Hubertus Heil bei Miosga: Der Außenpolitik-Lehrling

Selten wurden die Worte „Diskrepanz“ und „Kluft" anschaulicher in Szene gesetzt. Die Diskrepanz zwischen Wissen und Wunschdenken, die Kluft zwischen Fakten und Phrasen. „USA gegen Iran – nicht unser Krieg, aber unser Problem?“ fragt Miosga. Dazu sitzen die üblichen Experten im Stuhlkreis. Und Hubertus Heil. Der hat kaum mehr als ein paar Parolen. Von Brunhilde Plog

Screenprint: ARD / Caren Miosga

Hubertus Heil ist erst seit einem Jahr in der Außenpolitik unterwegs. Und das spürt man. Der SPD-Genosse hat für seine Partei früher mal in Telekommunikation und Post gemacht, dann in Bildung und Tourismus, er war Bundesminister für Arbeit und Soziales – jetzt ist er Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags. Ein Allround-Experte offenbar. Und ein Beispiel für eine fatale Fehlentwicklung. Seit Jahrzehnten hat es sich leise etabliert, dass Parteisoldaten völlig willkürlich zwischen Posten und Funktionen wechseln, ungeachtet ihrer Eignung oder Ausbildung (sofern vorhanden). Hauptsache, der Partei-Proporz stimmt. Verkehrs- werden dann Justizminister (Volker Wissing), Landwirtschaftsminister machen plötzlich Forschung (Cem Özdemir) und Sozialminister killen die Verteidigung (Zensursula von der Leyen). Scheinbar können alle alles.

Aber eben nur scheinbar, nicht anscheinend. Für Hubertus Heil jedenfalls ist die Außenpolitik erkennbar ein Ausbildungsseminar. Er lernt dazu, auch heute Abend in dieser Sendung. Andächtig lauscht er, wenn die anderen sprechen, er nickt, stimmt zu, wiederholt gerade Gesagtes. Seine eigenen Redebeiträge erschöpfen sich in Belanglosigkeiten. „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, sagt er etwa, und „das Wichtigste ist, dass man zu einem dauerhaften Waffenstillstand kommt“. Danach könnten die Europäer sich dann in den Konflikt einbringen. Vornehmlich seien dabei „die E3 gefordert“, also Großbritannien, Frankreich und Deutschland.

Daniel Gerlach (Magazin „Zenith“) bringt als Nahost-Experte die regionale Perspektive ein. Er analysiert die inneriranische Dynamik, die Rolle der Revolutionsgarden und die Auswirkungen von Krieg und Sanktionen auf die iranische Gesellschaft. Der Konflikt verschärfe die Lage im Land weiter. Schlagworte wie Terrorfinanzierung, Atomambitionen oder die permanente Bedrohung des israelischen Staates durch den Iran spielen in Gerlachs Ausführungen wie üblich eine untergeordnete Rolle. Wenn er die islamistischen Strukturen beschreibt, klingt alles irgendwie rational nachvollziehbar und weniger nach einem Terrorregime, das seine Kritiker öffentlich köpft.

Claudia Major (German Marshall Fund) warnt vor den Risiken des Konflikts für die USA, die Welt und vor allem für den Nachschub mit Waffen – das Steckenpferd der Kriegsexpertin. Den USA attestiert sie eine „Impotenz von Macht“ und den Europäern ein unheilvolles Zaudern. Sie sollten sich auf eine eigenständige Produktion von Waffen konzentrieren und mehr noch: „Man hätte schon vor Wochen sagen können: Nicht unser Krieg, aber unser Problem“, sagt Major, denn klar sei: „Wir können uns nicht wegducken und sagen: Das wird irgendwer anders für uns regeln.“ Die Deutschen hätten längst Schiffe zumindest in die Nähe der Kriegsregion entsenden können. Man dürfe nicht erst dann loslegen, wenn es soweit sei. Die Fahrten dauerten schließlich mehrere Wochen.

Der Ansicht ist auch Bojan Pancevski, Chef-Europakorrespondent des Wall Street Journal. Schiffe in die Richtung des Kriegsgebiets zu entsenden, bedeute nicht, die Soldaten einer unmittelbaren Gefahr auszusetzen. Wenn sie sich, wie die US-Verbände, in 400 Kilometern Entfernung befänden, seien sie sicher vor iranischen Raketen und die Situation sei eher „wie Urlaub machen“. Pancevski kritisiert auch den Kanzler der zweiten Wahl: Mit dem Satz „Das ist nicht unser Krieg“ habe sich Friedrich Merz den Amerikanern gegenüber „ungeschickt“ verhalten. Es habe viel eher eine verbale Geste der Unterstützung gebraucht, keinen solchen Affront.

Mehrmals wirft Pancevski der Moderatorin übrigens die Stichworte Ukraine, Gas und Nordstream zu, doch Miosga wehrt sich standhaft. Erst vor wenigen Tagen hat der Journalist veröffentlicht, dass die Ukraine hinter dem Terroranschlag auf die Pipeline gesteckt habe. Dabei brachte er sogar Präsident Wolodymyr Selenskyj höchstpersönlich mit dem Befehl beziehungsweise seiner Duldung in Verbindung. Bei Markus Lanz sorgte Pancevski mit der Aussage für einiges Aufsehen. Miosga aber weigert sich, das Thema überhaupt nur weiter anzusprechen.

Dafür darf Hubertus Heil nochmal sein Heil in weiteren Parolen suchen. Der Iran-Krieg müsse für uns alle Anlass sein, noch mehr in erneuerbare Energien zu investieren und uns unabhängig von den bösen fossilen Energieträgern zu machen. „Wir werden auch Energie sparen müssen in Deutschland“, sagt Heil, so als sei diese Idee – fast 60 Jahre nach der ersten Ölkrise – irgendwie revolutionär.

