Börse: Durchwachsene Woche nach furiosem Jahresauftakt

Die Konjunktur läuft bloß mäßig bis schleppend. Die OECD erwartet, dass die deutsche Wirtschaft 2019 statt wie bislang prognostiziert um 1,6 Prozent lediglich um 0,7 Prozent wachsen wird- ein herber Einschnitt.

Spencer Platt/Getty Images

Am New Yorker Aktienmarkt hat der Pessimismus am Freitag kurz vor Handelsende spürbar nachgelassen. Der Dow Jones Industrial reduzierte seine Verluste merklich und ging mit einem Abschlag von nur noch 0,1 Prozent auf 25.450 Punkten über die Ziellinie. Zunehmende Konjunktursorgen hatten ihn im Verlauf zunächst deutlich im Minus gehalten. Der jüngste US-Arbeitsmarktbericht, schwache Wirtschaftsdaten aus China und der weiter fehlende Durchbruch im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit drückten auf die Stimmung. Auf Wochensicht verbuchte der Leitindex ein Minus von 2,2 Prozent. Noch bis Ende Februar hatte der Leitindex ausgehend von seinem Dezember-Tief um mehr als 20 Prozent zugelegt, ehe der Rally die Puste ausging. Für den marktbreiten S&P 500 ging es am Freitag um 0,2 Prozent auf 2743 Punkte nach unten. Der technologielastige NASDAQ 100 sank um 0,2 Prozent auf 7016 Zähler.

Der US-Arbeitsmarkt sendete im Februar widersprüchliche Signale. Während der Beschäftigungsaufbau fast zum Erliegen kam, legten die Stundenlöhne stärker als erwartet zu. Der Schwung am US-Arbeitsmarkt lasse nach, so das Fazit von Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. „Sollte sich das Lohnwachstum in den kommenden Monaten weiter beschleunigen, könnte dies die Inflation nachhaltig ankurbeln, was die Notenbank Fed von ihrem Abwarte-Kurs abbringen könnte“, so Altmann. Zentralbankchef Jerome Powell hatte sich zuletzt für ein geduldiges Vorgehen mit Blick auf weitere Leitzinsanhebungen ausgesprochen.

Der amerikanische Botschafter in Peking dämpfte derweil Hoffnungen auf eine baldige Einigung im Handelsstreit mit China. In den Verhandlungen gebe es weiter unterschiedliche Positionen, die weitere Gespräche notwendig machen, sagte Terry Branstad der Wirtschaftszeitung „Wall Street Journal“. Bisher sei noch kein Termin für einen Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping festgelegt worden.

Die Ölpreise gaben wegen der weltweiten Konjunktursorgen deutlich nach, was sich auf die Aktienkurse der Ölkonzerne auswirkte: ExxonMobil verloren als schwächster Dow-Wert 1,4 Prozent. Im S&P büßten Occidental Petroleum 4,6 und ConocoPhillips 3,7 Prozent ein. Top-Wert im Dow waren die Aktien der Großbank Goldman Sachs, die sich mit plus 1,3 Prozent von ihrem Vortagesminus erholten.

In Deutschland und Europa gingen die Anleger vor der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) erst einmal in Deckung. EZB-Präsident Mario Draghi motivierte sie dann aber: Die Leitzinsen in der Eurozone bleiben nicht bloß bis Sommer bei null, sondern voraussichtlich mindestens bis Ende des Jahres. Daneben bereiten die Notenbanker neue Geldspritzen für Banken in Form günstiger Langfristkredite vor. Die EZB lenkt also weiter viel Flüssiges in den Wirtschaftskreislauf. Das allerdings hat auch seine Gründe: Die Konjunktur läuft bloß mäßig bis schleppend. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit hat soeben ihre Schätzungen für die Wirtschaftsleistung des laufenden Jahres sowohl auf dem gesamten Globus als auch für Europa und Deutschland gesenkt. Demnach soll etwa die deutsche Wirtschaft 2019 statt wie bislang prognostiziert um 1,6 Prozent lediglich um 0,7 Prozent wachsen — ein herber Einschnitt. Insofern ist die Entscheidung der EZB für eine anhaltend lockere Geldpolitik nur allzu verständlich. Der DAX drehte nach der Notenbanksitzung zunächst ins Plus, bleibt aber unter der wichtigen 200-Tage-Linie. Bis zu einem positiven Signal des technischen Indikators ist es noch ein Stück.

