Am Ende taumelt auch BMW

Bislang konnte BMW dem allgemeinen Abwärtstrend trotzen. Dies ist nun Geschichte. Mit einer deutlichen Gewinnwarnung reiht sich der Münchner Konzern in die Riege der deutschen Industrieabsteiger ein.

picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON

BMW galt bis vor Kurzem noch als die letzte rühmliche Ausnahme von der Regel. Der Münchner Automobilkonzern trotzte dem allgemeinen Verfall der deutschen Industrie und präsentierte von Quartal zu Quartal – dem schlechten Trend zum Trotz – relativ stabile Ergebnisse. Seit dem 17. Juni 2026 ist dies allerdings Geschichte. An diesem Tag veröffentlichte die Konzernleitung eine erste unmissverständliche Gewinnwarnung für das laufende Jahr. Die Börse quittierte diesen Einbruch in die neue Realität bei BMW mit einem drastischen Abverkauf und schickte den Aktienkurs unmittelbar um 7 Prozent gen Süden.

Die Firmenleitung um den im Mai zum CEO berufenen Milan Nedeljković senkte die Erwartungen für den Vorsteuergewinn des laufenden Jahres drastisch unter das Vorjahresniveau von 10,2 Milliarden Euro. Dabei kalkulieren die Münchner mit einer EBIT-Marge im Automobilgeschäft von nur noch 1 bis 3 Prozent, nachdem die Schätzung für das laufende Jahr noch zwischen 4 und 6 Prozent gelegen hatte. Die Kapitalrendite bei BMW fällt aller Voraussicht nach von zunächst kalkulierten 6 bis 10 Prozent auf schmale 1 bis 5 Prozent. Es wird also zunehmend eng für die Autobauer, die sich in einem immer schwierigeren Wettbewerbsumfeld behaupten müssen.

Im ersten Quartal des laufenden Jahres sank der Konzerngewinn bereits um 23 Prozent auf nur noch 1,67 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr lag der Nettogewinn noch bei 7,45 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 133,45 Milliarden Euro.

Ein nüchterner Blick auf die Lage bei BMW zeigt, woher der härteste Rückschlag kam: aus China. Seit dem Jahr 2022 weist der zweitwichtigste Absatzmarkt von BMW eine negative Entwicklung auf. Chinesische E-Auto-Konkurrenten wie die Premiumhersteller BYD oder NIO verdrängen die deutsche Konkurrenz mit wachsendem Erfolg aus ihrem Heimatmarkt. Seit etwa acht Jahren befindet sich die deutsche Automobilwirtschaft und mit ihr die gesamte Industrie in einem sichtbaren Abwärtstrend. Um etwa 30 Prozent sank seither die Produktion deutscher Automobile auf nur noch 4,15 Millionen Stück im vergangenen Jahr. Im Jahr 2011 produzierten deutsche Autobauer im Spitzenjahr 5,9 Millionen Fahrzeuge – doch diese Zeit ist längst vergangen. Seitdem wurden etwa 120.000 Mitarbeiter in der deutschen Automobilwirtschaft entlassen. Ein Trend sichtbarer Deindustrialisierung, der sich angesichts der katastrophalen politischen Rahmensetzungen und der sich weiter zuspitzenden Energiekostenkrise am Standort mit ziemlicher Sicherheit noch verstärken dürfte.

Was sich hinter dem nackten Zahlenwerk von BMW verbirgt, reicht tief in die deutsche Wirtschaftsstruktur hinein. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft hat errechnet, dass die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Industrie auf ein Zehnjahrestief gefallen ist: Nur noch 6,6 Millionen Beschäftigte erwirtschaften in der Industrie und industrienahen Berufen ihr Einkommen – das sind 124.000 weniger als im Vorjahr. Der Anteil am gesamten Arbeitsmarkt sank von 22 Prozent im Jahr 2014 auf nur noch 19 Prozent im Jahr 2024, dem Erhebungsjahr der Analyse. Etwa 5.000 bis 10.000 Industriejobs werden derzeit jede Woche gestrichen – eine dramatische Entwicklung, die auf eine beschleunigte Armutsspirale verweist.

„Made in Germany“ gerät also zunehmend unter Druck. Diese Botschaft scheint sich selbst im sonst eher reaktionsscheuen und realitätsabgewandten Kanzleramt herumgesprochen zu haben, kündigte doch Bundeskanzler Friedrich Merz als Reaktion auf die katastrophalen Entwicklungen in der deutschen Industrie zum wiederholten Male, diesmal für den Juli, ein Reformpaket zur Stärkung der Wirtschaft an.

