Erdogan-Regime bedroht Eltern des deutschen Türkei-Experten Burak Çopur

Der Politologe Burak Çopur hat sich gegen die Unterwanderung deutscher Parteien durch Islamisten und Erdogan-Anhänger engagiert. Nun erhielten seine in der Türkei lebenden Eltern einen Anruf vom türkischen Geheimdienst. Dass Çopur Deutscher ist, spielt für Erdogans Regime offenbar keine Rolle.

imago images / Jürgen Heinrich
Burak Çopur
Der Politologe Burak Çopur ist ein renommierter deutscher Türkei-Forscher und Kritiker der dortigen Regierung – und das seit über einem Jahrzehnt. Nun soll Çopur offenbar vom türkischen Geheimdienst (MIT) beobachtet werden und auf der Liste der Staatsfeinde stehen. Der MIT hat offenbar seine in der Türkei lebenden Eltern per Telefon einzuschüchtern versucht. Gegenüber der Zeitung Der Westen erzählt Çopur: „Ein Geheimdienstmitarbeiter, der für NRW zuständig ist, hat meinen Eltern wohl mitgeteilt, dass es eine Akte zu meiner Person geben würde. Ich solle es ab sofort unterlassen, von Deutschland aus Erdogan-kritische oder pro-kurdische Aussagen in der Öffentlichkeit zu tätigen.“

Doch wieso passiert das gerade jetzt? Dieser Einschüchterungsversuch ereignete sich kurz nach den NRW-Kommunalwahlen. Womöglich liegt es an Çopurs Unterstützung für die Aufdeckung von Lobbyismus und Unterwanderung deutscher Parteien durch Erdogan-Anhänger.

Vor der Kommunalwahl 2020 in Nordrhein-Westfalen wurden mehrere Anhänger von Erdogan, der türkischen Regierungspartei AKP und der rechtsextremen Grauen Wölfe entlarvt. Zu öffentlichen Skandalen wurde das vor allem mit einer gemeinsamen SWR-Reportage von Report Mainz und Der Westen, in welcher der CDU-Politiker Sevket Avci endgültig als Grauer Wolf entlarvt wurde, der gleichzeitig ein AKP-Lobbyist ist. In dieser Reportage trat auch Çopur auf und kommentierte das Geschehen kritisch. Schon Tage vorher äußerte er sich in sozialen Medien zu dem Fall Ilhan Bükrücü. Der CDU-Politiker aus Gelsenkirchen entpuppte sich ebenfalls als AKP- und Erdogan-Lobbyist. Die CDU zog daraufhin die Reißleine. Bükrücü legte seine Ämter nieder und verzichtete auf das Mandat bei den Kommunalwahlen.

Der Westen trug durch journalistischen Druck maßgeblich zu der Entscheidung der CDU-Gelsenkirchen bei und blieb und bleibt auch bei anderen aktuellen Lobbyismus-Fällen am Ball. Burak Çopur hatte der Zeitung seine Einschätzung im Fall Kocabey gegeben. Selvet Kocabey, ein Grünen-Politiker in Bielefeld, ist ein mutmaßlicher Milli-Görüs-Funktionär, der ebenfalls zur NRW-Kommunalwahl 2020 antrat. Çopur warnte in dem Beitrag, dass demokratische Parteien von Islamisten und türkischen Nationalisten unterwandert werden. Zu Der Westen sagte er:

„Die AKP ist ein zentraler Bestandteil des politischen Islam und stammt aus der Milli Görüs-Bewegung. Erdogans Ziehvater war bekanntlich der Islamist Necmettin Erbakan, ein Mitbegründer und Vordenker der Milli Görüs. Der Bundesverfassungsschutz listet die IGMG in seinem Bericht auf. Unbestritten ist, dass Teile der Milli Görüs-Bewegung ein antisemitisches, antiwestliches und antidemokratisches Weltbild pflegen.

Es ist naheliegend, dass die vermehrten Aufdeckungen von Lobbyisten und Çopurs laute Kritik an diesen, nun offenbar Anlass für das Regime in Ankara bilden, gegen ihn aktiv zu werden. Der Einschüchterungsversuch gegen Çopur zeigt, wie essenziell für den türkischen Präsidenten Erdogan und seine Regierungspartei AKP der Lobbyismus und die systematische Unterwanderung der Parteien in Deutschland sind.

Parteien und Politiker, die seit Jahrzehnten Lobbyismus seitens der Türkei dulden und Erdogans Politik über Jahre hinweg blind sowie wissentlich unterstützen, tragen Mitschuld an diesem Bedrohungsszenario. Durch die Familie in der Türkei wird versucht, einen deutschen Staatsbürger einzuschüchtern und damit diesen Kritiker zum Verstummen zu bringen. Rechtsanwalt Mehmet Kilic wies via Twitter auf die Einschätzung des Geheimdienst-Experten Schmidt-Ehnbohm bereits vor zwei Jahren hin, dass der türkische Geheimdienst versucht, Druck auf die Verwandten auszuüben. Dies darf nicht zu einer gängigen Strategie des türkischen Staates werden für deutsche und europäische Staatsbürger.

