Herkunftsnennung von Straftätern: „Manuel Hagel hat die Sache politisch gestohlen“

Künftig soll die Herkunft von Straftätern nicht nur in Baden-Württemberg, sondern bundesweit genannt werden. Für diesen Fortschritt rühmt sich Manuel Hagel, CDU-Landesinnenminister unter Cem Özdemir. Doch die Heldentat des tapferen Schwaben ist nur Vollzug einer gerichtlichen Entscheidung.

picture alliance / Geisler-Fotopress | Bernd Elmenthaler

Bisher prüfte die Polizei in jedem Einzelfall, ob ein „sachlich begründetes öffentliches Interesse“ an der Nennung der Nationalität besteht, das heißt, mal wurde die Täterherkunft genannt und mal nicht. Diesem „Hin und Her“ will Manuel Hagel, CDU-Innenminister Baden-Württembergs, ein Ende bereiten. Künftig soll die Nationalität von Tatverdächtigen grundsätzlich in polizeilichen Pressemitteilungen genannt werden. Er will mit der Neuregelung für mehr Transparenz und Vertrauen sorgen, so Nagel, und fordert eine bundesweit einheitliche Regelung.

Tichys Einblick hat mit Rechtsanwalt Dirk Schmitz über diesen Vorstoß von Manuel Hagel gesprochen, mit dem sich der Politiker nun rühmt.

Tichys Einblick: Lieber Herr Schmitz, worum geht es bei Hagels Sommerloch-Thema Straftäternennung?

Dirk Schmitz: Der Schwiegermutter-Typ Hagel inszeniert sich hier als Macher. Konkret hat Hagel bislang keine sofort geltende Neuregelung für Baden-Württembergische Polizeipressearbeit vorgelegt, sondern lediglich angekündigt, die gemeinsame Verwaltungsvorschrift des baden-württembergischen Innen- und Justizministeriums so ändern zu lassen, dass die Staatsangehörigkeit von Tatverdächtigen in polizeilichen Pressemitteilungen künftig grundsätzlich genannt wird – aber auch in diversen Ausnahmefällen unterbleiben kann.

Herr Schmitz, Herr Hagel hat jetzt doch etwas sehr Revolutionäres für Polizeimeldungen vorgelegt, oder?

Auf den ersten Blick ja – die angekündigte Regelung ist grundsätzlich als klarstellend zu begrüßen. Wenn die Staatsangehörigkeit von Tatverdächtigen künftig in Baden-Württemberg regelmäßig und nach einheitlichen Kriterien bereits in polizeilichen Pressemitteilungen genannt wird, ist das transparenter als die bisherige Praxis, bei der Behörden derzeit zunächst fast immer mauerten, der Täter „Einmann“ ist – und jeder weiß, warum.

Das Tor hat er gerade aber beim Öffnen wieder geschlossen: Ausnahmen soll es etwa aus Gründen des Jugendschutzes, wegen laufender Ermittlungen oder bei einer drohenden Identifizierung des Tatverdächtigen geben.

Damit sind aber alle Täter unter 21 Jahren von der Transparenz ausgeschlossen, denn bis zu diesem Alter gilt das Jugend- und Heranwachsendenstrafrecht. Der Rest ist Bullshit. Wieso sind Ermittlungen gefährdet, wenn der Hinweis erfolgt, der Tatverdächtige sei zum Beispiel Libanese?

Wie ist die derzeitige Rechtslage?

Herr Hagel hat die Sache eigentlich politisch gestohlen. Ich nenne das Hagels Frontbegradigung. Ich habe für Alexander Wallasch und alle deutschen Medien am 20.05.2026 eine Grundsatzentscheidung beim OVG Niedersachsen – Az. 10 ME 174/26 – zum Medienanspruch auf Nennung der Staatsangehörigkeiten aller Straftäter und Verdächtigen erstritten.

