ZDF-Mitarbeiter attackieren Kollegen – statt sich über den KI-Skandal zu empören

Das ZDF kommt nach der Affäre um KI-Bilder im Heute-Journal nicht zur Ruhe. Im Intranet des Senders stellen sich mehrere hundert Mitarbeiter gegen den unbekannten Informanten, der Aufnahmen einer internen Krisensitzung nach außen durchsickern ließ.

dts

Im ZDF sorgt die Affäre um das KI-generierte Video im „Heute-Journal“ weiterhin für Unruhe. Doch der Zorn vieler Mitarbeiter richtet sich offenbar weniger gegen den journalistischen Skandal selbst – sondern gegen den anonymen Kollegen, der offenbar eine interne Krisensitzung mitgeschnitten und weitergegeben hat.

Mehrere hundert Beschäftigte stellten sich im Intranet des Senders demonstrativ gegen den bislang unbekannten Informanten. Der Personalrat Hubert Krech wandte sich dort mit einem scharfen Kommentar an den Whistleblower. „Du hältst Dich für einen Helden, weil Du es dem ZDF und den Chefs mal ‚so richtig gezeigt hast‘? Hast Du das wirklich?“, schrieb Krech. Fast 600 Mitarbeiter versahen den Beitrag mit einem „Like“ – ein Wert, der im Intranet des Senders als Rekord gilt.

Auslöser der Empörung sind Leaks einer außerordentlichen Online-Betriebsversammlung, an der 1150 Mitarbeiter teilnahmen (TE berichtete).

Die geleakten Aufnahmen zeigten ein Bild, das weit über die offiziellen Stellungnahmen hinausging. ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten räumte in der Sitzung ein, was der Sender zunächst verschwiegen hatte: Das KI-Video wurde „wissentlich“ eingebaut. Nicola Albrecht habe gewusst, dass es sich um KI-Material handelte, und sich gedacht: „Ach, das geht ja, wenn ich es kennzeichne.“

Nur dass New-York-Korrespondentin es dann eben nicht kennzeichnete. Albrecht wurde inzwischen wegen „schwerer Verstöße gegen ZDF-Richtlinien und journalistische Standards“ mit sofortiger Wirkung abberufen.

Bemerkenswert: Schausten räumte ein, dass man der Öffentlichkeit nach dem Vorfall „nicht die Wahrheit gesagt“ habe. Die Tragweite sei intern zu spät erkannt worden.

Noch brisanter war jedoch, was der zugeschaltete US-Korrespondent Elmar Theveßen aus Washington sagte. Er verteidigte den Beitrag mit den Worten: „Kein einziges Wort an den Beiträgen von Nicola war falsch.“ Die Realität werde korrekt abgebildet. Schausten selbst musste einwenden: „Nur, dass eben dann auch die Realität abgebildet werden muss und nicht die Realität, wie sie sein könnte, durch KI.“ Dieser Satz fasst den gesamten Skandal beim ZDF treffend zusammen.

Für Schausten war jedoch etwas anderes mindestens ebenso besorgniserregend wie der Skandal selbst: die Tatsache, dass Informationen nach außen drangen. „Gewisse Plattformen“ würden „infam und böswillig“ über den Fall berichten, klagte sie. Und drohte: „Wenn das so weitergeht, dann können wir solche Veranstaltungen wie die hier nicht mehr machen.“

In seinem aktuellen Kommentar schreibt Krech: „Zumindest hast Du Leute mit Infos gefüttert, die nur ein Ziel haben: ARD und ZDF zu schaden. Gleichzeitig hast Du Tausenden von Kolleginnen und Kollegen ins Gesicht gespuckt. Kollegen, die vielleicht seit Jahren oder Jahrzehnten neben Dir sitzen, mit Dir arbeiten und lachen und weinen und Frust schieben und sich freuen. Vor allem hast Du Kolleginnen und Kollegen, die sich in der OpenCR gemeldet haben, Portalen preisgegeben, die einen Krieg gegen uns führen.“

Und weiter: „Ich glaube, Du bist für diejenigen, die uns zerstören wollen, nur ein ‚nützlicher Idiot‘. Du wirst benutzt, um uns zu schaden.“

Die Leaks und die Reaktionen darauf zeigen: Der interne Konsens beim ZDF bröckelt immer weiter.


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Kommentare ( 2 )

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Bernd Bueter
3 Stunden her

Kann weg, muß weg, kommt weg: ÖRR *Bereits am 20.08.1983!! erschien in der HAZ ein Artikel zum Saustall GEZ mit genau den Mißständen, die bis heute in dieser GEZ Mafia Alltag sind:* *„Pflichtverletzung“ von Hans-Peter Sattler.* „Die Landesrechnungshöfe haben schwarz auf weiß belegt, was bisher nur zu vermuten war: Der Norddeutsche Rundfunk ist eine Art Selbstbedienungsladen, der kaum einen Wunsch seines Personals unerwünscht lässt. Auf Kosten der Allgemeinheit und ohne erkennbaren Widerstand der Aufsichtsorgane *..ist ein engmaschiges Netz sozialer Überversorgung und Absicherung geknüpft worden….* Der Prüfungsbericht …ist eine Skandal-Chronik, die jeder Beschreibung spottet. …Frührentner ohne trifftigen Grund.. …zur dicken Pension… Mehr

ceterum censeo
3 Stunden her

Der Informant hat alles richtig gemacht! Die Reaktionen zeigen es!