Baerbock legt bei Illner nach: E-Autos können als Ladesäule und Stromspeicher „mitfunktionieren“

Bei Illner wird die Ampel konsequent als rechtsliberales Hardliner-Projekt dargestellt – Norbert Röttgen attestiert ihr weniger Klimaschutzambitionen als der CDU. Fast schon ist die Inszenierung perfekt, dann unterläuft ein folgenschwerer Fehler.

Screenshot ZDF: Maybrit Illner

Nach Sondierungsgesprächen und Gruppen-Selfies leitet das Ampelbündnis nun die Koalitionsverhandlungen ein. Die Stars der Show sind immer noch die Grünen und die FDP; die SPD muss kleinlaut mitlaufen – aber zumindest die Männer in der SPD dürften das ja schon gewöhnt sein, nicht wahr, Norbert? Zwischen den beiden Parteien gibt es aktuell viel Redebedarf, denn beide sind scharf auf das Amt des Finanzministers: Habeck oder Lindner, wer darf künftig das Geld der Steuerzahler pulverisieren? Es ist ja nicht so, als wären die beiden Herangehensweisen an das Amt sooo ähnlich. Lindner wird schon als Finanzexperte gehandelt, seit er in der gemieteten Limo zur Schule gefahren ist, während Habeck bis vor Kurzem noch zum Hühnermelken prädestiniert schien. Lindner behauptet zumindest, er wolle den Steuerzahler entlasten, Habeck will die Finanzierungsprobleme der grünen Klimapolitik dadurch lösen, dass er „Schulden“ in „Kredite“ umbenennt. Insofern passen doch zumindest die Grünen sehr gut zur SPD, die ja in Berlin quasi im Alleingang die Clan-Kriminalität mit der gleichen Methode eliminiert hat.

No future
Die Ampel liefert wie versprochen – eine fragwürdige, illiberale Zukunft
„Kleinster Nenner oder großer Wurf – Ampel unbezahlbar?“ heißt deswegen wohl die gestrige Sendung von Maybrit Illner. Und man hat es tatsächlich geschafft, Lindner und Baerbock höchst selbst dafür antanzen zu lassen. Für die CDU kam Norbert Röttgen dazu. Vor der Sendung gab es einige linke Twitter-Nutzer, die darin das Bekenntnis des ZDF zu Jamaica sehen wollten. Maybrit Illner als Parship für Politiker. Allerdings haben sich die Gäste bei Illner nicht alle 11 Minuten in eine neue Koalition verliebt – obwohl eigentlich doch irgendwie.

CDU-Wähler lieben die Ampel dank Norbert Röttgen

Norbert Röttgen warf dem Bündnis und speziell den Grünen vor, ihr Sondierungspapier sei nicht nur mit noch nicht genug Klimaschutz ausgestattet, sondern seiner Ansicht nach mit weniger als unter der CDU. Je länger Röttgen spricht, desto sympathischer wird den CDU-Wählern die Ampel – klingt so, als könnten sie ihren Diesel da noch länger behalten.

Es ist schon unterhaltsam, wie die Sendung es schafft, das rot-grün-gelbe Bündnis als den neuen Konservatismus dastehen zu lassen, bei dem Lindner und die FDP plötzlich die Grünen unterjochen würden. Röttgen kritisiert das Bündnis nicht alleine, er bekommt Hilfe von der Spiegel-Journalistin Christiane Hoffmann. CDU und Spiegel im Kampf gegen den Rot-rot-grün-Ersatz, das man das mal erleben darf. Christiane Hoffmann stellte jedenfalls sehr bedauernd fest, dass die Forderungen der Grünen wesentlich zahmer und vager formuliert seien als die der FDP: „Es ist schon sehr auffällig, dass die Punkte, die die FDP machen wollte, in einer großen Klarheit gemacht wurden. Alles, was die Ziele die Grünen angeht, ist sehr viel weicher formuliert.“

