„Schöne neue Welt“ – Die Welt der Gegen-Aufklärung

Der schon 1932 veröffentlichte Zukunftsroman wird immer noch weltweit gelesen und zitiert. Anscheinend haben viele das Gefühl, dass die Welt, die Aldous Huxley in seinem Roman schildert, in vielen Teilen Wirklichkeit wurde. Sehen wir uns das näher an.

Der Roman beschreibt eine Gesellschaft in der Zukunft, im Jahr 2540 n.Chr., in der „Stabilität, Frieden und Freiheit“ gewährleistet scheinen. Nach dem Ende eines Neun-Jahre-Krieges wurde die Menschheit in einem supranationalen Weltstaat vereint, in dem inzwischen alle gesellschaftlichen „Kasten“ – von Alpha-Plus bis zu Epsilon-Minus – durch uneingeschränkten Konsum, triviale Zerstreuungen und freien Sex von frühester Kindheit an konditioniert sind. Motto: Jeder gehört jedem.

Ermöglicht durch eine fortschreitend entwickelte Technologie und Indoktrination durch „Konditionierungszentren“. Sex ist inzwischen völlig von Ehe und Fortpflanzung getrennt. Sexuelle Freiheit fördert Promiskuität und zerstört damit Ehe und Familie. In „Fertilisationsstationen“ wird der Nachwuchs – nach „Kasten“ getrennt – künstlich in konstanten Mengen gezüchtet und vom ersten Tag an so konditioniert, dass die Kinder sich – ohne je Elternliebe und Bindung gekannt zu haben – von Geburt an nahtlos an dem ihnen zugedachten Platz in die Gesellschaft einfügen.

Im Alter von acht Monaten wird den Babies mit Hilfe von Elektroschocks ein instinktiver Abscheu vor Blumen – stellvertretend für die Schönheiten der Natur – und vor Büchern unabänderlich eingepflanzt. Weitere vorsprachliche Konditionierungsversuche werden durch  permanente Einflüsterungen in den Gitterbetten eines lamellenverdunkelten Schlafsaals erreicht, bis „schließlich der Kindergeist mit dem staatlich Vorgegebenen identisch ist.“(S. 37).

Ermutigung zu Sexspielen gehören von frühstem Kindesalter an zum Programm. Im Pubertätsalter sind kontrazeptive Vorkehrungen Vorschrift und werden wie alles kommerziell verwertet. Zitat; „Und ihre Taille zierte ein mit Silber beschlagener Patronengurt aus grünem Kunstmaroquin, der mit allen vorgeschriebenen Kontrazeptiva bestückt war.“ (S.61)

Ständige Berieselung durch „Synthimusikanlagen“, E-Magneto-Golf und Massensportveranstaltungen, Licht- und Duftorgeln, Fühlfilme mit taktilen Effekten, Vibrovakuum-Massagen sorgen für Unterhaltung und körperliches Wohlgefühl. Einzelgänger werden nicht geduldet. Man blickt in „unbeschriebene“ Gesichter, denn Altern und Todesängste sind ebenso abgeschafft wie Philosophie und Ethik.

Geschichte ist Humbug. „Wisch und weg“ verkündet der Weltbereichskontroller von Westeuropa mit dem interessanten Namen Mustapha Mond: „… und diese Stäubchen antiken Drecks namens Athen und Rom, Jerusalem und Reich der Mitte, alles weg! … Wisch! die Kathedralen, wisch! wisch! König Lear und die Gedanken Pascals. Wisch! Passion, wisch! Requiem, wisch! Symphonie, wisch!“ (S. 43)