Danach sind alle staatlichen Stellen, hier ging es um eine Staatsanwaltschaft, grundsätzlich nicht befugt, Staatsangehörigkeiten zu verschweigen. Besonders delikat: Der Tatverdächtige war Zigeuner, die Staatsangehörigkeit rumänisch. Die Staatsanwältin befürchtete den statistisch zutreffenden Rückschluss von Rumänien auf Sinti und Roma. Zugleich hat das Gericht klar festgestellt, dass das für alle Medien gilt und die Auskunftsbehörde nicht befugt ist, Fragesteller auf politische Zuverlässigkeit und erwartete Berichterstattung zu bewerten.

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe verweigerte kurze Zeit später eine Anfrage zu einer Staatsangehörigkeit eines anderen Straftäters. Unter Hinweis auf das OVG Niedersachsen, mussten die dann den Schwanz einziehen und die gewünschte Auskunft erteilen. Dieser Fall ging – mir bekannt – dann bis zum Baden-Württemberger Neu-Innenminister Hagel, der es dann verwertete.

Was ist neu?

Juristisch muss man genau unterscheiden: Das Wallasch-Urteil betrifft den Anspruch der Presse auf Auskunft im konkreten Einzelfall. Hagels Ankündigung geht organisatorisch einen Schritt weiter, weil die Staatsangehörigkeit künftig bereits von Amts wegen in der ursprünglichen Polizeimeldung erscheinen soll. Das ist praktisch sinnvoll und erspart Journalisten, jeder einzelnen Information hinterherzulaufen. Politisch verkauft Hagel allerdings Dinge als mutiges „Vorangehen“, was gerichtlich längst entschieden und im Kern bereits erzwungen worden ist.

Was wäre denn wirklich innovativ?

Die Ausnahme „Jugendschutz“ ist besonders lächerlich. Es geht nicht um die Namensnennung, sondern um die bloße Mitteilung der Staatsangehörigkeit. Wenn ein syrischer jugendlicher Attentäter – Beispiel – als solcher genannt wird – ist das rechtlich zweifelsfrei zulässig.

Der nächste mutige Schritt bei der Einbürgerungsinflation statistisch kriminell auffälliger Ethnien wäre die Mitteilung der ursprünglichen Staatsbürgerschaft, einer bestehenden doppelten Staatsbürgerschaft oder eines gesicherten Migrationshintergrundes. Das liegt den Ermittlern fast schon immer bei der Festnahme vor. Mustafa X. mag in Ludwigshafen geboren sein. Aber sein kultureller Hintergrund, das Stadtbild würde Merz sagen, ist es nicht.

Wenn viele Ausländer bereits nach fünf Jahren einen deutschen Pass bekommen, sind das deutsche Straftäter. Juristisch korrekt. Die derzeitige Einbürgerungspraxis verzerrt damit Kriminalität ausländischer Tätergruppen.

Her Hagel, hier könnten Sie das geltende deutsche Recht ernsthaft verbessern.


Dirk Schmitz M.A., seit 1991 Rechtsanwalt, langjähriger ehrenamtlicher Richter, Kommunikationswissenschafter, verheiratet, zwei Kinder, u.a. langjähriger Geschäftsführer, Personalchef im Medienbereich und Gesundheitssektor. UNterwegs in beiden Welten: Als Rechtsanwalt und Unternehmer. 

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Kommentare ( 12 )

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heinrich hein
56 Minuten her

Ich glaube, in der Geschichte des Landes gab es zu keiner Zeit schlechtere Politiker-Darsteller als zu unserer Zeit. Ich frage mich, warum sich der Michel das alles gefallen lässt. Da kann doch auch was nicht stimmen in der Birne des Michels.

Orlando M.
23 Minuten her
Antworten an  heinrich hein

Kindergeld, Elterngeld, Bürgergeld, Krankengeld etc. und vor allem die Renten.
Hat man sie an der Geldbörse, dann hat man sie in der Hand.
Diese Politik wird im Wesentlichen dafür gewählt, die Hand tiefer ins Portemonnaie des Nachbarn zu bekommen und das liefern die.

