FlashMob und FlashRob: Neue Waffen

Mit FlashMobs sind legale und illegale Aktionen, legitime und illegitime Bewegungen schnell organisiert und können staatliche Organe ausgehebelt werden. Die Grenzen zum kriminellen FlashRob sind fließend. Ein Gastbeitrag von Dieter Schneider.

Hat sich der schon jahrzehntelang beschworene Nord-Süd-Konflikt sich zu einem Eroberungs-Feldzug des „Südens“ gegen den “Norden“ (früher Abendland genannt) entwickelt? Alle bisherigen Definitionen sowohl für Krieg als auch für Eroberungskrieg liefern keine Erklärung dafür, ob das, was jetzt auf der „Balkanroute“ und im Mittelmeer und demnächst auch im Inland abläuft, ein „Krieg“ ist, weil weder herkömmliche Staaten Kriegsgegner sind, noch die üblichen Kriegswaffen zum Einsatz kommen.

Die moderne Waffe Masse plus Smartphone

Beides lässt sich mit Hilfe von Flash-Mobs kombinieren. Die ursprüngliche Bedeutung des englischsprachigen Begriffes lt. Wikipedia = aufgewiegelte Volksmenge, Pöbel. Da steht auch: „Flashmobs gelten als spezielle Ausgangsformen der virtuellen Gesellschaft, die neue Medien wie Mobiltelefone und Internet benutzt.“

Mit atemberaubender Geschwindigkeit wurden dieser Tage z. B. die Menschenmassen auf dem „Balkanroute“ nach Deutschland von der vorübergehend geschlossenen ungarisch-serbischen Grenze zur kroatisch-ungarischen und zur kroatisch-slowenischen Grenze umgeleitet, ehe überhaupt die ungarische und die slowenische Administration wirksam reagieren konnte. Mit Hilfe von FlashMobs ist fast über jede Grenze nach und in Europa massenhaft einzubrechen.

Die Gefährlichkeit von FlashMobs als Einbruchs-Waffe wird bisher sowohl von deutschen Politikern als auch Gerichten übersehen. Es wirkte ja harmlos, als Ver.di aufrief, in Einzelhandelsgeschäften als „Streikersatz“ durch Stehenlassen vollgefüllter Einkaufswagen an der Kasse und massenhaften Kauf von Pfennigartikeln den normalen Geschäftsbetrieb einbrechen zu lassen. Vom unbezahlten Stehenlassen bis zum unbezahlten Mitnehmen der vollgefüllten Einkaufswagen ist ein viel kürzerer Schritt, als die meisten Menschen denken. Das Bundesarbeitsgericht erklärte auf Grund dieses Falles Flashmobs 2009 für eine zulässige Arbeitskampfform. Das Bundesverfassungsgericht nahm eine Verfassungsbeschwerde dagegen wegen zu erwartender Erfolglosigkeit nicht zur Entscheidung an.

Fast als Volksbelustigung wurde in den Medien gefeiert, dass sich – ausgelöst durch einen FlashMob – 700 Menschen 2008 auf dem Münchner Odeonsplatz versammelten, eine Filiale von McDonalds stürmten und dort nach Medienberichten 4.385 Hamburger und Cheeseburger kauften. In Köln trafen sich mit Hilfe eines FlashMobs 1.000 zumeist Jugendliche zu einer Kissenschlacht vor dem Kölner Dom.

FlashRobs

In den USA gibt es schon eine Weile „FlashRobs“. Da verabreden sich gezielt Leute über soziale Netzwerke, um Geschäfte auszurauben. Die Diebe setzen dann auf den Schutz der Menge.

Im Jahr 2011 kam es zu Unruhen in englischen Großstädten. Vor allem Elektronikgeschäfte, Bekleidungsgeschäfte und Restaurants wurden geplündert und verwüstet. Alarmierend, was dazu der Politologe Roland Sturm der B.Z., die darüber berichtete, „erklärte“: „Die Jugendlichen finden es unfair, dass sie sich viele Dinge nicht leisten können. Die Unruhen sind kein politischer Protest, sondern eher Ausdruck persönliche Frustration.“  B.Z. online schreibt weiter:

„Der Londoner Politikwissenschaftler Alexander Clarkson ergänzt: `Was als Anti-Polizei-Protest anfing, wurde zu einem völlig unpolitischen nationalen Flashmob, bei dem Plünderungen und Zerstörung im Vordergrund stehen.´ Premierminister David Cameron kündigte jetzt ein härteres Vorgehen gegen die Randalierer an, schloss den Einsatz von Wasserwerfern und Gummigeschossen nicht mehr aus. `Wir müssen den Kampf aufnehmen´, sagte Cameron nach einem Treffen des Krisenstabs.“

Auch nicht harmlos ist, dass in Deutschland zunehmend mit FlashMob-Aktionen zu „Spontan-Demonstrationen“ und „Spontan-Gegen-Demonstrationen“ aufgerufen wird, wobei fast immer nur die Gegendemonstrationen mit verletzten Polizisten endeten.