die Milchmädchen-Koalition
Ampel-Sondierungspapier: Überall Mehrausgaben, keine Steuererhöhungen
Weiter bemängelt Röttgen, dass im Sondierungspapier „noch ganz wenig Politik drin ist“, während die Dame vom Spiegel „das vollkommene Fehlen der Umverteilungsidee“ ankreidet. Die Ampel-Euphorie in der konservativen Zuschauerschaft nähert sich ihrem Höhepunkt, da unterläuft ein entscheidender strategischer Fehler: Annalena Baerbock öffnet den Mund. Und da kann auch Lindner nichts mehr retten. Auch wenn er es mit Phrasen von „dem Wunsch nach Veränderung“ und dem ständigen Betonen von „Seriosität“ immer wieder versucht. Aber Baerbock kann man eben nicht stoppen – könnte man es, wer weiß, vielleicht wäre sie dann jetzt Kanzlerin. Sie fängt an mit Peanuts: „Wir brauchen jährlich 50 Milliarden Euro für Investitionen. Es ist eine Jahrhundertaufgabe, einen klimaneutralen Wohlstand zu schaffen.“

Kreative Wege für das Speichern von Strom

So weit so gut, die Stellplätze für Lastenfahrräder schaffen sich ja nicht von alleine – da hält ja immer erstmal eine Baufirma die Hand auf, die erst billig scheint, dann pleite geht und am Ende sind wir ein paar Milliarden Euro los, und die Bauarbeiter, die den ersten Grundstein gelegt haben, haben den Job schon längst an ihre Enkel weitervererbt. Wir kennen das.

Nachdem Annalena die Zuschauer dann schon mal auf Milliarden Ausgaben – nur allein für die Erhaltung des Status quo – eingeschworen hat, gibt sie dann im Nebensatz zu, dass auch sie nicht mehr so wirklich an die „Hört auf die Wissenschaft“-Parolen glaubt: „Aber was wären wir denn für Politiker, wenn wir nicht sagen, wir packen das jetzt an mit allem was wir haben, selbst wenn wir keine 100 Prozent Sicherheit haben, dass es funktioniert. Anpacken, das ist das jetzt, was wir tun müssen.“

Anpacken heißt die Devise, jeder tut, was er nicht kann. Da geht Baerbock dann auch tatsächlich mal mit gutem Beispiel voran und tut, was sie am wenigsten kann: kreative Wege für das Speichern von Strom finden. Damit ist sie ja schon das ein oder andere mal graziös und mit ordentlich Schwung auf der Nase gelandet. Jetzt der nächste Anlauf: „Wenn ein Auto in Zukunft klimaneutral fährt, weil es ein E-Auto ist, kann es zugleich eben auch als Ladesäule mitfunktionieren, kann als Speicher mitfunktionieren, wenn man das zu Hause bei sich anschließt.“ 

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Kommentare ( 254 )

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Klaus H. Richardt
1 Monat her

Sehr guter Artikel. Bei Baerbock wundert mich immer, warum sie von vielen Leuten so gut beurteilt wird. Oder hat das schon mit unserer Bildungsmisere zu tun? Hans-Jochen Vogel (SPD) wurde seinerzeit nicht als Bundeskanzler gewählt weil die Leute Angst hatten vor soviel intellektueller Kraft und seinen Plastikfolien. Hat man weniger Angst vor Ungebildeten?

Fritz Wunderlich
1 Monat her

Ich glaube auch, dass man die Akkus des nächstgelegenen Autos irgendwie anzapfen kann. Diese Technik hat sich allerdings noch nicht herumgesprochen. Was der solcherart beglückte Autobesitzer dazu sagten darf, wird ihm Bärbock schon beibringen. Mit den Mitteln der Staatsgewalt in ihrer Hand lässt sich das sicher friedlich regeln.

F. Hoffmann
1 Monat her

Röttgen, unter dessen Ägide als Umweltminister „Die Große Transformation“ entstand, ist offensichtlich lernresistent. Die Stammwähler der CDU interessiert „noch mehr Grün, was interessiert mich euer Wohlstand“ einen Schnurz. Also Röttgen = Resterampe.