Wann schalten sich die Politiker ein?

Gegenüber Der Westen erklärte der Türkei-Experte bezüglich der Warnung: „Der türkische Staat versucht eigentlich, über seine Vereine, Lobbyorganisationen und Moscheegemeinden Einfluss auf die türkischstämmigen Menschen zu nehmen. Das alles wird von den türkischen Konsulaten und dem Geheimdienst gesteuert. Es interessiert dabei nicht, ob man deutscher Staatsbürger ist. Für die Türkei gilt: ‚Einmal Türke, immer Türke‘.

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Kommentare ( 25 )

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reiner
16 Tage her

Man bekommt dieses Problem nicht unter Kontrolle,weil Merkel Angdst hat,dass am Ende 3 Millionen von denen hier zum Kampf aufrufen. Na ja 3 Millionen ist übertrieben aber 100000 von denen reichen aus ,um den Staat hier zu zersetzen,wetten..
Was sich dieses Land bieten lässt aus aller Herren Länder ist glaube ich einmalig.. Ja,12 Jahre haben damals ausgereicht ,so das man heute kuscht vor allem.Erdogan schwingt ja des öfteren die Nazikeule..

Sonny
1 Monat her

Deutschland wird erst dann für diese ganzen Landnehmer unattraktiv, wenn es nichts mehr zu holen gibt und die gesamte Infrastruktur und der Lebensstandard genauso marode und verkommen geworden ist, wie in den Herkunftsländern der Landnehmer.
Wohlan, da sind wir auf einem „guten“ Weg.

Gottfried
1 Monat her

‚Einmal Türke, immer Türke‘. Ist ja klar! Es gilt ja auch: Einmal Moslem, immer Moslem. Wer sich nicht dran hält, Kopf ab! Warum straft man eigentlich nur Russland mit Sanktionen und schaut bei der Türkei weg?

Peter Pascht
1 Monat her

„Dass Çopur Deutscher ist, spielt für Erdogans Regime offenbar keine Rolle.“

Sorry, aber das ist nicht das türkische Verständnis von Nationalität.

Während heutzutage in Deutschland das „ethnisch-kulturelle“ Merkmal die Zugehörigkeit bestimmt, so ist es in der türkischen Kultur noch immer so wie vor 1000 Jahren das „ethnisch-biologische“ Kriterium.
Für das türkische Verständnis ist er kein Deutscher.
Allerdings sollten zumindest türkische Behörden den Rechtstatus als ausschlaggebend akzeptieren.

Albert Pflueger
1 Monat her
Antworten an  Peter Pascht

Das glauben Sie ja selbst nicht, daß das ethnisch-kulturelle Merkmal in Deutschland von Bedeutung ist. Es herrscht absolute Wahllosigkeit stattdessen.

Ralf Poehling
1 Monat her

Zitat:“„Der türkische Staat versucht eigentlich, über seine Vereine, Lobbyorganisationen und Moscheegemeinden Einfluss auf die türkischstämmigen Menschen zu nehmen. Das alles wird von den türkischen Konsulaten und dem Geheimdienst gesteuert. Es interessiert dabei nicht, ob man deutscher Staatsbürger ist. Für die Türkei gilt: ‚Einmal Türke, immer Türke‘.““ Das ist so nicht (mehr) ganz richtig, denn das Problem haben mittlerweile nicht mehr nur türkischstämmige Menschen in Deutschland, sondern auch alle anderen, die sich diesem Problem aktiv entgegenstellen. Also auch Zuwanderer aus anderen islamischen Ländern und sogar Deutsche Ureinwohner. Und es sind mitnichten nur die Türken, die bei uns so vorgehen, sondern auch… Mehr

Carlos
1 Monat her

Wenn Ihnen eine hochmotorisierte Luxuskarre mit ohrenbetäubendem Lärm entgegenkommt, dann können Sie zu 95% sicher sein, wer da drin sitzt. Auch das will Erdogan so.

Hannibal Murkle
1 Monat her

Traurig für die Familie in der Türkei, doch wenn eine gewisse Weltherrscherin verkündet, mir gesamtes Geld an Klima-Weltrettungsfonds umzuleiten, kann ich mich auf fremdes Unglück nicht konzentrieren. Das wäre eine Sache für die FDP – kompromisslos für die Freiheit kämpfen, sofern dies sicher entfernte Weltgegenden betrifft.

Bin ich sehr egoistisch?

macrotrader
1 Monat her

Mich würde interessieren, wieviel und wo genau die Unterwanderung stattfindet.
Es sollte eine Art Kronzeugenschutzprogramm starten um die ganzen Verbindungen aufzudecken. Wir wären vielleicht überrascht wer alles verwickeltl ist……

sponk07
1 Monat her

Tja, so ist das halt wenn man Menschen importiert. Man kriegt alles mögliche mitgeliefert.

Marcel Seiler
1 Monat her

So geht Multi-Kulti!

Wenn die Multikulturalisten an anderen Kulturen interessiert wären, würden sie das zur Kenntnis nehmen und in ihre Überlegungen einbeziehen. Das werden sie aber nicht tun.