Börsen weiter auf Rekordkurs

Nachdem in den vergangenen Tagen die Geldpolitik im Mittelpunkt gestanden hatte, war zum Wochenschluss der aktuelle Arbeitsmarktbericht das zentrale Thema. Die US-Wirtschaft hatte im April deutlich mehr Arbeitsplätze geschaffen als erwartet.

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Die Rally geht weiter. Gleich zum Start in den Mai hat der DAX ein neues Jahreshoch erzielt. Der April war zugleich der vierte Monat in Serie, den der Index mit einem Gewinn beendet hat. Wie lange dauert es bis zum nächsten Rückschlag? Die LBBW hat nachgerechnet: Der DAX schaffte in seiner Geschichte zuvor bereits 16 Mal eine Serie von vier positiven Monaten am Stück. Elf Mal stieg der Index danach mindestens einen weiteren Monat. Die längste Serie dauerte zwölf Monate. Demnach wäre ein positiver Mai  2019 realistisch. Eine populäre Börsenweisheit („Sell in May and go away“) legt allerdings nahe, im Mai zu verkaufen. Das lässt sich für den DAX historisch betrachtet nicht stützen. Nach Berechnung der LBBW erreicht der Index sein typisches Verlaufshoch erst im Juli. Das Sommerloch dauert dann bis Ende September — so weit die Statistik. In der Praxis ist es extrem schwierig zu bestimmen, welche Richtung die Märkte auf Sicht weniger Wochen nehmen. Der Mai brachte in 31 Jahren immerhin 19 Mal eine positive DAX-Performance. Eine systematische Wette gegen den Mai hätte sich also nicht gelohnt.

Wenn Sozialdemokraten in Europa mal wieder eine Parlamentswahl gewinnen können, sorgt dies inzwischen über die Landesgrenzen hinweg für Aufsehen. So geschehen vergangenen Sonntag in Spanien, wo die PSOE knapp 30 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte. Dennoch kam bei Parteichef Pedro Sánchez nicht nur Partystimmung auf, denn die PSOE schaffte es nicht, zusammen mit der Podemos(UP) eine absolute Mehrheit links der Mitte zu erreichen. „Wir gehen davon aus, dass es Sánchez nichtsdestoweniger gelingen dürfte, nach eher langen und schwierigen Verhandlungen ein Linksbündnis aus PSOE und UP sowie der Duldung durch kleinere, separatistische Parteien hinter sich zu vereinen“, meinen die Experten der DZ-Bank. Ins gleiche Horn stößt Alex Holroyd-Jones, Analyst bei Investec AM. „Es sieht so aus, als ob die Bildung einer Regierung eine schwierige Aufgabe wird, was eine längere Periode der politischen Unsicherheit mit sich bringen würde. Dies könnte Investitions- sowie Einstellungsentscheidungen beeinträchtigen.“ Dennoch dürfte Spanien auch in Zukunft im Vergleich zu anderen europäischen Staaten überdurchschnittlich gute Konjunkturdaten vorweisen können. Experten erwarten trotz der Hängepartie in Madrid ein BIP-Wachstum Spaniens um zwei Prozent für 2019 und um 1,8 Prozent für 2020.

Kontinuierlich zunehmende Käufe der Zentralbanken und der Exchange Traded Funds (ETF) mit Golddeckung haben laut dem World Gold Council die weltweite Nachfrage nach Gold im ersten Quartal 2019 auf mehr als 1.050 Tonnen gesteigert. Das ist ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres und der beste Jahresstart seit 2013. Vor allem die Notenbanken in Russland und China waren sehr aktiv. In Europa zog die ETF-Nachfrage an. „Die europäischen Investitionen in ETFs erreichten ein Allzeithoch, und die Zahlen für dieses Quartal legen nahe, dass die zugrunde liegenden Faktoren – negative Erträge auf öffentliche Schuldinstrumente der Eurozone, geopolitische Unsicherheiten und Fluktuationen der Finanzmärkte  – die Investitionsnachfrage weiterhin bestimmen werden,“ so Alistair Hewitt, Head ofMarket Intelligence beim World Gold Council.

Genau 15 Jahre ist es her, dass unter anderem Polen, Ungarn, Tschechien, die Slowakei und Slowenien der EU beigetreten sind. Ein Teil der damaligen Euphorie in politischer wie wirtschaftlicher Hinsicht ist verflogen. Auch für Anleger erfüllten sich nicht alle Blütenträume. Die osteuropäischen Börsen gewannen seither zwar kräftig hinzu, blieben aber hinter der Entwicklung anderer Schwellenländer zurück. So konnte der MSCI Eastern Europe ex Russia seit 2014 rund 230 Prozent Gewinn einfahren. Der MSCI Emerging Marketskommt im selben Zeitraum auf knapp 310 Prozent Plus. Neben verfehlten wirtschaftspolitischen Reformen wie in Ungarn wirkte zudem belastend, dass in Osteuropa anfangs viele ehemalige Staatsunternehmen gelistet waren. Diese besaßen bei Investoren wegen ihrer großen Altlasten wenig Anziehungskraft.

