Bilderberg, Verschwörer, Populisten, Neoliberale, Pfingsten und überhaupt

Zeiten großer Unübersichtlichkeit hellen Verschwörungstheorien mit grellen Scheinwerfern auf. Jedes neue Treffen der Bilderberger entzückt eine immer noch wachsende Anti-Fan-Gemeinde. Noch nie war sie so breit aufgestellt wie heute.

Zeiten großer Unübersichtlichkeit hellen Verschwörungstheorien mit grellen Scheinwerfern auf. Jedes neue Treffen der Bilderberger entzückt eine immer noch wachsende Anti-Fan-Gemeinde. Noch nie war sie so breit aufgestellt wie heute.

Dieses Jahr tritt das Zentralkomitee der Geheimnis-umwitterten Weltenlenkung vom 9. bis 12. Juni in Dresden zusammen, da stimmen einfach alle Klischees. Die Nobelherberge „Dresdner Kempinski-Hotel Taschenbergpalais“ für das Treffen der Reichen und Mächtigen. RT titelt unnachahmlich:

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Die Linksfraktion hat auf eine Kleine Anfrage keine große Antwort bekommen, eigentlich nur, wen von der Bundesregierung Bilderberg eingeladen hat: Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie die Minister Sigmar Gabriel, Wolfgang Schäuble, Ursula von der Leyen, Peter Altmaier und Frank-Walter Steinmeier. Ja, und dass für die Kosten das Bundesreisekostengesetz relevant sei. Ein Abgrund an Transparenz.

Wer wissen will, warum die Bilderberger gefährlich sind, muss daran denken, dass sie sowohl die Einführung des Euro angeordnet haben sollen wie die radikale Fortsetzung des Neoliberalismus. Und natürlich TTIP und überhaupt.

Nach Tom Strohschneider, neues deutschland,  betreibt François Hollande, der Sozialist, autoritären Neoliberalismus:

Was in Frankreich derzeit geschieht, ist Ausdruck einer politischen Krise von enormer Tragweite – und sie ist typisch für Europa. Erstens ist da eine Regierung, die in einer zentralen Frage (in diesem Fall: Arbeitsmarktreform) gegen den Willen der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung handelt und dabei auf autoritäre Instrumente zurückgreifen muss, weil sie nicht einmal ihrer eigenen Mehrheit im Parlament sicher sein kann. Zweitens spielen beim Druckmachen für neoliberale Politik (hier: Deregulierung des Arbeitsrechts) Unternehmerverbände und die EU über Bande, weil sich Brüssel die Interessen des Kapitals zu eigen macht.

„Die AfD ist eine streng neoliberale Partei“, sagte der Ex-Vormann der Linkspartei Oskar Lafontaine.

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Watson (nein, nicht der bei Sherlock Holmes) schreibt:

The right-wing populist AFD Party, which is now the third biggest political party in Germany, also expressed its opposition, asserting that Bilderberg was pushing a “neoliberal globalization agenda” that seeks to eliminate nation states and “undermine the democratic participation of national parliaments.” Meldet infowars.com.

Also, verehrte Zeitgenossen, wird in Dresden eine neue Allianz von Linkspartei und AfD, von Pegida und Antifa und weiteren illustren Paarungen gegen die Bilderberger als Weltzerstörer demonstrieren? Oder sich dann gegenseitigen Aktionen widmen?

Ja, die gewohnten politischen oder besser: ideologischen Grenzziehungen sind arg ins Wanken gekommen. Begriffe sind Totschlagwaffen, mörderisch aber sinnentleert. Wenn gar nichts mehr geht, geht neoliberal. Dass sich Linke und Recht einig sind in der Verschwörung und die Bundesregierung meint, arrogant wie immer nicht darauf reagieren zu müssen: Die Spätwirkung wird verheerend sein. Aber die Begriffsverwirrung geht weiter

Populisten unter sich

„Sie haben lauter Populisten eingeladen“, sagte der mit Partei-Vorfrau Petry liierte Europaabgeordnete der AfD Marcus Pretzell zu Maybrit Illner.  Und meinte natürlich Oskar Lafontaine und Markus Söder. Eine hübsche Volte. Die AfD dreht buchstäblich den Spieß um. Zumindest die ursprünglich holprige Rhetorik ist besser geworden. Und Oskar Lafontaine mag nicht widersprechen und setzt nach: „Ich bin lieber ein Populist, als dass ich die Leute zum Einschlafen bringe“ – und dann auch noch: Populist heißt ja zunächst nur, dass jemand gut formulieren und sein Publikum begeistern kann. Das war es nicht, was Illner hören wollte. Und entlockte ihr: „Eine neue Definition.“ Keine neue Definition, Frau Illner. Uralt. Grundkurs politische Bildung nachholen.

Ralf Dahrendorf dazu vor vielen Jahren: Populist wird gern der genannt, dessen politische Meinung man nicht mag. Wenn ich schon bei Dahrendorf bin. Er war auch mal bei Bilderberg. Sein Kommentar am Tag danach: Noch eitlere Tröpfe als bei anderen Zirkeln von Eitlen, die sich für wichtiger halten, als sie sein können.

Beim Konfusionsrat der Illner-Runde sprach der Philosoph Philipp Blom: Dem „europäischen liberalen Traum steht ein anderer entgegen, ein autoritärer Traum, Putin, Erdogan.“ Der „Verlockung, auf diesen Traum zu setzen“ gelte es zu widerstehen.

Typisch Philosoph, immer gleich übertreiben. Miriam Meckel siedelt das mehrere Etagen tiefer an: „Die Bewirtschaftung breiter Bevölkerungs-Bedürfnisse“ darf „nicht zu lange den Populisten überlassen werden. Sonst zahlen wir alle.“

„Die Bewirtschaftung breiter Bevölkerungs-Bedürfnisse“? Trifft Meckel mit diesem Missverständnis von Demokratie und Null-Respekt vor dem Souverän das Selbstverständnis der „Elite“? Alles Versorgungsfälle im Auge der beurlaubten Professorin, die bald ihre Stelle wieder bewirtschaftet, wenn es in der Wirtschaft nichts wird mit ihr? Wer bewirtschaftet die wegfallenden Arbeitsplätze?

Dann sollten wir uns über solche Umfrageziffern nicht wundern. Wie gut Prognoszahlen sind, weiß ich nicht, aber wenn Bütikofer sie verbreitet … na jedenfalls allen Frohe Pfingsten. Der Heilige Geist, der uns da nach meiner katholischen Erziehung besondere Aufmerksamkeit widmet, möge uns allen gewogen sein.

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