Globaler Luftverkehr im Krisenmodus: Nahostkonflikt legt weltweite Logistikketten lahm

Leerer Himmel über dem Golf, Chaos am Boden: Der Nahostkonflikt legt einen der wichtigsten Luftverkehrsknoten lahm – mit globalen Folgen für Lieferketten, Energiepreise und Industrie. Europas Wirtschaft spürt die Schockwellen.

IMAGO / Westlight

Der Luftraum über dem persischen Golf ist leer, über dem Iran sowieso. Wo sich sonst die Flugzeuge wie an einer Perlenkette aufgehängt aneinanderreihen und über die Luftstraßen von und nach den Drehkreuzen Dubai und Doha fliegen, herrscht gähnende Leere. Dies zeigen die Karten von zum Beispiel Flightradar24.

Dafür sind die Flughäfen zum Bersten gefüllt mit gestrandeten Passagieren. Auf den Flugfeldern stauen sich die Giganten A 380 und 777.

Stand heute, Montag, 2. März 2026, hat sich die Situation im Mittleren Osten nach dem Militärschlag gegen Mullah-Iranund und dessen Angriffen auf Nachbarstaaten weiter verschärft. Der Flugverkehr in der gesamten Region ist nahezu vollständig gelähmt. Die Lufträume über den zentralen Konfliktzonen und deren Anrainerstaaten sind für den zivilen Verkehr gesperrt oder unterliegen massiven Warnungen der Sicherheitsbehörden EASA und FAA.

Total gesperrt sind den Angaben zufolge die Lufträume über dem Iran bis mindestens 3. März, 08:30 UTC, Irak bis 4. März, Jordanien, Kuwait und Libanon. In Israel ist der Flughafen Ben Gurion vorerst bis Freitag geschlossen.

Katar und Bahrain haben ihren Luftraum weitgehend geschlossen. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) halten Teile ihres Luftraums für Transitflüge geschlossen. Saudi-Arabien hat Flugverbotszonen entlang der Grenze zum Irak und zum Persischen Golf eingerichtet. Die Kriegshandlungen im Mittleren Osten haben den Luftraum über den wichtigsten Transitknotenpunkten der Erde in eine „No-Fly-Zone“ verwandelt. Besonders gravierend ist, dass mit den Drehkreuzen am Persischen Golf zentrale Knotenpunkte des globalen Personen- und Warenverkehrs gleichzeitig ausgefallen sind.

Iran, Israel, Jordanien, Irak, Katar, Kuwait und Bahrain haben ihre Lufträume vollständig für den zivilen Verkehr geschlossen. Die Flughafenbetreiber setzten daraufhin alle Flüge an beiden Airports Dubai International und Al Maktoum International aus. Passagiere wurden aufgefordert, nicht zu den Flughäfen zu kommen.

Ursprünglich war für Dubai eine mögliche Lockerung für Montagnachmittag erwartet worden; am Mittag wurde dagegen bekannt, dass Dubai International (DXB) und Dubai World Central (DWC) weiterhin für den zivilen Passagier- und Frachtverkehr vollständig geschlossen bleiben. Emirates hat ebenfalls heute offiziell bekannt gegeben, dass die Aussetzung aller Flüge von und nach Dubai bis mindestens Dienstag, den 3. März 2026, 15:00 Uhr Ortszeit verlängert wurde. Passagiere werden eindringlich gebeten, nicht zum Flughafen zu reisen, da die Terminals bereits überfüllt sind und kein Check-in möglich ist.

Es liegen Berichte vor, wonach Trümmerteile abgewehrter Drohnen Schäden auf dem Flughafengelände in Dubai und Abu Dhabi verursacht haben. Dies erschwert eine schnelle Wiederaufnahme des Betriebs zusätzlich.

Lufthansa Group hat die Aussetzung der Flüge nach Dubai und Abu Dhabi soeben bis zum 4. März 2026 verlängert. Andere Ziele wie Tel Aviv oder Teheran bleiben bis mindestens 8. März gestrichen.

Bei Etihad Airways in Abu Dhabi bleibt der Betrieb ebenso weitgehend eingestellt; fast alle Abflüge bis Dienstag wurden annulliert.

Auch der Hamad International Airport in Doha wurde evakuiert. Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten „teilweise und temporäre“ Sperrungen. Am Flughafen von Abu Dhabi wurde ein Mensch getötet und sieben weitere verletzt.

Mit Qatar Airways, Emirates, Etihad Airways stellen alle drei großen Golfairlines vorübergehend den Betrieb in der Region ein.

Damit ist auch das logistische Rückgrat zwischen Europa und Asien unterbrochen. Allein am 1. März wurden an den wichtigsten Flughäfen der Region über 3.400 Flüge gestrichen. Weltweit registrierten Luftfahrtportale mehr als 18.000 Verspätungen, die direkt mit der Krise in Verbindung stehen.

In Dubai sitzen aktuell geschätzte 20.000 – 25.000 Reisende fest. Die Regierung von Dubai hat zugesichert, die Kosten für Unterkunft und Verpflegung gestrandeter Transitpassagiere vorerst zu übernehmen.

