Bosch streicht weitere 750 Stellen in Abstatt – ausgerechnet in der Entwicklung moderner Fahrzeugtechnik. Während der Konzern Innovationen mit chinesischen Kunden vorantreibt, schützt in Deutschland auch Ingenieurskunst nicht mehr vor dem Stellenabbau.
picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod
Bosch setzt seinen Stellenkahlschlag ungehindert fort: Weitere 750 Arbeitsplätze sollen bis Ende 2029 in der Mobilitätssparte verschwinden – diesmal in Abstatt bei Heilbronn. Das ist ausgerechnet ein Entwicklungszentrum, das für einen Konzern wie Bosch fundamental ist. Dies bestätigte das Unternehmen gegenüber Medien. Die Belegschaft wurde am Dienstagabend informiert. Der Abbau soll möglichst sozialverträglich erfolgen, heißt es. Damit summieren sich die seit 2024 angekündigten Stellenstreichungen in der deutschen Mobilitätssparte inzwischen auf knapp 24.000.
Betroffen ist jetzt also der Geschäftsbereich Vehicle Motion. Dort werden Bremssysteme, Software zur Steuerung der Fahrzeugbewegungen, Systeme zum Insassenschutz und Sensorik weiterentwickelt, also anspruchsvolle Zukunftstechnologien, die auch für künftige Fahrzeuge entscheidend sind.
Ein Beispiel sind sogenannte Brake-by-Wire-Systeme. Dabei wird der Fußdruck auf die Bremse vom Pedal elektrisch übertragen. In der hydraulischen Bosch-Lösung erzeugen zwei voneinander unabhängige Geräte den Bremsdruck; fällt eines aus, kann das andere die Radbremsen versorgen. Solche Systeme sind auch für hochautomatisiertes Fahren ausgelegt. Der Abbau trifft also moderne Sicherheitstechnik, die unabhängig von der Antriebsart gebraucht wird.
Wie stark sich das Geschäft verlagert, zeigen Boschs eigene Zahlen: Die Mobilitätssparte erzielte 2025 in China rund 15,1 Milliarden Euro Umsatz, knapp fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Deutlich mehr als die Hälfte entfiel auf chinesische Fahrzeughersteller. Bosch präsentierte dort zudem eine automatische Ausweichfunktion, die gemeinsam mit einem chinesischen Hersteller innerhalb von sechs Monaten zur Serienreife gebracht worden sei.
Hinter den Einschnitten steht außerdem Renditedruck. Bosch bezifferte die jährliche Kostenlücke seiner Mobilitätssparte auf rund 2,5 Milliarden Euro. Als Ursachen nennt das Unternehmen den Strukturwandel zur Elektromobilität sowie den starken Preis- und Wettbewerbsdruck. Bereits 2025 kündigte Bosch deshalb einen zusätzlichen Abbau von etwa 13.000 Stellen an.
Die neue Ankündigung zeigt: Der bisherige Sparkurs markierte noch nicht das Ende der Einschnitte. Abstatt soll nach Unternehmensangaben Entwicklungsstandort bleiben. Der Bereich Cross-Domain Computing Solutions und Bosch Engineering sind von diesen Plänen ausgenommen. Doch der Stellenabbau zeigt, dass auch ein technologisch anspruchsvolles Arbeitsgebiet allein nicht mehr vor Stellenverlust schützt. Wenn die Entwicklung näher an die wachsenden Kundenmärkte rückt, gerät auch die deutsche Ingenieurarbeit unter Druck.
Während der Konzern neue Techniken mit chinesischen Kunden entwickelt, werden in Deutschland weiter Stellen gestrichen.




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