Abenteuer Bahn: Züge im Krieg

Die Tagesschau berichtet über Angriffe auf Bahnreisende. Ist sie endlich in der Realität angekommen? Weit gefehlt. Im Bericht geht es um russische Angriffe auf ukrainische Züge. In Deutschland kann Bahnfahren auch ohne Krieg gefährlich werden.

picture alliance / ZUMAPRESS.com | Oleksii Chumachenko

Haben Sie gelesen, was die Tagesschau über den traurigen Zustand im Bahnverkehr berichtet? Wenn nicht, holen Sie das schleunigst nach, man weiß ja nie, wie lange der ÖRR Nachrichten stehen lässt, die halbwegs richtig sein könnten. So kann man bei der Tagesschau nachlesen, dass in den vergangenen Wochen Bahnbedienstete und Reisende nicht nur belästigt, sondern sogar getötet worden sind. Oft sei ein Zug auf offener Strecke stehengeblieben, um evakuiert zu werden.

Natürlich dachte ich an Orte wie Bonn-Beuel, Brokstedt, Völklingen, Passau und so weiter. Also an deutsche Bahnhöfe und deutsche Strecken, auf denen Schaffner zu Tode geprügelt, Reisende attackiert, mit Beilen bedroht oder mit Messern abgestochen worden sind, man liest so etwas ja fast täglich in der Zeitung. Nun endlich auch die Tagesschau, dachte ich: Auch sie berichtet nun so, wie sich das gehört und wie es laut Staatsvertrag vorgesehen ist, umfassend also, vielfältig, wahrheitsgemäß und ausgewogen.

Aber von wegen, schon wieder eine Enttäuschung. Denn die Tagesschau-Korrespondentin Gesine Dornblüth berichtet nicht aus Deutschland, sondern aus der Ukraine. Sogar wörtlich, wenn man ihr glauben darf: „Wir waren“, zitiert sie einen Reisenden aus Kiew oder sonst woher, „gerade in den Zug gestiegen, hatten uns hingesetzt, da hieß es: Alle aussteigen, Schutz suchen!“ Ein seltsames, ungewöhnliches Gefühl sei das gewesen, als alle auf Kommando den Zug verlassen mussten.

Wie gut ich das nachempfinden kann! Denn wie oft habe ich hierzulande Ähnliches erlebt, als ich noch mit der Bahn unterwegs war: Stillstand auf freier Strecke; Alarm und Ärger; langes und fruchtloses Warten; überfordertes Personal; Wasser als Trostgeschenk; dann Evakuierung, üppige Verspätung, verpasste Termine und so weiter.

Aber ich fahre nicht mehr mit der Bahn, mir ist das zu riskant geworden. Mit den üblichen Verspätungen hatte ich mich längst abgefunden. Jedoch nach messerstechenden Afghanen, Syrern oder Eritreern Ausschau zu halten, im Notfall in der Toilette Zuflucht zu suchen und mich anschließend wegen Ausländerfeindlichkeit, Hass und Hetze, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit oder ähnlichem Klimbim zu entschuldigen, dazu habe ich keine Lust. Werde sie auch nicht haben.

Zumal die Deutsche Bahn hinter ihrer ukrainischen Schwester offenbar weit zurückliegt. Evakuierungen, zitiert die Tagesschau einen dortigen Bahnchef namens Pertsowskiy, Evakuierungen auf freier Strecke seien zwar ärgerlich, weil umständlich und zu Verspätung führend, aber auch unvermeidlich, weil lebensrettend. Davon kann in Deutschland keine Rede sein. Die Deutsche Bahn schafft Verspätungen, auch ohne Leben zu retten. Ihre Chef*in heißt ja auch nicht Pertsowskiy, sondern Palla. Evelyn Palla.

„Früherer war die Bahn wie eine magische Welt“, erinnert sich ein Reisender in oder aus Kiew. „Du stiegst in den Zug, und der Krieg, die Angriffe blieben draußen. Du fühltest dich aufgehoben. Jetzt sind selbst die Züge nicht mehr sicher.“ Die Wohnung auch nicht. Das Telefon auch nicht. Die Versicherung auch nicht. Die Wochen- und die Weihnachtsmärkte auch nicht. Wie in Deutschland. Waffenbrüderschaft! Geteiltes Risiko ist doppeltes Risiko! Der Schulterschluss, endlich ist er da!

Natürlich gibt es Unterschiede. Zum Beispiel den, dass in der Ukraine der Gegner von außen, der Angriff von jenseits der Grenze kommt und mit Drohnen ausgeführt wird, nicht mit Messern; während wir in Deutschland auch in diesen Dingen Selbstversorger sind. Wie Angela Merkel gesagt hatte: Wir schaffen das (selbst)! Wir sind ein Land mit offenen Grenzen! Und begrüßen die Leute, die uns mit dem Messer in der Hand beibringen, was kulturelle Bereicherung bedeutet, mit Bürgergeld, Straßenfesten, Eingliederungshilfen und dergleichen mehr.

