Angesichts drohender Energie-Lockdowns empfiehlt das weltfremde Duo Schnieder-Schneider den Umstieg auf E-Autos oder die Bahn. Das ist unerträglich. Bedenkt man dazu noch die Lage, in die eine zynische politische Pseudo-Elite das Land hineinmanövriert hat.
picture alliance/dpa | Katharina Kausche
Das Reaktionsmuster der deutschen Politik auf die Energiekrise, die uns aus der Hormuz-Sperrung ereilt hat, ist verräterisch.
Während Regierungen anderer europäischer Staaten versuchen, Bürger, Mittelstand und das Handwerk angesichts explodierender Spritpreise und Energiekosten schnell und unbürokratisch zu entlasten, kann sich der deutsche Steuerzahler vom grenzenlosen Zynismus seiner politischen Repräsentanz überzeugen.
Inmitten einer der schwersten Energiekrisen überhaupt wird der Leistungsklasse im Land nicht nur die überfällige Entlastung an der Zapfsäule durch eine drastische Steuersenkung verweigert. Ganz im Gegenteil: Berlin drangsaliert seine Bürger mit geradezu hysterischen, sich aufschaukelnden Steuererhöhungsdrohungen.
Doch der Versagerstaat zockt seine Bürger nicht nur ab, er belästigt sie noch mit klugen Ratschlägen. Allen voran Bundesumweltminister Carsten Schneider von der SPD, der im Bundestag mit maximaler Arroganz vorschlug, angesichts hoher Benzinpreise endlich auf Elektroautos umzusteigen. Schneiders kuriose Intervention verhallte im hektischen Medienäther dieser Tage leider, ohne größere Aufmerksamkeit erzeugt zu haben.
Manch einer dürfte für Schneiders empathielose Entgleisung Verständnis gehabt haben. Immerhin war der Minister persönlich und emotional besonders angefasst, da ihn das Bundestagsprotokoll zwang, zu einer Frage der AfD-Fraktion und der Strategie der Bundesregierung in der gegenwärtigen Energiekrise Stellung zu nehmen.
Absolut verständlich, dass ein passionierter Verteidiger von „UnsereDemokratie“ weltvergessen, mit Herzblut und kindlich sprühender Emphase auf eine derart zynische Zwischenfrage der Paria-Partei zur Verteidigung der Grundfesten unseres Gemeinwesens in die Bresche springt.
Auch ist es in diesem Moment emotionaler Bewegtheit durchaus möglich, dass dem Umweltminister entgangen sein mag, dass nicht nur die Spritpreise in Deutschland explodieren, sondern die Energiekosten im Allgemeinen unerschwingliche Höhen erreichen.
Zudem zählt der Betrieb eines E-Autos unter diesen Bedingungen nicht zu den erschwinglichen Vergnügungen grün beseelter Klimawandler.
Schneider wirkt in diesen Tagen nicht unglücklich angesichts der sich aufschaukelnden Energiekrise. Ahnt er die Möglichkeit, schon bald eine Art Energie-Korona-Politik dirigieren zu dürfen, sieht er sich bereits als Lauterbach der Energiekrise?
Erste rhetorische Vorarbeiten zu einer Neuauflage der in der Politik sehr beliebten Lockdowns präsentierte in dieser Woche die Europäische Union.
Die zunächst unverbindlichen Handlungsempfehlungen des Komitees für Menschenwürde und Zentralplanung in Brüssel lassen sich in ihrer Schlichtheit kurz zusammenfassen:
Treten Sie nur die notwendigsten Fahrten mit Ihrem Auto an, vermeiden Sie nach Möglichkeit Flugreisen, da das Kerosin zunehmend verknappt. Steigen Sie auf den ÖPNV um und arbeiten Sie in altbewährter, isolierter Manier im Homeoffice. Wie gesagt: es braucht wohl ein Bürokratenheer von 80.000 quirligen und findigen Denkern, um auf derart schlichte Gedanken zu kommen, die wohl jeder in diesen Tagen hegt, der angesichts der explodierenden Benzinpreise aufs Geld schauen muss.
Ganz tief in den Untiefen der Brüsseler Seele hoffen sie klammheimlich auf eine Zuspitzung der Lage. Denn Force Majeure eröffnet der Politik beinahe unbegrenzte Handlungsspielräume.
