„Wir werden nur noch angelogen“ – Tina Ruland rechnet mit der Politik ab

„Es gibt scheinbar keine Ehre und kein Gewissen mehr in der Politik“, sagt Tina Ruland. Politiker ignorierten den Souverän, säßen Affären aus und sorgten vor allem für die eigene Karriere und lebenslange Versorgung.

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Solche Sätze gehören auf Veranstaltungen der deutschen Unterhaltungsbranche zu den allerseltensten Darbietungen. Schauspielerin Tina Ruland hat bei einem Event von Emmy in Berlin gegenüber TIK online die politischen Zustände in Deutschland mit einer Schärfe beschrieben, die weit über die üblichen Prominentenfloskeln hinausgeht.

Ruland nennt die gegenwärtige Lage „extremst beängstigend“. Was derzeit in der Politik geschehe, gehe „auf keine Kuhhaut“. Ihre Worte treffen eine politische Klasse, die sich an gebrochene Versprechen, folgenlose Affären und den wachsenden Zorn der Bevölkerung gewöhnt hat.

Schauspielerin Tina Ruland nimmt kein Blatt vor den Mund. (1/2) pic.twitter.com/oBXaDTUM7s

— loop23 (@realityloop23) July 11, 2026

Tina Ruland wurde 1991 als Uschi in der Kultkomödie „Manta, Manta“ an der Seite von Til Schweiger bundesweit bekannt. Die Rolle machte sie über Nacht zu einem der populärsten Gesichter des deutschen Films. 2023 kehrte sie für „Manta Manta – Zwoter Teil“ zu ihrer Paraderolle zurück.

Ihre Karriere reicht weit über den Ruhrpott-Kultfilm hinaus. Ruland spielte in mehr als 70 Film- und Fernsehproduktionen, darunter mehrere Jahre in der ARD-Serie „Nicht von schlechten Eltern“, in „Drehkreuz Airport“, „Das Traumschiff“, „Der Feuervogel“ und zahlreichen Fernsehfilmen. 1994 erhielt sie einen Bambi. Sie gehört seit mehr als drei Jahrzehnten zum festen deutschen Fernsehbetrieb.
Darum sind die Aussagen Rulands auch nicht ohne ein erhebliches berufliches Risiko für die mutige Frau.

Gerade aus diesem Milieu kommt nun eine Abrechnung mit der Berliner Politik. Ruland fordert die amtierenden Politiker auf, endlich wieder den Bürgern zuzuhören. Der Souverän sei ihr Arbeitgeber. Seine Erwartungen, Wünsche und Forderungen müssten für politische Entscheidungen maßgeblich sein. Nach ihrer Wahrnehmung geschieht genau das längst nicht mehr.

„Wir werden nur noch angelogen. Es wird was ausgesprochen und dann wird das einfach wieder zurückgenommen und niemand schert sich mehr.“

Politische Zusagen besitzen nach Rulands Urteil kaum noch Wert. Erklärungen werden abgegeben und anschließend einkassiert. Die Verantwortlichen sitzen den entstandenen Schaden aus. Die Bevölkerung sei durch dieses ständige Schauspiel inzwischen derart abgestumpft, dass viele nur noch resigniert feststellten: Die da oben machen ohnehin weiter.

Ruland beschreibt eine Regierungskaste, der die Reaktion der Bürger vollkommen gleichgültig geworden sei. Schon diese Trennung zwischen „denen“ und „uns“ hält sie für ein Alarmsignal. Politik und Bevölkerung müssten ein gemeinsames „Wir“ bilden. Dieses gemeinsame Fundament finde inzwischen kaum noch statt.

„Denen ist völlig egal. Und alleine diese Aussage ist schon schlecht, weil das sollte eigentlich ein Wir sein. Und das findet aber nicht mehr statt.“

Diese Entfremdung mache ihr große Angst. Ruland spricht damit einen politischen Zustand aus, den Millionen Bürger jeden Tag erleben: Sie wählen, zahlen und tragen die Folgen. Entscheidungen fallen über ihre Köpfe hinweg. Protest wird moralisch abgewertet. Gebrochene Versprechen verschwinden im nächsten Nachrichtenzyklus.

