Wechsel bei Apple: Tim Cook räumt Chefposten

Noch im März meinte Tim Cook (65), er werde weiter Apple-Boss bleiben – nun räumte er den Posten an der Spitze des 416-Milliarden-Euro-Unternehmens: Die operative Führung übernimmt mit John Ternus (50) ein Ingenieur, der bislang hinter den Kulissen wirkte.

picture alliance/KEYSTONE | GIAN EHRENZELLER

Zwar kursierten bereits seit Monaten Spekulationen über einen möglichen Wechsel an der Spitze von Apple, doch intern hatte man eher mit einem späteren Zeitpunkt gerechnet. Nun soll der Übergang bewusst strukturiert erfolgen: Über den Sommer hinweg wollen Cook und Ternus eng zusammenarbeiten, um einen reibungslosen Machtwechsel sicherzustellen.

Für Cook endet damit eine Ära, in der sich Apple grundlegend gewandelt hat. Als er 2011 die Führung übernahm – damals als Nachfolger von Steve Jobs – galt er zunächst als nüchterner Betriebsstratege. Doch unter seiner Leitung entwickelte sich Apple zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt. Der Börsenwert vervielfachte sich, der Umsatz stieg auf 416 Milliarden Dollar jährlich (2025), und insbesondere das margenstarke Dienstleistungsgeschäft wurde zum zentralen Wachstumstreiber.

Gleichzeitig prägte Cook das Unternehmen auch politisch und gesellschaftlich: Er positionierte Apple als Verfechter von Datenschutz, lieferte sich öffentlichkeitswirksame Auseinandersetzungen mit Behörden und bewies diplomatisches Geschick im Umgang mit internationalen Konflikten, insbesondere im Spannungsfeld zwischen den USA und China. Diese Rolle dürfte er auch künftig behalten, denn als Verwaltungsratschef soll er sich verstärkt um globale Beziehungen kümmern.

Mit John Ternus übernimmt nun ein deutlich anderer Typ Manager: Der 50-jährige Ingenieur gilt als sachlich, teamorientiert und technisch geprägt. Anders als Cook ist er ein „Produktmensch“ – also jemand, der tief in der Entwicklung verwurzelt ist, berichtet dazu das Handelsblatt. Seit seinem Einstieg bei Apple im Jahr 2001 arbeitete er sich kontinuierlich nach oben und war maßgeblich an zahlreichen Schlüsselprodukten beteiligt, darunter iPhone, Mac und Apple Watch.

Sein Führungsstil wird als bedacht und risikoarm beschrieben. Große, radikale Umbrüche sind von ihm bislang nicht bekannt, vielmehr steht sein Name für kontinuierliche Weiterentwicklung bestehender Produkte. Genau das könnte nun aber zu Problemen führen: Denn während Apple wirtschaftlich glänzt, wächst der Druck, die nächste große Innovation zu liefern.

Neues Produkt fehlt

Branchenexperten sehen hier die zentrale Aufgabe für Ternus. Nach Jahren inkrementeller Verbesserungen fehlt vielen Beobachtern ein neues Produkt, das eine ähnliche Revolution auslöst wie einst das iPhone oder das iPad. Besonders im Bereich Künstliche Intelligenz wird von Apple ein stärkeres Signal erwartet. Die Konkurrenz investiert jedenfalls massiv.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Der globale Markt für Unterhaltungselektronik stagniert seit Jahren. Neue Produktkategorien entstehen kaum, während bestehende Märkte weitgehend gesättigt sind. Apple konnte bislang von seiner starken Position im Premiumsegment profitieren, doch diese Dominanz ist keineswegs garantiert.

Ternus tritt also ein schwieriges Erbe an. Er übernimmt ein finanziell extrem solides Unternehmen, aber auch eines, das sich neu erfinden muss.

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Kommentare ( 1 )

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jsdb
1 Stunde her

Bei Apple fehlt es nicht an „Neuen Produkten“, sondern an Freiheit und User Respekt.
Wer digitale Unabhängigkeit, Freiheit und volles Eigentum über das Equipment ausüben will, muß oder für die Entwicklung eigener Produkte braucht, kann niemals Apple oder andere proprietäre Produkte verwenden.
Die Ära der Proprietären Benutzer Sklavenhalter ist vorbei.