Für Unwohlgefühle oder sogar noch eventuell aufflammende gefährliche Leidenschaften und Verlustängste, für eine zu lange Zeitspanne zwischen aufkommendem Bedürfnis und Befriedigung desselben verschafft die Allheildroge SOMA schnell Abhilfe und verhindert jedes Aufkommen von Kritik und Hinterfragen der herrschenden Lebensweise. So führen die Bewohner des Weltstaats ein angenehmes, aber triviales, abhängiges Leben ohne jede Möglichkeit, ihre Lage zu hinterfragen und zu reifen. Der mündige Bürger wäre DIE Gefahr. Zitat: „… eine Industriezivilisation ist nur möglich, wenn es keine Entsagung gibt. Genusssucht bis an die Grenzen der Hygiene und Wirtschaftskraft. Sonst steht das Räderwerk still.“ (S. 271)

Die „schöne neue Welt“ – 1932 und heute

In seinem 1959 herausgebrachten Text “ Brave New World Revisited“ schreibt Huxley: „Die Prophezeiungen von 1932 werden viel früher wahr, als ich dachte.“ 1963 ist er gestorben. Was würde er heute sagen?

Befinden wir uns doch in einer zunehmend prekären Konsumspirale mit Menschen, die immer weniger in der Lage sind, ihre wahren und tiefsten Bedürfnisse wahrzunehmen – in einem System, das mit Hilfe von Manipulationspraktiken wie Werbung und Nudging ständig aufs Neue den Wunsch nach „Mehr“ erzeugen muss –  mehr Luxus, mehr Marken-„Individualität“, mehr Abgehobenheit, mehr Nischenbildung – und das doch nie Sättigung erzeugt. Auch uns steht eine zunehmende Auswahl von betäubenden „Somas“ zur Verfügung. Doch die Grenzen scheinen überschritten. Die Schattenseiten werden immer deutlicher.

Frühkindliche Konditionierung heute

Dass der Mensch in seinen ersten Lebensjahren am formbarsten ist, weil er noch keinen kritischen Standpunkt annehmen kann, ist eine Entdeckung der Psychologie und inzwischen allgemein bekannt. Kinder sind in dieser Beziehung den Einflüssen ihrer Umwelt schutzlos ausgesetzt; ihr Vertrauen kann gnadenlos missbraucht werden. Sich später aus dieser Konditionierung ganz zu lösen, ist praktisch unmöglich, und damit rechnen diejenigen, die das für ihre Zwecke zu nutzen wissen.

Die Ideologie der 68er, das Kind als Partner zu sehen, dem keine entwicklungsbedingten Grenzen mehr zu setzen sind, wurde schleichend fortentwickelt. Das „Gender Mainstreaming“ gibt vor, die Gleichstellung von Männern und Frauen langfristig weiter zu führen und „Toleranz“ zu fördern. Schon in Kitas und Grundschulen sollen im Namen der Akzeptanz angenommener sexueller Gender-Vielfalt in Rollenspielen und anhand von Anschauungsmaterialien neue Formen des Zusammenlebens und sexuelle Praktiker jeder Art nahe gebracht und diskutiert werden, damit sich schon Kinder unter den vielen Möglichkeiten „entscheiden“ können.

Pornografie, Gewalt und Obszönität hat indessen in allen Medien in einem Maße zugenommen, das sich wohl auch Aldous Huxley noch nicht vorstellen konnte. Das alles ist nun auch Kindern zugänglich, was eine weitere Desensibilisierung und Verrohung der Gesellschaft zur Folge hat. In einem Vorwort zur 1946 veröffentlichten Ausgabe seines Buches schreibt der Autor: „Je geringer die politische und ökonomische Freiheit, desto größer wird die kompensatorische Tendenz zu sexueller Freiheit sein. Und der jeweilige Diktator wird gut beraten sein, diese Freiheit zu fördern. … Sie wird ihm nämlich im Verbund mit der Freiheit zu Tagträumereien mittels Drogen, Kino und Radio helfen, seine Untertanen mit der Knechtschaft zu versöhnen, die ihnen beschieden ist.“

Zerstörung von kultureller Substanz

Um den Zustand von kritiklosem Konsum zu erreichen, muss Geschichte in Vergessenheit geraten. „Wisch! Wisch!“ Wisch weg! Wirf weg! Altes ist generell nichts mehr wert, wenn ständig Neues angeboten wird. Irgendwann verliert man das Vergangene ganz aus den Augen.

