„Aufhören, Flüchtlinge als Umsatzbringer für Sozialunternehmen zu betrachten“

Marcel Luthe, Vizepräsident der deutsch-afghanischen Gesellschaft, sieht die bisherige Aufnahme und Integration afghanischer Migranten nicht als Erfolgsgeschichte. Von Österreich und seinem Bundeskanzler gäbe es da einiges zu lernen.

picture alliance/dpa | Christoph Soeder
Marcel Luthe, Freie Wähler, Mitglied des Abgeordnetenhauses Berlin

Tichys Einblick: Herr Luthe, Sie sind Vizepräsident der deutsch-afghanischen Gesellschaft. Was soll jetzt mit den Afghanen geschehen, die das Land nach der Machtübernahme der Taliban verlassen müssen? Wie viele von ihnen sollte und kann Berlin und Deutschland aufnehmen?

Marcel Luthe: Ich habe in den letzten Jahren Journalisten, Bürgerrechter und überzeugte Demokraten unter den Afghanen kennengelernt, die aktuell in Afghanistan nicht mehr sicher sein können – diesen Menschen müssen wir helfen. Ob man den meisten dieser Menschen – und der Zukunft des afghanischen Volkes – nutzt, wenn man sie nach Deutschland holt, statt für eine sichere Aufnahme in einem heimatnahen Land aus humanitären Gründen die Kosten zu tragen, sollten wir offen diskutieren.

Schon mit Blick auf die Lage am Wohnungsmarkt macht es wenig Sinn, in Deutschland diese Menschen ausgerechnet in Berlin unterzubringen – das geht in anderen Bundesländern deutlich günstiger, so dass wir mit weniger Geld mehr Menschen helfen könnten. Hier muss Vernunft statt Ideologie herrschen.

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Die andere Frage ist die, wieviel Integration wir leisten können. Die Afghanen, die in den letzten Jahren nach Deutschland gekommen sind – auch wegen Konflikten mit der nunmehrigen Exilregierung – sind weit überwiegend nicht gut integriert worden, sondern quasi „verwahrt“ worden. Hier hat man eine historische Chance vertan. Das darf sich nun nicht wiederholen!

In einem offenen Brief habe ich mich deshalb an den österreichischen Bundeskanzler gewendet, der als Integrationsstaatssekretär mit „Zusammen: Österreich“ vor zehn Jahren ein bemerkenswertes Programm umgesetzt hatte, von dem wir in Berlin sicher lernen können.

Warum Sebastian Kurz? Er hat sich sehr skeptisch über die Aufnahmemöglichkeit von Afghanen geäußert. Der Luxemburger Außenminister Asselborn meinte darauf, Kurz verliere gerade „das Privileg, Europäer zu sein“.

Warum Asselborn? Luxemburg hat 2020 sage und schreibe 41 afghanische Flüchtlinge aufgenommen, 2/3 der Anträge abgelehnt. Das etwa 14-mal größere Österreich hat das 70-fache an Flüchtlingen aufgenommen und 2/3 der Anträge angenommen. Statt starker Worte – glaubt Herr Asselborn, darüber befinden zu haben, wer Europäer ist? – hat er doch ganz offenkundig kein Recht, Österreich zu belehren, sondern sollte von dort lernen, wie er mehr Menschen in Luxemburg aufnehmen kann.

Was sollte Berlin Ihrer Meinung nach von Österreich lernen?

Zunächst einmal müssen wir aufhören, Flüchtlinge als Umsatzbringer für Sozialunternehmen zu betrachten und uns fragen, wieviel der eingesetzten Mittel eigentlich den Menschen zu Gute kommt und wie viel den ach-so-hilfsbereiten Organisationen, die damit – ich erinnere exemplarisch an die Berliner Treberhilfe oder den Frankfurter AWO-Skandal – ihren persönlichen Luxus finanzieren. Ziel dieser Menschen ist es auch nicht, ihr Leben lang auf der Flucht zu sein, sondern – so höre ich es von vielen Afghanen – irgendwann wieder nach Hause zu können.

