Den Yuan international anerkennen: Löst Gold das Vertrauensproblem von Chinas Währung?

Gold als zentraler Währungstransmitter und Türöffner für die chinesische Devise? Eine BRICS-Währung scheint vom Tisch. Dennoch versucht China einen neuen Anlauf, seine Landeswährung Yuan zu internationalisieren.

Mediennummer 600149402 Beschreibung goldbarren Aufnahmedatum 16.04.2026 Bildnachweis picture alliance / Shotshop | Bassi

Die libertäre amerikanische Ökonomin und Präsidentenberaterin Judy Shelton verfolgt eine spannende Idee: Langfristig laufende Staatsanleihen könnten in Zukunft zumindest schrittweise und partiell goldgedeckt sein. Dies wäre eine Revolution des Geldsystems, eine Rückkehr zu einem partiellen Goldstandard, um Vertrauen in die Staatsfinanzen zurückzugewinnen. Anleihenbesitzer könnten so einen Teil ihres Geldes in Gold ausgezahlt bekommen – das zerstreut manche Sorge über die systematische Inflationierung des Fiat-Geldes.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Chinas politische Führung in diesen Tagen, wenn es um die Geldpolitik geht. Allerdings ist der Fokus ein anderer: Im Falle des chinesischen Goldrausches handelt es sich um eine Revolution des internationalen Zahlungsverkehrs.

China versucht den Yuan als Leitwährung aufzubauen

Peking geht beim Aufbau seines yuanbasierten Zahlungssystems strategisch vor: Es übernimmt bewährte Elemente des Dollar-Systems, ergänzt sie aber um eigene Bausteine. Eine fundamentale Säule ist das Cross-Border Interbank Payment System (CIPS), das seit 2015 grenzüberschreitende Yuan-Zahlungen abwickelt und wie ein Pendant zu SWIFT funktioniert. Die zweite Säule ist der digitale Yuan, der E-CNY, der vor allem die technische Grundlage für programmierbare und grenzüberschreitende Zahlungen schaffen soll. Eine weitere Säule der chinesischen Devisenarchitektur bildet mBridge, ein gemeinsam mit anderen Zentralbanken entwickeltes Projekt zur grenzüberschreitenden Zahlung mithilfe von Zentralbank-Digitalwährungen. Es dient vor allem einem Zweck: den Umweg über den Dollar und die Banken des Dollar-Systems zu eliminieren.

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Auf diese Infrastruktur setzt Peking nun seine Gold-Brücke: Yuan-Zahlungen, physische Goldlieferung und künftig möglicherweise Gold als Kollateral sollen zu einem geschlossenen Kreislauf verbunden werden.

Das große Ziel der Kommunistischen Partei: Der Yuan, bislang eher ein nicht beachteter Einwechslungsspieler auf dem internationalen Geldmarkt, soll einmal in den Rang einer Leitwährung, ähnlich wie der US-Dollar, erhoben werden. Vom Einwechselspieler zum Spielmacher ist es auf dem Devisenmarkt allerdings ein weiter Weg. Dazu zählen geopolitische Macht, ein globales Banken- und Finanzierungsnetzwerk sowie die allgemeine Akzeptanz des Zahlungsmittels auf den wichtigsten Güter- und Rohstoffmärkten der Welt. Der Begriff Petrodollar impliziert nicht umsonst einen Hinweis auf seine absolute Dominanz auf dem wichtigsten Rohstoffmarkt der Welt.

Gold soll Vertrauen in Yuan stärken

Pekings großes Problem: Theorie und Praxis klaffen meilenweit auseinander. Kaum jemand legt größere Geldreserven in den Währungen einer Diktatur an, sei es in Yuan-Anleihen oder in einer digitalen Variante der chinesischen Währung. Diktatur bleibt Diktatur, ganz gleich, wie modernistisch sie sich auch zu verkaufen versteht.