Der Boom auf dem US-Arbeitsmarkt hat den US-Börsen am Freitag zu Gewinnen verholfen. Enttäuschende Stimmungsdaten aus dem Dienstleistungssektor drückten nur kurzzeitig etwas auf die Laune der Anleger. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial kletterte um 0,75 Prozent nach oben auf 26.505 Punkte und konnte sich damit im Wochenverlauf letztlich fast stabil halten. Das Minus beträgt gerade einmal 0,1 Prozent. Der S&P 500 gewann am Freitag ein Prozent auf 2.946 Zähler. Der NASDAQ 100 rückte um 1,6 Prozent auf 7.846 Punkte vor.

Nachdem in den vergangenen Tagen die Geldpolitik im Mittelpunkt gestanden hatte, war zum Wochenschluss der aktuelle Arbeitsmarktbericht das zentrale Thema. Die US-Wirtschaft hatte im April deutlich mehr Arbeitsplätze geschaffen als erwartet. Die Gehälter waren ebenfalls weiter gestiegen, wenn auch nicht ganz so deutlich wie von Analysten prognostiziert. Dass sich die Stimmung nicht nur in der Industrie, sondern aktuellen Daten zufolge auch im Dienstleistungsbereich stärker als erwartet eingetrübt hatte, schlug sich nicht an der Börse nieder.

„Die Arbeitsmarktlage ist als hervorragend zu bezeichnen“, sagte Analyst Ralf Umlauf von der Helaba, und auch Volkswirt Thomas Gitzel zeigte sich beeindruckt. Er sagte mit Blick auf die Aussagen des Fed-Vorsitzenden zur jüngsten Zinsentscheidung: Jerome Powell habe wohl durchaus verstanden, dass aktuell nicht nur auf Risiken eines Wirtschaftsabschwungs verwiesen werden könne. „Die Wortwahl der Fed klang zuletzt wesentlich ausgeglichener.“ Halte die US-Wirtschaft Kurs und belebe sich die Weltwirtschaft, müsse Powell womöglich sogar die Tür für weitere Zinserhöhungen wieder aufstoßen. Zuletzt hatten Anleger hingegen eher auf eine Zinssenkung gehofft.

Unter den Einzelwerten zog insbesondere die Amazon-Aktie Aufmerksamkeit auf sich, die um 3,2 Prozent stiegen. Börsenguru Warren Buffett, dem ein besonderes Gespür für lukrative Geldanlagen nachgesagt wird, hatte sich über seine Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway erstmals Aktien des weltgrößten Onlinehändlers zugelegt. Die Papiere des Reiseportalbetreibers Expedia litten dagegen unter einer enttäuschenden Umsatzentwicklung im ersten Quartal und gaben an der Nasdaq um 0,9 Prozent nach.

Die Aktien von Walt Disney legten im Dow um 0,1 Prozent zu. Ungeachtet schwacher Quartalszahlen gewannen die Papiere von Fiat Chrysler 5,5 Prozent. Börsianer verwiesen als Grund auf den dennoch optimistischen Ausblick des Autobauers.

Weiter für Aufsehen sorgte zeitweise auch der frisch an die Börse gegangene Hersteller von Fleischersatzprodukten Beyond Meat. Zu 25 Dollar das Stück ausgegeben, hatte sie am Vortag bei 65,75 Dollar und damit etwas mehr als 160 Prozent über dem Emissionspreis geschlossen. An diesem Freitag ging es dann bis auf 74 Dollar hoch. Allerdings bröckelten die Gewinne weitgehend wieder ab, so das am Ende nur ein Plus von 1,6 Prozent auf 66,83 Dollar verblieb.

Der DAX zeigte sich am Freitag von seiner festeren Seite. Der Leitindex schloss 0,6 Prozent im Plus bei 12.413 Punkten.

Auf Unternehmensseite standen Adidas und BASF im Fokus.. Der Sportartikelhersteller ist weiter auf der Überholspur und lässt sich auch von Nachschubproblemen in Asien nicht beeinflussen. So brachten Einnahmen aus dem Online-Handel sowie Verkäufe aus eigenen Läden Adidas einen unerwarteten Gewinnsprung; der Nettogewinn kletterte im ersten Quartal zur Freude der Aktionäre um 16 Prozent auf 631 Millionen Euro. Die Aktie stiegt daraufhin in der Spitze um sieben Prozent auf 245 Euro – ein neues Rekordhoch.

Bei BASF hingegen trübte ein Gewinneinbruch die Stimmung unter den Aktionären. Obwohl die Agrochemie-Sparte im ersten Quartal für ein Umsatzplus von drei Prozent auf 16,2 Milliarden Euro sorgte, ging der bereinigte operativen Gewinn um 24 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zurück.

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Horst
2 Jahre her

Freut mich, dass die Stimmung an den Börsen so gut ist – ich nehme jeden Euro gerne mit. Meine Stimmung ist eher verhalten, aber ich stehe auch morgen früh zu Beginn meines 12h Tages wieder am Hauptbahnhof. Bitte sagt rechtzeitig Bescheid, wenn auch eure Stimmung kippt, damit ich meine Kohle abziehen kann.