Chrupalla behauptet sich an AfD-Spitze – Weidel zur Co-Chefin gewählt

Tino Chrupalla kann eine innerparteiliche Revolte abwehren und bleibt AfD-Chef. Gemeinsam mit ihm wird Alice Weidel die Partei führen. Im sächsischen Riesa bemüht sich die Partei um Geschlossenheit. Max Roland verfolgte den Parteitag.

IMAGO/Revierfoto
Beim Parteitag der Alternative für Deutschland im sächsischen Riesa ist der zuletzt umstrittene Bundessprecher der Partei, Tino Chrupalla, im Amt bestätigt worden. Chrupalla erhielt 53,4% aller abgegebenen Stimmen. Sein Herausforderer, der Bundestagsabgeordnete Norbert Kleinwächter, unterlag mit 36,3% der Stimmen. Das Ergebnis ist knapp, bestärkt den Sachsen jedoch unter’m Strich.

Chrupalla sah sich in den letzten Wochen offenen Angriffen aus seiner Partei ausgesetzt. Er, der auch Fraktionsvorsitzender der AfD im Bundestag ist, gilt als Anhänger der parteinternen Strömung um den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke. Einige Anhänger des liberal-konservativen Lagers der Partei hatten vor vier Wochen den öffentlichen Aufstand geprobt. „Tino kann nicht führen, keine Verantwortung tragen und verträgt keine Kritik. Er hat kein angemessenes Auftreten und kommt bei den Wählern nicht an“, erklärte Bundesvorstands-Mitglied Joana Cotar beispielsweise im Mai über ihren Chef. Der führende Bundestagsabgeordnete Jürgen Braun implizierte, Chrupalla mache die Partei „von oben kaputt“. Auch Chrupalla dezidiert russlandfreundliche Haltung stößt vielen Parteimitgliedern, insbesondere in Westdeutschland, auf. Weil die Kritik seiner innerparteilichen Gegner aber scharf und direkt in die Öffentlichkeit getragen wurde, verlor die angekündigte Revolte der „Liberal-Konservativen” schnell an Fahrt und Zustimmung.

Als neue Co-Parteichefin wurde die Fraktionsvorsitzende Alice Weidel gewählt. Weidel bekam 67 Prozent der Stimmen und schlug ihren Gegner Nikolaus Fest deutlich, der nur 21 Prozent der Stimmen erlangen konnte. Damit folgt sie im Amt auf den aus der Partei ausgetretenen Jörg Meuthen nach. Weidel kommt aus Westdeutschland und gilt als Vertreterin der Liberal-Konservativen, hat jedoch ihre vergangenen Querelen mit dem sozialpatriotischen „Flügel“ hinter sich gelassen und eine Art Burgfrieden mit den Leuten um Björn Höcke geschlossen. Viele trauen ihr wohl zu, die immer tiefer werdenen Gräben in der AfD zumindest ansatzweise überbrücken zu können.

Auch, wenn er nicht für einen Chefposten antrat: Auf dem Parteitag in Riesa war der informelle „Flügel“-Chef Björn Höcke trotzdem mit reger Aktivität aufgefallen. So setzte der Thüringer Landeschef unter anderem eine Satzungsänderung durch, die in Zukunft auch eine Einzelspitze erlaubt – bisher waren zwei Vorsitzende festgeschrieben. Der Parteitag entschied sich jedoch, dieses mal noch zwei Vorsitzende zu wählen. Auch, weil viele Tino Chrupalla alleine den Job nicht zutrauen. Ein Teil der Bundestagsfraktion wirft ihm etwa mangelnde Führung vor.

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Kommentare ( 46 )

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Klarofix
11 Tage her

Bei einem Absturz auf 53% sollte man nicht von „behaupten“ sprechen.
Und die Verliererrolle bei der nächsten Bundestagswahl ist damit auch schon vordefiniert.

Warte nicht auf bessre zeiten
14 Tage her

Die AfD geht (leider) den Bach runter. Die reaktionär-romantischen Positionen haben keinerlei Zukunftschance, die liberal-konservativen sind zu schwach, Protestwähler kann man immer nur für eine gewisse Zeit halten. Und: Sie haben keine Jugend!

Janno
14 Tage her

Umbenennen in „Mangelnde Alternative für Deutschland“ – diese Partei hat nichts mehr zu bieten als unangenehm schwitzende feiste Männer und einen selbstgerechten Chauvinismus, der zwar gut im Benennen der Probleme, aber richtig schlecht im Angebot an Alternativen ist. Reaktionär, revisionistisch, rassistisch bis ins Mark, eine ostdeutsche Geschmacklosigkeit, die ihre eigene Gülle für Kölnisch Wasser hält. So ist das im besten Deutschland, wenn du eine liberale Partei gründest. Erst kommen richtig gute Leute, die sich im Sinne der Sache einbringen wollen, dann kommen die radikalen Netzwerker, die alles niedermachen, was ihrem ideologischen Dogma widerspricht. Während linke Sektierer so die Piraten erst… Mehr

Eberhard
14 Tage her

Viele Deutsche, so auch ich, warten nicht auf einen sympathischen Malermeister, noch andere Führungskräfte in der AfD, die die Chancen, die diese Partei einst hatte, leichtsinnig verdorren ließen. Weit und breit ist in Deutschland leider keine wirkliche und tatkräftige Opposition zu sehen, die dem sozialistischen Wahnsinn linksgrüner Weltretter mit starken eigenen Konzepten Paroli bietet. Dabei hätten Gegner der linksgrünen Sozialisten durchaus sehr gute Karten. Denn immer mehr Menschen hier bekommen die ersten Folgen dieser Ideologie mehr und mehr bitter zu spüren. Schwerwiegende Folgen, die in überhaupt keinem Verhältnis zum angedachten Ziel stehen. Was hat der Welt die angeblich notwendige Neutransformation… Mehr

Wilhelm Roepke
14 Tage her

Die AFD braucht 2022 nur noch auf den Gasnotstand warten, dann kommt Bewegung in die Parteienlandschaft. Allerdings sollte sie sich beim Wahlkampf in Niedersachsen mächtig anstrengen.

