Unsere gelenkte Demokratie: Harald Martenstein im Sommerinterview

Vom Marxisten zum Kritiker der „gelenkten Demokratie“. Kolumnist Harald Martenstein warnt im Sommerinterview mit Maximilian Tichy davor, dass sich Deutschland zunehmend in eine autoritäre Richtung bewegt.

 

Vom Marxisten zum Realitäts-Analysten: Harald Martenstein im Sommerinterview.

Heute Rechtsversteher, früher Marxist: Nach 24 Jahren beendet Harald Martenstein seine Zeit als Kolumnist bei der „Zeit“ und wechselt zu Axel Springer.

Mit seiner Rede beim fiktiven „Prozess gegen Deutschland“ im Hamburger Thalia Theater sorgte Martenstein bundesweit für Aufsehen. Als „Zeuge“ sprach sich der Journalist gegen ein Verbot der AfD aus. Eine Partei dieser Größe könne seiner Ansicht nach nicht aufgrund einzelner Äußerungen verboten werden. Dafür brauche es handfeste Belege für konkrete Umsturzpläne oder Gewaltbereitschaft. Demokratie verteidige man nicht, indem man unliebsame politische Meinungen aus dem demokratischen Wettbewerb ausschließe.

Martenstein warnt: „Wenn man Wahlergebnisse durch schmutzige Tricks entwertet, ist das der Weg in den autoritären Staat. Wir brauchen keine Revolution, wir müssen diese Regierung einfach abwählen.“

Seit der Zensur von 2015 beobachtet Martenstein zudem eine gefährliche „Herdenmentalität“ in deutschen Redaktionen. Abweichende Positionen hätten es zunehmend schwer. Für ihn ist klar: Echte Diversität bedeutet auch Meinungsvielfalt. Doch stattdessen fürchteten viele Journalisten die persönlichen und beruflichen Folgen, wenn sie vom vorherrschenden Kurs abweichen.

Im Sommerinterview mit Maximilian Tichy blickt Martenstein deshalb auch auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September. Sie könnte für ihn zum Schlüsselmoment werden. Sollte die AfD die Wahl gewinnen, anschließend aber unabhängig vom Ergebnis grundsätzlich vom Regieren ausgeschlossen werden, wäre das für Martenstein ein weiteres Indiz dafür, dass sich Deutschland in eine autoritäre Richtung bewegt.

Über Migration und die Folgen des Jahres 2015, die Brandmauer gegen die AfD, Meinungsfreiheit und Journalismus bis hin zu seinem Worst-Case-Szenario einer „gelenkten Demokratie“: Harald Martenstein analysiert im Sommerinterview, wo Deutschland heute steht – und wohin sich das Land entwickeln könnte.

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