In Erfurt fand am 23. September eine Demonstration statt, zu der die AfD aufgerufen hatte. Ohne das Internet ist es bei gleichzeitigem versuchtem Totschweigen der örtlichen Medien nicht möglich, innerhalb einer Woche die Teilnehmerzahl von über 1.000 auf über 5.000 zu steigern. Eine ganz gefährliche Entwicklung deuten aber Medienberichte danach an.

„Unter anderem berichteten auf einer Gegenkundgebung Flüchtlinge von ihren persönlichen Schicksalen.“ Wenn schon die Demonstranten nicht gegen die Zuwanderer, die schon da sind, und ihre Unterkünfte demonstrieren, sondern konkret gegen die Zuwanderungspolitik der Bundesregierung und der thüringischen Landesregierung, dann müssen die Zuwanderer von den Gegendemonstranten „in Stellung“ gebracht werden, um optisch zu beweisen, dass die Demonstranten doch gegen die Zuwanderer direkt „vorgehen“. Ein paar passende Bilder von „Rangeleien“ lassen sich immer arrangieren. Die Smartphone-Botschaft in die Heimatländer der Zuwanderer ist dann: Wir kämpfen jetzt mit unser Freunden in Deutschland dafür, dass Ihr auch kommen könnt.

Es geht aber auch harmloser: Einzelne Menschen verbinden sich per Smartphone zu einem Schwarm. So wird derzeit getestet, welcher Grenzübergang offen ist. Einzelne stoßen vor; haben sie Erfolg, folgt die große Zahl. Das Smartphone gibt dem Schwarm Kommunikationsmöglichkeiten, die bislang organisierten Einheiten der Polizei und dem Militär vorbehalten waren. Das erklärt auch das hilflose Verhalten Ungarns und Kroatiens in der Asylkrise und schwappt derzeit an die deutsche Grenze zwischen Österreich und Bayern über.

Anderer Schauplatz: Wenn in bestimmten Gegenden von Berlin oder von Ruhrgebiet-Städten Polizeistreifen sich noch hin trauen und Einzeltäter belangen oder sogar dingfest machen wollen, sind sie innerhalb von Minuten von einer großen Zahl von „Unterstützern“ der Übeltäter umringt und so bedrängt, dass sie unverrichteter Dinge wieder abziehen. Auch da ist das Smartphone plus Menge die Angriffswaffe und der FlashMob die Taktik. Darüber steht höchstens etwas in der lokalen Presse.

Ist es deshalb weit her geholt, wenn mit FlashMob und FlashRob zu rechnen ist, wenn wie zu erwarten die Unzufriedenheit der beherbergten Zuwanderer mit ihrer Unterkunft und Versorgung sehr schnell steigen wird? Ihre Waffe – das Smartphone – haben sie fast alle dabei. Mit deren Hilfe wird die zweite Waffe, die notwendige Masse blitzschnell erzeugt. Eine neue Form von Bürgerkrieg ist das dann.

In aller Regel enden Kriege nicht mit Frieden, sondern mit Waffenstillstand. Wenn Smartphones als gefährliche Waffe beim Masseneinbruch nacheinander in verschiedene Länder und zuletzt innerhalb Deutschlands bewertet werden, dann ist die naheliegende Frage:

Wie können diese Waffen ausgeschaltet werden, um Masseneinbrüche nach Deutschland und zwangsläufige Masseneinbrüche in Deutschland zu verhindern oder  – realistischer gesagt – zu begrenzen. Dabei fängt die Begrenzung an der Grenze an!

Dieter Schneider, Jahrgang 1941, studierte Betriebswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Nach sieben Jahren Management-Tätigkeit brachte er als selbständiger Unternehmensberater und Journalist den branchenspezifischen Information- und Beratungsdienst „Marktlücke“ heraus, den es ununterbrochen Anzeigen- und PR-frei fast 40 Jahre gab. Seit 2013 publiziert Dieter Schneider mit gleichem Namen MARKTLÜCKE Management-Themenmagazine, zuletzt drei Ausgaben mit dem Titel „Wertschätzen“.

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