Der größte Diebstahl aller Zeiten

Die größte Crypto-Börse der Welt wurde gehackt. Was das für Bitcoin-Halter bedeutet.

picture alliance / SIPA | Yassine Mahjoub

In der Nacht zum Freitag wurde die Crypto-Börse Binance gehackt. Insgesamt wurden USDT, USDC, BTC und ETH im Wert von rund sechs Milliarden US-Dollar gestohlen. Das macht es nicht nur zum größten Crypto-Hack aller Zeiten, sondern auch zum größten Diebstahl der Geschichte überhaupt.

Binance ist die größte Crypto-Börse der Welt mit einem Marktanteil von rund 40 Prozent. Der Kopf ist Changpeng Zhao, kurz „CZ“, der das Unternehmen 2017 in Shanghai gründete. Die Hacker – vermutlich aus Nordkorea – bekamen wohl Zugang zum Laptop eines Mitarbeiters und machten sich dann an die Arbeit. Staatlichen Akteuren waren Binance schon immer ein Dorn im Auge. Die Börse entzog sich immer wieder Regulierungen und wechselte mehrfachen ihren Firmensitz: Von China zu den Cayman Islands, Malta, den Seychellen und aktuell Abu Dhabi.

Erfahrene Bitcoin-User wissen: Wirklich sicher sind Bitcoins nur in selbstständiger Verwahrung, genannt „Self Custody“, auf sogenannten „Cold Wallets“. Cryptobörsen werden immer wieder gehackt. Solche Hacks treffen nie Bitcoin selbst, sondern immer die Software-Strukturen, die um Bitcoin gebaut werden. Der bis diese Woche größte Vorfall dieser Art war der Hacker-Angriff auf die Bitcoin-Börsen Mount Gox 2014. Damals wurden rund 7% aller sich im Umlauf befindenden Bitcoins gestohlen. Allerdings nehmen Angriffe dieser Art seit einigen Monaten zu. KI-Agenten können Schwachstellen im Code immer schneller aufspüren.

Bitcoin fiel in einer ersten Reaktion auf 76.000 US-Dollar. Das ist angesichts der Größe des Hacks ein moderater Kursrückgang. Und die gute Nachricht für alle Betroffenen: CZ, sprich Binance, wird die Verluste schnell ersetzen. Die Börse sitzt auf gewaltigen Cash-Reserven. Im SAFU (Secure Asset Fund for Users) liegen außerdem 15.000 Bitcoin für solche Fälle bereit. Tether und Circle haben die betroffenen Stablecoins eingefroren (ja, sie haben die Möglichkeit dazu, und Tether tat das im Falle Iran auch auf Anweisung der US-Regierung). Der Fall unterscheidet sich also auch grundlegend von der FTX-Pleite 2022. SBF betrog User und FTX hatte nicht die Mittel, Kunden zu entschädigen.

Binance will nun mit sechs Milliarden US-Dollar aus Unternehmensmitteln die betroffenen Coins zurückkaufen. Das könnte sich ironischerweise sogar positiv auf den Kurs auswirken.

Philipp Mattheis berichtet in seinem Newsletter blingbling.substack.com regelmäßig über Bitcoin, Geld und Geopolitik.

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