Folgerichtig herrscht noch immer King Dollar auf dem globalen Markt. Etwa 89 Prozent der Devisentransaktionen werden mit dem Greenback abgewickelt. Der Yuan ist mit einem Anteil von 8,5 Prozent zwar deutlich abgeschlagen, spielt im internationalen Devisenhandel aber durchaus eine Rolle.

Auch als Reservewährung dominiert der Dollar. Auf ihn entfielen Ende 2025 rund 57 Prozent der weltweit ausgewiesenen Währungsreserven der Zentralbanken. Der Euro kam auf etwa 20 Prozent, der Yuan hingegen nur auf knapp 2 Prozent.

Wie überbrückt man einen solchen Vertrauensgraben? Die Kommunistische Partei glaubt, die Lösung gefunden zu haben: „Technologie der Bronzezeit“, Gold, soll hier für Abhilfe sorgen.

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Die Idee: Eine Goldbrücke zwischen ausländischen Währungen und dem Yuan soll den Dollar als Transaktionswährung und Intermediär aus dem Spiel nehmen. An einer solchen Settlement-Infrastruktur wird in Peking unter Hochdruck gearbeitet. Die Shanghai Gold Exchange hat bereits 2025 einen zertifizierten Lagerstandort bei der Bank of China (Hong Kong) eingerichtet. Davon zu unterscheiden ist das im Juli 2026 gestartete zentrale Gold-Clearing- und Abwicklungssystem, das von der staatlichen Hong Kong Precious Metals Central Clearing Company betrieben wird. Es erfasst Handelsgeschäfte, Goldbestände und Transfers zwischen den teilnehmenden Banken und ist mit den jeweiligen Lagerstellen verbunden. Über die Initiative „Delivery Connect“ werden zudem die Goldmärkte Hongkongs und Shanghais physisch miteinander verknüpft.

Der wohl bahnbrechende Schritt wäre eine engere Kopplung von Goldhandel und Zahlungsverkehr. Ein Importeur könnte beispielsweise Yuan über ein teilnehmendes Finanzinstitut transferieren, während die dazugehörige Goldposition simultan in einem zentralen Register verbucht und die physische Lieferung über die angeschlossenen Lagerstellen automatisch abgewickelt würde.

Neigt sich die Zeit des Fiat-Geldsystems seinem Ende zu?

VERSICHERUNG GEGEN DAS SCHEITERN
Zentralbanken hamstern Gold
Peking hat sich am Projekt einer BRICS-Währung die Zähne ausgebissen. Gold kann zwar das Gegenparteirisiko mindern, allerdings bleiben die politischen Risiken durch Chinas Kapitalverkehrskontrollen bestehen. Solange Anleger Yuan nicht frei in andere Währungen konvertieren und Kapital ohne politischen Einfluss abziehen können, kann auch ein Goldregister nicht mit einer offenen Kapitalmarktwelt wie der amerikanischen konkurrieren. Vieles wird davon abhängen, ob internationale Banken die hinterlegten Goldpositionen rechtlich anerkennen, als Kreditsicherheiten akzeptieren und im Streitfall ihre Ansprüche gegenüber der chinesischen Seite tatsächlich durchsetzen können. Hier liegt die Krux. Und es darf bezweifelt werden, dass das mächtige amerikanische Bankensystem den Chinesen eine goldene Brücke baut.

Das chinesische Goldsystem klingt komplex und erinnert auch ein wenig an den Goldstandard der Renaissancezeit: Damals galt der Wechselbrief als die große Innovation, der zirkulierte, während die Banken im Hintergrund mithilfe ihrer Goldbestände das Clearing dieses Systems übernahmen. Was China anpeilt, ist jedoch kein reiner Goldstandard.

Dennoch gibt uns die Politik Pekings einen Hinweis darauf, dass die Zeit des Fiat-Geldstandards langsam ihrem Ende entgegengeht, während wichtige Kollaterale wie Gold, Energie oder in der digitalen Welt auch Bitcoin an Bedeutung gewinnen werden.


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