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Genau darin liegt unsere Chance, diesen Menschen nicht nur durch Fördern und Fordern unsere Sprache, sondern auch unsere Werte zu vermitteln und den Geist der Aufklärung zu verbreiten. Genau das hat Herr Kurz mit den Integrationsbotschaftern ganz aktiv getan und so dazu beigetragen, Meinungs- und Glaubensfreiheit, die Unantastbarkeit der Menschenwürde und die Gleichwertigkeit aller Menschen zu verbreiten – statt nur bräsig jeden Monat den Sozialverbänden Geld zu überweisen und die Flüchtlinge ansonsten ihrem Schicksal zu überlassen.

Wie lassen sich die Afghanen, die schon hier leben und jetzt nicht zurückkönnen, besser integrieren? In Berlin gab es kürzlich einen aufsehenerregenden Mord an einer jungen Frau durch Familienmitglieder, weil sie westlich leben wollte.

Ich bin mir sicher, dass durchaus nun Menschen nach Afghanistan zurückkönnen, die vor wenigen Wochen verfolgt worden wären. Aber grundsätzlich gilt, dass gerade junge Menschen klare Werte und Normen brauchen, um nicht in Kriminalität oder ideologischen Extremismus abzurutschen. Wenn wir diese Menschen allein lassen, wenn wir ihnen nicht vermitteln, dass sie eine Chance haben, an unseren Werten des Grundgesetzes – mit allen Rechten und Pflichten – teilzunehmen, werden sie sich in einer sozialen Untergruppe einrichten – und diese mit aller Macht gegen vermeintliche Erosionen – Kontrollverlust – verteidigen. Die Mörder – und das ist das Tragische, denn das hat sicher niemand gewollt – sind das Ergebnis einer Laissez-faire-Haltung in der Integrationspolitik, die den Eindruck vermittelt hat, man könne in Deutschland nach seinen eigenen „Regeln“ leben.

Die Berliner Senatorin Breitenbach wollte in diesem Zusammenhang nur über „Männergewalt“ diskutieren, und lehnt eine Debatte über kulturelle Probleme ab. Was muss sich an der öffentlichen Diskussion in Deutschland jetzt ändern?

Die Integrationssenatorin Breitenbach, deren Vetter Harald Wolf Vizepräsident des Arbeitersamariterbundes ist, der Flüchtlingsunterkünfte betreibt? Wie überall auch müssen wir von der ideologischen Blindheit zunächst einmal zur nüchternen Vernunft kommen und die Tatsachen betrachten: Mehr als ein Drittel der Tatverdächtigen bei Sexualdelikten 2020 in Berlin hatte keine deutsche Staatsangehörigkeit – also weitaus mehr als der Anteil an der Bevölkerung. Bei den Tötungsdelikten liegt der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen sogar bei über 45 Prozent. Das sind empirisch schlichte Tatsachen, deren Ursache man ergründen muss, um zukünftige Taten zu verhindern. Wer sich weigert, diese Ursachenforschung zu betreiben, muss auch für die Folgen dieser Weigerung die Verantwortung übernehmen. Ich halte das gegenüber den zahlreichen Opfern von Gewalt- und Sexualdelikten für völlig verantwortungslos!


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Kommentare ( 100 )

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Juergen P. Schneider
20 Tage her

Wie wohltuend, eine Stimme der Vernunft zu hören. Sehr erheiternd sind die Einlassungen von Herrn Asselborn. Die Schnapsnase aus Luxemburg kritisiert den österreichischen Kanzler, um von den „überragenden“ Leistungen Luxemburgs in der Migrationskrise abzulenken. Von allen europäischen Pseudostaatsmännern ist dieser Herr der mit Abstand lächerlichste.