Allerdings handelt es sich um den üblichen medientaktischen Unfug, denn aus der Erfahrung mit dieser Regierung ist bekannt: Am bestehenden Design der deutschen Politik, am manischen Festklammern an klimapolitischen Irrwegen, wird sich substanziell nichts ändern.

Auch aus Sicht der Arbeitnehmer verliert die Industrie an Zugkraft. Bei den Einstiegsgehältern schrumpfte der Lohnvorteil von 20,4 Prozent im Jahr 2014 gegenüber anderen Beschäftigungsverhältnissen auf nur noch 10,4 Prozent im Jahr 2024. Bei langfristigen Beschäftigungsverhältnissen fiel er von 16,5 auf 8,7 Prozent. Die Industrie zahlt also nicht mehr die Löhne, die einst ihre Attraktivität sicherten – und genau das beschleunigt den Abstieg.

Wer den Niedergang der deutschen Industrie noch immer als vorübergehende Konjunkturschwäche missinterpretiert, wird die Konsequenzen der Abwanderung dieses fundamentalen Bereichs der deutschen Wirtschaft völlig falsch einschätzen.

In den Geschäftsergebnissen von BMW, Mercedes und Co. spiegelt sich diese Entwicklung bereits wider. Ins öffentliche Bewusstsein wird sie jedoch erst dann rücken, wenn aus schrumpfenden Gewinnen reale Verluste werden, wenn – wie im Falle von Volkswagen – die angekündigten Zehntausenden Stellenstreichungen tatsächlich umgesetzt werden und Arbeitslosigkeit in immer mehr Familien zur regelmäßigen Begleiterscheinung wird.

Bis dahin werden Friedrich Merz und sein Schuldenminister Lars Klingbeil die fatale Medienkamouflage vom Klimawandel und dem neuen Wirtschaftswunder „Made for Germany“ (Made by Subventionen) unbeirrt fortsetzen und das Land international zunehmend der Lächerlichkeit preisgeben.

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Kommentare ( 88 )

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Orlando M.
2 Tage her

Die Politik hat schon das passende Mittel gefunden, die 100.000€ Einkommensgrenze bei den Kindern von Pflegefällen soll nach dem Willen der CDU fallen. Die CDU wünscht also dringend, dass die Kinder nichts mehr erben und dafür bezahlen müssen. „Der Dreck muss dann eben ein wenig mehr arbeiten für nichts, Pack!“

Last edited 2 Tage her by Orlando M.
Der Person
2 Tage her

„Ein nüchterner Blick auf die Lage bei BMW zeigt, woher der härteste Rückschlag kam: aus China.“

Mich würde interessieren, inwieweit Baerbock und die anderen Koniferen mit ihrem Auftreten dazu beigetragen haben. Dass die mit ihren Beleidigungen die chinesische Kundschaft deutscher Produkte vergrault haben, ist garantiert (siehe Bud Light und die Transe), aber wie hoch sind die entsprechenden Kosten? Billionen? Oder doch „nur“ Milliarden?

MalerKoeln2
2 Tage her

Die AfD warnte seid HABECK davor. Leider ist Long Tagesschau bisher dominant.

heinrich hein
2 Tage her

Merz wird in die Grschichte eingehen. Da bin ich mir sicher. Nur vermutlich nicht so, wie er es gerne hätte. Mein Gefühl ist, dass er nicht über den Intellekt verfügt, das zu verstehen. Ist aber nur ein Gefühl.

HeinerMueller
2 Tage her

Wenn man 50 Jahre BMW fährt und mit den Fahrzeugen immer glücklich war, erlaube ich mir, dass mich der Abwärtstrend zwar schmerzt, aber wenn ich von Milliardengewinnen lese, die nun geringer ausfallen, tun mir vor allem die Hautptaktionäre leid. Nach vielen Jahren Gewinnausschüttungen von Milliarden anstelle Vorsorge im Unternehmen zu betreiben, ist ja wirklich traurig…..ausserdem hat sich der Konzern und sein Umgang mit den Kunden diesen Rückgang redlich verdient. Die verfehlte Startegie, auf Elektroautos und China zu setzen, die deutschen Kunden aber mit nicht mehr nachvollziehbaren Preisen zu überziehen – bei gleichzeitigem verschlechterten Kundendienst, hat eben Konsequenzen. Ich kaufe keinen… Mehr

Tom Engel
2 Tage her
Antworten an  HeinerMueller

Meinen Sie die Milliadäre Quant und Klatten ?

Last edited 2 Tage her by Tom Engel
Peter Pascht
2 Tage her
Antworten an  HeinerMueller

Es geht um Arbeitsplätze der Nichtsbesitzer zum Erhalt von Familien und Kindern nicht um die Milliarden der Milliradäre.
Es geht also letztendlich um Kinderarmut wenn BMW, und VW dicht machen und Mercedes verkümmert.

