Betont gelassen will Friedrich Merz das ZDF-Sommerinterview hinter sich bringen. Doch er schafft es nicht. Spahns Babykauf, die Steuererhöhungen, seine eigene extreme Unbeliebtheit – am Ende sieht Merz nur einen Ausweg: alle beschimpfen, sogar das ZDF. Von Brunhilde Plog
Screenprint: ZDF/Das Sommerinterview
Braungebrannt sitzt er da, am Badesee im Sauerländischen. Die Sonne lacht, Moderatorin Diana Zimmermann ebenfalls. Im Hintergrund schippern Segelboote durchs Bild. Das Sommerinterview in seiner Heimat könnte so schön werden. Die Causa Spahn in letzter Sekunde entschärft, die „Reformpakete“ in trockenen Tüchern, die Sommerpause ruft.
Aber nichts da. So braungebrannt er da sitzt, so ausgebrannt wirkt der Kanzler der zweiten Wahl schon nach wenigen Sekunden. Zunächst gibt er zu, dass er im Fall Spahn erst am Sonnabend bemerkt habe, „welchen Imageschaden für die Partei es auslösen würde“. Mit anderen Worten: Er hat den Babykauf seines Fraktionsvorsitzenden bis zur letzten Sekunde komplett unterschätzt. Und das, obwohl er weit vor allen anderen von Spahn selbst über dessen unsägliche Aktion – in den USA eine Leihmutter als Brutkasten zu buchen – informiert worden war. Schlafmützenkanzler?
Als er von dem Baby hörte – „was ging Ihnen da durch den Kopf?“, will Zimmermann wissen. „Zunächst einmal das Wohl des Kindes“, flötet der Kanzler. Dann druckst er herum. Die Sache ist ihm unangenehm, und darüber zu reden, noch viel unangenehmer.
Wer Spahn als Fraktionschef ersetzen soll, will Merz nicht verraten. Warum Spahn überhaupt noch im Bundestag verbleiben kann, seine Diäten kassiert, lediglich den Fraktionsvorsitz abgibt, aber nicht achtkantig rausfliegt, das fragt Zimmermann nicht. Dabei sei der Schaden für die Umfragewerte der CDU und des Kanzlers doch wirklich außerordentlich, weil Politiker offenbar „das eine tun und das andere nicht lassen“. Der Kanzler eiert. „Wir haben es mit einer Vertrauenskrise der Demokratie insgesamt zu tun.“ Er kritisiert „die Tonlage“ im Parlament und „diese persönliche Herabsetzung“. Das alles „schadet unserer Demokratie“. Über seine eigenen miserablen Werte spricht er nicht.
Zimmermann schon. Es könnte vielleicht an seinen vielen Lügen liegen. Dass er vor der Wahl dauernd etwas anderes versprochen habe als er nach der Wahl tat. Merz macht jetzt eine kuriose Kausalkette auf. „Ich bin auch von anderen Voraussetzungen ausgegangen.“ Der Ukrainekrieg sei – für ihn offenbar völlig überraschend – ins vierte Jahr gegangen, dann die Sache mit den bösen Amis, die sich von Europa abwenden und den bösen Chinesen, die die ganze Welt unter Druck setzen. Das seien „alles Dinge, die sich so massiv geändert haben“, und zwar exakt zwischen seiner Wahl und der Konstituierung des neuen Bundestags. Er ist offenbar überzeugt davon, dass Zimmermann und die Zuschauer ihm diese Räuberpistole abnehmen.
Zimmermann stichelt weiter: Das angebliche Reformpaket sei gar keines. Er habe es den Bürgern als Entlastung verkauft, dabei sei es „bestenfalls ein Ausgleich“. 81 Prozent würden die Lasten der Reformen als nicht gerecht verteilt empfinden. Merz wird maulig: dass seine Reform so miesgeredet wird. „Wir haben sie noch nicht verabschiedet, und schon steht das Urteil der Medien fest“, stöhnt er. „Wir können im Augenblick nicht viel mehr machen, weil die Staatsfinanzen sehr angespannt sind“. Warum aber stets und offenbar unbegrenzt Geld für die Ukraine, NGOs und Entwicklungshilfen in aller Welt da ist – diese Frage stellt Zimmermann nicht.