Modern ist was?
Die Künste und die Ideologie
Im Text „Die Künste und die Ideologie“ beschrieb ich, wie viele unserer großen kulturellen Errungenschaften und Freiheiten schon nicht mehr gepflegt, sondern oft sogar verleugnet werden. Ein bezeichnendes Beispiel ist die Verhüllung von nackten Statuen im Vatikan beim Besuch des iranischen Staatspräsidenten Ruhani: Das „Wisch weg“ einer ganzen Epoche. Auch der ewige Streit um Erlaubnis oder Verbot von Ganzkörperverhüllungen lebender Frauenkörper zeigt, wie wir zunehmend nicht mehr sicher sein können, dass unsere hart erkämpften Freiheiten bewahrt und nicht dem Interesse einer „schönen neuen Welt“ geopfert werden.

„Der fatale Niedergang des Schulfaches Geschichte“ übertitelt die „Welt“ einen Artikel vom Dezember 2015. Zitat; „Immer wieder heißt es, dass wir in historischen Zeiten leben“, sagt Heinz-Peter Meidinger, Chef des Deutschen Philologenverbands. „Doch ich bezweifle, dass der Geschichtsunterricht noch in der Lage ist, die historische Dimension dieser heutigen Zeit zu vermitteln.“ Denn die Schüler seien immer weniger in der Lage, Zusammenhänge zwischen früher und heute herzustellen, Lehren aus der Geschichte zu ziehen.

Das Bildungsmagazin „News4teachers“ berichtet im September 2016, die politisch-historische Bildung werde an den Schulen immer mehr zurückgedrängt. In den vergangenen Jahren habe der Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern laut „Verband der Geschichtslehrer Deutschlands“ eindeutig im Fokus gestanden,  das Verschwinden des Fachs Geschichte bereite große Sorgen.

Auch auf den Theaterbühnen werden die meisten historischen Stoffe aus ihrem Kontext genommen und in die Gegenwart geholt. Besonders beliebt bei den Regisseuren ist William Shakespeare, dessen Werke an allen nur denkbaren Schauplätzen der Gegenwart – „Macbeth“ im Schlachthaus – verortet werden. Opernhäuser sind auch nicht zimperlich, wenn sie Mozarts „Entführung aus dem Serail“ in einen Sado-Maso-Puff verlegen. Es scheint heute an Originalität, Kraft und Kreativität für das Schaffen von zeitgenössischen Werken zu fehlen.

Die Zentren der Macht

Huxleys „schöne neue Welt“ wird von Kontrolleuren regiert, von Alpha-Plus-Menschen, die von der Bevölkerung kritiklos und bewundernd hingenommen werden. Das den Weltstaat beherrschende „Größere Wesen“ wird immer wieder mit Riesen-Tamtam und großen Emotionen angekündigt, doch es bleibt stets im Verborgenen. Der Glaube, dass der „Große Ford“ es gut mit ihnen meint, ist schon so tief verankert, dass er durch die Realität kaum noch korrigierbar erscheint. Zitat: „Im Gefühl, auch irgendetwas tun zu müssen, schoss Bernhard (noch einer der Hellsichtigeren) ebenfalls hoch und rief: „Ich höre es, es kommt!“ Aber es stimmte nicht. Er hörte nichts, und wenn man ihn fragte, kam überhaupt niemand. Niemand – trotz der Musik, trotz der steigenden Spannung. Aber er fuchtelte mit den Armen, er brüllte mit den anderen, und als diese anfingen  zu hopsen, zu stampfen und zu tanzen, hopste und tanzte er mit.“ (S. 97)

Die eigentlichen Zentren der Macht sind auch für uns heute unsichtbar geworden; undurchdringlich und nicht mehr erreichbar. Schon seit Jahrzehnten wird uns vermittelt, dass sie es nur gut mit uns meinen, dass sie Toleranz, Menschlichkeit und Demokratie fördern wollen. Diejenigen, die mit offenen Augen durch die Welt gehen und sich durch die heute vielfach zugängigen Quellen im Internet und durch einschlägige Fachliteratur einen Einblick in die wahren Mechanismen der Macht verschaffen und noch geschichtliche Parallelen ziehen können, fragen sich: Was machen wir nun mit unserem Wissen?