Guzzi_Cali_2
1 Stunde her

Dieser Hagel trägt seinen Spitznamen „Hagelschaden“ nicht zu Unrecht. Meiner Ansicht nach ist er der Mentalität in seinem ehemaligen „Beruf“ – Sparkässler in dritter Reihe – treu geblieben: Ein Kleingeist vom Scheitel bis zur Sohle. Ich habe mit Herren dieser Preisklasse einschlägige Erfahrungen. Was auch nur nach einem unternehmerischen Risiko RIECHT, wird abgebügelt. Einen Sparkässler, der IRGENDWO mitzieht, was nicht 5x abgesichert ist, kann man mit der Lupe suchen. Gegenwind vertragen sie generell nicht und wenn man ihnen zu verstehen gibt, daß sie ihrem Baby vermutlich lieber zwei Pampers übereinander anziehen, bevor sie das Risiko einer Reinigungsschmach eingehen, ist „pikiert“… Mehr

giesemann
1 Stunde her

Man sieht, denen muss man alles sagen, von sich aus kommt: Nix.

Endlich Frei
1 Stunde her

It‘s just the beginn…und zusammen mit der aktuellen Warnung von Morgan & Stanley, französische Anöeihen zu meiden, der Anfang vom Ende des Euros.

Last edited 1 Stunde her by Endlich Frei
Ralph Martin
1 Stunde her

Es ist mir Wurst ob man die Nationalitäten von Straftätern nennt oder nicht.
Alle die illegal hier sind müssen zurück und alle die legal hier sind und straffällig werden auch.

hoho
1 Stunde her

Mir ist das wirklich egal woher sie kommen. Aber das ganze Spiel wo man manche direkt nennt und mit dem Photo in den Medien unter Pranger stellt, obwohl das nicht notwendig ist und die anderen nicht nennt weil man das politisch so entschied, ist nur doof.
Was konnte dann ein nächstes Schritt des Helden sein: die Corona Aufklärung?

Mugge
1 Stunde her

…verzerrt damit Kriminalität ausländischer Tätergruppen

In der Praxis sieht das dann so aus:
„Freibäder in Südbaden verschärfen nach Vorfällen
mit elsässischen Badegästen ihre Regeln.“
„Ende Juni räumte die Polizei das Freibad Auenheim in Kehl. Was genau passierte, darin
widersprechen sich die Berichte der Polizei und der Stadt Kehl. Die Polizei sprach von
50 bis 60 jungen Männern aus Frankreich.“

„Zehn bis 15 junge Franzosen, die sich bereits im Bad befunden hätten, seien
über eine Absperrung am Beckenrand gesprungen. Nachdem sie den Anweisungen des
Badepersonals nicht gefolgt seien, sei die Polizei verständigt worden….“
Badische-Zeitung , 10.07.26

Der-Michel
18 Minuten her
Antworten an  Mugge

Und die durch die Klimakrise verstärkten Sonnenstrahlen haben diese „Franzosen“ schon vor dem baden in Süddeutschland erheblich gebräunt und die Haare gekräuselt. Dieser Klimawandel aber auch…..

Rosalinde
2 Stunden her

Da wird man die Ausführung abwarten müssen. Da die Straftaten, soweit nicht Gesinnungstaten vorliegen, zu mehr als Zweidrittel von Ausländern verübt werden, ist die Versuchung der Medien zur Vertuschung groß. Es kann auch sein, dass dieses Vorhaben in eine noch verstärkte Verteilung von deutschen Personalpapieren führt. Dann wird aus dem Ausländer schnell ein Deutscher und die Straftat kann dem deutschen Volk in die Schuhe geschoben werden.

Sanijo
2 Stunden her

Dann sind alle Täter mit Doppelpass deutsch. Der Bürger wird auch nicht über den zweiten Pass informiert!

Last edited 2 Stunden her by Sanijo
Siggi
2 Stunden her

Sich mit fremden Federn schmücken, konnte die CDU schon immer. Man merkt deutlich, dass auch die wissen, dass sie im Land verschi… haben. Nun kommen wieder dir üblichen Nazikeulen und andere Erfindungen der Versager. Zum Glück ist bald die Sommerpause und danach ist es eh vorbei mit dem Betrügen und Belügen des Bürgers.

Die sogenannten Reformen, sind doch nur schnell gemachter SPD Mist, der denen schon bald vor die Füße fällt.