Stattdessen lässt sie seine – schon jetzt legendäre – „Nörgler wegtreten!“-Pöbelrede einspielen und fragt, warum er ständig andere Leute „relativ harsch“ angeht: „Warum so ruppig im Ton?“
In diesem Moment wird einer aber mal richtig sauer im schönen Sauerland. Das sei doch nur ein kleiner Ausschnitt aus seiner Rede gewesen, mault Merz. Das ZDF arbeite unsauber und lasse entscheidende, positive Passagen weg. „Das war unvollständig, was Sie hier gerade gezeigt haben“, sagt Merz, nur um dann sogleich die fragliche Aussage fast vollständig noch einmal zu wiederholen: „Diese ewige Nörgelei, diese ewige Nölerei, dieses Schlechtreden, dieses Kaputtreden unseres Landes – Ich darf mir das bei solchen Gelegenheiten auch mal erlauben: Ich bin es einfach leid.“ Den ZDF-Verantwortlichen schickt er dafür gleich noch eine Arbeitsanweisung hinterher: „Das nächste Mal bitte den ganzen Kontext“, sagt er mit einer Mine, dass man ihn sich lieber nicht als Chef vorstellen möchte.
Zimmermann ficht das nicht an: „Sie reden aber bisweilen auch schlecht über die Deutschen. Von denen sind viele beleidigt von verschiedenen Bemerkungen.“ Sie nennt Stichworte wie Arbeitsmoral, Arbeitszeiten, Krankschreibungen. Des Kanzlers Laune fällt nun endgültig in den Keller. Er, der bei öffentlichen Auftritten gern mal ausgebuht oder beschimpft wird, erzählt plötzlich schier Unglaubliches. Es hört sich an wie des Kaisers neue Kleider. Er bekomme ja so viel Zuspruch für genau solche Bemerkungen, sagt er Er müsse hier mal betonen, „dass viele Menschen gesagt haben, genau so ist es, wie der Friedrich Merz das gesagt hat.“ Schuld seien aber mal wieder die Fernsehsender. „Die kommen in ihrer Berichterstattung kaum vor. Sie zeigen immer nur die, die Kritik an mir äußern. Ich bekomme sehr viel Zustimmung in der Bevölkerung.“
Der Kaiser ist aber hübsch angezogen.
Nun sind die Umfragewerte aber dennoch im Keller. Merz: „Deswegen werden wir noch viel mehr erklären müssen.“ Grund genug offenbar, seine Vorwürfe an die Deutschen auch gleich nochmal voller Inbrunst für die Fernsehkameras zu wiederholen: „Die Schweizer arbeiten 200 Stunden mehr als die Deutschen. Unsere Produktivität ist zu gering, unsere wirtschaftliche Leistung ist zu gering und, da müssen wir was dran tun.“
Die anstehenden Landtagswahlen, bei denen die AfD beispielsweise in Sachsen-Anhalt erstmals stärkste Kraft werden könnte, bezeichnet Merz als „ein Problem der politischen Mitte in Deutschland“. Dann behauptet er, dass „in Anwesenheit des AfD-Parteivorsitzenden die alte DDR-Nationalhymne mit voller Begeisterung gesungen“ worden sei. Dass ausgerechnet die kritisierte Strophe eben nicht die Nationalhymne, sondern im Gegenteil in der DDR sogar verboten war, erwähnt Merz nicht. Zimmermann ebenfalls nicht. Die Behauptung bleibt einfach so im Raum stehen.
Ob er einen Moment für sich definiert habe, an dem er sagt: Es ist Zeit, zu gehen?, will Zimmermann wissen. „Nein“, sagt Merz. Er sieht noch Großes vor sich: Die Menschen vor der AfD zu warnen. „Wir werden versuchen, die Menschen davon zu überzeugen, dass das ein Irrweg ist.“
Und im Hintergrund dümpeln die Segelboote. Der Wind ist weg.


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Ich hatte heute mit einer Gruppe von Jugendlichen zu tun. Sagt der eine zum andern: „Du fritzelst doch!?!“ Dachte, ich höre nicht recht und frage nach. Doch doch, unter den Jugendlichen ist „fritzeln“ jetzt das Synonym für „lügen“. Herrlich. Großartig.
„Merkeln“ (= aussitzen) und „scholzen“ (= vergesslich sein) gabs ja auch schon. Wenn’s nicht so lang wäre, könnte man „steinmeiern“ als Synonym für „hohle Phrasen dreschen“ nehmen.
Allein schon, daß solche Wortschöpfungen entstehen können, deutet darauf hin, mit was für einer Negativauslese wir es hier zu tun haben.