Dann folgt auch die Mehrheit der Menschen beinahe kritiklos dem politischen Drehbuch und der klar definierten Befehlskette. Es schlägt die Stunde der Dekrete und der klammheimlichen Diktatoren, in der aus Handlungsempfehlungen eine ganz kurze politische Leine wird und der sogenannte Souverän nur noch bewirtschaftet wird, um zu einer gesteuerten Masse zu amalgamieren.
Man kann dies auch so sehen: Mit Hormuz vollzieht sich der Feldzug der Ökosozialisten gegen die deutsche Energieversorgung. Der ideologische Krieg der Ökosozialisten gegen die Industrie und die Energiewirtschaft verschmilzt nun angesichts der Energiekrise mit dem Kampf der Linken gegen das, was man in diesen Kreisen als Konsumismus bezeichnet. Für diese Fraktion unserer Gesellschaft ist die Stunde gekommen, die letzten Pfeiler der bürgerlichen Wohlstandsgesellschaft zum Einsturz zu bringen.
Etwas milder im Ton, aber dennoch agenda-kompatibel, äußerte sich Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder zur Energienotlage und empfahl den Bürgern den verstärkten Umstieg auf die Deutsche Bahn.
https://www.deutschlandfunk.de/bundesverkehrsminister-schnieder-raet-zum-umstieg-auf-das-deutschlandticket-100.html#:~:text=Deutschlandradio%20©%202026%20*%20Partner.%20*%20ARD%7C�
Man kann es geradezu ertasten, wie sehnsüchtig große Teile der Politik auf den Moment gewartet haben, der individuellen Souveränität den Kampf anzusagen, um kollektivistische Lösungen an die Stelle des zivilisatorischen Fortschritts zu rücken, das Homeoffice und die individuelle Isolation wieder auf den Tisch zu bringen. Individuelle Mobilität ist bekanntlich der Todfeind der Ökosozialisten. Und der typische Berliner Zentralplaner wie auch der CDU-Verkehrsminister dürfte ein Gefühl der Befriedigung empfinden, eine wachsende Zahl der Bürger im Verspätungselend der Bahn gefangen zu wissen, während deren Automobile in der Garage verstauben, aber dennoch die satte Kfz-Steuer abwerfen.
Es ist bemerkenswert, dass ausgerechnet diejenigen sich nun zur Rettung berufen fühlen, die das Desaster mit ihrer grotesken Energiepolitik zu verantworten haben. Mit kognitiver Dissonanz allein lässt sich dieses Phänomen nicht mehr beschreiben. Hier liegt Cäsarenwahn von Provinzpolitikern vor, die in manchem Falle auf ein neronisches Gleis abgebogen zu sein scheinen, als sie die Sprengung der AKW-Kühltürme feierten und den wichtigsten Energielieferanten des Landes, Russland, mit neuen Sanktionen im Quartalsrhythmus von sich stießen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich zu einem energiepolitischen Desaster mit schwerwiegenden ökonomischen Folgen kommen kann, ist zu hoch, um ignoriert zu werden. Gelingt die kurzfristige Öffnung der Straße von Hormuz, an der sich die Europäer bislang stur weigern, mitzuwirken, kämen wir möglicherweise mit einem blauen Auge und einem höheren Preisplateau bei den Energiekosten davon. Es ist unvermeidlich, dass diese Preissteigerung sich durch die ökonomischen Wertschöpfungsketten bis in die Endverbraucherpreise hineinbewegt und der Gesellschaft so einen weiteren Armutsschub versetzt. Aber es wäre noch nicht das Ende der Welt. Die tatsächliche Gefahr ist systemisch. Sie liegt im Energiemarktdesign verborgen und kann uns zu jeder Zeit mit verheerenden Folgen treffen.
Der tagelange Stromausfall auf der iberischen Halbinsel im vergangenen Jahr hat die Fragilität des europäischen Stromnetzes offengelegt. Das geschieht, wenn man im ideologischen Furor grundlastfähige Energien zurückfährt und den Ausbau der erneuerbaren Flatterenergie priorisiert. Hinzu kommt, dass sich die Europäer weigern, ihre gigantischen Gasreserven zu fördern und die Kohleverstromung wieder in ihr Energiekonzept zu integrieren. Offenkundig sitzt die Degrowth-Fraktion um Politiker wie Friedrich Merz, Ursula von der Leyen und Emmanuel Macron in Europa noch immer fest im Sattel. Dass auch die Rückkehr an den Verhandlungstisch mit Russland kategorisch ausgeschlossen bleibt, bestätigt diesen Verdacht.


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