Peter Pascht
20 Tage her

Ok, den Afhganen soll man helfen ! Aber das hat man doch 20 Jahre lang getan. Oder nicht? Oder hat man uns nur belogen ? Es kann aber nur von zeitweiser humanitärer Nothilfe die Rede sein. Denn es stellt sich die Frage, wie lange soll man Nothilfe leisten? Bedingungsloses Einkommen auf West Niveau für alle und für immer ? Allerdings wüsste ich nicht warum man dem absichtlichen Versagen einer steinzeitlichen Regierung helfen sollte, wenn diese zu keinen Veränderungen und zu keiner Kooperation bereit ist. Schließlich muss das Afghanische Volk, wie jedes Volk dieser Erde sich selber ernähren und seine Angelegenheiten… Mehr

Last edited 20 Tage her by Peter Pascht
Kassandra
20 Tage her
Antworten an  Peter Pascht

Im Islam spricht man von Kopfsteuer, Dschizya, die wir als nichtmuslimische „Schutzbefohlene“ (Dhimmi) unter islamischer Herrschaft auferlegt bekommen werden.
Da wir an jeden ohne Ansehen bei Übertreten der Grenze und dann auf Dauer zahlen, scheint das für die Moslems aus aller Welt bereits fix – weshalb sie jede Möglichkeit ergreifen, in Merkelland anzudocken.
Ganz schnell kommen auch welche, die von Italienern vor den Taliban gerettet wurden, aber angeben, sich im Land, wo die Zitronen blühen, nicht wohl zu fühlen: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/64017/5007704

HansKarl70
19 Tage her
Antworten an  Kassandra

Menschen mit solchen Ansprüchen kann man nicht helfen. Es gibt eine Menge bescheidenere Menschen, die Hilfe wirklich verdienen.

Sani58
19 Tage her
Antworten an  Peter Pascht

Warum? Helfen die uns ….im Notfall?
( Atom, Wetter, Brand, Naturkatastrophen…..)
Nie und nimmer.
So wie sie Leben wollen sie es, sonst gäbe es Wiederstand.
Natürlich, wenn ohne große Gegenleistung ein gemachtes Bett und Auskommen geboten wird, würde ich auch alles dran setzen.
Afghanistan ist nicht arm. Wo kommen die Waffen her, die SUV s, …..
Das ist eine Jahrhunderte alte Klankultur.
Wollten sie anders, hätten sie hundert Jahre Zeit gehabt.

Last edited 19 Tage her by Sani58
HavemannmitMerkelBesuch
20 Tage her

Nun kommen sie halt alle und sind halt alle da. Die so denken und handeln, leben mit Personenschutz in ihren abgeschirmten Palästen und ideologischen Blasen der Realitätsverweigerung und wollen dem Volk ihre Ideologie diktieren, die schon lange nicht mehr die Realität berücksichtigt und auch nicht berücksichtigen kann.
Migrationsbeführworter gehören zwecks Therapie zwangseingewiesen für 2 Jahre in eine Unterkunft neben einem Asylheim. Wer dann noch meint, diese Migranten wären kompatibel mit unserer Kultur, unseren Gesetzen, unseren Werten, gehört weiter überwiesen ins klinische….

Wilhelm Roepke
20 Tage her

Genau solche Politiker wie Asselborn sind es, die mich dazu bringen, mich zunehmend für den von der AFD geforderten Dexit zu erwärmen. Wer Sebastian Kurz die Eigenschaft des Europäers absprechen will, dem fehlt jeder Anstand. Normalerweise gehört er von den anderen EU-Mitgliedern zu einer Entschuldigung aufgefordert. Wird natürlich mal wieder nicht passieren.

Kristina
20 Tage her

Mittlerweile sehe ich es so, dass nicht nur der Eindruck entsteht, dass man nach seinen eigenen Regel leben kann, sondern es ist bereits so. Und es würde noch schlimmer, wenn jetzt wieder über die „Mitleidsschiene“ eine sehr große Anzahl von Afghanen hier aufgenommen würden. Es gibt sicher eine sehr kleine Oberschicht, die für unsere Werte offen ist, aber der Rest ist tief verwurzelt in Religiosität und Stammes-/Clandenken. Dieses salbungsvolle Gerede, dass die Afghanen fliehen, weil sie unsere Werte so toll finden, halte ich für naives Wunschdenken. Es locken die Fleischtöpfe. Kein Land der Welt lockt mit üppiger Daueralimentierung, ohne dass… Mehr