Auf die Frage nach den Folgen für das Wahlverhalten wird Ruland noch deutlicher. Sie hält die weitere Verschiebung der politischen Kräfte für vorhersehbar. Die Verantwortung dafür weist sie den etablierten Parteien zu.

„Daran sind nicht die Bürger schuld, daran ist auch nicht die AfD schuld. Daran sind einzig und allein die Altparteien schuld, die schlechte Politik machen.“

Wer die Bürger dauerhaft übergehe, erzeuge die politische Gegenreaktion selbst. Bürger, die sich nicht mehr gehört fühlten, wählten schließlich eine andere Partei. Für Ruland ist das eine logische Konsequenz. Die Verantwortung liege bei jenen Parteien, die seit Jahren regieren und ihre Politik trotz offenkundiger Ablehnung fortsetzen.

Damit verweigert sie sich der bequemen Schuldzuweisung, nach der Wähler aus moralischem Versagen bei der AfD ihr Kreuz machen. Ruland richtet den Blick auf die Ursachen: schlechte Politik, die Missachtung der Bürger und die Weigerung der Verantwortlichen, aus Wahlergebnissen Konsequenzen zu ziehen.

Besonders hart fällt ihr Urteil über den Umgang mit politischen Affären aus. Amtsträger dürften bei schwerem Fehlverhalten nach ihrer Forderung nicht straffrei ausgehen. Als Beispiel nennt sie die Maskenaffäre. Ruland zieht einen Vergleich mit Spanien. Dort müsse ein verantwortlicher Minister nach ihrer Darstellung für 19 Jahre ins Gefängnis. In Deutschland werde Jens Spahn dagegen befördert. Ihre Frage lautet: „Was läuft schief?“

„Das kann nicht sein. Man muss einfach so damit umgehen, wie jeder von uns, jeder Arbeitnehmer, jeder Arbeitgeber sich verhalten muss.“

Ruland verlangt für Politiker dieselben Maßstäbe, die in jedem Unternehmen und für jeden Bürger gelten. Fehlentscheidungen müssen Konsequenzen haben. Der politische Betrieb hat nach ihrem Eindruck eine Sonderzone geschaffen, in der Verantwortung verdunstet und Karrieren selbst schwere Affären überstehen.

„Das kann nicht sein“

Den tiefsten Verfall erkennt sie im Verlust des politischen Ehrenkodex. Gewissen und persönliche Verantwortung seien aus der Politik verschwunden. Der eigene Vorteil beherrsche das Denken vieler Amtsträger.

„Es gibt für mich scheinbar keine Ehre und kein Gewissen mehr in der Politik. Es geht nur noch darum: Wie bereichere ich mich selber?“

Ruland beschreibt Politiker, die ihre Zeit im Amt für die eigene Karriere nutzen und anschließend mit hohen Bezügen bis ans Lebensende versorgt werden. Für die Bevölkerung bleiben die Rechnungen, die Schulden und die Folgen ihrer Entscheidungen. „Das kann nicht sein“, sagt sie zweimal. Der Satz klingt wie das Urteil über ein politisches System, dessen Vertreter sich von den Regeln entfernt haben, die sie allen anderen auferlegen.

Ruland hat damit ausgesprochen, was der deutsche Kulturbetrieb gewöhnlich sorgsam umgeht. Die politische Klasse verliert das Vertrauen der Bürger durch ihr eigenes Handeln. Affären bleiben folgenlos. Verantwortliche steigen weiter auf. Der Souverän wird erst wieder interessant, wenn seine Stimme für den nächsten Machterhalt gebraucht wird.

