Nach Dieter Hallervorden und Hape Kerkeling betritt der nächste Spaßmacher die politische Bühne. Michael Mittermaier wird bei Maybrit Illner ernsthaft als „Amerikanist“ vorgestellt. Denn das hat er irgendwann mal studiert. Ebenfalls wieder dabei: Armin Laschet. Auch witzig.
Screenprint: ZDF / Maybrit Illner
Maybrit Illner goes Flasche Pommes – Palim, Palim! Ungeniert präsentiert die letzte Nachrichtensprecherin des Sozialismus’, die ungeniert in den Kapitalismus wechselte und seither Ruhm und Kohle genießt, einen bayerischen Mundart-Kabarettisten als USA-Experten. Michael Mittermeier ist offenbar so unentbehrlich, dass er sogar ganz prominent aus München in die Runde zugeschaltet wird. Vom Teleschirm herab gibt der große Bayernbruder seinen Senf dazu, und allen Ernstes steht „Amerikanist“ in seiner Bauchbinde. Denn Mittermeier hat im vergangenen Jahrtausend mal Amerikanistik studiert und anno 1994 mit einer Arbeit über Comedy in den USA abgeschlossen. Heute ist er deshalb der Experte schlechthin für Donald Trump und Weltpolitik.
Zuschauerverhöhnung im Endstadium.
Zwei Wochen vor den Zwischenwahlen in den USA geht es um die Frage „Trumps Kampf um die Macht – wie gefährlich ist das für die Welt?“. Und wie so oft bei Illner ist die größte Gefahr, dass dem Zuschauer das Bier aus dem Glas schwappt vor lauter Echokammer-Vibrations.
Die Ausgangslage: Trump steht vor den Midterms schlecht da, Benzin ist auf sagenhafte 1,13 Dollar (!) pro Liter hochgeknallt (statt vorher 80 Cent), die Lebenshaltungskosten steigen, der Ukraine-Krieg endet nicht so schnell wie gedacht, und der Iran-Krieg treibt die Weltwirtschaft vor sich her. Angeblich, um die Energiepreise zu drücken, öffnet Trump US-Häfen für russischen Diesel und gibt Putin damit wieder eine internationale Bühne. Selenskyj soll abtreten, denn der wolle keinen Frieden – der ukrainische Präsident, ebenfalls ehemaliger Comedian, spricht von Verrat.
Ebenfalls im Studio: Armin Laschet (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag. Läuft da was zwischen ihm und Illner, oder warum hockt er schon wieder im fein gepolsterten Fauteuil? Wir zählen mal durch: Es ist sein sechster (!) Besuch bei Illner allein in diesem Jahr, und laut IMDb (Internet Movie Database) war Laschet insgesamt bereits satte 24-mal bei ihr zu Gast.
Was er sagt: nicht so wichtig. Wenn es wirklich irgendwann so schlimm sein sollte, dass man sich von einem Ahrtal-Katastrophengrinser die Weltlage erklären lassen muss, sagen wir Bescheid.
Doch die Comedy geht weiter: Ebenfalls zugeschaltet ist Anthony Scaramucci, ehemaliger Kommunikationsdirektor während Trumps erster Amtszeit. Er war fast kürzer in Diensten als eine durchschnittliche Illner-Sendung dauert, gilt ihr aber als gern gesehener Trump-Vertrauter. Der Mann, den der Präsident in Rekordzeit noch vor der eigentlichen Ernennung feuerte, lebt seither von genau jenen zehn Tagen Schnuppern am Traumjob und seinem Frust über den Verlust. Für die Illner-Runde hat er sich in eine abgewetzte Weste geworfen und sitzt in einem seltsamen Raum. Ist das da eine Stadtbibliothek im Hintergrund oder der Leseraum einer Entzugsklinik? Immerhin, Tony hat die Haare schön. Oder einen neuen Fön. Der Typ in Grau, und Strack-Zimmermann hätte noch mehr Konkurrenz.
Laschet, der Mann, der mehr Illner-Talks überlebt hat als Scaramucci Amtszeiten, sagt: „Das muss nicht immer schlecht sein, wenn Putin, Trump und Xi Jinping zusammensitzen.“ Während der Sparbuch-Diplomat über die segensreichen Wirkungen eines solchen Triumvirats philosophiert, entleert sich Wallstreet-Investor Scaramucci in elend langen Monologen, und Mittermeier stöhnt, dass Trump „die Ukraine einfach zum Fraß vorwirft“. Er ist sich sicher: „Mit Putin gibt es keinen Frieden. Das wissen wir, das sehen wir.“
Ganz klar: Gegen so viel geballten Sachverstand geraten Frederik Pleitgen und auch Stormy-Annika Mildner selbstverständlich ins Hintertreffen. Der CNN-Mann nimmt allerdings mit einer einzigen Bemerkung der ganzen Sendung die Existenzberechtigung: Trump brauche die Midterm-Wahlen überhaupt nicht, sagt Pleitgen. Der US-Präsident habe schon längst gesagt, dass für ihn überhaupt nichts von den Wahlen abhänge. Er werde einfach weitermachen. Mildner, Direktorin des Aspen Institute Deutschland, predigt in Talkshows stets eine „koordinierte europäische Antwort“ auf China und Trump. Aber sie beide sind halt nicht so witzig wie ein bayerischer Possenreißer mit Amerika-Diplom oder ein gefeuerter Trump-Mitarbeiter mit Verschmähten-Frust.
Wie gefährlich also ist Trumps Kampf um die Macht für die übrige Welt? Der Abend gibt eine klare Antwort: vermutlich weniger gefährlich als der intellektuelle Abstieg des deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehens.




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