Neues von der Entlassungswelle bei Burda

Tichys Einblick deckte auf, dass es vor allem im Printbereich unter Federführung von Verleger-Tochter Elisabeth Burda Furtwängler lichterloh brennt. Gut 300 Mitarbeiter sollen gehen, weil die Verlagssparte tiefrote Zahlen schreibt. Der neue Burda-Vorstand Jan Wachtel arbeitet mit einer Beratungsfirma an schwerwiegenden Maßnahmen.

picture alliance/dpa | Malin Wunderlich

Seit 1. Januar 2026 hat Burda Jan Wachtel als CEO Media in den Vorstand von Hubert Burda Media berufen. Der 45-Jährige durfte die Verantwortung für alle publizistischen Geschäfte des Bereichs Burda Media übernehmen, in dem noch rund 5.500 Mitarbeiter in 16 Ländern beschäftigt sind. Wirtschaftswissenschaftler Wachtel gilt als Experte für digitale Transformation im Publishing-Geschäft.

Laut neuen Informationen aus Burda-Kreisen, die Tichys Einblick erneut zugespielt wurden, steht der Verlag und vor allem die schwer angeschlagene Printsparte unter Federführung von Verleger-Tochter Elisabeth Burda Furtwängler vor schwerwiegenden Umwälzungen. Dazu habe Media CEO Wachtel bereits seit Wochen eine Firma für Unternehmungsberatung den Verlag auf Spar- und Transformationspotentiale untersuchen lassen mit besonderem Blick auf einen intensiven Personalabbau. Allein zwei Experten für den digitalen Umbau habe Wachtel dazu extra eingestellt.

Extremsportler Wachtel (Schwimmen, Gewichtheben, Laufen) habe im Hause inzwischen jedoch keinen guten Ruf, weil er nicht einmal die wichtigen Redaktionen besuche, um sich vor Ort zu erkundigen, so die Burda-Kreise. Zudem soll Elisabeth Burda an den Beraterrunden sogar mit ihrem Jagdhund teilgenommen haben. Das käme im Hause Burda gar nicht gut an.

Wie Tichys Einblick, informiert aus Burda-Kreisen, bereits exklusiv berichtete, habe man sich im Vorstand auf Massenentlassung und Personalabbau von rund 300 Mitarbeitern in der Printsparte verständigt. Die Entlassungen würden über Personalabbau, Abfindungen und Vorruhestand abgewickelt. Die Bunte sei dabei weniger in Gefahr, das inzwischen sinkende frühere Flaggschiff Focus jedoch in höchster.

Zum 1. Juni sollten die Sparmaßnahmen in Verlag und Redaktionen verkündet werden. Betroffen seien, laut den Informationen aus Burda-Kreisen, fast alle Print-Redaktionen und Mitarbeitergruppen vom Verlagsangestellten über Layouter bis zu den Redakteuren. Auch Betriebsräte wollten den TE-Bericht nicht hart dementieren. Stattdessen haben sie den Kollegen den Abschluss einer Rechtsschutzversicherung empfohlen. Das kann nicht verkehrt sein.

Dementiert habe der Verlag die TE-Informationen gegenüber anderen Medien im Grunde nicht, so Burda-Kreise heute. „Aus dem Artikel bestätigen wir nichts, außer der Schließung der Burda-Studios zum Ende des Jahres“, beantwortete eine Burda-Sprecherin windelweich eine SZ-Anfrage. Das könnte auch heißen, 350 oder 250 Mitarbeiter würden im Burda-Verlag abgebaut, so die Burda-Kreise. Denn ein massiver Personalabbau sei explizit nicht ausgeschlossen worden.

In den vergangenen Jahren schrieben vor allem gedruckte Titel, die unter der Verantwortung von Verleger-Tochter und Milliarden-Erbin Elisabeth Burda Furtwängler stehen, rote Zahlen. Insbesondere schwächelt das frühere Flaggschiff Focus unter ihrer Regie. Traditionsleser kündigen ihre Abonnements, weil das frühere liberal-konservative Nachrichtenmagazin in den grün-woken Bereich abgedriftet ist. Parallel dazu bricht das Anzeigenaufkommen für das Magazin ein.

Wie Tichys Einblick aus Burda-Kreisen berichtete, habe Lisa Burda sich zum Beispiel von der Focus-Redaktion mehr grüne, queere und Frauenthemen gewünscht. Also genau das Gegenteil, was Traditionsleser wie der Handwerker, Rechtsanwalt, Unternehmer oder Arzt bisher vor einigen Jahren noch am Focus schätzten. So rutschte die harte Auflage des Magazins bei Abonnement und Einzelverkauf im ersten Quartal 2026 auf nur noch 192.242 Exemplare ab – ein sattes Minus von 9,1 Prozent im Vergleich zum gleichen Vorjahresquartal.

Zudem hätten sich Vorstandskreise entsetzt über dramatisch schlechte Focus-Einzelverkäufe von lediglich 16.000 Exemplaren geäußert. In den neunziger Jahren konnte das Magazin mit interessanten Titeln sogar bis zu eine Million Exemplare absetzen. Hinzu kommt heute: Versierte freie Mitarbeiter habe der Konzern aus Kostengründen in den vergangenen Monaten ohnehin schon gekündigt und abgebaut.

Zusammen mit ihrem Bruder Jacob Burda, der sich für den digitalen Konzernbereich zuständig fühlt, sitzt Lisa Burda im Verwaltungsrat des Burda-Konzerns. Ihr gehören laut Business-Insider 37,43 Prozent der Gesellschaftsanteile. Gemeinsam mit ihrem Bruder Jacob übernahm sie zum 1. Februar 2025 die unternehmerische und verlegerische Verantwortung für Hubert Burda Media. Sie lebt meist in Berlin.

