Autoindustrie im Stimmungstief: Ifo-Indikator fällt auf minus 18,7 Punkte

Weiter dunkle Wolken über der deutschen Automobilindustrie – auch im März 2026 sank die Stimmung: Der vom Ifo-Institut ermittelte Indikator sank von minus 15,7 Punkten im Februar auf minus 18,7 Punkte. Die aktuelle Situation sei deutlich schlechter als noch im Vormonat.

picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich

Ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl: „Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage deutlich schlechter als im Vormonat. Die Geschäftserwartungen stiegen dagegen.“ Der Auftragsbestand wurde erneut besser beurteilt – der Indikator kletterte seit September 2025 kontinuierlich und erreichte minus 13,5 Punkte. Auch die Exporterwartungen legten zum vierten Mal in Folge zu. Besonders auffällig: Die Beschäftigungserwartungen verbesserten sich von minus 44 auf minus 19,8 Punkte.

Wölfl sieht darin ein Signal, dass der seit 2022 laufende Stellenabbau sich verlangsamen könnte. Erste amtliche Zahlen der Bundesagentur für Arbeit unterstützen das: Im ersten Quartal 2026 wurden wieder mehr neue Stellen für auto-relevante Berufe gemeldet. „Damit scheint der Rückgang an neuen Stellen, der seit 2022 zu beobachten war, zu einem Halt gekommen zu sein“, sagt Wölfl.

Die Branche kämpft aber weiterhin mit strukturellen Belastungen: Hohe Energiekosten, strenge EU-Regulierungen zur Verbrenner-Flotte und der harte Wettbewerb aus China drücken auf die Stimmung. Gleichzeitig wächst der Anteil der Elektrofahrzeuge, doch die Gesamtproduktion bleibt weit hinter früheren Hochs zurück. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) prognostiziert für 2026 nur eine leichte Erholung der Pkw-Neuzulassungen auf 2,9 Millionen Einheiten (+2 Prozent). Die Inlandsproduktion soll hingegen um ein Prozent auf 4,11 Millionen sinken. Der Anteil elektrischer Pkw steigt weiter auf Rekordniveau, doch das Vorkrisenniveau von 2019 wird weiterhin deutlich unterschritten.

Ein Blick zurück macht das Ausmaß der Krise deutlich: Im Boomjahr 2006 produzierte die deutsche Autoindustrie 5,4 Millionen Pkw im Inland – bei einem Ifo-Geschäftsklima, das langjährige Höchststände erreichte. Die Konjunktur lief auf Hochtouren, Exporte brummten, und die Stimmung war euphorisch. Zehn Jahre später, 2016, lag die Produktion sogar bei 5,75 Millionen Einheiten. Das Ifo-Klima blieb in der Autoindustrie klar positiv. Die Branche profitierte von starker Weltkonjunktur, Premium-Exporten und noch moderaten Transformationskosten. Heute, im März 2026, steht der Ifo-Indikator tief im negativen Bereich, und die Produktion liegt bei vier Millionen Einheiten. Das ist ein Rückgang von mehr als 25 Prozent gegenüber 2016. Die Exporte stagnieren, der Auftragsbestand bleibt trotz leichter Erholung schwach.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) untermauern das Bild: Die realen Auftragsbestände im Fahrzeugbau sind seit Monaten rückläufig. Die Exporte von Kraftfahrzeugen und Teilen – traditionell 16 Prozent der gesamten deutschen Ausfuhren – leiden unter Zöllen, geopolitischen Spannungen und schwacher Nachfrage in wichtigen Märkten. Gleichzeitig steigen die Kosten für die Umstellung auf E-Mobilität. Zulieferer melden weiter Stellenstreichungen, während große Hersteller wie VW, BMW und Mercedes ihre Werke in Deutschland auf Effizienz trimmen.

Warnung vor Optimismus

Aber trotz aller Warnsignale gibt es erste Lichtblicke: Die kontinuierliche Verbesserung der Exporterwartungen und des Auftragsbestands deutet auf eine mögliche Stabilisierung hin. Der starke Anstieg der Beschäftigungserwartungen könnte den jahrelangen Personalabbau stoppen. Experten wie Wölfl warnen jedoch vor zu viel Optimismus: „Die aktuelle Lage drückt weiterhin stark.“

Für die gesamte deutsche Wirtschaft ist die Autoindustrie unverzichtbar. Sie beschäftigt direkt und indirekt über zwei Millionen Menschen und trägt maßgeblich zum Außenhandelsüberschuss bei. Eine anhaltend schlechte Stimmung würde Investitionen bremsen, Innovationen verzögern und die Transformation zur klimaneutralen Mobilität gefährden. Die Ifo-Daten zeigen: Die Branche ist auf dem Weg der Erholung, aber ohne Entlastung bei Energie, Bürokratie und internationaler Wettbewerbsfähigkeit droht ein weiteres verlorenes Jahrzehnt.

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Kommentare ( 1 )

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Biskaborn
1 Stunde her

Womöglich, das lässt sich aus dem Artikel auch erlesen, steht es um die ( Automobil-) Wirtschaft in Deutschland besser als es hier immer wieder dargestellt wird. Das ist auch daran festzumachen, wonach es zwar viele Insolvenzen gibt, Unternehmen abwandern, insgesamt sich aber die Arbeitnehmer doch sehr ruhig verhalten, abzulesen auch daran, dass die Automobilstandortzerstörer in Baden Württemberg zum Beispiel einen Grünen und somit die Grünen in das Amt des MP gewählt haben. Wir werden oder haben bereits erlebt, wonach die vermeintlichen Zerstörer unserer Wirtschaft fest im Sattel sitzen, weil es der Wähler so will. Also, steht es doch so schlecht… Mehr