Was mich immer wieder dermaßen erschreckt ist die unfassbare Lust dieses Politclowns unser Land , nicht sein Land ; in einen Krieg mit Russland zu verwickeln. Diese unfassbare Frechheit in Nörvenich aufzutreten und eine nucleare Teilhabe für dieses Land zu fordern . Das ist Provokation pur . Steht doch in der Verfassung das nie wieder ein Krieg von diesem Lande ausgehen darf. Von aktiver Friedensdiplomatie hat diese Flachzange sich verabschiedet – die macht Blackrock ja nicht fett. Er wird sich ,wieso viele feige Verbrecher , verstecken wenn es zum Knall – von ihm und seinen Vasallen ausgelöst – kommt .… Mehr
Mimimi-Merz macht miese Mine zum eigenen miesen Spiel. Ist dieser Mann überhaupt zu etwas anderem in der Lage? Abgesehen von seinem aus Unwissenheit, Unfähigkeit und Ratlosigkeit aufgesetztem Lächeln?
Merz‘ Politik ist bestens, sie wurde den Bürgern nur nicht richtig erklärt.
Warum muss ich da an Radio Eriwan denken?
Mich interessiert es nicht die Bohne, was dieser m.E. Übergangskanzler so von sich gibt. Er kann es nicht und will es nicht einmal versuchen. Damit ist der Typ für mich längst Geschichte. Sinnvolles wird da m.E. nicht mehr kommen. Verlorene Jahre.
im Grunde nur bla bla bla, ich bin der Tollste, alle anderen verstehen mich falsch usw,. dieser second Hand Kanzler gehört schnellsten ins Nirwana der Geschichte, Merke von nachweislich Unfähigen kann man keine Fähigkeit erwarten, desweiteren, alles was aus dieser Richtung kommt ist entweder gelogen, Unsinn oder geheuchelt.
Der passt eben zu seinen Wählern (von denen die meisten natürlich aus seiner Alterskohorte stammen).
Der Witz des Jahrhunderts war ja wohl das Argument, dass der Ukraine Krieg länger als erwartet dauert. Was hat dieser Mensch denn zur Verkürzung des Kriegs beigetragen?
Nicht einmal hat er von der Leyen auf die Füße getreten, dass diese Friedensgespräche führt. Selbst hat er kein einziges Gespräch mit Putin geführt. Das einzige was er gemacht hat, war immer mehr deutsches Steuergeld bei Selenskyj abzuliefern, um den Krieg noch mehr in die Länge zu ziehen.
Dieser Mann hat eine seltsame Wahrnehmung.
Hätte Herr Merz etwas von einem Staatsmannes in sich, hätte er dies gegen Ende des Interviews gesagt: Friedrich Merz: „Frau Zimmermann, wir haben in dieser halben Stunde sehr intensiv über die Lage unseres Landes gesprochen – und vor allem über meine Rolle darin. Ich habe in den letzten Wochen und Monaten viel nachgedacht, und die heutigen Zahlen des DeutschlandTrends, aber auch die tiefen Risse in meiner eigenen Fraktion nach dem Rücktritt von Jens Spahn, lassen für mich nur einen Schluss zu. Ich bin vor einem Jahr mit dem Anspruch angetreten, dieses Land zu einen, der Wirtschaft neue Kraft zu geben… Mehr
Sie setzen intellektuelle Kraft und Integrität voraus, die so einfach nicht vorhanden ist. Nicht vergessen: Der ist von der CDU. Da gibt es so etwas nicht.
„So braungebrannt er da sitzt, so ausgebrannt wirkt der Kanzler der zweiten Wahl schon nach wenigen Sekunden.“ Ja, da möchte man dem Kanzler die eigenen Worte zurufen: wenn er Entspannung und Frieden haben will, soll er auf den Friedhof gehen. „Er ist offenbar überzeugt davon, dass Zimmermann und die Zuschauer ihm diese Räuberpistole abnehmen.“ Dad dürfen wir auch niemals in Frage stellen. So ist das bei Pseudologia phantastica, die Betroffenen werden sich ihrer Verhaltensauffälligkeiten oft gar nicht bewusst und tun das was sie so tun, oft ohne direkte Vorteile. Nun gut, er wird es bei den nächsten Wahlen sehen,… Mehr
Leider gibt es noch Wähler, die ernsthaft glauben, dass, das „C“ (für Christliche) im Parteinamen, der Garant, für Wahrheitsliebe und Anstand ist.
Ja, noch, aber nicht mehr lange.