„Was empfehlen Sie den deutschen Sparern?“ fragt auch Roland Tichy in seinem Interview Hans-Werner Sinn. Antwort: „Werden Sie politisch aktiv, um der Enteignung ein Ende zu machen.“ Ein Leser stellt die Frage, was unter „politisch aktiv werden“ zu verstehen sei. Ein Blick in die – oft gar nicht so weit zurückliegende – Vergangenheit, eine Rückbesinnung auf unser reiches kulturelles Erbe könnten die Antwort geben und als Vorbild dienen.

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Kommentare

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  • Jens Frisch

    Toller Artikel – Danke dafür!

    Einiges fehlte jedoch: Neil Postmans stellt in seinem Buch „Wir amüsieren uns zu Tode“ Huxleys „Brave New World“ der anderen großen Dystopie gegenüber: Orwells 1984.
    Er meint, dass sich niemand die „unendliche Gier nach Unterhaltung“ vorstellen konnte, so dass letztendlich Huxleys Dystopie zutreffender sei;
    das wurde mir klar, als ich Mitte der 90’er mal eine Technoveranstaltung besuchte, bei der so ziemlich alle auf Extasy waren.

    Mittlerweile ist jedoch klar, dass beides parallel abläuft: NSA, Google und Facebook sind der „große Bruder“; sie versuchen das zu verwirklichen, was Norbert Wiener in seiner „Kybernetik“ beschreibt – wenngleich dieser stets dagegen war, seine Methodik auf menschliches Verhalten anzuwenden,

    Als Sie von den unbekannten „alpha plus“ Menschen schrieben, musste ich unwillkürlich an Edward Bernays „Propaganda“ denken….

    Sehr gelungen, aber etwas mehr Tiefe bitte – das Thema ist viel zu ernst!(Meine Tochter kam erst mit 3 in die Kita – aus genau den von Ihnen beschriebenen Gründen!)

  • Franz Bettinger

    Nein, Herr Thiel, ich spreche von meinem realen Umfeld. Mit Facebook arbeite ich gar nicht! Ich wundere mich selbst etwas, dass mein Umfeld aus rund 50% AfD-Anhängern besteht. Ein bisschen etwas habe ich durch meine Rundmails dazu beigesteuert. Es ist der MUT sich zu bekennen, welcher den größten Eindruck und Einfluss auf andere ausübt. Gerade weil Mut selten ist. Ihre Art ist die Provokaton? Prima, das ist auch meine.

    • Johann Thiel

      Das ist doch mal ein wirklich klasse Ergebnis. Kann ich nur von träumen. Aber ich denke das ist doch beste Methode. Die AFD zu stärken, egal ob direkt oder indirekt. Vor allem ist es doch auch die schnellste Möglichkeit um korrigierenden politischen Einfluß zu nehmen. Die Zeit läuft uns ja davon.