Deutscher
14 Tage her
Antworten an  Wilhelm Roepke

Die AfD wird sich langfristig auf einem Level von 8 bis optimistischen 15% einpendeln. Mehr Wähler gibt es für die Positionen der AfD nicht. Das liegt aber nicht an der AfD, sondern an den Wählern. Wer die AfD nur wählen will, wenn sie gleich wie die Union oder FDP ist, der soll doch einfach beim Gewohnten bleiben.

Last edited 14 Tage her by Deutscher
haasel
13 Tage her
Antworten an  Deutscher

Die Grünen /AL hatten die ersten Jahre noch weniger!

Rainer12
14 Tage her

Die AfD hat ein Problem mit den Wessis, weil die den „real existierenden Sozialismus“ nie selbst erlebt haben. Zumindest die Älteren sehen die Parallelen mit der jetzigen Zeit überdeutlich. Hinzu kommt das Totschweigen in den Medien, außer man kann etwas anbringen, was man zumindest als negativ „verkaufen“ kann, so dass ihre Bemühungen in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt bleiben.

Physis
14 Tage her

Ich kann ja verstehen, dass diese Partei nach aussen hin demokratisch erscheinen möchte. Was ich mich aber frage ist, womit es neuerlich wirklich diktatorischen Parteien dazu gereicht, in die Parlamente als Regierung ein zu ziehen! Könnte es damit zusammen hängen, dass Mein Nachbar bei der „Machtübernahme der AfD auf „Mohammed“ verzichten müsste, der sich zuvor so fürsorglich um seinen Garten gekümmert hat, während seine Frau die Kinder im SUV bei der Kita abgeliefert hat? Könnte es sein, dass die zukünftigen Sushi dann von den Kindern dieser Eltern SELBER geliert werden müssten? Und könnte es sein, dass dann die komplette „Lebensplanung“… Mehr

Daimondoc
14 Tage her

Euch beiden alles erdenklich gute und viel Erfolg ( das betrifft die Ganze AfD ), eint euch haltet zusammen, gebt der Presse nichts zu Fressen denn es stehen eine Menge Menschen hinter euch.
Und die Aufgaben sind Immens.
Der andere Teil der Altparteien ist grad dabei das Land an die Wand zu Fahren, siehe nur den Wirtschaftsminister.

Thomas Hellerberger
14 Tage her

Doppelspitzen sind Blödsinn, immer verlogen und schieben dadurch zugekleisterte Konflikte nur auf, anstatt sie zu lösen. Bei keiner Partei, auch keiner linken, hat das je funktioniert. Selbst bei den Erfindern, den Grünen, nicht – hier ist Robert Habeck der klare Chef im Ring. Baerbock hätte es werden können, hat sich diese Position aber mit ihrem miserablen Wahlkampf ruiniert. So ist sie nun nur eine nette Orchidee, die der Geschlechterquote Genüge tut. Mit Habecks Dominanz hat sich bei den Grünen aber der Ultrarealo-Flügel durchgesetzt, erkennbar am klaren Bellizisimus der Grünen im Ukraine-Krieg. Nur bei der Atomkraft zögert Habeck noch, muß dies… Mehr

Johann Thiel
11 Tage her
Antworten an  Thomas Hellerberger

Auch wenn ich mit manchen nicht einverstanden bin (Grüner Bellizismus als Realpolitik), ein Beitrag in herrlichen Bildern lieber Herr Hellerberger. Es stimmt, die Welt will betrogen sein, das Volk will beherrscht sein. In der Tat, ein professionelleres Aussenbild der AfD wäre wünschenswert und der Ansatz Rapper/Spielmannszug ist zwar auf den ersten Blick eine gute Idee, aber ist das nicht auch der erste Schritt um der CDU auf ihrem weg in die Vergrünung zu folgen? Konservative haben es schwer in der Aussenwirkung, da sie für Werte stehen, die zwar zu Glück und Wohlstand führen, aber totlangweilig und anstrengend sind. Darin besteht… Mehr

Johann Thiel
10 Tage her
Antworten an  Fritz Goergen

Das ist jetzt aber ein wenig hartherzig, bei all der Mühe mit Herrn Hellerbergers wunderbaren Parteitags-Choreografien. 😊

Boris G
14 Tage her

Tino Chrupalla, ein sympathischer Malermeister mit dem Herz am rechten Fleck – aber als Bundessprecher eines „gärigen Haufens“ leider etwas überfordert. Dennoch drücke ich ihm und Alice Weidel fest die Daumen: Macht etwas aus der zweiten Chance der AfD, denn Euro-Inflation und selbstinszenierte Energiekrise mischen die Karten vielleicht schon in diesem Winter neu.