Peter Pascht
2 Tage her

Die Leitungen im deutschen Stromnetz sind nicht dafür genügend dick ausgelegt um Millionen E-Autos zu laden – für den „Verbrener aus Trotz“.
Man bräuchte in den Hauptstromleitungen einen Stromdraht so dick wie ein Menschenarm.
Die Stadwerke in meiner Stadt haben gesagt,
maximal 2 öffentlche Ladestation pro Straße, mehr packen die Leitungen nicht.

Last edited 2 Tage her by Peter Pascht
Der Person
2 Tage her
Antworten an  Peter Pascht

Und das wird sich ganz schnell auf 0 öffentliche Ladestationen reduzieren, sobald in der Straße ein halbes Dutzend Wärmepumpen laufen…

Or
2 Tage her
Antworten an  Peter Pascht

Machen Sie sich über die Infrastruktur keine Sorgen. Wenn abends die PV nix mehr liefert und auch der Wind nachlässt, ist‘s eh aus mit dem Laden von e-Autos. Und wenn dann noch in der kalten Jahreszeit die Wärmepumpen mit Strom versorgt werden wollen … ?

Dann gute Nacht.

Last edited 2 Tage her by Or
Juergen P. Schneider
2 Tage her

Man kann davon ausgehen, dass die große Mehrheit der Untertanen noch immer nicht erkannt hat, welch dramatische Entwicklung seit einiger Zeit in Deutschland abläuft. Das Wahlverhalten lässt da keinen Zweifel aufkommen. Viele werden den Niedergang erst wahrnehmen, wenn sie selbst durch Arbeitsplatzverlust betroffen sind. In Deutschland lebt eine Bürgermehrheit, die genauso realitätsblind ist, wie die Regierung, die sie sich gewählt hat.

Konrad Georg
2 Tage her
Antworten an  Juergen P. Schneider

„Ein Mann, der im Dienst des Staates reich wird, kann kein Mann von Charakter sein.“ Der Name des Autors ist mir entfallen. Schon die Abgeordneten sind durch maßlose Überbezahlung für ein Ehrenamt geradezu korrumpiert. Ein falsches Wort und der Listenplatz landet im irgendwo.
Mit faschistischem Verhalten wird der Wählerauftrag aber durch den Altparteienklüngel torpediert. Wo sind denn deren Stimmen hingekommen? Meine Erklärung liegt in einer nüchternen Rechnung zur bayerischen Landtagswahl.
AFD, Freie Wähler und CSU bekamen in Augsburg ~50 %, in Aichach ~ 60 % und auf dem Land, wo das Wissen eine Basis hat, über 70 %.

Peter Pascht
2 Tage her

Ich habe s nun schon oft hier geschrieben: Es gibt nicht genügende E-Strom um alle Verbrenner auf E-Auto umzustellen. Es KANN NIE genügende E-Strom geben. Das bisschen Solar und Wind reicht bei weitem NIE dazu aus um die klassiche Stromerzeugung zu ersetzen. Das lässt sich mathematisch berechnet nachweisen. Das Massenprodukt Verbrenner-Auto kann nicht durch das Nischenprodukt E-Auto ersetzt werden !!! Auch klassiche Stromerzeugung kann nciht durch Solar und Windstrom ersetzt werden in Deutschland wo nur 1/4 des Jahres Sonne und Wind ausreichend und verlässlich zur Verfügung stehen. Es ist schon reine Unbildung Psychopathie – „CO2-Klimanwandel“, „Energiewende“, „Klimaschutz“ – und sonstiger… Mehr

santacroce
2 Tage her

Das Autoland BW hat gerade gewählt – das Ergebnis ist ein grüner MP.
Was soll man dazu noch sagen?
Mitleid?
NEIN – ihr habt es so gewollt.

Peter Pascht
2 Tage her

Vorige Tage warnten VW Manager vor dem Untergang von VW. Hauptsache E-Auto Idiotie für die Weltrettung „am deutschen Wesen muss die Welt genesen“ – und die Chinese lachen sich den Arsch ab über soviel deutsche Dummheit. Alles nur gestohlene westliche Technologie und was sie nicht gestohlen haben, das haben ihnen die Westen Manager in den Arsch geschoben um ihre Dumpinlöhne durchzusetzen. Als diese Numer nicht mehr lief – haben die SED Aktivistin Merkel und die Managerkaste die „Migration“ von „Facharbeitern“ erfunden in ihrem „Migration 2012-2050“ – Papier, so hieß die Abmachung worin steht: „damit ein genügendes Arbeitpotential auf dem Markt… Mehr