Pancevski erinnert daran, dass Deutschland seit der Sprengung der Atomkraftwerke notgedrungen „wie wild Kohle“ verbrenne. Wenn man schon die Kernkraft verbanne, müssten nun zumindest endlich die versprochenen Gaskraftwerke kommen. Die Grundlast, die das Stromnetz braucht, sei mit Wind und Sonne jedenfalls nicht sicherzustellen. „Ohne Gas kommt Deutschland nicht weiter“, sagt Pancevski, „die Abhängigkeit vom Gas bleibt. Sie ist hier und bleibt.“

Heil hingegen bleibt klar auf Kurs Sonnenschein und Steife Brise. Er fürchtet „aus ideologischen Gründen eine Rolle rückwarts“ und besteht darauf, dass sich Deutschland ein für allemal klar zu den Erneuerbaren bekennt. Heil: „Ich habe zu oft Zickzackkurse erlebt.“

Wenn Heil erst Minister für Wirtschaft und Energie ist, wird sicher alles besser.

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Kommentare ( 18 )

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Urbanus
1 Stunde her

Claudia Major, wirkt sehr angestrengt. Propaganda ist eine sehr harte Arbeit. Great Job.

ceterum censeo
1 Stunde her

Warum sollte sich Heil anders verhalten als die ganze andere grenzdebile Stoßtruppe des Untergangs? Überall ist die über Jahrzehnte dauernde parteipolitisch angeeignete Lernkurve die EKG-Kurve eines Gehirntoten: ab und zu minimale Zuckungen, aber sonst ziemlich flach! Es ist wie bei den Hartzern (oder neudeutsch Bürgergeldempfängern): man wurschtelt sich fremdversorgt so ohne Anstrengung durch das Leben. Bei Heil und Co. natürlich mit üppigster Versorgung und – je weniger Leistung – desto größerem Selbstbewusstsein (und dünnerer Haut). Klappt doch – im besten Deutschland aller Zeiten…

heinrich hein
1 Stunde her

Man darf aber auch nie übersehen, dass das alles keine sonderlich gebildeten Menschen sind. Wenn ich mir den Lebenslauf eines Hubertus Heil anschaue denke ich mir immer, wer stellt denn solche Menschen um Himmels willen sein?

Waehler 21
1 Stunde her

Komisch. Die Gesamtsituation wurde anscheinend nicht angesprochen, genau wie die wirtschaftliche Bedeutung dieser Region für Deutschland.
So dumm kann der Heil doch nicht sein, zumal er mit Informationen aus erster Hand versorgt wird.
Aber es scheint so zu sein! Die Welt um uns herum hat eben „Heil“ zu sein, doch zu Hause die Scheiben einwerfen, Stromleitungen sprengen, Lügen verbreiten, mit dem Hammer auf Köpfe schlagen, Vergewaltigungen, Messerstechereien, Clangangster….

Die Mischung aus Pastor (zuhören und Mut zusprechen) und Don Quijote ( für die Moral, wenn auch sinnlos) muss eben reichen, für das Volk!

humerd
1 Stunde her

„Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, sagt er etwa, und „das Wichtigste ist, dass man zu einem dauerhaften Waffenstillstand kommt“
das gilt nicht für den Ukraine Krieg, da sprudeln die Milliarden EUROs nur so.

Kassandra
2 Stunden her

„Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“
Ja. Da stimme ich Heil ganz und gar zu – und hoffe mit ihm.
.
Wo kommt eigentlich die Kohle her, die wir nun verheizen müssen, weil auf AKWs wie andere Kraftwerke verzichetet wird, nachdem sie ohne Not vernichtet wurden?
.
Von Einstein soll stammen:
„Wahnsinn ist, wenn man immer wieder das Gleiche tut und dabei andere Ergebnisse erwartet.“

moorwald
2 Stunden her

Fachliche Vorbildung schützt nicht unbedingt vor grandiosem Versagen. (bestes Beispiel wohl Lauterbach)
„Ganz oben“ kommt es auf andere Qualitäten an. Wichtig ist nur, daß ein Minister fähig ist, den Rat. die Expertise seiner ihm unterstellten Fachbeamten einzubeziehen..
Entscheiden muß er dann aber selbst -darin besteht Politik.

Last edited 2 Stunden her by moorwald
MeHere
2 Stunden her

Boooh – Danke, dass sie sich diesen Miosga-ÖRR-Schrott freiwillig angesehen haben, aber ich denke es ist Zeit mit dem Pöbel-Links-Haltungs-TV endgültig abzuschließen … ausschalten & Ende

Haba Orwell
2 Stunden her

Die gleichen „Experten“ wie beim Ukrostan-Krieg: >>>“WSJ enthüllt: „Ukraine ist jetzt Europas Krieg“„<<< > „… Der EU-Abgeordnete Martin Sonneborn hat es auf den Punkt gebracht: „Das ist schnell eskaliert.“ Das Wall Street Journal verkündet in einem Leitartikel vom 24./25. April 2026 unter dem Titel „Ukraine Is Europe’s War Now“, dass der Krieg in der Ukraine ab sofort Europas Krieg sei – und die EU bereits einen weiteren Finanzbedarf von 19 Milliarden Euro festgestellt habe, obwohl gerade erst ein 90-Milliarden-Kredit verabschiedet wurde. … wird Europa in einen Stellvertreterkrieg gezwungen, den es weder gewinnen noch finanzieren kann. … Europa wird zum Schlachtfeld… Mehr

Wilhelm Roepke
2 Stunden her

Gähn. Zwangsgebühren abschaffen, schon ist die Sendung nicht mehr bezahlbar, denn freiwillige Zahler finden sich niemals genügend für diesen Unfug.