Kassandra
20 Tage her
Antworten an  Kristina

In der Bild kommt erneut Oberst a.D. Thomas Sarholz zu Wort, der die Unzuverlässigkeit von „Ortskräften“ zu Lasten von Leib und Leben der Soldaten während ihrers Dienstes bei der Bundeswehr beschreibt: https://www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/afghanistan-veteran-es-gab-ortskraefte-die-sich-als-attentaeter-entpuppt-haben-77553396.bild.html
Da seit 2012 bekannt ist, dass Straftäter einreisen, scheint der Plan von Merkel et.al. vorzusehen, dass Deutschland zu einem kompletten shithole werden soll:
https://www.nzz.ch/aggressiv_und_straffaellig-1.14634557
https://www.nzz.ch/feuilleton/migrationspolitik-auf-dem-holzweg-1.18681328
https://www.nzz.ch/meinung/kommentare/auffangbecken-fuer-kriminelle-1.18680108
Die Bilder werden wieder so gesiebt, dass Kulleraugenkinder und ein paar Frauen abgedruckt werden – die Masse der „jungen Herren“ aber im Verborgenen bleibt!
Deagel beschreibt für 2025 in der forecast eine Einwohnerzahl von 28 Millionen Menschen.

Der Prophet
20 Tage her

Was sollen diese Träumereien von Integration? Die Mehrzahl der Leute kommt nicht hierher um sich in die hiesige Gesellschaft integrieren zu wollen. Das einzige, wohin man sich integrieren will, ist das deutsche Sozialsystem, ansonsten bleibt man kulturell und gesellschaftlich lieber unter seinen Brüdern, mit allem was an Kriminalität und Verachtung für das Gastgeberland dazugehört. Genau diese Weichei-Mentalität ist der Grund warum sich hier keiner integriert. Anstatt von den Ankömmlingen knallhart einzufordern, dass sie sich unseren Spielregeln zu unterwerfen haben und beim ersten Verstoß gegen irgendwelche Gesetze wieder ihre Koffer packen können, sucht man die Schuld der mangelnden Integration lieber bei… Mehr

Konrad Georg
20 Tage her

Berlin ist doch sehr praktisch, das zahlt doch alles Bayern. Und denen gönnen wir das doch.

schwarzseher
20 Tage her

Warum sollen wir ( Deutschland und Europa ) alle Wirtschaftsflüchlinge aufnehmen und über Generationen alimentieren? Islamische Ländern wie Saudi Arabien, Oman etc. haben Platz und Geld ohne Ende, ihre Glaubensbrüder und Glaubensschwestern aufzunehemen, denken aber nicht daran. Und was die Afghanen selber bertrifft: Die hatten die 20 Jahre lang die Möglichkeit, mit Hilfe von 200 000 Soldaten des Westens, versorgt mit modernsten Waffen und ungezählten Milliarden Dollar, die mittelalterlichen Taliban in die Wüste zu schicken, wohin sie gehören. Wollten es aber mehrheitlich nicht und liefen feige davon. Das gleiche gilt für die afghanischen Klugschwätzer, die hier in sicherer Entfernung –… Mehr

Kassandra
20 Tage her

In den USA geht es wohl robuster zu und Sozialleistungen fließen nicht wie in Deutschland – sie machen darauf aufmerksam, dass eventuelle Wiedereingliederungsleistungen zu niedrig für das Wohnen in einigen Gebieten der USA sein können: https://travel.state.gov/content/travel/en/us-visas/immigrate/special-immigrant-visas-for-afghans-and-iraqis-resettlement-options.html
Das Pampern auf Dauer gibt uns zusätzlich den Rest.

Hesta
20 Tage her

Man sollte diesen Herrschaften nur Sachleistungen gewähren, die einzige Möglichkeit, ihren Wohlfuehlfaktor zu verringern.
Sie sind mit Aussicht auf Rundumversorgung – die meisten jedenfalls- förmlich angelockt worden, kein Land kann das auf Dauer zu leisten.