  giesemann

Es bringt nichts die Debatte jetzt wieder vom Grundsatz her aufzurollen. Es bringt aber genau so wenig irgend welche fremde Länder, Kulturen und Religionen als Argument einzubringen. Am Ende läuft es immer auf das EIgentumsrecht, die Selbstbestimmung und dem Recht auf Leben und ab wann dieses so bezeichnet werden darf hinaus.
So gesehen kann man die jetzigen Regelungen vielleicht als akzeptablen Kompromis bezeichnen.
Aber eins sollte man immer im Hinterkopf behalten: Alle hier Schreibenden und Lesenden sind nicht Opfer eine Abtreibung!

giesemann
21 Tage her
Antworten an  Walter Eiden

„Irgendwelche“? Wir wissen doch, wer das ist. Bis vor nicht allzu langer Zeit waren die Frauen auch hier einem Männerregime unterworfen – la soumission nach Michel Houellebecq.

Ali
21 Tage her
Antworten an  giesemann

Sie haben recht mit Ihrer Argumentation. Es gibt sicherlich durchaus berechtigte Fälle für eine Abtreibung. Zumindest aus Sicht der werdenden Mütter. Das ungeborene Leben hingegen trägt ja nicht einmal die Schuld an dem Zustandekommen seiner Entstehung. Da liegt eigentlich ja die Krux. Den kleinen Stalinisten der grünen (eigentlich dunkelrot/tiefbraunen) Jugend geht es aber um etwas anderes. Sie wollen das der Staat Ihnen die Eigenverantwortung an ihrem Handeln abnimmt, bzw. für ihr Handeln haftet: Pille vergessen, gerade kein Kondom zur Hand? Scheißegal, treiben wir eben auf Staatskosten ab, Hauptsache „immer Spaß“. Es gibt Verhütungsmethoden genug, die Kinder werden seit 50 Jahren… Mehr

Der Ketzer
22 Tage her

Die jungen Grünen gefallen sich als Diktatoren? Stellt sich die Frage, ob sie dazu neigen, weil sie aus der deutschen Geschichte nichts gelernt haben, oder gerade weil sie daraus gelernt haben? Die Neigung zum Sozialismus ist ja nicht zu übersehen. Da ist es dann letztlich egal, ob er national, real existierend oder eine andere Form annimmt …

Niklot
22 Tage her

Die Würde des ungeborenen Menschen ist unantastbar, und nicht nur das, er hat auch ein Recht auf Leben. Aber Ideologen zählt der einzelne Mensch nichts, egal ob geboren oder ungeborenen.

francomacorisano
22 Tage her

Nach den Träumen der Grünen Jugend müsste es wohl eine „Pflicht zum Abtreiben deutscher Kinder“ geben?!?
Umso schneller würde die weiße Rasse aussterben…?!?