  • hasenfurz

    Der Punkt ist, wir wollen beide eine Gesellschaft, in der Ihre wie meine Sichtweise konstruktiv nebenenander existieren können, und das wäre auch gut so, denn es gibt nicht nur die eine Wahrheit, nirgends. Und so eine Gesellschaft hatten wir doch schon, das war recht erträglich. Ich denke, daß wir beide „hochgehen“, weil wir unterschiedliche Prinzipien haben und uns aus diesen heraus interpretieren. Sie haben Ihre strikte „Links“-Abneigung, und ich weigere mich vehement, eine „Realität“ anzuerkennen, die seit Jahren von Kulturmarxisten und den hinter ihnen agierenden Eliten mit unseren Steuergeldern und Gebühren in einem riesigen Umerziehungsapparat gegen unsere freiheitlichen Rechte geschaffen wird.
    Ich bin da viel mehr Preuße in meiner Haltung, als Sie glauben würden, aber: ich sehe die Dinge von einer Position aus, in der die meisten gesellschafts- und staatsbildenden Ideen nur trojanische Pferde sind. Meine diversen Erkenntnisse und Einblicke hinter die Strukturen dieser Welt bestätigen mir das stets aufs Neue: wir leben alle nur in der Matrix.
    Ich bin immer gerne bereit, konstruktive Ideen zu besprechen, wenn die Mitwirkung da ist.
    Nun habe ich ja jüngst erst den Ansatz zur Mail-Vernetzung beispielhaft durchgezogen hier, dank der Toleranz der TE-Redaktion. Und das Ergebnis, also ehrlich: gefühlt Kindergarten! Eine Handvoll schien okay, der Rest möchte wohl zum Jagen getragen werden. Während ich das hier schreibe, habe ich eben schon wieder zwei Kontaktanfragen lokal in den Äther geschickt. Später habe ich ein Treffen. Nicht zum Kuscheln, sondern weil ich mir den Mann ansehen muß, ob mit dem was zu reißen ist, ob der aus dem Popo kommt. Der Ex-Punk bin übrigens nicht ich, das ist ein anderer Kontakt. Und übrigens, obwohl der Sex Pistols hört, durchaus konservativ, weil: zwei kleine Kinder, und wünscht sich die ungegenderte Gesellschaft auch zurück, ohne die allahu akbar Messerstecher…

    Ja genau, ich hab mich neulich aufgeregt, daß mE – und dabei bleibe ich bis zum Gegenbeweis – hier zwar an vielen Stellen absolut brilliant argumentiert wird, wo man sich viel „mitnehmen“ kann, jedoch es fehlt an der Umsetzung, an der Transmission dieser Erkenntnisse in die willkommensbesoffene Mundhalte- und Schlafschaf-Gesellschaft da draußen. Und ich habe da eine ganz klare Agenda: Graswurzel- oder Ameisentaktik im Alltag, hier im Netz die großen intellektuellen Linien klären. Eine davon ist: die GEZ ist der Propaganda-Apparat, der die Schlafschafe vom eigenständigen Denken abhält und auf Gleichschaltungskurs bringt, und deshalb müssen die GEZ-Sender weg, weil sie GEGEN den demokratischen Diskurs arbeiten und nur einen vorgekauten Pseudo-Diskurs liefern, politisch vorgeatzte Nahrung für hedonistische Konsumenten mit gefühltem Dauer-Bespaßungsmangel, die keine Zeit und keine Lust haben, sich für ihre Rechte zu interessieren oder überhaupt dafür den Mund aufzumachen und deswegen hier für uns Alle den totalitären Kontrollstaat mit brutalen islamischen Sagen-Habern einführen. Soll ich nun mit meiner Spatengabel allein auf die Straße oder in meinen Landtag gehen? Mir will immer einreden, Rentner sind zu alt für alles. Wenn das so ist, dann bitte auch das Stimmrecht abgeben! Wenn wir hier 17 Mio. Rentner haben, und nur die Hälfte, ach was, ein Drittel würde schon reichen, regelmäßig aus Protest gegen die ständige Gehirnwäsche mal jeden Sonntag zur Tatortzeit stattdessen einen Spaziegang machten, und zur Tagesschau, das würde die Volksgesundheit, die Demokratie und sogar die Nachbarschaften stärken. Stattdessen pupst man lieber in sein Sofa und beklagt sich und will mit Allem nichts zu tun haben. Ja, verdammte Hacke nochmal, so bügelt Merkel ihren Stiefel durch, das ist doch wohl klar. Die Leute haben aus ’33 – ’45 NICHTS gelernt, nicht begriffen, sie sind PHLEGMATISCHE EGOISTEN. Sie haben eine Million GRÜNDE, weshalb etwas nicht klappen kann, und finden NULL Wege für IRGENDEINE Lösung zur Verbesserung. Und die regen mich auf, diese Haltung regt mich auf. HULK!
    Und na klar stößt es mir auf, wenn Sie mir den Mausfeld einfach so wegmaulen. Bin ja nicht der Einzige hier, der sagt, der ist kein ganz Doofer, auch wenn er n Linker ist. So. Naja, nun.

