Was der Binance-Hack über den digitalen Euro verrät

Zur Schadensbegrenzung während des Binance-Hacks froren die Stablecoin-Anbieter Tether und Circle spontan und unbürokratisch Kundengelder ein. Mit Blick auf den digitalen Euro lässt diese Machtfülle nichts Gutes ahnen – das digitale Zeitalter enthüllt seine hässliche Fratze.

picture alliance / SIPA | Yassine Mahjoub

Nicht wenige Binance-Kunden dürften in den vergangenen beiden Tagen froh gewesen sein, dass die sprichwörtliche Feuerwehr während des großen Token-Diebstahls schnell und unbürokratisch eingriff: Etwa 6,3 Milliarden US-Dollar wurden aus den Hot Wallets der Kryptobörse abgezogen. Nach ersten Erkenntnissen gelangten die Angreifer über einen kompromittierten Rechner eines Binance-Mitarbeiters in die Systeme. Hinter dem Angriff wird eine professionelle, vermutlich nordkoreanische Hackergruppe vermutet. Ein Teil der gestohlenen Vermögenswerte bestand aus US-Dollar-Stablecoins von Tether und Circle. Beide Unternehmen reagierten kurz entschlossen und froren betroffene Token-Bestände und Transaktionen ein – Schadensbegrenzung, die durch die technische Architektur der Blockchain und die zentrale Verwaltung der jeweiligen Stablecoins möglich wurde.

Allerdings geht dieser flexible Kampf gegen digitale Diebe mit einer radikalen Preisgabe individueller Souveränität einher – Bitcoin und nicht zentralisierte Kryptobörsen oder Blockchains sind das eigentliche Versprechen auf individuelle Freiheit, das uns die digitale Welt bieten sollte. Zentral organisierte Stablecoin-Systeme sind das Gegenteil dessen, was man in der Bitcoin-Szene unter individueller Souveränität versteht: Dort schützt ein Netz aus Tausenden dezentral operierenden Minern und Node-Betreibern die Integrität des Systems und seine Unantastbarkeit durch eine Zentralinstanz – ein digitales Anti-Fiat-Geldsystem, wenn man so will.

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Tether und Circle hingegen haben der Welt einmal mehr vorgeführt, was es bedeutet, finanzielle Selbstbestimmung in die Hände einer zentralen Instanz zu legen. Gerät diese Macht in ethisch bedenkliche Hände – etwa in die eines Staatsapparats, der sich seiner Opposition entledigen, unbotmäßige Kritiker zensieren und sie letztlich vom Finanzsystem abschneiden will –, sind solche Eingriffe mit wenigen Handgriffen möglich. Ist dies mit der Blockchain-Technologie noch flexibler möglich, als wir es im traditionellen Bankensystem bereits regelmäßig erleben? Es ist eine fatale Entwicklung, denn dieser Interventionismus wird mit Hilfe zentralisierter Blockchain-Technik regelrecht zum Standard, zu einer Pervertierung des bereits kritischen traditionellen Bankensystems.

Prominente Fälle, in denen politisch exponierte Persönlichkeiten ihre Bankverbindungen verloren, gab es in der Vergangenheit reichlich. Im wohl bekanntesten Fall verlor US-Präsident Donald Trump 2021 die Bankverbindungen seiner Unternehmen bei JPMorgan Chase – etwa einen Monat nach dem seltsamen Vorgang rund um das US-Kapitol. Die Bank kündigte die Konten ohne konkrete Begründung. Für Trump ein klar politisch motiviertes Debanking.

Ähnlich gelagert war auch der Fall des britischen Politikers Nigel Farage, der 2023 sein Konto bei der Privatbank Coutts verlor. Auch Marine Le Pen, die damalige Vorsitzende des Front National und Präsidentschaftskandidatin, erlebte 2017 klassisches Debanking, das sich auf ihre Partei ausweitete. Für die französische Zentralbank war dies kein Problem. Sie sah in den Kündigungen keinen Verstoß gegen geltende Vorschriften.

Immerzu verlockt die Korruption durch Macht – und Banken kooperieren traditionell mit der Herrschaft, schließlich sind sie die Großfinanziers des Staatsapparates und verdienen nicht schlecht an Staatswirtschaft und Schuldenmacherei. Die Blockchain-Technologie wäre die konsequente Ausweitung dieser Macht: Kritiker per raschem Knopfdruck kaltzustellen – der Traum einer jeden verborgenen Diktatorenseele.

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Es fällt nicht sonderlich schwer, an dieser Stelle eine gedankliche Brücke zur EU-Kommission und zur Europäischen Zentralbank zu schlagen, zu offensichtlich sind die Bestrebungen des Machtkörpers in Brüssel, Gesetzgebungskompetenz und geldpolitischen Einfluss unter eigene Kontrolle zu bringen.

Der regulatorische Brückenkopf zur neuen Blockchain-Technologie ist in der EU die MiCA-Verordnung. Sie verpflichtet jeden Anbieter von Kryptodiensten zu maximaler Transparenz, deren Schlussakkord wohl ein europäisches Vermögensregister bilden soll. Darin würden sich sämtliche Beteiligungen, Aktienpakete, Immobilien, aber auch die bislang verborgenen Bitcoin-Bestände der Bürger wiederfinden – ganz transparent, fiskalisch abmelkbar, sozial enorm gerecht, wie sie sagen würden.

Der EU-Schuldenclub bereitet sich vor – von hoher Besteuerung bis hin zur kalten Enteignung. Ein fiskalischer Überlebenskampf hat eingesetzt, und die Idee hinter der MiCA-Verordnung ist letztlich, fiskalische Transparenz herzustellen, aber auch den Rahmen für den digitalen Euro bereitzustellen.

Dieser befindet sich kurz vor seiner ersten Testphase und würde für den gesamten Kryptobereich zum Clearing-Standard. Das bedeutet, dass jede Transaktion aus dem klassischen Fiat-Geldsystem in den Kryptobereich und umgekehrt über die digitale Kontrollschranke der EZB gesteuert würde – eine massive Machtakkumulation in den Händen des klandestinen Frankfurter EZB-Towers, der inzwischen vollständig in das Brüsseler Machtgeflecht eingebaut ist.

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Bis Ende des Jahres soll die Rechtsgrundlage für den digitalen Euro geschaffen werden. Der Pilotbetrieb könnte in der zweiten Jahreshälfte 2027 beginnen, erste Wallets für private Nutzer stehen für 2029 auf dem Programm. Pikant dabei: Der Großteil der Geschäftsbanken würde so aus dem Spiel genommen, denn die Verwahrfunktion von Kundengeldern wanderte auf diese Weise in den Machtbereich der EZB.

Brüssel hat sich auf den Weg zur vollkommenen Zentralisierung der Macht aufgemacht. Damit schafft die EU-Kommission als Zentralkörper einen ungeheuren politischen Spielraum für bösartige Akteure, aber auch eine Vulnerabilität des Finanzsystems, die, das zeigte der Binance-Hack eindrucksvoll, bislang nicht kontrollierbar ist.

Es hat ein Kampf um die individuelle Souveränität begonnen, an dem jeder zunächst für sich allein steht und der großen Herausforderung durch einen zunehmend feindseligen Staatsapparat begegnen muss. Aus finanzieller Sicht setzen die einen auf Edelmetalle in Eigenverwahrung, andere ergreifen die Flucht ins Ausland oder vertrauen Bitcoin, dem digitalen Gold, das im Gegensatz zu den Stablecoins nicht zensierbar ist. Langsam werden die kritischen Aspekte des digitalen Zeitalters sichtbar.

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