Der China-Kracher

Chinas gesteuerte Marktwirtschaft kommt mit der zunehmenden Autonomie von Unternehmen und Bürgern an ihre Grenzen. Droht ein Währungskrieg?

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Vor 913 Jahren soll in China das erste Feuerwerk der Welt geknallt haben. Ob das stimmt? Jedenfalls, pünktlich zu diesem Jahr haben sie die Welt mit einem gewaltigen China-Böller erschüttert: Die Aktienkurse in Schanghai und Shenzhen krachen ein und reißen Frankfurt gleich mit: In nur 5 Börsentagen haben deutsche Aktionäre mehr Geld verloren, als sie im ganzen Jahr 2015 gewonnen haben… Haut China unserem Wirtschaftswachstum die Beine weg?

Planwirtschaft mit Marktwirtschaft versöhnt?

China ist der Raketen-Treibsatz für die Weltwirtschaft, weil es wächst  – wie ein Wunder: China wurde Vorbild, weil es Marktwirtschaft mit Planwirtschaft kombiniert: Marktwirtschaft steht für Dynamik, Wachstum, Erfindungen, Planwirtschaft für Vorausschau, Beständigkeit. Jetzt zeigt sich: Klappt doch nicht. Viele Wirtschaftsdaten sind geschönt. Es sind kreditfinanzierte Wachstumsraten in Geisterstädte und Infrastrukturprojekte, die kaum auf tatsächlicher Wettbewerbsfähigkeit beruhen oder auf Nachfrage stoßen.

Die Beamten der Planwirtschaft haben die kleinen Leute in die Börse gelockt, deren Geld abgezockt und in unrentable Staatsbetriebe umgelenkt.

Kurzfristig verdoppelten sich die Kurse, eine wunderbare Geldvermehrung. Bis  bekannt wurde, dass Staatsbetriebe so lahm bleiben, wie Staatsbetriebe eben sind und die Kurse im Sommer in den Keller plumpsten. Dann hat ein sogenanntes „Nationalteam des Staates selbst Aktien gekauft. Und wenn die Kurse trotzdem fallen – wird der Handel verboten. Aber die Menschen haben gelernt, dass sie so nur an der Nase herumgeführt werden sollen. Wenn jetzt die Kurse fallen und ein Handelsverbot droht – verkaufen sie gerade deswegen besonders schnell. Es ist wie im Fußballstadion: Wenn bekannt würde, dass die Ausgänge versperrt werden – dann entsteht erst richtig Panik, weil jeder schnell noch raus will. Jeder Staatseingriff lässt nur das Misstrauen wachsen, dass es in der Wirtschaft nicht mit fairen Geschäften zugeht, dass Staatsbetriebe als Goldgruben angepriesen werden, obwohl sie nur Schrotthaufen sind. Jetzt erfahren die Planbürokraten, dass die Menschen sich nur einmal über`s Ohr hauen – und sich keineswegs beliebig lenken lassen. Chinas Aktionäre lernen schnell. Sie sind nicht mehr das Börsenvieh der Planwirtschaft.

Beginn eines Währungskriegs?

Jetzt versucht China den nächsten Trick: Die chinesische Währung Rinminbi wird zu Dollar und Euro billiger gemacht. Dadurch werden Chinas Exporte in die Welt billiger und wettbewerbsfähiger, was wir Deutschen nach China hinein verkaufen aber teurer. Deshalb sinken die Aktien von VW, BMW, Daimler. Aber auch das ist teuer:  China hat durch Währungsmanipulation bereits so viel Geld verloren, wie der deutsche Finanzminister in einem Jahr an Steuern einnimmt.

Manche fürchten einen Währungskrieg: Alle machen ihre Währung billiger. Das kennt man aus den 20er-Jahren und nannte es „beggar my Neighbour-Policy“: Der Nachbar wird dadurch angepumpt, dass man abwertet. Leider macht der es auch, und am Ende sind alle ärmer. Die Lehren wurden bislang daraus gezogen. Eine davon ist, dass die Notenbanken ihre Politik langfristig ankündigen und absprechen. Genau das hat die Chinesische Zentralbank aber unterlassen. Noch ist dieser Krieg nicht heiß. Aber jede Verschärfung der wirtschaftlichen Probleme wie in Europa kann ihn verschärfen.

Das chinesische Experiment klappt doch nicht

Der Euro wird übrigens schon laufend abgewertet. Und darin zeigt sich die Gefahr für Deutschland: wie keine andere Wirtschaft ist die deutsche auf Exporte und insbesondere auch nach China angewiesen. Die bisherige Euro-Abwertung war ein Teil des Zaubertrunks – den sich jetzt die Chinesen einverleiben. Dazu kommt, dass Deutschland nach den Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs jetzt schnell steigende Arbeits- und Bürokratiekosten aufbaut; Andrea Nahles und Manuela Schwesig lassen sich dazu fast jeden Tag etwas Neues einfallen. Die jüngsten Kursverluste in Frankfurt reflektieren diese gefährliche Mischung aus innerer Schwäche und äußerer Schwächung.

Jetzt zeigt sich: Planwirtschaft bringt nicht Stabilität, sondern durch immer neue und hektische Eingriffe nur Unsicherheit – weltweit. Chinas Versuch, durch zentrale Lenkung nachhaltige Entwicklung zu bewirken ist gescheitert. Wirtschaft ist komplizierter, als es sich die Planbürokraten vorstellen, je mehr Menschen zu selbständige Handelnden werden. Und genau das ist in China der Fall: Aktionäre und Unternehmer halten sich nicht an Pläne, sondern an ihren Vorteil. Sie sind schnell, mißtrauisch und klug. Die Märkte zeigen sich überlegen: Sie glauben nicht an die Pläne, sondern an die Wirklichkeit; illusionslos. Und die sieht anders aus als die Zahlen in Rosa der Zentralverwaltung. Oder anders herum: Ein bisschen Marktwirtschaft, so weit die Planwirtschaft erlaubt, das funktioniert nicht.

Die gute Nachricht: Noch wächst China – jedes Jahr kommt die Wirtschaftsleistung von ganz Polen oder Schweden dazu, rechnet Post-Chef Frank Appel vor. Und: China lernt schnell – der Staat kann keine Wirtschaft. Deswegen lassen sie jetzt Ludwig Erhards Wirtschaftswunderbuch „Wohlstand für Alle“ übersetzen. Erhard hat als Wirtschaftsminister von 1949 bis 1963 den Staat aus der Wirtschaft verjagt…Das Original ist übrigens in der Bibliothek des Bundeswirtschaftsministeriums verfügbar.

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