Trotz oder gerade wegen der Börsenturbulenzen, die einige Anleger offenbar zum Einstieg genutzt haben: 2018 ist die Zahl der Aktionäre in Deutschland um circa 250.000 gestiegen, ergab eine Studie des Deutschen Aktien-instituts (DAI). Rund 10,3 Millionen Bundesbürger besaßen im Jahresdurchschnitt Aktien oder hielten Anteile an Fonds, die in Aktien investieren. „Damit erreicht die Zahl der Aktienbesitzer den höchsten Wert seit 2007“, so DAI-Geschäftsführerin Christine Bortenlänger. Anleger bevorzugen allerdings das indirekte Aktieninvestment: Die Zahl der Fondsbesitzer ist gegenüber 2017 gestiegen, die Zahl der Aktienbesitzer hingegen gesunken. Von den 10,3 Millionen hielten 5,8 Millionen nur Fondsanteile, während zwei Millionen sowohl Aktien als auch Fondsanteile besaßen und 2,5 Millionen ausschließlich direkt auf Aktien setzten. Der Aufwärtstrend bei den Aktionärszahlen sei ungebrochen, meint Bortenlänger. Zuversichtlich stimme, dass der Trend alle Bevölkerungsgruppen erfasst habe und auch jüngere Jahrgänge an Aktien interessiert seien. Die meisten Deutschen legen ihr Geld aber weiterhin lieber auf Giro- und Sparkonten.

Wenn die Bundesbürger also immer noch nicht so recht aufs DAI hören mögen, schafft es vielleicht der ehemalige US-Präsident, der sich hierzulande eines ungleich besseren Rufs erfreut als sein Amtsnachfolger, ihnen die Langfristvorteile von Aktien näherzubringen. Barack Obama rief Anfang 2009, wenige Wochen nach Beginn seiner ersten Amtszeit, zum Aktienkauf auf. „Wir erreichen langsam einen Punkt, an dem es ein gutes Geschäft sein könnte, Aktien zu kaufen, sofern Sie eine Langfristperspektive haben“, sagte Obama am 3. März 2009. Die US-Börsen markierten wenige Tage danach, am 6. März, ihren Tiefpunkt im Zuge der Finanzkrise. Damals sank der S & P 500 unter 667 Punkte — zehn Jahre später stieg er zeitweise über 2.800 Zähler.

Ungewöhnlich, dass nach der Veröffentlichung der Milliardärsliste des US-Magazins „Forbes“ der Platz 2057 einen Großteil der Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dort findet sich in diesem Jahr mit der 21 Jahre alten Kylie Jenner die jüngste Milliardärin der Welt, die den Sprung in den Klub sogar noch etwas früher schaffte als Facebook–Gründer Mark Zuckerberg, der erst mit 23 Jahren die Milliarden-Dollar-Grenze überwinden konnte. Als Selfmade-Milliardärin wird Jenner gern bezeichnet. Allerdings gehört sie zum Kardashian-Clan, um den sich in den USA seit etlichen Jahren eine Reality-TV-Serie rankt. Aus ärmeren Verhältnissen stammt Jenner also nicht gerade. Die Milliarde hat sie ihrer Firma Kylie Cosmetics und dem Geschäft mit Kosmetikartikeln zu verdanken, das auch dank ihrer Social-Media-Kanäle floriert. Allein auf Instagram hat Jenner 128 Millionen Follower. Bis sie es auf die vorderen Plätze bei „Forbes“ schafft, muss sie indes noch ein paar Lippenstifte verkaufen. Auf Platz 1 steht dort weiterhin Amazon-Chef Jeff Bezos mit 131  Milliarden, vor Microsoft-Gründer Bill Gates mit 96,5 Milliarden und Investorenlegende Warren Buffett mit 82,5 Milliarden Dollar.


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