„Die Politiker kümmern sich null!“

Auch Schauspielerin Caroline Beil fand auf derselben Veranstaltung ungewöhnlich deutliche Worte. Die Tochter des Journalisten und Talkmasters Peter Beil gehört seit Jahrzehnten zu den bekannten Gesichtern des deutschen Fernsehens. Einem breiten Publikum wurde sie durch Moderationen bei Sat.1 und RTL, zahlreiche Fernsehrollen sowie Formate wie „Sturm der Liebe“, „Verbotene Liebe“ oder „Der Landarzt“ bekannt.

Beil eröffnete ihre politische Einordnung mit einer scharfen Abrechnung mit Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU), der seinen Rückzug angekündigt hatte.

„Ein Mensch, der lügt und Tennis spielt, während 45.000 Haushalte ohne Strom sind, der sollte auch schleunigst zurücktreten.“

Es sei ein Wunder, dass dieser Schritt nicht schon früher erfolgt sei, sagte die Schauspielerin. Für Politiker dieser Art fand sie eine ebenso knappe wie vernichtende Beschreibung: „Solche Pfeifen braucht keiner.“

Auf die Frage, was sich ändern müsse, formulierte Beil eine Forderung, die viele Bürger unterschreiben dürften: Politik müsse wieder für die Menschen gemacht werden und nicht für die nächste Legislaturperiode oder den eigenen Machterhalt. Nach ihrer Wahrnehmung wächst die Frustration, weil immer mehr Menschen den Eindruck hätten, die politische Klasse kümmere sich nicht mehr um die Probleme des Landes: „Die Politiker kümmern sich null!“.

Stattdessen würden Reformen angekündigt, die ihren Namen nicht verdienten. Während Unternehmen Stellen abbauten und die wirtschaftliche Lage immer schwieriger werde, verliere sich die Politik in Debatten und Symbolmaßnahmen. Beil verwies dabei auf die Krise der deutschen Industrie und die angekündigten Stellenstreichungen bei Volkswagen. Die Wirtschaft befinde sich im Abschwung, sagte sie, die Menschen sähen diese Entwicklung mit großer Sorge.

Besonders scharf fiel schließlich ihr Urteil über die politische Führung des Landes aus.

„Dann sitzen da irgendwelche Pfeifen, die nicht mal einen Schulabschluss haben und wollen unser Land regieren.“

Für Beil steht hinter dieser Entwicklung eine politische Klasse, die sich von den Lebensrealitäten der Bürger entfernt hat und deren Antworten auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme des Landes immer weniger Menschen überzeugen.

Auch Simone Thomalla schlug auf der Emmy Party ungewohnt kritische Töne an. Die aus zahlreichen Fernsehproduktionen bekannte Schauspielerin zog Parallelen zwischen der heutigen gesellschaftlichen Stimmung und eigenen Erfahrungen aus der DDR. Immer häufiger müsse man Informationen hinterfragen. Zugleich entstehe der Eindruck, bestimmte Meinungen könnten nicht mehr frei geäußert werden.

Deutschland entwickle sich ihrer Auffassung nach zunehmend von einer Streit- zu einer Wutgesellschaft.

„Bist du nicht der Meinung, wird gleich über dich Hass gekippt. Das finde ich ein bisschen schade. Dieser fehlende Dialog und dass man nicht sagen kann, was man denkt, überhaupt in den Austausch zu gehen – das kenne ich. Ich bin ein Kind der DDR. Und das finde ich gerade nicht ganz so optimal.“

Besonders deutlich wurde Thomalla beim Thema AfD-Verbot. Statt immer neue Verbotsforderungen zu erheben, müsse sich die Politik endlich mit den Ursachen beschäftigen, weshalb Menschen die Partei überhaupt wählten. Nicht Verbote lösten Probleme, sondern eine Politik, die die Sorgen der Bürger ernst nehme.

„Und immer diese Verbote auch. Verbieten, verbieten, verbieten. AfD verbieten. Nein, man sollte sich um die Probleme der Menschen kümmern, die sie dazu bringen, die AfD zu wählen. Das ist die Alternative und nichts anderes. Nicht immer nur verbieten.“

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