Die Zinsen von Staatsanleihen steigen seit einigen Jahren kontinuierlich an. Dennoch hatte Deutschland bislang nur selten Probleme bei der Platzierung neuer Anleihen. Die Krise in der Straße von Hormus, die zu einer gescheiterten Anleiheauktion führte, deutet darauf hin, dass sich das ändern könnte.
IMAGO / IPON
Der Anleihenmarkt gilt als das Gehirn der Finanzmärkte. In diesem Marktsegment findet sich weniger spekulatives als vielmehr langfristig orientiertes Kapital. Banken, Versicherungen und große Kapitalsammelstellen suchen hier vermeintliche Sicherheit und blicken weniger auf kurzfristige Renditeerwartungen.
Die Bundesrepublik gilt in diesem Fundament des globalen Kapitalmarktes als Kreditanker der Europäischen Union und als Gravitationszentrum des Eurozonensystems. Mit einer offiziellen Staatsverschuldung von etwa 63 Prozent steht Deutschland im internationalen Vergleich noch verhältnismäßig solide da. Nachbar Frankreich hingegen kommt auf rund 115 Prozent. Die zweite Säule der Europäischen Union sorgt daher für deutlich mehr Sorgenfalten.
Was war geschehen? Gut möglich, dass Investoren tendenziell Abstand von einem größeren Engagement nahmen, nachdem die Bundesregierung am Tag der Auktion die Freigabe eines Teils ihrer Ölreserve verkündet hatte. Dieser politische Schritt lässt sich durchaus als Eingeständnis einer energiepolitischen Zwangslage interpretieren. Rechnen Investoren womöglich bereits damit, dass Deutschland in einen Energieschock hineinläuft?
Vielleicht war gerade dieses eindrückliche Beispiel eines der bekanntesten deutschen Unternehmen nötig, um den Schleier der Illusion eines Industrie-Comebacks zu zerteilen. Global steigen die Zinsen für Staatsanleihen seit drei Jahren. Die Aufmerksamkeit der Investoren richtet sich zunehmend auf die Überschuldung der Staaten – ein Trend, der sich in einem generellen Abverkauf langlaufender Anleihen widerspiegelt.
Die Hormus-Krise scheint aus der Sicht Deutschlands die Stunde der Wahrheit zu sein. In dem Moment, in dem es der Politik nicht mehr gelingt, das Scheitern der Energiewende – die einherging mit dem Versuch, eine grüne Kunstökonomie aufzubauen – wortreich zu übermalen, wird auch die relative Position Deutschlands am Anleihenmarkt verschoben. In die Bewertung der Investoren fließt nicht nur der aktuelle Schuldenstand des Staates ein. Wichtig ist vor allem, ob die zugrunde liegende Ökonomie den Schuldendienst über längere Zeit aufrechterhalten kann – ohne dass geopolitische Schocks irreversible Schäden verursachen.
Die Lieferengpässe, gerade im Bereich des Flüssiggases, haben die Aufmerksamkeit der globalen Märkte auf die Vulnerabilität der deutschen Industrie gelenkt. Es ist erstaunlich, dass die Erosion der deutschen Industrieproduktion, die bereits 2018 sichtbar eingesetzt hatte, bislang mit dem lapidaren Hinweis zerstreut werden konnte, Deutschland habe sich stets durch jede Krise kämpfen können und sei gestärkt hervorgegangen.
Bereitet sich Italien möglicherweise auf einen Zerfall der Eurozone vor? Ganz gleich, wie die gegenwärtige Krise auf nationalstaatlicher Ebene fiskalisch und energiepolitisch gehandhabt wird, in Brüssel drängt man auf die Finanzierung der Europäischen Union über die Ausgabe gemeinsamer Anleihen, sogenannter Euro-Bonds. Ganz offensichtlich hat man in Europa schon längst das Handtuch geworfen, wenn es um die Konsolidierung der Staatsfinanzen geht, also die Korrektur des zu groß gewachsenen Wohlfahrtswesens, das dringend an die gegebenen ökonomischen Umstände angepasst werden müsste.
Die Politik der offenen Grenzen, die dieses fiskalische Desaster massiv verschärft hat, wird bislang genauso beibehalten wie der ökonomisch zerstörerische Kurs der grünen Transformation. Dass EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in dieser Woche kleinmütig den strategischen Fehler Deutschlands, aus der Kernenergie auszusteigen, zugab, ändert nichts am generellen Befund. Die EU ist ideologisch und machtpolitisch nicht reformierbar.





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Und der Franken wird immer stärker. Der Euro ist nur noch 90 Rappen wert. Ein klares Anzeichen dafür, dass der Euro zu einer Weichwährung wird. Der Zerfall des Euro ist nicht mehr aufzuhalten und das ist gut so.
Stimmt, von über 1,50 CHF (2001) fiel der Euro auf ein Rekordtief unter 0,90 CHF Ende 2025.
Der Anleihemarkt existiert nur noch institutionell oder wie viele Anleihen haben Sie in Ihrem Depot, Herr Kolbe? Aber auch für institutionelle Anleger (Versicherungen, Pensionskassen etc.) werden sich die gesetzlichen Regelungen verändern, wenn man keine Kapital- & Stammsitzflucht riskieren will. Es wird bald keinen Grund mehr geben, überteuerte Schrott-Staatsanleihen zu kaufen.
Da muß man fast schon schmunzeln, wenn man dann an die 90 Milliarden-Erpressung durch unseren Freund und Finanzjongleur Selensky denkt. Unmißverständlich hat er gefordert, das Geld muß her. Die Frage wird sein, wer sich das antut?
Was sind schon 90 Milliarden. Die EZB wird das aus der Portokasse finanzieren, sozusagen als kleinen Vorschuss für ein zukünftiges EU und Euro-Zonen-Mitglied.
Das ist doch ein Kredit. Die UKR wird das doch alles brav zurückzahlen,etliche Bargeld- und Goldreserven wurden deshalb u.a. aus Österreich in Sicherheit gebracht 🤣🤣🤣