Wie TE berichtete, wurde zu Wochenbeginn im Konzern verkündet, dass die Burda-Studios mit 30 Mitarbeitern wegen mangelnder Auftragslage geschlossen werden müssten. Im Medienbereich gehen in den einst großen Verlagshäusern inzwischen immer mehr die Lichter aus.

Die einst mächtige Boulevardzeitung „B.Z.“ in Berlin stellt sich zu ihrem 150. Geburtstag journalistisch neu auf. Zahlreiche Stellen sollen wegfallen. So hat der berühmte Stadtreporter Gunnar Schupelius vor einigen Tagen bereits seinen Abgang erklärt. Die B.Z. verliert damit ihren besten und kenntnisreichsten Schreiber, der wegen seiner provokanten Texte mehrfach das Opfer von linken Kreisen und Antifa war, die sein Auto abfackelten.

Kern des Umbaus: Ab September übernimmt die Axel Springer Academy of Journalism and Technology unter Miriam Krekel die Leitung und Redaktion des Blatts.

Ohne Beraterdeutsch: Die B.Z., die einst in Berlin für eine Millionenauflage gut war, wird zur Schülerzeitung.

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Kommentare ( 20 )

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Kraichgau
48 Minuten her

Burda,Bauer,Springer..das war mal die CDU-Kraftverstärkermaschine…..
gut,das Sie bald weg oder in US-Hand(Springer)sind

Hektor
1 Stunde her

Der neue Burda-Vorstand Jan Wachtel arbeitet seit Wochen mit einer Beratungsfirma an schwerwiegenden Maßnahmen.
Ohne externe Berater geht in diesem Land wohl rein gar nichts mehr.

Leroy
13 Minuten her

Ein kostenloser Rat an die Burda-Furtwänglers um den Focus zu retten:
Versucht doch mal halbwegs die Wahrheit abzubilden.

Mausepaul
24 Minuten her

Das Mädel spielt geistig in der Liga von Verena Bahlsen, der Rest ergibt sich dann von alleine…..

Nobis
26 Minuten her

Nur immer weiter so.
Kann alles weg. Braucht kein Mensch mit Durchblick und Verstand.

Berlindiesel
30 Minuten her

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Nicht jedes Geschäftsmodell zerfällt, nur weil es links ist. „Focus“ und „Spiegel“ waren typische Produkte der Druckerzeugnis-Ära, die man, wie man im Grunde überall sieht, nicht wirklich in die Welt digitaler Presse, mit Teasertext, Swipen und maximal 50 Zeilen überführen kann. Jüngere Leser und solche im Web haben für längere Texte keine ausreichende Aufmerksamkeitsspanne mehr. Nicht umsonst kürzt TE seine Texte aus der Druckausgabe erheblich, wenn es sie online stellt. Und mich habe hier schon Mitforisten angeraunzt, wieso ich mehr als einen Vierzeiler zu posten wage. Dazu kommen demographische Effekte. Burda… Mehr

Adlershofer
31 Minuten her

Früher wurden in der Bahn oder im Bus auf dem Weg von und zur Arbeit oder im Zug auf Fernreise Zeitungen und / oder Bücher gelesen. Heute starren die Menschen auf Ihr Smartphone und / oder lesen Bücher. Was ist daran schlimm? Man sucht Wege, um sich zu informieren / zu unterhalten und / oder zu bilden. Dies ganzen Systemgazetten der SPD, von Fam. Burda, von Springer und den Hamburger und Münchener Prawda-Variationen interessieren doch nur noch Systemlingle und Grünlinkswoke Verstrahlte. Die Mehrheit der Deutschen verdient seinen Unterhalt mit irgendeiner Arbeit, will sich informieren (auch bei TE!) und sehr viele… Mehr

Michael Theren
31 Minuten her

bei so einer Chefin kaum ein Wunder, man fragt sich, was den Vater „geritten“ hat bei der Testamentserstellung…
https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_Burda_Furtw%C3%A4ngler

Yani
33 Minuten her

„…Lisa Burda…gehören…37,43 Prozent der Gesellschaftsanteile…. Sie lebt meist in Berlin…“
Wessi go home!
Eine von gefühlt 2 Millionen zugezogenen Wessis mit fetter Erbschaft. Berlin ist durch diese Mischpoke zur absoluten Provinz abgestiegen. Warum bleiben die nicht in ihren westdeutschen Käffern?

Logiker
35 Minuten her

Deutschland hat keinen Fachkräftemangel.

Deutschland könnte aus dem Stand zehntausende „Fachkräfte“ aus parasitären, systemischen Branchen exportieren – die „Berater“-Bande, Psychotherapeuten, Sozialarbeiter, Beauftragte für Alles und Nichts, NGO-Personal etc.

Danach gäb’s wieder Luft zum Atmen für Wirtschaft und Gesellschaft.

Schwabenwilli
40 Minuten her

„Elisabeth Burda Furtwängler“

War/ist das nicht eine von Frau Dr. Merkels guten Freundinnen?
Jedenfalls hat das Haus Burda, auch mit Umfragen einiges für die damalige und vermutlich noch heute Bundeskanzlerin gedeichselt.

alter weisser Mann
43 Minuten her

Passt mal schön auf, dass vor lauter Freude darüber, dass TE jemand Infos und Befindlichkeiten durchsticht, nicht die Distanz in der Sache und die nötige Kritik an der Quelle leiden. Bislang stimmte selten 1 zu 1, was ein angep… Betroffener so herausposaunt.