    Glauben Sie nicht, daß ich irgendwas „persönlich“ nehme oder meine, nee, so ist das nicht. Nicht in dem Sinne von echtem Menschen und persönlichen Privatleben. Aber vielleicht schon persönlich als Deutscher, und Demokrat. Mich verletzen bestimmte larifari und ähnliche desolate Haltungen in meiner staatsbürgerlichen Ehre, denn ich finde Deutschland ein schönes, ein gutes Land. NOCH!
    Und das ’noch‘ ist doch das, worum es hier geht. Ich würde dafür jederzeit auf die Straße gehen und kämpfen. Ich überweise Geld, ich trommle für Diskussion und Meinungsfreiheit, ich bin und bleibe da unbeugsam. Genau wie Sie.

    Wenn Sie akzeptieren, daß es links von Ihrer Haltung auch brauchbare demokratische Ideen gibt, haben wir einen Deal. Und zuguterletzt noch eine Erklärung zum Vernetzen: ich muß mit den Leuten sprechen, und sie dort abholen, wo sie mit ihrer Schul- und peer group-Indoktrination, Erziehung aus dem Elternhaus, sind. Ich muß mir die suchen, die auch keinen Bock auf ‚allahu akbar‘ auf den Straßen und überall haben. Und Sie ahnen es, die zu finden und zusammenzuhalten, ist wie Teenager oder einen Sack Flöhe hüten. Nicht zu vergessen die ganzen Menschen, die sich geistig nur noch die Ohren zuhalten und völlig alles ausblenden wollen, die werden auch immer mehr. Nun übt es ungemein, wenn man immer wieder versucht, die zu aktivieren und zu interessieren. Man muß die Leute verstehen, was echt schwierig ist. manchmal klappt es. Wenn man jedoch nur EINEN gewonnen hat, hat man schon viel erreicht. Deshalb ist politische Strategie wie Anlage-Strategie in Finanzfragen: nur eine Schiene fahren, hilft nicht. Es ist alles kompliziert, nervtötend, anstrengend. Aber herrgottnochmal, ich habe nur dieses eine Land, was soll ich sonst machen, außer dafür zu kämpfen? Da gehts mir doch wie Ihnen.

    Beste Grüße

    • Johann Thiel

      Lieber Hasenfurz,
      vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Wir beide wollen, wie viele andere auch, keine Islamisierung Deutschlands. Ich schätze Ihr Engagement außerordentlich, gleichwohl bleibt mir vieles recht unklar.
      Wie auch immer, lassen Sie uns weiter dran bleiben.

      Beste Grüße

  • hasenfurz

    “ Was das Umfeld angeht, ist es gerade nicht meine Intention mir eines zu schaffen. Das Umgeben mit Gleichgesinnten, führt dann schnell zur
    Wohlfühlumgebung, wie sie sich hasenfurz offenbar bei seinen
    Kneipentreffen geschaffen hat, und dann glaubt, ganz Deutschland wäre auf seiner Seite.“

    Äh, waas? Na wie gut, daß Sie das alles so genau wissen, Johann Thiel… aber machen Sie mal!

    „Mein Konzept ist es eher durch Provokation im realen Umfeld in die Diskussion zu kommen und andere zum Nachdenken zu bringen.“

    Den Teil mit der Provokation kann ich mir gut vorstellen!