Und um den zweiten Unterschied nicht zu vergessen: In der Ukraine darf man über Leute, die Mord und Totschlag als gute, Putin oder Allah oder sonst wem wohlgefällige Taten betrachten, öffentlich schimpfen. In Deutschland darf man das nicht. Wenn man es trotzdem tut, alarmiert irgendein Denunziant oder Innenminister das Bundeskriminalamt, der Verfassungsschutz greift ein, der Staatsanwalt ermittelt, und am Morgen steht dann die Polizei vor der Tür, begleitet von der Tagesschau. Deswegen höre ich an dieser Stelle lieber auf …

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Kommentare ( 13 )

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MariaundJosef
14 Minuten her

Dieses Titelfoto passt perfekt zu den „täglichen“ Ukraine-Krieg-Berichten der ÖRR. Die Einschüsse sind rostig, wahrscheinlich von 2014! Wie auch die immer gleichen Gebäude in den deutschen „Nachrichten“ gezeigt werden, mit rostigem Stahl, die vor langer Zeit gesprengt wurden. Wird hier verkauft als „ Putins Angriff“! Wie lange wollen die ÖRR den Bürger noch auf den Arm nehmen?

Schwabenwilli
1 Stunde her

Im Prinzip wartet man ja nur noch darauf das die politischen Verhältnisse hierzulande sich so geändert haben das der ÖRR liquidiert wird.

Lucius de Geer
1 Stunde her

Hübsch inszeniert ist übrigens hier der ukrainische Waggon – jede Menge Schrapnell-Löcher über die ganze Breite und Höhe – nur die Fenster blieben auf wundersame Weise intakt…

Schwabenwilli
1 Stunde her

„In Deutschland darf man das nicht. Wenn man es trotzdem tut, alarmiert irgendein Denunziant oder Innenminister das Bundeskriminalamt“

Ist es schon wieder soweit?

Haba Orwell
2 Stunden her

> In Deutschland darf man das nicht. Und es wird noch übler: >>>“Wie der „EU-Demokratie-Schild“ die Freiheit in Europa beendet„<<< > „… Schon jetzt wird Information im Netz massiv reguliert und zensiert. Doch mit dem „Demokratie-Schild“ steht eine massive Zensurwelle in der EU erst bevor, davor warnt der Vorsitzende des polnischen Ordo Iuris Institute. … Die Europäische Union hat unter dem Banner des Demokratie-Schutzes begonnen, die Meinungsfreiheit und den echten politischen Pluralismus systematisch einzuschränken. Damit betritt sie die ausgetretenen Pfade jedes autoritären Regimes und greift zu Gewalt und Zensur, sobald der Rückhalt in der Bevölkerung schwindet. … Besonders hervorzuheben ist… Mehr

Aliena
2 Stunden her

Es gibt noch einen Unterschied, Herr Dr. ADAM: In die Ukraine fließt Geld, um nicht nur wehrfähig zu sein, sondern auch, um die Gesamtbevölkerung zu schützen. Und dieses Geld stammt größtenteils aus Deutschland. Demgegenüber fließt kein Geld nach Deutschland, um die hiesige Gesamtbevölkerung zu schützen.
Und noch eine Anmerkung: Selbst in einzelnen Kommunen neigt man dazu, Schwimmbäder nicht mehr zu öffnen, mit fadenscheinigen Argumenten. Der wahre Grund scheint zu sein, dass offenbar kein Geld für Personal vorhanden ist, das die Badegäste vor Angriffen schützen könnte. Dieser Eindruck nimmt von Jahr zu Jahr zu. Gewonnen hätten dann die voll alimentierten ‚Schützlinge‘.

Baer Buche
2 Stunden her

Das Foto des Zuges ist merkwürdig: Er wirkt „aufgebockt“, die Köpfe der beiden jungen Leute knapp über Fußboden des Innenraums. Die Einschüsse sind teils dunkel, teils mittig hell als schiene der Himmel durch. Die Fenster blieben alle heil, so wie hier:
https://www.railmagazine.com/news/2024/07/09/support-rail-now-to-help-save-lives-in-ukraine
wobei dort der Fußboden des Zuges eher UNTER Bahnsteigniveau liegt, und der Zug selbst nicht auf dem Gleis zu stehen scheint. KI-generiert?

Heiner Mueller
2 Stunden her

„…ohne Krieg…“ FALSCH!! Wir sind seit Anfang 2020 im Krieg – dem der Linksgrünen gegen die Deutschen, spätestens deutlich seit dem Ermächtigungsgesetz, getarnt als geändertes Infektionsschutzgesetz. Und seitdem sind die genannte Zustände in Deutschland „normal“.

Mankovsky
2 Stunden her

Bloß keine Tatsachen benennen, Unseredemokratie wehrt sich sonst mit dem Bademantel-§ !

Judith Panther
3 Stunden her

Deswegen höre ich an dieser Stelle lieber auf …“
Schade. War witzig. Und doch zum Heulen.

Last edited 3 Stunden her by Judith Panther