Hinzu kommen sogenannte „Flights to Nowhere“: Langstreckenmaschinen, die nach stundenlanger Flugzeit umkehren mussten, weil während des Flugs Landeerlaubnisse entzogen wurden.

Rechtlich gelten die Luftraumsperrungen als „außergewöhnliche Umstände“. Nach der EU-Verordnung 261/2004 besteht daher kein Anspruch auf pauschale Entschädigungszahlungen. Airlines müssen jedoch Betreuungsleistungen erbringen – Verpflegung, Umbuchung oder Hotelunterbringung. Seit einer Reform Anfang 2026 ist die Pflicht zur Hotelübernahme in Krisenfällen allerdings auf drei bis fünf Nächte begrenzt.

Besonders schwer wiegen die Folgen im Frachtbereich. Rund die Hälfte der weltweiten Luftfracht wird im Frachtraum von Passagiermaschinen transportiert („Belly Cargo“). Da zahlreiche Flugzeuge feststehen, fehlen diese Kapazitäten weltweit.

In den blockierten Hubs lagern hunderte Tonnen verderblicher Waren: Schnittblumen, Obst, Fleisch, aber auch temperaturempfindliche Pharmazeutika. Kühlketten sind häufig auf kurze Transitzeiten ausgelegt. Verlängerte Standzeiten bei hohen Außentemperaturen erhöhen das Risiko von Totalverlusten erheblich. Einzelne Frachtgesellschaften haben die Annahme verderblicher Ware bereits gestoppt.

Reine Frachtmaschinen müssen nun weiträumige Umwege fliegen – entweder nördlich über Zentralasien oder südlich über Afrika. Das verlängert Flugzeiten um drei bis fünf Stunden und verteuert Transporte deutlich. Bei zeitkritischen Lieferungen für Just-in-Time-Produkte oder medizinische Versorgung entstehen weltweite Folgewirkungen.

Für die deutsche Automobilindustrie ist die Situation besonders heikel. Hersteller wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz arbeiten mit minimalen Lagerbeständen. Elektronische Komponenten, Halbleiter und Sensoren aus Asien werden häufig per Luftfracht transportiert. Verzögerungen von wenigen Tagen können zu Produktionsunterbrechungen führen.

Zugleich verteuern sich petrochemische Vorprodukte durch die angespannte Lage im Persischen Golf. Auch strategisch wichtige Lieferketten für Batteriezellen und seltene Erden geraten zusätzlich unter Druck.

Die Energiemärkte reagieren sensibel. Der Brent-Ölpreis stieg am 1. März zeitweise um bis zu acht Prozent und notierte bei rund 82 US-Dollar pro Barrel. Marktbeobachter warnen, dass eine anhaltende Gefährdung der Straße von Hormus – durch die etwa 20 Prozent des weltweiten Ölhandels laufen – weitere Preissprünge auslösen könnte.

Parallel erhöhen sich die Kosten im Luftverkehr: Umwege steigern den Kerosinverbrauch um bis zu 20 Prozent pro Flug. Hinzu kommen stark gestiegene Kriegsrisiko-Versicherungsprämien. Teilweise wurden bestehende Policen kurzfristig gekündigt oder mit erheblichen Zuschlägen versehen. Die Versicherungsbranche (Lloyd’s of London) hat bereits damit begonnen, Policen für Flüge in die Region einseitig aufzukündigen. Ohne ausreichenden Versicherungsschutz können Airlines keine Maschinen starten.

Da der russische Luftraum weiterhin gesperrt ist und nun auch der „Südkorridor“ über Iran und Irak entfällt, konzentriert sich der Verkehr auf wenige verbleibende Routen. Besonders über der Türkei, Aserbaidschan und Kasachstan kommt es zu Überlastungen. Slot-Verzögerungen und verlängerte Flugzeiten sind die Folge. Auf internationaler Ebene laufen Gespräche über mögliche humanitäre Luftkorridore. Die Vereinten Nationen haben eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrates einberufen.

Luftfahrtorganisationen warnen jedoch, dass ohne stabile Waffenruhe keine sichere Wiederaufnahme des zivilen Verkehrs möglich ist.

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Kommentare ( 1 )

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Dundee
1 Stunde her

Komischer Artikel. Der Angriff Israels auf den Iran war doch so toll die ganze Zeit und jetzt solche Töne? Ach ja. Putin ist schuld. Wenn nicht der, dann Chamenei. Heute schon getankt? Besser als morgen oder übermorgen. Wer kein Geld mehr hat zum Tanken, der kann dann ja Zuhause bleiben, in der kalten Bude ohne Öl und ohne Gas und ohne Strom, eben weil ohne Gas – und Zuhause Artikel lesen wie toll das ist, dass ein Tyrann von zwei Tyrannen getötet wurde. Zumindest solange der Akku hält… Danke atlantische Brücke und Danke all Ihr Propagandaschmierfinken ! Bezahlen kann man… Mehr