  • hasenfurz

    Wieviele Menschen wird jemand erreichen, der einen Rainer Mausfeld für einen linken Spinner hält, und für den Ex-Punks keine adäquaten Gesprächspartner sind?

    Entweder Sie haben etwas über politische Bewegungen begriffen, Johann Thiel, oder Sie müssen fragen wie eine Graswurzelbewegung konkret funktioniert. Beides zusammen geht nicht. Sie wollen „keine Anleitung“ aber einen „konzeptionellen Ansatz“ von mir? Wie wärs mit: „die Linken und Grünen, die man gewinnen will, dort abholen, wo sie sind“?

    Wir beide sind nicht gleichgesinnt. Sie sind ultra-konservativ, um nicht zu sagen, stockkonservativ, so wie ich Sie hier wahrnehme, und links davon gibt es scheints gar nichts bei Ihnen. Soviel zum Thema „Realität“, wenn Sie die gefühlte politische Verortung von Menschen, die Sie überzeugen(!) wollen, nur in der Art gesäßgeographisch und abschätzig bewerten, ob das hilft, ob denen soviel Verständnis Ihrerseits reicht…?

    Jaja, Sie „kämpfen“, während ich Kuschelgruppen veranstalte, so etwa hätten Sie gerne den Gegensatz dargestellt? Hm, wenn Sie meinen!

    Und dann die Realität, da sind Sie sauer auf mich, daß ich Ihr „Realitäts“ Spiel nicht mitmache, gell. Erkennen Sie nicht, daß Ihre sogenannte „Realität“ (und die all Derer, die auch so argumentieren) die eigentliche Falle ist, in der Sie sich bewegen, die Hamsterbox, aus der Sie nicht rauskommen, aktivistisch wie intellektuell, die Hamsterbox, die Andere täglich 24/7 als erlaubte und verbotene Zonen von Denken definieren? Und Sie selbst haben auch massiv solche Denkverbotszonen, und auch regelmaßig wütende Begründungen dafür, von wegen links geht gar nicht, und so…
    Das ist IHR Käfig, Johann Thiel, nicht meiner.

    „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

    Und sowas, Herr Thiel nennt man ein identitätsstiftendes, Gemeinschaft prägendes Narrativ. Narrative finden Sie doof, Sie nennen das „Realitätsverweigerung“, denn in Ihrer „Realität“ muß man mit plakativen T-Shirts und Autoaufklebern für die Zuteilung von „Holz“ werben, bzw. „kämpfen“. Nun denn. So hat jeder seine Methode. Meine Methode ist die der Phantasie, der Idee. Denn am Ende sind es nach meiner Meinung immer noch Ideen, die die Welt verändern. Heutzutage sagt man übrigens ‚meme‘ dazu… Und so funktioniert Vernetzung, so funktioniert eine Graswurzelbewegung. Viral. Über Ideen. Auch mit Punks. Wenn Sie wüßten, was so einer zu erzählen hat… aber, ich „schwadroniere“ schon wieder…

    Wünsche noch frohes Rütteln und Schütteln.

  • Henryke

    Grüße zurück.
    Es gibt einfach Tage, an denen man sich der eigenen Erschöpfung und Niedergeschlagenheit bewußt wird.
    Mich persönlich halten die Gedanken an die Zukunft meiner Enkel hier in ihrer angestammten Heimat auf Trab und daran wird sich auch nichts ändern.
    Ich habe den Vorteil, unter vielen Menschen mit gleichen Vorstellungen und Ansichten zu leben und gerade deshalb ist es noch schwerer, all die Naiven und Gleichgültigen zu verstehen.
    Man glaubt, dass doch jeder zwei und zwei zusammenzählen könnte!
    Aber nein, es scheint fast, als gäbe es zwei unterschiedliche Realitäten in Deutschland.
    Vorerst einen schönen Restsonntag.