Gesamtmetall präsentiert Schock-Umfrage

Eine Blitzumfrage des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall zerschießt die allerletzten Hoffnungen auf ein grünes Wirtschaftswunder: Deutschlands Herzkammer der Industrie befindet sich im freien Fall, eine künstliche Ersatzwirtschaft wird es nicht geben.

picture alliance / dpa | Paul Zinken
Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander

Der grüne Traum der Klima-Moralisten wird für immer mehr Menschen zum Albtraum. Statt Transformationswunder heißt es für sie jetzt: Arbeitslosigkeit und Abstieg. Wie schlimm die Lage tatsächlich ist, zeigt der Arbeitgeberverband Gesamtmetall in seiner aktuellen Blitzumfrage. Vom 7. bis zum 16. Oktober befragte der Verband 1.461 Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie zu ihrer aktuellen Geschäftslage, ihrer Auftragslage und ihren Zukunftsaussichten.

Das Ergebnis fällt wenig überraschend aus: Bei 42 Prozent der befragten Betriebe liegen die Neuaufträge aktuell unter dem Vorjahresniveau. Nur 23 Prozent verzeichnen einen Auftragsanstieg. Dann folgt der eigentliche Schocker: Zwei Drittel der Betriebe produzieren ihre Aufträge inzwischen ganz oder teilweise im Ausland. Ein Trend, der weiter zunimmt. Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander zufolge wandere immer mehr Produktion an ausländische Standorte, weil dort zu international wettbewerbsfähigen Bedingungen und Kosten produziert werden könne.

FAKTEN AUF DEN TISCH
Es ist offensichtlich, dass die deutsche Politik mit Klimaregulierung und hohen Fiskallasten die Hauptschuld trägt. Aber auch die von Gesamtmetall beklagten hohen Tarifabschlüsse belasten den Standort. Die Lohnentwicklung spiegelt sich nicht mehr in einer entsprechend steigenden Produktivität wider. Deutschland wirkt in diesen Jahren wie eine tragische Comicfigur, die über ihren Abgrund hinausschoss und noch so lange durch die Lüfte eilt, bis der Blick in die Tiefe die tatsächliche Lage enthüllt. Dann geht es schussartig abwärts.

Die offenen Worte des Metallbosses deuten an, dass die Metallwirtschaft den Sturz bereits hinter sich hat: 39 Prozent der Betriebe schätzen ihre aktuelle Lage als schlecht ein, 40 Prozent noch als befriedigend. Nur 15 Prozent erwarten in den kommenden sechs Monaten eine Besserung des Geschäfts, während 85 Prozent mit Stagnation oder einer weiteren Verschlechterung rechnen.

FAKTEN AUF DEN TISCH
Und dennoch: Trotz der offenen Kritik wagt sich Zander nicht an das Fundament der Probleme. Kein Wort zum Klimasozialismus. Kein Wort zur katastrophalen Energiepolitik. Gebetsmühlenartig wiederholen deutsche Wirtschaftsbosse und Funktionäre ihre Forderung nach Beihilfen, Subventionen und politischer Unterstützung. Unsouverän, in gebückter Haltung mit dem sparsamen Gesichtsausdruck des korrekten Untergebenen vor dem politischen Lehnsherrn, versinkt dieses Land in einer ökonomischen Katastrophe.

Deutschlands Absturz könnte umso schlimmer ausfallen, bedenkt man, dass gerade die Metall- und Elektroindustrie nicht nur ein wichtiger Konjunkturindikator, sondern auch ein Sensor für die Innovationstiefe und die Stabilität industrieller Wertschöpfungsketten ist. Und diese haben zuletzt arg gelitten.

Für Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander ist die Lage düster. Es handele sich um die schwerste Krise der M+E-Industrie seit Gründung der Bundesrepublik, so der Verbandschef. Besserung sei nicht in Sicht; die Auftragseingänge stabilisierten sich nur bei einer Minderheit der Unternehmen. Besonders aufschlussreich sei, dass neue Aufträge immer seltener zu zusätzlicher Produktion in Deutschland führten.

Weiter heißt es in der Auswertung: Fast jedes zweite Unternehmen – 42 Prozent, um genau zu sein – plant weiteren Personalabbau, während gerade einmal 12 Prozent zusätzliche Beschäftigung vorsehen.

FAKTEN AUF DEN TISCH
Dieser Befund spiegelt sich auch am Arbeitsmarkt wider. Deutschland blutet intellektuell aus, der Verlust an Ingenieuren wiegt jedes Jahr schwerer. Wie die gescheiterten Großprojekte der öffentlichen Hand zeigen: Weder Planungszeiträume noch Kosten werden noch halbwegs professionell kalkuliert. Der BER war kein Betriebsunfall, er ist das sprechende Symptom der Erkrankung. Die Warnung des Verbandes: Über 10.000 M+E-Betriebe schrumpfen, mehr als 1.000 Betrieben droht die Schließung.

Die Krise der Metallindustrie ist keine Momentaufnahme, und sie ist auch nicht sektoral beschränkt. Es ist ein endemisches Problem, die Folge einer ideologischen Entgleisung eines Landes in Selbstgewissheit, Selbstgefälligkeit und moralisierendem Klimawahn. Die Folgen sind drastisch: Seit 2018 ist die deutsche Industrieproduktion um fast 20 Prozent eingebrochen. Auch für das laufende Jahr erwartet Gesamtmetall in seinem Sektor ein Minus von wenigstens zwei Prozent – das dritte Rezessionsjahr in Folge.

Doch die Wahrheit wurzelt noch tiefer: Das Miniwachstum, das die Bundesregierung für dieses Jahr erwartet, ist ein mit Staatsschulden erkaufter Konsumeffekt. Er erzeugt keinerlei reales Wachstum, geschweige denn, dass er die Produktionskapazitäten des Landes erweitert.

Während der Staat in diesem Jahr mit einer Neuverschuldung von fünf Prozent tiefer in den Schuldensumpf watet und das ausgewiesene, verfälschte BIP wohl um ein Prozent wächst, schrumpft die echte Ökonomie um mindestens drei Prozent.

Der Traum von der emissionsfreien Industrie ist ausgeträumt. Man sollte sich im Berliner Juste-Milieu nun an die neue Erzählung gewöhnen, die von den radikalen Sozialisten vorgetragen wird: Die Zeichen in Deutschland stehen auf Sozialismus, sie stehen auf Enteignung und Staatswirtschaft – die Zeichen stehen auf Abstieg.

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