Valorant
1 Monat her

Bin ich froh, dass ich noch mit einem Lötkolben umgehen kann, ich so einige Smart-WatWeissIchAuchAlles damit blind geschaltet habe. Also das was diesen Vorschlag völlig unbrauchbar macht sind die verlorenen Ladezyklen. Dadurch würde sich auch automatisch der, ohnehin bedenkliche, CO2 Fußabdruck der „mobilen“ Stromspeicher verschlechtern. Bei der Bundeswehr hieß es früher wenn man „funken“ sollte: Denken, Drücken, Sprechen! Ich würde mir dieses Prinzip für Politiker wirklich als Basisbefähigung wünschen. Was hingegen wirklich Stromeinsparung bringen würde wäre das Verbot von Kryptowährungen und den Einsatz von Grafikkarten dafür. Was da an Strom verholzt wird ist nicht mehr feierlich, aber interessiert auch niemanden,… Mehr

Last edited 1 Monat her by Valorant
Mathias
1 Monat her

Ja, sehr gut geschrieben. Es ist schon erschreckend. Es gibt 6 Strategien des Kampfes. 1. Reflektion. 2. Deflektion. 3. Unsichtbarmachen. 4. Ausweichen. 5. Falle stellen. 6. Entwaffnen. Eine siebte gibt es nicht. Alle 6 befinden sich in einer Wechselwirkung, sowohl passiv wie auch aktiv. Die meisten benutzen ausschließlich Nummer 1. Fakt ist, die grüne Ideologie setzt sich trotz fortdauernder Reflektion, also pauschaler Gegenwehr immer weiter und noch mehr durch. Was müssen wir also machen, um das zu ändern? Nehmt mal Punkt 6 her. Das ist allerdings schwierig.

Hannibal Murkle
1 Monat her

Nach wie vor denken alle nur an die Plappernde, obwohl ihr Plappern längst keine Überraschung mehr sein kann. Kaum wer verschwendet Gedanken an den Genossen von der anderen linken Partei, die eigentlich nach dem letzten Wahldebakel das Plappern einstellen wollte, allerdings derzeit widersprüchliche Signale sendet – mal sagt wer was vernünftiges, mal wird noch schlimmer als bisher: https://www.xing.com/communities/posts/wird-die-cdu-eine-sozialistische-partei-1022978794?comment=39818530 „… Ich bezweifle, dass die Pöstchen mit Scheinchen rettet, wenn man in klimaradikalen Kreisen von XR & Co fischt, die sich etliche Spinnereien leisten können, weil die aus reichem Zuhause, oft auch unkündbaren Beamtenfamilien kommen. Wieso macht die Union nicht einfach reinen… Mehr

SeiDuSelbst
1 Monat her

Sehr gut geschrieben, Frau David! Bin gespannt, was uns mit denen noch bevorsteht. Nie wieder SPD oder Grün!

Ben Goldstein
1 Monat her

Ich bedaure ausdrücklich alle, die noch nicht Alkoholiker sind, inklusive mich selbst. Allerdings vermute ich, dass wir in den nächsten 10 Jahren aufschließen.

Joe Maierl
1 Monat her

Kinder regieren das Land!!

Rolfo
1 Monat her

Noch was: Frau Baerbock hat ja recht, man kann den Strom aus dem geladenen Elektroauto oder Handy-Akku auch anderweitig verbrauchen. Zum Staubsaugen oder Laptop betreiben – zwar kontraproduktiv aber eine Notlösung.
Darauf arbeiten die Grünen hin: Den Grundlaststrom killen, sich mittels Gaskraftwerken von Putin abhängig machen – und dann eben die Notlösungen suchen, wird schon irgendwie gehen, und falls nicht —
ein „Jahrhundertunfall“ – konnte niemand voraussehen — eine ganz unglückliche Zusammenmischung von Umständen — ein solch seltenes Systemversagen, wie es fast nie vorkommt und dann noch das und dann — eben – Netzzusammenbruch.